Chopard und Fleurier Ebauches: Beginn einer neuen Kaliber-Epoche

Hintergründe zur Uhrenlinie Classic Racing Superfast
Das Chopard-Kaliber 01.01-M treibt die Classic Racing Superfast Automatic an.

Das Chopard-Kaliber 01.01-M treibt die Classic Racing Superfast Automatic an.

Superfast“ heißt sie, die brandneue Uhrenlinie von Chopard. Den kurvigen Weg dorthin konnte Karl-Friedrich Scheufele freilich nur mit eher moderater Geschwindigkeit zurücklegen. „Auch im Nachhinein will mir mitunter nicht in den Kopf, warum manche Dinge so lange dauern können und Verspätungen an der Tagesordnung sind.“ bekannte der auto- und tempoversessene Co-Präsident des Genfer Familienunternehmens beim Lancement der sportiven Zeitmesser am spanischen Ascari-Circuit.

Andererseits hat er sich das entschleunigte Prozedere irgendwie auch selbst zuzuschreiben, denn der ambitionierte Herr über die Chopard Uhren und der dahinter stehenden Manufaktur im abgeschiedenen Fleurier ist unverbesserlicher Perfektionist. „Das liegt klar an meinen deutschen Wurzeln und der grundsätzlichen Einstellung meiner Familie, die zweifelhafte Kompromisse entschieden ablehnt.“ Wie dem auch sei: Nach vier Jahren ist es nun definitiv geschafft, kann und darf die innen und nun auch außen fertiggestellte Werkefabrik mit Namen Fleurier Ebauches endlich zeigen, wozu sie imstande ist. Wer sucht, findet sie gegenüber der seit 1996 im ehemaligen FEF-Gebäude (Fabrique d’Ebauches de Fleurier) untergebrachten Chopard Manufacture.

Die neue Classic Racing Superfast Automatic von Chopard.

Die neue Classic Racing Superfast Automatic von Chopard.

Fabrik für bis zu 20.000 Werke pro Jahr

Auf die Frage, warum Chopard sich gleich zwei Kaliber-Standbeine mit jeweils eigener Infrastruktur leistet, hat Karl-Friedrich Scheufele eine logische Antwort parat: „Als uns die Swatch Group 2002 unmissverständlich wissen ließ, dass sie sich schrittweise aus der Lieferung von Werkekits und fertigen Eta-Kalibern zurückziehen werde, mussten wir handeln.“ L.U.C-Uhren spielen bekanntlich in der obersten und damit einer anderen Liga als das Breitengeschäft. Wie der Zufall so will, stand 2008 in Fleurier das verwaiste Fabrikgebäude des Maschinenbauers Tornos zum Verkauf. „5.100 Quadratmeter Nutzfläche passten in unser Konzept einer Werkefabrik mit einer Kapazität von bis zu 20.000 Exemplaren jährlich.“ Nun, nach aufwändiger millionenschwerer Sanierung erstrahlt der langgestreckte Komplex in neuem Glanz optimaler Technik und energetischer Effizienz. „Unser Anliegen war das Erreichen des Schweizer Minergie-Standards. Und das ist ebenso gelungen wie ein bestmöglicher Gewässerschutz.“

In der Variante 01.02-M bietet das Superfast-Kaliber eine Gangreserve-Anzeige.

In der Variante 01.02-M bietet das Superfast-Kaliber eine Gangreserve-Anzeige.

Der Maschinenpark und die Ateliers repräsentieren den neuesten Stand der Technik. Alles ist darauf ausgelegt, qualitätsvolle Uhrwerke von den Platinen bis hin zu den Stahlteilen unter dem eigenen Dach produzieren, montieren und regulieren zu können.

Besonders stolz ist Karl-Friedrich Scheufele auf zwei hochpräzise vertikale Bearbeitungszentren von Mori Seiki. Chopard gehört zu den ganz wenigen Schweizer Uhrenfabrikanten, die mit ihrer Hilfe bis zu einem Zehntelmillimeter Durchmesser fräsen können. Feiner geht es derzeit kaum. Außerdem braucht das was hier entsteht, keinerlei Nacharbeit mehr.

Hightech und menschliche Präzision

Ungeachtet aller Präzisionsfertigung checkt ein Multisensor-Koordinatenmesssystem alles penibel nach statistischen Vorgaben. Maschinen zum vollautomatischen Setzen der Steine oder Einpressen von Stellstiften reduzieren die Fehlerquote auf ein Minimum. Menschlich geht es dann beim Finissieren der Oberflächen zu. Und natürlich beim Montieren der Uhrwerke auf ebenfalls brandneuen Lecureux-Bänken. Automaten bewirken wiederum, dass jedes Lager ein exakt dosiertes Quantum Öl erhält. Bezüglich Unruh und Unruhspirale hat Chopard durch eine strategische Partnerschaft mit der Sandoz-Tochter Atokalpa ebenfalls beizeiten Vorsorge getroffen und kräftig investiert. „Bei Fleurier Ebauches beschäftigen wir gegenwärtig etwa 40 Personen, davon neunzig Prozent operativ, den Rest mit administrativen Aufgaben. Wenn alles wie geplant läuft, werden wir Ende 2012 bereits 6.000 Uhrwerke gefertigt haben.“ Über dem klassischen Automatikwerk rangiert ein Selbstaufzugs-Chronograph. Der Verwendungszweck im Kollektionsspektrum definiert die jeweilige Ausführung und Dekoration. Sehr klassisch präsentiert sich beispielsweise das 28,8 mm große, 4,95 mm hohe 01.04-C mit beidseitig wirkendem Kugellagerrotor für die in Basel vorgestellte „Classic Manufaktur“ mit weißem Porzellanzifferblatt.

 

Das neue automatische Chronographen-Werk 03.05-M von Chopard.

Das neue automatische Chronographen-Werk 03.05-M von Chopard.

Die Kompetenz bleibt bei Chopard

Ganz anders die kürzlich in Anwesenheit von Ex-Rennfahrer Jackie Ickx – einem Freund der Familie – vorgestellte „Superfast“-Variante. Sie steht im Zeichen eines durchbrochenen Engine-Look, welcher den genannten Präzisionsmaschinen zu verdanken ist. Die Automatik mit Zentralsekunde, Fensterdatum und 60 Stunden Gangautonomie heißt 01.01-M. Chronographenfans kommen beim exklusiven, vom Manufakturkaliber 11CF abgeleiteten 03.05-M mit 28,8 Millimetern Durchmesser sowie ebenfalls 60 Stunden Gangautonomie zu ihrem Recht. Die Unruh des Rotorkalibers oszilliert mit vier Hertz. Ergo lässt sich auf die Achtelsekunde genau stoppen. Der Chronograph mit Schaltradsteuerung verfügt über einen 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler sowie die Möglichkeit permanenter Nullstellung (Flyback). Das Fensterdatum findet sich zwischen „4“ und „5“, die kleine Sekunde bei der „6“. Chopard offeriert das Premierenmodell nur mit massivem Goldgehäuse. Und dazu mit amtlichem Chronometerzeugnis. Edlen Stahl wird erst die Baselworld 2013 bringen.

Natürlich haben sich die Leistungsfähigkeit der Fleurier Ebauches und das Spektrum exklusiver Uhrwerke in der Branche längst herumgesprochen. Bei der Frage, ob außenstehende Interessenten in absehbarer Zeit von dieser Kompetenz profitieren können, winkt Karl-Friedrich Scheufele unverzüglich ab. „Alles, was wir derzeit produzieren können, benötigt Chopard ausnahmslos für sich selbst. Und daran wird sich, soweit es sich heute absehen lässt, auch in den kommenden Jahren nichts ändern.“ glb

Den Chronograph der Linie Classic Racing Superfast präsentierte Chopard im Beisein von Jackie Ickx.

Den Chronograph der Linie Classic Racing Superfast präsentierte Chopard im Beisein von Jackie Ickx.




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