Der Wirbelwind

Komplikationen: Das Tourbillon
Der Royal Oak Offshore Selfwinding Tourbillon Chronograph der Manufaktur Audemars Piguet (209.800 Euro)

Der Royal Oak Offshore Selfwinding Tourbillon Chronograph der Manufaktur Audemars Piguet (209.800 Euro)

Perfektion und Präzision sind die Ziele der Uhrmacherei. Seit Jahrhunderten schon versuchen die Kreateure feinster Uhrenmechanik immer noch präzisere Zeitmessinstrumente zu fertigen. Vorreiter bei diesem schwierigen Unterfangen war der Uhrmacher Abraham-Louis Breguet (1747-1823): Um 1800 erfand Breguet das Tourbillon, um die Ganggenauigkeit zu erhöhen – damals noch für Taschenuhren.
Gerade bei der meist in senkrechter Position getragenen Taschenuhr stört die Erdanziehungskraft das Gangverhalten ganz beträchtlich. Und zwar dann, wenn der Schwerpunkt von Unruh und Spirale nicht im Zentrum der Unruhwelle liegt. Breguet brachte also das komplette Schwing- und Hemmungssystem in einem Käfig zusammen, der sich innerhalb einer Minute um die eigene Achse dreht. Dadurch wird die störende Kraft, die die Erdanziehung auf die Unruh ausübt kompensiert. Die Schwerkraft beinflusst nun von allen Seiten gleichzeitig den Schwung von Unruh und Unruhspirale. 1801 erlangte das Tourbillon Patentschutz.

Das Richard Lange Tourbillon "Pour le Mérite" von A. Lange & Söhne (Platin, 175.000 Euro)

Das Richard Lange Tourbillon "Pour le Mérite" von A. Lange & Söhne (Platin, 175.000 Euro)

Obwohl das Tourbillon eigentlich für Taschenuhren erfunden worden war, fand es auch ans Handgelenk. Und so erfreut es sich auch noch heute steter Beliebtheit. Der Tourbillon-Käfig besteht nicht selten aus 60 oder mehr Teilen und wiegt dabei nur ein halbes Gramm. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Montage von mechanischen Teilen dieser Größe und dieses Gewichts viel Fingerspitzengefühl verlangt. Doch es gibt kaum einen Uhrenhersteller, der nicht ein Tourbillon als Krönung seiner Kollektion anbietet – in vielen Fällen auch preislich. Doch auch hier hat sich einiges getan: So mischen auch chinesische Werkhersteller im Tourbillon-Geschehen mit. Daher legen viele günstige Tourbillons die Vermutung nahe, dass sie asiatischen Ursprungs sind. Allerdings stellt sich hier die Frage nach Wartungsfreundlichkeit, Ersatzteilversorgung und dem Wertverslust.

Das Tourbillon ist äußerst schwer zu realisieren und gilt als Zeugnis höchster, vollendeter Uhrmacherkunst. Es steht wie kaum eine andere Komplikation für Qualität, Tradition und Kompetenz, selbst Komponenten entwickeln und herstellen zu können.

Von allen Komplikationen bietet das Tourbillon jedoch den geringsten Nutzwert. Ein Tourbillon in einer Armbanduhr ist nicht gerade effektiv. Durch die ständigen Bewegungen des Handgelenks, findet der angestrebte Ausgleich des Schwerkrafteinflusses auf die Unruh nicht statt.

Von Glashütte Original: das Sixties Square Tourbillon (92.000 Euro)

Von Glashütte Original: das Sixties Square Tourbillon (92.000 Euro)

Dafür ist das Tourbillon ein optisches Highlight: Es präsentiert sich meist schon auf der Zifferblattseite und zieht dort seine Kreise. Es gibt auch Doppel- und Dreifach-Tourbillons, bei denen sich die Unruhn um zwei oder sogar drei Achsen drehen. Zwei Doppeltourbillons in einer Uhren zeigen beispielsweise die Uhrenkreateure von Greubel & Forsey.

Die Invention Piece 2 von Greubel & Forsey mit zwei Doppeltourbillons (750.000 Euro)

Die Invention Piece 2 von Greubel & Forsey mit zwei Doppeltourbillons (750.000 Euro)


Der Uhrenhersteller Montblanc zeigt ein Tourbillon mit zwei konzentrischen Turmspiralen. Dies enstand mit Hilfe seiner Werkeschmiede Minerva. Im Tourbillon Bi-Cylindrique aus der Collection Villeret 1858 wirken zwei dieser ultraleichten und hochkomplexen Turmspiralen zur Optimierung der Gangleistungen zusammen. Montblanc verwendet zwei zylindrisch gestaltete Unruhspiralen unterschiedlichen Durchmessers, die ineinanderstecken. Die beiden Spiralen besitzen exakt dasselbe Drehmoment. Während sich der eine Part öffnet, zieht sich der andere zusammen.

Der Astroregulator von Cartier

Der Astroregulator von Cartier

Cartier versucht einen anderen Weg, um der Schwerkraft Einhalt zu gebieten: Beim Astroregulator wirkt die Schwerkraft auf Unruh und Hemmung immer von der gleichen Seite. Das liegt daran, dass Unruh und Hemmung fest mit dem Automatikrotor verbunden sind, der in Ruhe immer nach unten zeigt. So muss die Uhr nur noch in einer hängenden Lage einreguliert werden. Auch die Sekunde wird auf dem Rotor angezeigt. Dafür muss sie als Doppelskala ausgeführt sein, auf die ein Doppelzeiger mit einem etwas kürzeren Ende weist. Um die Sekunden ablesen zu können, muss der Rotor natürlich auf der Zifferblattseite zu sehen sein. Da der Rotor ständig seine Bewegungsrichtung ändert, ist das größte Problem, die gleichmäßige, vom Hemmungssystem regulierte Bewegung der Räder zum Werk zu übertragen. Beim Astroregulator „rechnen“ zwei Differenziale die Rotorbewegungen wieder heraus, sodass Minuten und Stunden korrekt angezeigt werden können. Das 50-Millimeter-Gehäuse besteht aus einer Niob-Titan-Legierung. Die auf 50 Stück limitierte Uhr kostet 298.000 Euro.

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