Rolex: Submariner

Überblick über die Entwicklung einer Tauchlegende

An der Entwicklung der Rolex Submariner lässt sich viel über den Werterhalt aktueller Modelle ablesen. Wenn Sie planen, eine Rolex Submariner zu kaufen, ist es interessant, die Geschichte dieser mechanischen Armbanduhr zu kennen. Die 1953 konzipierte Rolex Submariner ist zum Archetyp einer Taucheruhr ­geworden. Rolex-Gründer Hans Wilsdorf verband Eleganz und Sportlichkeit zu einer langjährigen Erfolgsgeschichte.

1953: Submariner Referenz 6204. Eine ähnliche Uhr kostete 2009 bei Antiquorum 30.000 CHF

1953: Submariner Referenz 6204. Eine ähnliche Uhr kostete 2009 bei Antiquorum 30.000 CHF

 

Die Rolex Submariner entsteht

Hans Wilsdorf, dem Generaldirektor der von ihm ins Leben gerufenen Montres Rolex SA in Genf, verdanken wir das wasserdichte Oyster-Gehäuse mit Schraubkrone und den Rotoraufzug für Automatik-Armbanduhren. Diese beiden Elemente sind entscheidend für die Entwicklung der Rolex Submariner. Wilsdorf war nicht nur ein genialer Kaufmann und Marketingstratege, er besaß auch stets ein offenes Ohr für Mitarbeiter mit Ideen. Zu diesen gehörte René-Paul Jeanneret, erfahrenes und geschätztes Mitglied des Rolex-Direktoriums und zudem ein begeisterter Sporttaucher. Von ihm stammte die Idee, einen Hybrid aus wasserdichter Sport- und doch halbwegs eleganter Alltags-Armbanduhr zu entwickeln. Man könnte auch von einer Art Instrumentenuhr für strapazierende Einsätze über und unter Wasser sprechen.

Wilsdorf und Jeanneret hatten sich nicht nur einmal die Frage nach dem Sinn und Zweck von Armbanduhren gestellt. Handelte es sich primär um Schmuckstücke zur Zierde des Handgelenks, zur Befriedigung eines persönlichen Hedonismus? Oder waren sie in erster Linie Werkzeuge zum Messen der kostbaren Zeit in allen möglichen Lebenslagen? Bei genauerer Betrachtung besaßen Rolex-Armbanduhren bereits seit mehreren Jahrzehnten etwas von beidem. Mit unterschiedlicher Akzentsetzung, versteht sich. Spätestens seit der Lancierung des Oyster-Gehäuses verlangte das Tragen einer Uhr am Handgelenk keine besondere Rücksichtnahme bezüglich Schmutz und Feuchtigkeit mehr. Mit der Vorstellung funktionaler Sportmodelle erlangte dieser Pragmatismus ab 1953 noch zusätzliche Bedeutung. Mit Boliden namens Turn-O-Graph, Explorer, Submariner, Milgauss und GMT-Master avancierte Rolex in der Folge zu einer festen und geradezu unübersehbaren Größe auf dem Sektor der vielseitigen, nahezu allen Situationen gewachsenen Zeitmesser, welche ihre Legitimation aus uhrmacherischer Kompetenz sowie der überaus gekonnten Synthese zwischen Optik und Funktionalität bezogen.

Jubiläumsmodell 2003: Submariner Referenz 16610LV mit grüner Lünette; 2010 bei Antiquorum für 5.750 CHF verkauft

Jubiläumsmodell 2003: Submariner Referenz 16610LV mit grüner Lünette; 2010 bei Antiquorum für 5.750 CHF verkauft

 

Vorläufer der Rolex Submariner

Der Unterwasser-Thematik hatte sich Rolex bereits Anfang der 1930er Jahre zugewandt. 1935 fand sich im Katalog die 47 Millimeter große Referenz 2533 mit kissenförmiger Oyster-Schale, Taschenuhr-Handaufzugswerk vom Typ Lépine und dadurch kleiner Sekunde bei der Neun. Allein schon angesichts der damals keineswegs populären Gehäusedimensionen avancierte diese Kreation keineswegs zu einem Welterfolg.

Aber dieser Zeitmesser dürfte den Weg geebnet haben zu einer interessanten Kooperation mit Panerai, einem italienischen Rolex-Konzessionär und Spezialisten für Unterwasser-Equipment. Dessen Radiomir-Modelle mit kissenförmigen Oyster-Gehäusen und von Rolex gelieferten Cortébert-Kalibern brachten den Genfern einen nicht zu unterschätzenden Gewinn an einschlägigen Erfahrungen. Diese dürften aller Wahrscheinlichkeit nach auch in die Genese der von Jean-Paul Jeanneret inspirierten Submariner ab Beginn der 1950er Jahre eingeflossen sein. Der begeisterte Sporttaucher pflegte eine enge Freundschaft mit Jacques-Yves Cousteau und wusste so um die technischen und gestalterischen Notwendigkeiten. Auf diese Weise dürfte es ihm nicht schwergefallen sein, den innovationsbeflissenen Rolex-Chef vom Projekt einer professionellen Taucheruhr zu überzeugen. Deren erste Lebensjahre standen allerdings im Zeichen vor allem gestalterischer Experimente. Von einer einheitlichen Zifferblatt-Typologie konnte noch keine Rede sein.

 

Test-Tauchgänge ebnen der Rolex Submariner den Weg

Im September 1953 machte Rolex auf spektakuläre Weise von sich reden: Professor Auguste Piccard stieg mit seinem Bathyscape FNRS-2 stolze 3131,8 Meter in die Tiefen des Ozeans hinab. Hans Wilsdorf hatte ganz spektakulär einen speziell entwickelten Stahl-Zeitmesser mit markantem Leuchtzifferblatt, unübersehbarer Signatur samt Logo und  nicht minder ausgeprägter Aufzugs- und Zeigerstell-Schraubkrone an der Außenwand des Tauchgeräts befestigen lassen. Nach dem Auftauchen tickte das Instrument völlig unbeeindruckt.

Am 23. Januar 1960 stach das Tauchboot Trieste mit seinem Tiefsee-Ballon zum 65. Mal in See. Diesmal mit dem Ziel, im Marianengraben die Challenger Deep, die tiefste Stelle des Ozeans, zu erreichen. Zur Besatzung der Trieste, bestehend aus Jacques Piccard und dem amerikanischen Marineleutnant Don Walsh, gesellte sich abermals eine ganz besondere Rolex.
Der Spezialist für wasserdichte Armbanduhren wollte die Leistungsfähigkeit seines innovativen Oyster-Gehäuses einmal mehr unter Beweis stellen. Zu diesem Zweck hatten die Techniker an der zwölf Zentimeter dicken Außenhaut der 13 Tonnen schweren Tauchkapsel eine eigens konstruierte und in winziger Auflage gefertigte Armbanduhr befestigt. Beim Hinabsinken in 10916 Meter Tiefe würde diese einem gewaltigen Druck von rund 1125 Kilogramm pro Quadradzentimeter ausgesetzt sein. Und Rolex wollte beweisen, dass seine Extrem-Oyster auch dieser Tortur widerstehen würde.

Erreichte 1960 den tiefsten Punkt des Meeres: Tauchboot Trieste und der an ihr befestigte Prototyp Rolex Deep Sea Special

Erreichte 1960 den tiefsten Punkt des Meeres: Tauchboot Trieste und der an ihr befestigte Prototyp Rolex Deep Sea Special

Als das kugelförmige Gebilde nach seinem triumphalen Tauchgang wieder an der Meeresoberfläche erschien, war die Spannung groß. Wie würde das Zeitmessinstrument aussehen? Würden die Zeiger noch die korrekte Zeit darstellen? Und erneut war die Furcht völlig unbegründet, die Uhr lief nach wie vor.

 

Markteinführung 1954: die Rolex Submariner erscheint

Solche Höchstleistungen sorgten für Aufmerksamkeit. Die tägliche Praxis verlangte allerdings nach gut tragbaren Uhren. In diesem Sinne staunten die Besucher der Basler Uhrenmesse 1954 nicht schlecht. Eines der fünf großen Schaufenster des Rolex-Stands präsentierte eine Armbanduhr mit mattschwarzem Zifferblatt, unübersehbaren Leuchtziffern und -indexen sowie Leuchtzeigern für Stunden, Minuten und Sekunden. Hinzu gesellte sich eine griffige Drehlünette mit deutlichen Markierungen im Abstand von fünf Minuten. Den Nullpunkt symbolisierte eine ins Zentrum gerichtete Pfeilspitze mit zentral positioniertem Leuchtpunkt. Eine kleine Tafel erklärte die Uhr: „Submariner – the diver’s friend“. Mit anderen Worten: Rolex hatte eine professionelle Taucher-Armbanduhr mit automatischem Aufzug kreiert, deren Wasserdichtigkeit dank doppelt gesicherter „Twinlock“-Krone bis 100 Meter reichte.

Modell mit braunem Zifferblatt, genannt Tropical Dial. Diese Referenz 5513 von 1967 versteigerte Antiquorum 2011 für 15.000 CHF

Modell mit braunem Zifferblatt, genannt Tropical Dial. Diese Referenz 5513 von 1967 versteigerte Antiquorum 2011 für 15.000 CHF

Ganz so neu, wie es den Messebesuchern in Basel schien, war die Submariner indessen nicht. Ihre ersten Bewährungsproben hatte sie bereits im Jahr zuvor bestanden. Zum Beispiel berichtete das Institut für Tiefseeforschung in Cannes am 26. Oktober 1953 über Tests mit dieser Armbanduhr. Zuvor waren innerhalb von fünf Monaten 132 Tauchversuche in Wassertiefen zwischen 12 und 60 Metern über die Bühne gegangen.
Im Statement des Testlabors ist zu lesen: „Trotz des besonders hohen Salzgehaltes der Mittelmeergewässer, der tropischen Temperatur und der Luftfeuchtigkeit, denen die Uhr zwischen den einzelnen Tauchversuchen ausgesetzt war, konnte nicht die geringste Spur von Korrosion festgestellt werden. Ebensowenig ließ sich irgendeine Spur von Feuchtigkeit im Innern der Uhr bemerken. Bei allen früheren Versuchen mit wasserdichten Uhren der besten Marken waren vom ersten Augenblick des Tauchens an immer Anzeichen beobachtet worden, dass Wasser ein­gedrungen war, was sich leicht an einem Niederschlag an der Innenseite des Glases erkennen ließ. Die Uhr wurde mehrmals beim Tauchen mit herausgezogener Krone getragen (d.h. mit der Krone in Stellung zum Zeigerrichten). Als Abschluss dieser Prüfungen wurde die Uhr am Ende eines dünnen Taues bis auf eine Tiefe von 120 Metern hinabgelassen, also zweimal so tief wie die maximale, mit autonomen Pressluftapparaten erreichbare Tiefe von 60 Metern. Selbst nach einem einstündigen Aufenthalt in dieser Tiefe war kein Leck festzustellen.“

Bei der Kreation dieser anfänglich bis 100 Meter wasserdichten Automatik-Armbanduhr hatte Rolex eine ganze Reihe kompetenter Fachleute zu Rate gezogen. Zu ihnen gehörte auch der erwähnte Rolex-Mitarbeiter und Sporttaucher Jeanneret, der zahlreiche Hinweise lieferte für die optische Gestaltung von Gehäuse, Zifferblatt und dem überaus hilfreichen, damals noch in beiden Richtungen verstellbaren Drehring zum Ablesen der verbleibenden Zeit unter Wasser.

 

Die ersten 3 Modelle der Rolex Submariner sind erhältlich

Die ersten Submariner ohne Kronenschutz werden oft James-Bond-Rolex genannt. Die Referenz 6538 von 1959 brachte 2006 bei Antiquorum 44.840 CHF

Die ersten Submariner ohne Kronenschutz werden oft James-Bond-Rolex genannt. Die Referenz 6538 von 1959 brachte 2006 bei Antiquorum 44.840 CHF

1954 offerierte Rolex bereits drei verschiedene Submariner-Referenzen: Die bereits 1953 vorgestellte Referenz 6200 mit massivem Gehäuse, wuchtigerer Krone und dem Automatikkaliber A.296 widerstand dem nassen Element bis zu einem Druck von 200 Metern. Hinzu kam die Referenz 6204, der zunächst eine Wasserdichtheit bis 100 Meter zugeschrieben wurde. Diesen Wert setzte Rolex schon bald auf 180 Meter hoch.
Dritte im Bunde war die ebenfalls bis 100 Meter wasserdichte Referenz 6205 mit dem Automatikkaliber A.260. Auf den Zifferblättern aller frühen Serienexemplare suchte man den weißen Schriftzug „Submariner“ vergebens. Er findet sich erst gegen Ende des Jahres 1954. Auch der markante Flankenschutz für die Aufzugskrone existierte noch nicht. In Sammlerkreisen tragen diese Modelle übrigens den Beinamen „James Bond“. Nicht ohne Grund: In den ersten vier Filmen vertraute der Super-Agent 007, wie in den Romanvorlagen von Ian Fleming, auf Rolex-Armbanduhren. Es handelte sich um die Rolex Submariner-Referenzen 6200, 6538 sowie 5510.

>>Jahrzehntelange Evolution – das Erfolgsrezept der Rolex Submariner

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