Stadt der Uhrengiganten

Uhrenstadt Biel mit Rolex, Omega, Swatch und Co.

Man sieht es Biel nicht gleich an: Das 50.000-Einwohner-Städtchen ist eines der großen Uhrenzentren der Welt.

 

Biel liegt am Fuße des Juragebirges, wo die Uhrmacherei seit dem 18. Jahrhundert ihre Wurzeln hat

Biel liegt am Fuße des Juragebirges, wo die Uhrmacherei seit dem 18. Jahrhundert ihre Wurzeln hat

Läuft oder fährt man durch Biel, bemerkt man schnell die vielen Werbesäulen. Über die ganze Stadt verteilt, zeigen sie Uhren und Markenlogos der Bieler Uhrenhersteller: Rolex, Omega, Swatch, Eberhard, Perrelet, Armin Strom und so weiter. Würden diese Logos der Uhrenhersteller fehlen, käme kein unvorbereiteter Besucher auf die Idee, dass er sich in einer der bedeutendsten Städte der Uhrenwelt befindet.

Werbesäulen mit den Namen Bieler Uhrenmarken sieht man in vielen Straßen der Stadt

Werbesäulen mit den Namen Bieler Uhrenmarken sieht man in vielen Straßen der Stadt

Dabei ist Biel Sitz von über 100 Uhrenfirmen, unter anderem des weltweit größten Uhrenkonzerns, der Swatch Group, von deren Hauptsitz aus man über den Bieler See blickt. Und in einem riesigen Gebäudekomplex am Rande der Stadt produziert Rolex seine Werke. Diese beiden Giganten beherrschen die Bieler Uhrenindustrie. Zusammen beschäftigen sie rund drei Viertel der hier in der Uhrenbranche tätigen Arbeitskräfte. Hans Stöckli, seit 20 Jahren Stadtpräsident von Biel, drückt es so aus: „Da ist Rolex, da ist die Swatch Group, und da sind all die anderen.“

Hans Stöckli ist seit 20 Jahren Stadtpräsident von Biel

Hans Stöckli ist seit 20 Jahren Stadtpräsident von Biel

Auch haben mehrere Marken der Swatch Group hier ihren Sitz: Omega, Swatch und CK Watch. Darüber hinaus sind zahllose Unternehmen hier ansässig, die Uhrenhersteller in Biel und anderswo mit Uhrenkomponenten beliefern und Dienstleistungen für sie erbringen. Die Fédération Horlogère, der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie, hat hier ebenso ihren Sitz wie die offizielle Schweizer Chronometerprüfstelle COSC.
Insgesamt stellt Biel zehn Prozent der Arbeitsplätze der gesamten Schweizer Uhrenindustrie – gar nicht schlecht für eine Stadt von 50.000 Einwohnern.

Dabei ist die Uhrenindustrie nicht der größte Industriezweig in Biel. An vorderer Stelle stehen Dienstleistungen, das Gesundheitswesen und die Kommunikationsindustrie. Aber Biel verdankt die Hälfte seiner Gewerbesteuern der Uhrenindustrie, so Stöckli, der auch Finanzdirektor der Stadt ist.

Biel oder Bienne, wie der französische Name der zweisprachigen Stadt lautet, liegt am östlichen Rand der sich an der Grenze zu Frankreich erstreckenden Schweizer Uhrenregion. Verlässt man die Stadt in nördlicher Richtung, ist man in wenigen Minuten im Juragebirge, wo die Uhrmacherei seit dem 18. Jahrhundert ihre Wurzeln hat. Tatsächlich geht die Umbenennung des ursprünglich deutschsprachigen Biel in „Biel-Bienne“ – so die offizielle zweisprachige Bezeichnung – und schließlich seine Entwicklung zur Uhrenmetropole auf die Zuwanderung französischsprachiger Uhrmacher aus dem Jura zurück.

Biel liegt am Fuße des Juragebirges, wo die Uhrmacherei seit dem 18. Jahrhundert ihre Wurzeln hat

Biel liegt am Fuße des Juragebirges, wo die Uhrmacherei seit dem 18. Jahrhundert ihre Wurzeln hat

Die Uhrenindustrie war nicht der erste Industriezweig der Stadt. Während der ersten Jahrzehnte der Industriellen Revolution lebte die Stadt von der Textilindustrie, insbesondere von einer speziellen Färbetechnik namens „Indienne“, mit der Muster maschinell auf Baumwollgewebe gedruckt wurden. Diese Technik wurde ursprünglich in Indien – daher der Name – entwickelt und schließlich im 18. Jahrhundert von Textilherstellern in Europa übernommen. 1747 wurde in Biel eine Indienne-Manufaktur eröffnet, und im Jahr 1800 beschäftigte die Indienne-Industrie über 1000 Menschen, damals ein Drittel der Stadtbevölkerung. Schlechte Zeiten für Biel brachen 40 Jahre später an, als die Färbeindustrie der Stadt stillgelegt wurde, da die aufwändige Indienne-Technik mittlerweile durch die Entwicklung synthetischer Farbstoffe überholt war.

Die Rettung kam dann durch einen politischen Flüchtling aus Deutschland. Der in Darmstadt geborene Ernst Schüler zog 1833 nach Biel und suchte zehn Jahre später als Mitglied des Stadtrats nach Möglichkeiten, die Menschen zu beschäftigen, die ihre Arbeitsplätze in der Textilindustrie verloren hatten. 1844 setzte er durch, dass die Stadt allen Uhrmachern, die nach Biel zogen, um ein Geschäft zu eröffnen, drei Jahre lang ein Steuerbefreiung gewährte. Bald schon wanderten viele Uhrmacher aus dem Jura ein und zogen eine Menge weitere nach sich, selbst dann noch, als Biel kein Steuerparadies mehr war. Die Uhrenindustrie der Stadt wuchs lawinenartig. Bereits 1860 gab es in Biel über 800 Uhrmacher, und 1900 waren von den 29.557 Einwohnern 3.400 Uhrmacher.

>> Aus Brandt wird Omega

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