Die kleinen Komplikationen: Teil 6 – Drehlünette

Drehlünette
Die Audemars Piguet Royal Oak Diver (12.900 Euro)

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Der letzte Teil unserer Serie “Die kleinen Komplikationen” beschäftigt sich mit einer Funktion, die zwar keine werktechnische Komplikation darstellt, aber dennoch eine wichtige Zusatzfunktion ist: der Drehlünette.
Diese „Gehäusefunktion“ lässt sich für diverse Uhrentypen nutzen, zu denen auch die in Teil 4 genannten Zeitzonenuhren gehören.

Am häufigsten findet sich der Drehring bei Taucheruhren, wo er sich aus Sicherheitsgründen nur in eine Richtung bewegt. Idealerweise ist er so griffig, dass er sich auch mit Handschuhen verstellen lässt, und besitzt einen Leuchtpunkt sowie eine durchgehende Minutenteilung. Manchmal liegt der Taucherdrehring am Zifferblattrand, also im Innern des Gehäuses, und wird über eine Zusatzkrone verstellt. Wenn diese verschraubbar ist, darf der Ring ruhig in beide Richtungen drehbar sein.

Die Sinn 657 fliegt (850 Euro)

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Der zweithäufigste Uhrentyp mit Drehlünette ist die Fliegeruhr . Hier darf und soll der Ring in beide Richtungen beweglich sein. Vor allem Piloten, die nach Sichtflugregeln fliegen, nutzen die zusätzliche Minutenskala als Navigationshilfe: Beim Start wird der Nullpunkt auf den Minutenzeiger ausgerichtet, sodass die Lünette die Flugminuten zählt. Wenn die geplante Route beispielsweise nach 13 und 29 Minuten Richtungswechsel bei bestimmten Landmarken vorsieht, lässt sich auf der Lünette verfolgen, wann es Zeit ist, nach dem jeweiligen Autobahnkreuz oder Kirchturm Ausschau zu halten. Ein Chronograph kann diese Funktion nur unzureichend ersetzen, da sich der meist kleine Minutentotalisator viel schwerer ablesen lässt als der zentrale Leuchtzeiger einer Fliegeruhr.

Die erste Breitling Navitimer

Die erste Breitling Navitimer

 

Besonders viele Uhren mit Fliegerlünette bietet Breitling an. Doch hier spielen Drehlünetten noch eine andere Rolle: Seit dem Chronomat aus dem Jahr 1941 und dem bis heute berühmten Navitimer von 1952 dient die Lünette zur Umrechnung von Einheiten.
Für Piloten ist vor allem das Verhältnis von Kilometern zu nautischen Meilen interessant: Mit Hilfe der Rechenschieberlünette kann der Träger eine Größe auf dem äußeren Zahlenring auf eine feststehende Meilen-Markierung am linken Zifferblattrand einstellen. Bei einer weiteren feststehenden Markierung auf zwölf Uhr lässt sich nun auf dem Drehring dieselbe Größe in Kilometern ablesen.
Auch andere Berechnungen sind mit Hilfe des Dreisatzes möglich, wenn man die Umrechnungsformel kennt. Wenn beispielsweise eine Währung das 1,7-Fache einer anderen wert ist, kann man auf dem äußeren Ring die 17 auf die innere 10 drehen und bekommt nun rund um das Zifferblatt alle Preise umgerechnet.

Die neue Breitling Blackbird erinnert an den Kurs (6.330 Euro)

Die neue Breitling Blackbird erinnert an den Kurs (6.330 Euro)

Eine weitere Funktion, die auf Drehlünetten von Breitling und anderen Marken Verwendung findet, ist die Richtungsanzeige über eine 360-Grad-Skala. Zum Beispiel die neu Breitling Blackbird Red Strike trägt Markierungen für die vier Haupthimmelsrichtungen und die dazwischen liegenden Winkelgrade.

Die Victorinox Alpnach Mechanical zählt rückwärts (795 Euro)

Die Victorinox Alpnach Mechanical zählt rückwärts (795 Euro)

Mit ihrer Hilfe kann der Pilot beispielsweise einen vom Tower durchgegebenen Kurs auf die Zwölf drehen und sich diesen merken. Zudem lässt sich nun bei der Sechs komfortabel der Gegenkurs ablesen – eine Funktion, die vor allem beim Anflug auf einen Flugplatz hilfreich ist. Ob die sogenannte Kursmemo als Ergänzung zu den vielfältigen Cockpitanzeigen tatsächlich Verwendung findet, hängt jedoch von den Gewohnheiten des Piloten ab.

 

 

Zu guter Letzt gibt es Countdown-Lünetten mit rückwärts laufender Minutenskala. Ein solches Herunterzählen bis zu einem vorbestimmten Nullpunkt wird vor allem bei militärischen Aktionen praktiziert.
Als ziviler Einsatzzweck ist das Nudelkochen denkbar – oder das Warten auf die Liebste, die ihr Erscheinen in einer halben Stunde angekündigt hat.


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