Ebel: 100 Jahre Uhrengeschichte

Wellenbewegung bei Ebel Uhren

2011 feiert die Uhrenmarke Ebel ihren 100. Geburtstag. Die Geschichte der Familie Blum und ihrer Marke erzählt von Pioniergeist, Kreativität und Erfolgen, aber auch von den Höhen und Tiefen, die fast jede Uhrenfirma über die Jahrzehnte hinweg erlebt.

 
Das Gründer-Ehepaar: Eugène Blum und seine Frau Alice

Das Gründer-Ehepaar: Eugène Blum und seine Frau Alice

 
Auf der berühmten Art-déco-Ausstellung in Paris 1925 beeindruckte Ebel durch edelsteinbesetzte Damenuhren

Auf der berühmten Art-déco-Ausstellung in Paris 1925 beeindruckte Ebel durch edelsteinbesetzte Damenuhren

Eugène Blum, dessen Firma sich von bescheidenen Anfängen sukzessive zu einem Weltunternehmen entwickelte, wurde am 15. Juli 1875 als neuntes und letztes Kind des Judas Blum und seiner Frau geboren. 1886 erlangten die Kinder, acht Jungen und ein Mädchen, in der Ortschaft Buttes die schweizerische Staatsbürgerschaft. Nach einer kaufmännischen Ausbildung fand er seinen ersten Job bei seinem Halbbruder Maurice Blum, der in La Chaux-de- Fonds an der Rue du Parc, unweit der heutigen Firmengebäude, bereits eine kleine Uhrenfabrik betrieb. Diese Tätigkeit führte ihn bereits vor der Jahrhundertwende ins Ausland. In der Türkei und in Russland knüpfte er wichtige Kontakte für seine spätere berufliche Selbstständigkeit. Bei der Einweihung der Synagoge in La Chaux-de-Fonds 1899 lernte er Alice Lévy, eine französische Kaufmannstochter aus Nantes, kennen. 1902 heirateten die beiden in Paris, wo die Brauteltern damals lebten. Damit wurden die Weichen in Richtung eines eigenen Betriebs gestellt. Alice Lévy brachte als Mitgift nämlich nicht nur die stattliche Summe von 40.000 Franken mit (dürfte heute rund einer Million Mark entsprechen), sondern auch jede Menge an Energie und kaufmännischem Wissen. Diese geballte Kompetenz mag Eugène Blum bewogen haben, seine beabsichtigte Karriere aufzugeben. Kurzerhand legte er die Pläne zu den Akten, das nicht gerade üppige persönliche Vermögen in die Fabrik des Halbbruders zu stecken. Vor dem Start in die Selbstständigkeit galt es zahlreiche Formalitäten zu klären. Zudem musste mit Jules-Emile Blancpain aus Villeret intensiv über die Lieferung der unabdingbaren Rohwerke sowie längere Zahlungsziele verhandelt werden.

 

Gewölbte silberne Herrenuhr aus den 20er Jahren

Gewölbte silberne Herrenuhr aus den 20er Jahren

 

 
 

Am 15. Juli 1911 war es dann soweit: Eugène und Alice Lévy beantragten den Eintrag ihrer Marke Ebel – das Akronym steht für Eugène Blum et Lévy – ins Handelsregister der Stadt La Chaux-de-Fonds, der exakt eine Woche später erfolgte. Zum Domizil der jungen Firma wurde ein nicht weit vom Bahnhof entferntes Gebäude in der Rue de la Serre 65, das einst für eine Möbelfabrik namens Perrenoud errichtet worden war. Alice und Eugène wandten sich von Anfang an einem zukunftsweisenden Uhrentyp zu: der Armbanduhr. Nachdem diese sich kurz vor und nach der Jahrhundertwende zunächst an den Handgelenken raubeiniger Militärs etabliert hatte, waren es nun vor allem Frauen, die sich die Zeit ans Handgelenk binden wollten; zierliche, schmückende Zeitmesser. Auf das letzte Quäntchen Präzision kam es ihnen weniger an; farbige Steine standen weit höher im Kurs.

Herrenuhr aus Stahl mit Eta- Formkaliber 735, 30er Jahre

Herrenuhr aus Stahl mit Eta- Formkaliber 735, 30er Jahre

 

Bereits ein Jahr nach der Firmengründung präsentierten Blum und Lévy ihre ersten Armbanduhren, und bei der Berner Landesausstellung 1914 zeigten sie in zwei Vitrinen ihre erste umfassende Kollektion, bestehend aus Armband-, Hänge- und Ringuhren, in denen Ankerwerke im Größenspektrum von 5½ bis 10 Linien tickten. Besonders beeindruckt zeigten sich Besucher und Experten vom verdeckten Zeigerstellmechanism us der kleinen Ringuhren. Die dafür verliehene Goldmedaille ließ das Renommee der Firma bei Uhrmachern, Firmenund Privatkunden gleichermaßen wachsen. Der Haupterwerb des Hauses Ebel bestand in den ersten Jahrzehnten in der Werkefertigung sowie der Private-Label-Produktion kompletter Uhren. Trotzdem pflegten Eugène und Alice Blum nebenher die Entwicklung eigener Uhren mit der schwungvoll geschriebenen Signatur Ebel. Immerhin bildeten diese Zeitmesser das internationale Aushängeschild der Marke.

Automatische Energieumwandlung: Tisch- und Taschenuhr „Ebello“, 1928

Automatische Energieumwandlung: Tisch- und Taschenuhr „Ebello“, 1928

Intern hatten sich die Blums auf eine äußerst sinnvolle Arbeitsteilung verständigt: Eugène sorgte sich um die verschiedenen Märkte, die Aufträge und lenkte die Produktion; seine Frau wirkte im Büro, überwachte das Personal, arbeitete mit den Lieferanten zusammen und kümmerte sich selbst ums kleinste Detail.

Durch die enge Kooperation und gebündelte Energie der Inhaber gelang es dem jungen Unternehmen, die Folgen des Ersten Weltkriegs ohne größere Blessuren zu überwinden. Und das, obwohl so wichtige Auslandsmärkte wie Österreich-Ungarn, Rumänien, Spanien, und das zaristische Russland, wo sich Ebel als offizieller Lieferant des Zarenhauses bestens eingeführt hatte, förmlich über Nacht zusammenbrachen. Um Produktion und Personal halten zu können, musste dringend adäquater Ersatz gefunden werden.

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