Interview: Thomas Meier, CEO Glashütte Original, über die Strategie seiner Marke

Glashütte Original setzt auf präzise, leistungsstarke und zuverlässige Uhrwerke

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 30. März 2017

Mit den Baselworld-Neuheiten 2017 baut Glashütte Original sein Produktportfolio weiter aus. Firmenchef Thomas Meier erläutert im Interview mit Rüdiger Bucher, wie seine Strategie für die Marke aussieht und wie Glashütte Original den aktuell schwierigen Zeiten trotzt.

Thomas Meier, CEO von Glashütte Original
Thomas Meier, CEO von Glashütte Original

Herr Meier, wie geht es Glashütte Original? 2016 war für uns ein gutes Jahr: Wir konnten die Ergebnisse von 2015 bestätigen. Auch 2017 fängt vielversprechend an.

Sie haben also nicht, wie viele andere Marken, unter der Krise gelitten? Das Wort Krise nehme ich gar nicht in den Mund. Von Krise reden nur die, die unflexibel sind und keine langfristige Strategie haben. Wir beteiligen uns nicht an einem Hoch- und Heruntersetzen von Preisen, und wir müssen auch nicht besonders preiswerte neue Einstiegsmodelle kreieren. Wir haben unsere langfristige Strategie.

Worauf beruht diese? Mit unserem Automatikkaliber 36 haben wir die Basis gelegt für die nächsten Jahre: 100 Stunden Gangreserve, Siliziumspirale, aufwendiger 24-Tage-Test innerhalb unserer Endkontrolle. Ich selbst unterschreibe jedes Zertifikat, das jede Senator Excellence begleitet, die unsere strengen Qualitätsprüfungen bestanden hat. Jeder Besitzer kann die detaillierten Testergebnisse seiner Uhr über ein exklusives Besitzer-Portal innerhalb unserer Website abrufen. Darauf aufzubauen wird für uns richtungweisend sein in den nächsten Jahren. 2016 haben wir die Senator Excellence als Dreizeigeruhr mit Kaliber 36 vorgestellt, im Herbst folgten, darauf aufbauend, Erweiterungen mit Panoramadatum sowie mit Panoramadatum mit Mondphase. 2017 kommt jetzt der ewige Kalender. In dieser Richtung werden wir weitermachen.

Das zweite wichtige neue Werk der letzten Jahre war das Chronographenkaliber 37. Unser voll integriertes, kompaktes und wenig störanfälliges Chronographenwerk, mit Säulenradsteuerung und 70 Stunden Gangreserve. Das haben wir 2014 gebracht, zunächst in einem Platin- und einem Rotgoldgehäuse. Jetzt folgt der Chronograph in Stahl: Mit dem schwarzen Zifferblatt und den blauen Indexen aus Superluminova sieht er sehr schick aus. Dazu ist er 10 Bar wasserdicht und es stehen drei verschiedene Bänder zur Auswahl: Kautschuk, Stahl und Leder – Letzteres mit blauen Nähten, die die Farbe des Superluminovas aufnehmen – das kommt sehr gut an.

Glashütte Original: Senator Chronograph Panoramadatum
Glashütte Original: Senator Chronograph Panoramadatum

A propos Superluminova: Zurzeit sieht man immer mehr Farbe bei den Uhren, unter anderem durch farbige Leuchtmasse. Ist Emotion wichtig für hochwertige Uhren? Das Produkt sollte natürlich Emotion bieten und Begehrlichkeiten wecken – durch Form, Farbe und Stil. Wir laden unsere Produkte aber nicht mit externen Emotionen künstlich auf, mit Aktionen oder Aktivitäten, die nicht zu uns passen. Wir arbeiten auch nicht wie viele Mitbewerber mit Markenbotschaftern. Wir legen Wert auf unsere Uhrmacherkunst. Bei uns spricht das Produkt für sich selbst. Das beginnt bei unserem klaren Design und geht bis zur hohen Qualität des Werkes. Daran arbeiten wir ständig. Wir bauen in erster Linie auf Qualität. Und wir nehmen für uns in Anspruch, im Bereich deutsche Uhrmacherkunst das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Bei uns bekommen Sie ein tolles Werk, nach Glashütter Art veredelt, mit anglierten Kanten und Streifenschliff. Bei den neuen Kalibern 36 und 37 regeln wir die Ganggenauigkeit sehr präzise durch Schrauben an der Unruh. Die Siliziumspirale verhindert störende magnetische Einflüsse.

Reicht das Setzen auf uhrmacherische Qualität auch aus, um Ihre Produkte der jüngeren Generation zu vermitteln? Ja und nein. Ja, weil die Liebe zu den Uhren durch die Eltern übertragen werden kann. Auf der anderen Seite sprechen wir junge Leute auch über unser spezielles Design an. Ich denke etwa an die diesjährige Berlinale, auf der wir die Sonderserie Sixties Iconic Square präsentiert haben: je 25 Modelle mit fünf verschiedenfarbigen Zifferblättern, in unserer eigenen Zifferblattmanufaktur mehrschichtig lackiert. Ich war sehr erstaunt zu sehen, wie junge Männer und zum Teil sogar Jugendliche an diesen Uhren interessiert waren – durch die Farben und auch durch die kissenförmige Gestaltung. Das Interesse der Jungen kommt entweder über das originelle Design oder über die anspruchsvolle Technik – meist ist es die Kombination aus beidem.

Sie haben ein großes Portfolio aus eigenen Werken. Gibt es noch Lücken, die Sie schließen wollen? Da fällt mir im Moment nichts ein. Neben unserem bereits erwähnten Chronographen mit Kaliber 37 haben wir einen Schleppzeigerchronographen entwickelt, wir haben verschiedene Modelle mit Fliegendem Tourbillon in unserer aktuellen Kollektion, dazu Komplikationen wie den Ewigen Kalender oder den Senator Terminkalender.

Wäre eine Minutenrepetition ein Thema für Sie? Im Moment weniger.

Weniger von der Technik her oder weniger vom Markt her? Beides ist nicht der Grund. Ich glaube, unsere technische Kompetenz haben wir in den letzten Jahren ausreichend bewiesen. Dafür brauchen wir keine Minutenrepetition. Wir sind schon sehr weit oben positioniert: Unser Schleppzeigerchronograph ist eine der kompliziertesten Uhren, die man sich vorstellen kann. Dann haben wir die Grande Cosmopolite Tourbillon, mit der man 36 verschiedene Zeitzonen einstellen kann. Sie kostet 325.000 Euro.

Geht es mit der Siliziumtechnik weiter? Technisch wäre es möglich, neben der Siliziumunruh weitere Hemmungsteile aus Silizium zu fertigen, wie das etwa unsere Schwestermarke Breguet tut. Wir sind offen dafür, es ist aber momentan nicht im Fokus. Ich denke, mit der Siliziumspirale haben wir den größten Meilenstein geschafft. Sie läuft sehr gut, ich habe sie selbst getestet. Sie bringt sensationelle Gangergebnisse. Wir sprechen vom plus/minus einer Sekunde Abweichung auf 24 Stunden, aber meine Testuhr ging nach einer Woche noch sekundengenau. buc

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