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Jaeger-LeCoultre: Master Memovox

Armbanduhr mit Weckfunktion

1950 klingelt die Memovox von Jaeger-LeCoultre als “Stimme der Erinnerung” erstmals Uhrenliebhaber aus dem Schlaf. Von Beginn an erfolgreich, begründet sie eine neue Kollektion, welche in den folgenden 60 Jahren in vielfältiger Form erscheint: mit Weltzeit, als Tauchwecker und sogar als Parkuhr für das Handgelenk.

2010 feiert die Kultuhr mit Alarmfunktion ihr 60-jähriges Jubiläum

2010 feiert die Kultuhr mit Alarmfunktion ihr 60-jähriges Jubiläum

Der Wecker auf dem Nachttisch, das Handy in der Hosentasche, die Alarmfunktion der Uhr am Handgelenk, das Outlook-Programm am Computer, der Rezeptionist im Hotel, die wohlgesonnene Partnerin zu Hause oder die hartnäckige Sekretärin im Büro: Wer heutzutage einen Termin hat oder einfach nur aufstehen muss, hat die Wahl aus unendlich vielen Methoden, sich daran erinnern zu lassen. Vor der Einführung des digitalisierten Zeitalters ist das anders. Damals gibt es zwar bereits den guten alten, meist scheußlich rasselnden Wecker sowie Partnerinnen und Sekretärinnen; auch die Kirchturmuhr läutet in der Nähe und der Hahn kräht auf dem Misthaufen – damit sind die Weckdienste jedoch so ziemlich erschöpft.

Aus diesem ein wenig trostlosen Blickwinkel heraus betrachtet markiert die Erfindung des Weckerwerkes tatsächlich einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Uhrmacherei, erweist sich dieses doch als praktische Zusatzfunktion im Alltag, die sich als Weckdienst oder als Erinnerung an einen Termin nutzen lässt. Außerdem trägt sie dem Trend nach mehr Mobilität in der Nachkriegszeit Rechnung und wird zu einem der ersten Business-Tools auf Geschäftsreisen.

Die erste Armbanduhr mit Weckfunktion präsentiert die Schweizer Uhrenmarke Vulcain 1947 in der legendären Cricket. Keinem Hersteller ist es bis dahin gelungen, in den begrenzten Dimensionen eines Armbanduhrengehäuses einen Ton zu erzeugen, der laut genug wäre, auch den verschlafensten Uhrenliebhaber aus Morpheus’ Armen zu reißen. Vulcains technischer Ansatz ist ein Hämmerchen, das auf einen Teil des Gehäusesebodens schlägt. Eine zweite Ebene dient als Resonanzkörper, der den durchdringend zirpenden Ton, ähnlich einer Grille, verstärkt.

1950 debütiert die erste Memovox mit den typischen abgerundeten Bandanstößen, angetrieben von einem Handaufzugswerk, dem Kaliber 489

1950 debütiert die erste Memovox mit den typischen abgerundeten Bandanstößen, angetrieben von einem Handaufzugswerk, dem Kaliber 489

Drei Jahre später zieht Jaeger-LeCoultre mit der Memovox nach. Im Debütmodell tickt das Handaufzugskaliber 489, dessen speziell konstruierter Resonator ganze 20 Sekunden lang einen gut hörbaren Alarmton von sich gibt. Besonderheit dabei ist sein variabler Modus: Am Arm getragen ist dieser eher dezenter Natur, um den Besitzer zum Beispiel während eines Gespräches diskret auf eine Verabredung hinzuweisen, abgelegt jedoch durchdringlich laut, um ihn auch tatsächlich aus dem Schlaf zu holen.
Zwei Federhäuser stellen die hierfür benötigte Energie bereit, je eines für das Wecker- und eines für das Laufwerk, bedienbar über zwei Kronen bei zwei und vier Uhr. Optisch tritt die Memovox im schlichten Kleid der 1950er-Jahre auf, mit einem puristisch anmutenden, hellen Zifferblatt. Darauf befinden sich pfeilförmige Indizes und Zeiger sowie ein länglich-gezogenes, schwarzes Dreieck, das die Alarmzeit im Zentrum indiziert. Auffälliges Merkmal sind die rollenartigen Bandanstöße am Goldgehäuse.

Die Memovox entwickelt sich zu einem Erfolgsmodell, welches in den folgenden 60 Jahren als eigenständige Uhrenkollektion einen festen Platz bei Jaeger-LeCoultre einnimmt und dessen Technik auch in andere Zeitmesser des Hauses einfließt. In der Festschrift zum 175-jährigen Firmen-Jubiläum 2008 heißt es gar, die Memovox verkörpere für die Uhrenmanufaktur die prosperierende Nachkriegszeit.

1958 erscheint der Kultwecker für das Handgelenk zum 125-jährigen Firmenjubiläum in der Kombination mit einer Weltzeitanzeige, dahinter arbeitet das neue Kaliber 814

1958 erscheint der Kultwecker für das Handgelenk zum 125-jährigen Firmenjubiläum in der Kombination mit einer Weltzeitanzeige, dahinter arbeitet das neue Kaliber 814

So arbeiten die Konstrukteure und Uhrmacher des Grande Maison in den 1950er-Jahren fleißig daran, diesen Bestseller noch zu verfeinern. 1956, drei Jahre nach der Erfindung einer Armbanduhr, welche ohne Aufzugskrone auskommt (Futurematic), bieten sie eine weitere echte Innovation dar, nun im Gehäuse der Memovox: das erste Weckerwerk mit Automatikaufzug. Die Pendelschwungmasse des Kalibers 815 zieht dabei sowohl das Uhrwerk selbst als auch das Weckerwerk auf. Drei Jahre später erscheint zum 125-jährigen Firmen-Jubiläum dieses dann modifiziert als Kaliber 814 in der Memovox International, die neben der Weckfunktion auch mit der Indikation der Weltzeit aufwartet.

Dem Aufkommen der Parkuhren in den europäischen Innenstädten zollt Jaeger-LeCoultre 1958 mit einer Sonderausführung, der “Parking“, ein heute besonders charmant anmutendes Tribut: Statt des klassischen Alarm-Dreiecks auf der Weckerscheibe trägt sie das charakteristische blaue Parksymbol auf ihrem Zifferblatt, welches das Ablaufen der Parkzeit – maximal zwei Stunden – visualisiert. Ist diese vorüber, mahnt der Wecker zwanzig Sekunden lang geräuschvoll zur Eile, um dem Fahrzeughalter einen Strafzettel zu ersparen oder ihn darauf hinzuweisen, dass er einen Groschen nachwerfen muss. In Sammlerkreisen ist diese spezielle Memovox heute besonders begehrt. Aber auch die klassischen Uhrenmodelle sind beliebte Objekte bei Auktionen, sei es nun bei Antiquorum oder Sotheby’s.

Hohen Seltenheitswert besitzt die Snow Drop; typisch für dieses Modell ist das Monocoque-Gehäuse

Hohen Seltenheitswert besitzt die Snow Drop; typisch für dieses Modell ist das Monocoque-Gehäuse

Im November 2010 veranstaltet Jaeger-LeCoultre gemeinsam mit einem ambitionierten französischen Sammler eine Privatausstellung im Pariser Auktionshaus Artcurial, die sich ausschließlich dem Thema Memovox widmet. Unter den 40 Exponaten befinden sich die eben erwähnte Parking und weitere Modelle mit hohem Seltenheitswert, zum Beispiel die Memovox Snow Drop mit einem blauen Zifferblatt von 1971 sowie eines von 1967 mit einem braunen und roten Zifferblatt.

>>Die Memovox taucht unter

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