Leidenschaft: Uhren-Ikonen

Sammler von Klassikern
Diese Omega Speedmaster Professional 1967 kostete 1999 circa 900 Euro

Diese Omega Speedmaster Professional 1967 kostete 1999 circa 900 Euro

Soweit ich zurückdenken kann, habe ich mich für Uhren interessiert. Da ich in den 1980er Jahren aufgewachsen bin, spielten mechanische Uhren in meiner Kindheit praktisch keine Rolle und ich wusste nicht einmal, dass es so etwas gibt. Ich wuchs mit Casio auf und später mit Swatch. Ich habe immer noch diese erste Casio, die mir meine Eltern während eines Urlaubs in Großbritannien gekauft haben.

Erst in den späten 1990er Jahren begann ich mich für mechanische Uhren zu interessieren. Das hatte wohl auch mit den Preisschildern dieser Uhren zu tun, obwohl eine schöne klassische mechanische Uhr von Omega damals gar nicht unbedingt so teuer sein musste.

Blut geleckt habe ich erst so richtig als ich diese antike Omega Speedmaster Professional im Schaufenster eines Geschäfts für gebrauchte Uhren in Den Haag gesehen habe. Ich wusste damals nicht viel über ihre Geschichte, außer dass es sich um die sogenannte “Moonwatch” handelte. Nach ein paar Tagen Recherche im Internet (das war 1999, daher waren die Quellen noch etwas beschränkt) beschloss ich, dass ich diese Uhr haben musste. Da ich damals Student war, kostete mich die Finanzierung viel Mühe und ich erinnere mich, dass ich nach dem Kauf lange von Brot und Wasser lebte. Aber ich war glücklich!

Diese Speedmaster habe ich immer noch und es wird wahrscheinlich die letzte Uhr sein, die jemals meine Sammlung verlassen wird. Es ist eine Speedmaster Professional Moonwatch von 1967 mit dem Kaliber 321 und einer Schaltrad-Chronographensteuerung. Über die Jahre habe ich sie Stück für Stück restauriert und es ist eine schöne vollständige Moonwatch, die ich heute bei einem besonderen Anlass trage.

Auf diese Speedmaster folgten noch zahlreiche weitere Speedmaster. Einige, um sie zu behalten, andere um damit andere Uhren einzutauschen.

Über die Jahre begann ich, an klassischen Uhren Geschmack zu finden. Uhren wie die Patek Philippe Nautilus, Audemars Piguet Royal Oak, IWC Ingenieur, Rolex Submariner, Breitling Navitimer und so weiter. Uhren, die für die Uhrenindustrie von Bedeutung waren oder immer noch sind.

Ich sammle Uhren-Ikonen

Während andere Leute Pilotenuhren, Taucheruhren, Uhren von unabhängigen Uhrmachern oder ausschließlich Uhren einer bestimmten Marke sammeln und kaufen, bevorzuge ich beim Kauf klassische Zeitmesser, die mir gefallen und die sich für den Alltagsgebrauch eignen. Ich kann mir keine Uhren leisten, die im Tresor ihr Dasein fristen.

Die Audemars Piguet Royal Oak 15202ST von 2006 habe ich 2009 für 7.500 Euro gekauft

Die Audemars Piguet Royal Oak 15202ST von 2006 habe ich 2009 für 7.500 Euro gekauft

Eines meiner Lieblingsmodelle in meiner gegenwärtigen Uhrensammlung ist die Audemars Piguet Royal Oak. Ich liebe dieses Modell seit der Minute, als in den 1990er Jahren mein Blick darauf fiel. Aber lange Zeit war die Uhr für mich finanziell unerreichbar. Als ich meine erste Royal Oak kaufte, war ich ungeheuer aufgeregt. Es war dasselbe Gefühl wie beim Kauf jener ersten Speedmaster.

Ich trage meine Royal Oak ‘Jumbo’ Ref. 15202 (2006) sehr oft, denn es ist eine sehr flache und bequeme Uhr. Es ist das Modell aus der AP Kollektion, das der ersten Royal Oak von 1972 sehr nahe kommt. Audemars Piguet hat eine ganz neue Version dieser Uhr, die dem Original dank des Zifferblattes noch näher kommt, gerade im Januar in Genf vorgestellt. Das Werk AP Kaliber 2121 im Inneren ist besonders interessant, es basiert auf dem Jaeger-LeCoultre-Werk Kaliber 920 (das JLC nie einsetzte) und es ist einschließlich des Rotors nur 3,05 Millimeter hoch. In den 1970er Jahren wurde dieses Werk auch in anderen Uhren verwendet. Patek Philippe benutzte es in den frühen Nautilus Ref. 3700/1 Modellen und Vacheron Constantin in ihren ’222′ (jetzt Overseas) Modellen. Audemars Piguet ist der einzige Hersteller, der dieses Werk heute immer noch verwendet, in der Royal Oak 15202 ‘Extra-Thin’.

Das wunderbare handgefertigte Zifferblatt mit seinem “Clous de Paris” (Hufnagelmuster), die Verbindung von sorgfältig gebürsteten und polierten Oberflächen auf Gehäuse und Armband, das sehr flache Automatik-Werk mit schön graviertem Rotor und die Tatsache, dass es sich um eine Monocoque-Gehäusekonstruktion handelt, das alles macht diese Uhr zu einem wahren Kultgegenstand.

In all diesen Jahren habe ich gelernt, dass nicht alle denselben Geschmack haben (glücklicherweise) und obwohl die Royal Oak als Klassiker gilt, gibt es nur wenige Leute, denen das stählerne Basismodell Royal Oak 15202 ‘Jumbo’ (oder ‘Extra-Thin’ wie AP es jetzt nennt) gefällt. Es ist eine Uhr, die man auf den ersten Blick liebt oder hasst. Manche der Leute, die zu der Hass-Gruppe gehören, lernen sie zu mögen und zu schätzen nachdem sie sich etwas länger mit Uhrensammeln beschäftigt haben.

Die Einführung der neuen Royal Oak 15202 ‘Extra-Thin’ und die Royal Oak Ausstellungen, die Audemars Piguet zum 40. Geburtstag dieses Modells veranstaltete, haben dazu beigetragen, diese besondere Uhr wieder ins Rampenlicht zu rücken. Nicht nur die Preise der neuen Modelle haben einen Sprung nach oben gemacht, es wurde damit auch ein ausgezeichneter Anreiz für eine Wertsteigerung aller vorangegangenen Modelle gegeben. Ich betrachte Uhren nicht als eine Vermögensanlage, aber es ist gut zu wissen, dass man mit einer Uhr keinen Verlust macht, wenn der Tag kommt, an dem man sie verkaufen will (oder muss).

 

Robert-Jan Broer, Jahrgang 1977, lebt in den Niederlanden. Seine Leidenschaft sind Uhren. Er ist Autor bei verschiedenen Uhrenzeitschriften, bei AskMen.com und betreibt seit 2004 den Blog Fratellowatches.com. Seit März 2012 ist Robert-Jan Broer Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Chronolytics.




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Kommentare

  1. Ingo Haupt sagt:

    Ich endeckte meine Leidenschaft für diese besondere Uhr 1999 genau zum Zeitpunkt der 30th Anniversary Apollo 11 Edition, leider war diese sehr schnell ausverkauft und ich hatte mir zwei Jahre zuvor von meinem ersten Co Piloten Gehalt eine Sinn 103 Stahl/Saphir zugelegt. Zu meinem 40igsten Geburtstag schenkte mir meine Frau die damalige Sonderserie Omega Speedmaster 1957 Reblika, wir waren beide mit der Wahl nicht richtig glücklich, weil diese im Vergleich zur “Speedy” weder “Fisch noch Fleisch” war. Nach vier Jahren verkaufte ich diese in fast neuwertigem Zustand an einen Sammler. So kam der Tag an dem ich Weihnachten 2006 meine erste “richtige Speedmaster” hatte. Es war einfach wunderbar jeden Morgen beim Aufziehen an die glücklichen Tage meiner Kindheit erinnert zu werden, denn das großartigste Ergeignis, die Landung von Neil A. Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond, vergesse ich nie mehr. Ich saß damals abends die halbe Nacht auf der Terrasse um den Mond zu sehen und mir vorzustellen wie es wohl andersrum aussehen würde…….! Aber ein Datum stand noch aus, 2009 die 40th Anniversary Edition, mir war klar das sobald diese erschien muss die Speedy “gehen”. Leider machte mir Anfang 2009 meine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung, ich konnte nach einer schweren OP meinen Beruf als Pilot nicht mehr ausüben und so kam der Tag an dem ich die 40th Anni zum ersten Mal beim Konzi sah, ich hatte mich vorher schon auf der Omega Homepage in diese Uhr verliebt, aber als ich sie so in dem Glanz der Schaufensterbeleuchtung sah, war es um mich geschehen. Von diesem Tag an konnte ich beim Shoppen an keinem Schaufenster vorbeigehen ohne diese Uhr einen Moment zu bewundern. Es dauerte ein halbes Jahr und meine Frau hatte die Nase gestrichen voll mit mir einkaufen zu fahren. Mit den Worten “Schatz tu mir einen Gefallen und verkaufe Deine, egal was sie Dir bringt ich lege den Rest dazu”……! Im November 2009 hatte ich meine “Göttin” . Wie es mit allen Dingen ist die man sich so sehr gewünscht hat, lief mit der Uhr so alles quer was man sich als Uhrenliebhaber nur vorstellen kann. Aber das ist so lang und unglaublich daher komme ich zum Ende. Die Uhr lag nur noch in der Holzbox und vor einem Jahr entschied ich mich sie auf “Chrono24″ anzubieten und von dem Erlös meiner Frau einen Urlaub zu spendieren. Ich hatte nur Anfragen aus England und dorthin eine Uhr zu verkaufen ist immer mit Problemen verbunden. Letzten Sonntag las ich sehr betroffen in der Welt das Neil A. Armstrong einen Tag vorher gestorben war, hat er doch meiner Generation Träume geschenkt….ich blickte vom Sofa auf und sah meine Speedmaster Apollo 11 40th Anniversary im Schrank, so lange nicht mehr getragen, so sehnlichst gewünscht und fast schon vergessen…….! Wenn nicht an diesem traurigen Sonntag, wann wäre dann der Zeitpunkt sich von der Uhr zu trennen oder sie endlich einfach nur zu tragen. Jetzt wo die Preise trauriger Weise steigen und ich plötzlich Anfragen aus Deutschland für dieses besondere Exemplar SN 2416 (Apollo 11, Mission Start 16th July back on Earth 24th July 1969) bekomme, weiß ich dass sie keiner mehr von mir kaufen kann, es ist meine ganz besondere Speedy und ich trage sie mit Stolz zu Ehren eines sehr bescheidenen Mannes, der von seinem Fußabdruck auf dem Mond sagte “ich hoffe dass eines Tages jemand kommt und diese wegwischt” ………Die Erinnerung aber kann niemand verwischen und wie früher habe ich wieder das glückliche Gefühl etwas Besonderes jeden Morgen aufzuziehen………!!!

  2. Ingo Haupt sagt:

    Ich möchte nicht falsch verstanden werden, die Uhr ist für mich durch den Umstand nicht wertvoller geworden, ich kann auch keine Trauer für einen Menschen ausdrücken den ich nicht kannte.
    Es ist das Ereignis, dass mich als Kind so faszinierte und später als Pilot, die Leistung des Testpiloten Neil Armstrong, die einzig richtige Enscheidung, die Landeautomatik auszuschalten und in dem Wissen eine mögliche Rückkehr unmöglich zu machen mit dem letzten Tropfen Raketentreibstoff das Landemodul sicher zum Landepunkt zu steuern. Die Bescheidenheit des Menschen Neil Armstrong, darüber das Apollo 11 dank ihm keine weitere Katastrophe der NASA wurde, nie ein Aufheben zu machen.
    All diesen Dingen kann ich nur meine tiefste Bewunderung ausdrücken und somit ist meine “langersehnte” Omega 40th Anniversary wieder das geworden was sie immer sein sollte, die Erinnerung an das vielleicht größte Ereigniss der Menscheit und ein Teil glücklicher Vergangenheit eines kleinen Jungen mit großen Träumen …….!

  3. Ingo Haupt sagt:

    Wer hier Rechtschreibfehler findet und es gibt außer dem (Ereignis)s noch mehr, darf sie behalten.
    Zum Thema “Uhren sammeln” kann ich nur beitragen dass ich außer der Omega noch stolzer Besitzer einer Fortis B 42 Chronograph Alarm Chronometer C.O.S.C. 17/100 bin, vielleicht findet sich über diesen Blog noch der eine oder andere Besitzer dieser seltenen Fortis Edition.
    In meiner Sammlung befanden sich eine Fortis Automatik, die Sinn 103 Stahl/Saphir, die beiden im ersten Beitrag genannten Omega Speedmaster Editionen, sowie eine Aristo ME 262 Schwarze X .
    Den Verkauf der Sinn, die mich so viele Flugstunden begleitet hatte, bereue ich noch heute !
    Ich möchte mit den Worten “ein schönes Wochenende allen Uhren Liebhabern” meinen Beitrag hier abschließen .

  4. Thomas Reinert sagt:

    Eine schöne Uhr!
    Sah sie das erste Mal 1967 in Düsseldorf in einem Schaufenster beim Einkaufen mit meiner Mutter, von da an hat mich diese Uhr nicht mehr losgelassen. 1985 war es dann soweit, mit stolzer Brust und Jeans zu Wempe, DM 1350,- auf den Tresen gelegt und nur auf die Uhr gezeigt! Ein toller Moment!
    EIne Generalüberholung hat sie hinter sich, 1996, dann ist einmal die Aufzugsfeder gerissen, ansonsten funtkioniert sie perfekt! Sie ist die genaueset Uhr, die ich besitze. Ein Kauf für’s Leben!

  5. Will auch Uhren sammeln: Habe eine “Fortis Space Edition-Station ISS” , die auf 999 Exemplare limitiert ist. Außerdem eine “Ultimor Chronographe Swisse” – 17 Jewels im Goldgehäuse, der Boden ist wohl Messing (???), die müsste so mind. 60 Jahre alt sein. Sie ist zum Aufziehen, gut erhalten und geht auch noch! Wer kann mir dazu Näheres sagen und evtl. was für einen Wert die haben könnten.
    Danke im Voraus!
    M.W.

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