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Swatch Group darf Lieferungen weiter reduzieren

Berichte über Einigung mit Schweizer Kartellamt

Am Wochenende berichteten Schweizer Medien von einer Einigung zwischen der Swatch Group und der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko). Letztere ist mit dem Bundeskartellamt in Deutschland vergleichbar.

Hintergrund: Im Juni hatte die Swatch Group bei der Weko ein Verfahren gegen sich selbst initiiert. Die Swatch Group möchte nämlich in Zukunft weniger Werke und Assortiments (Hemmungsbauteile wie Unruhspirale, Unruh, Anker und Ankerrad) an gruppenfremde Hersteller liefern. Da aber nach wie vor sehr viele Marken bei der Swatch Group einkaufen, kommt bei einem solchen Vorhaben die Weko ins Spiel: Sie muss prüfen, ob die Swatch Group über eine marktbeherrschende Stellung beziehungsweise eine Art Monopol verfügt oder nicht.

Als Zwischenlösung hatte die Weko entschieden, dass die Swatch Group 2012 und 2013 nur noch 85 Prozent Werke und 95 Prozent Assortiments liefern muss – jeweils bezogen auf die durchschnittliche Liefermenge im Jahr 2010. Eine Entscheidung über die Zeit danach ließ bisher auf sich warten.

Nun steht offenbar eine Einigung ins Haus: Nach einhelligen Berichten von Basler Zeitung, NZZ und TagesAnzeiger hat die Weko im Juni einen Einigungsvorschlag an die Swatch Group und ihre betroffenen Kunden verschickt, auf den die Hersteller bis Ende August antworten können.

Der Einigungsvorschlag soll Folgendes vorsehen:

1. Die Swatch Group darf die Lieferung von Uhrwerken in den Jahren 2014 und 2015 auf 70% der Menge des Jahres 2010 reduzieren; 2016 und 2017 auf je 50%, ab 2018 auf 30%.

2. Unternehmen, die von der Swatch Group Uhrwerke kaufen, diese dann veredeln und weiterverkaufen – dazu gehören etwa Sellita und La Joux-Perret – müssten für 2014 gar eine Reduzierung um 50%, für 2015 um 75% hinnehmen.

3. Die Lieferungen von Assortiments sollen alle zwei Jahre um 10 bis 20 Prozent reduziert werden dürfen, wobei die Preise um 5 bis 10 Prozent ansteigen dürfen.

Zwar haben in den vergangenen Jahren viele Uhrenmarken eine eigene Uhrwerkeproduktion aufgebaut. Dennoch sind viele Marken unverändert auf die Belieferung mit Eta-Werken angewiesen. Das gilt erst recht für die Belieferung mit Assortiments. Diese Werksteile, vor allem die Spiralfedern, kaufen fast alle Uhrenhersteller von der zur Swatch Group gehörenden Firma Nivarox-FAR ein. Der Grund: Die Nivarox-Spiralen sind qualitativ erstklassig und darüber hinaus auch noch billig. Eine eigene Produktion von nennenswerten Stückzahlen aufzubauen, ist für die Uhrenhersteller schwierig, aus technischen wie aus finanziellen Gründen. Zwar gibt es mittlerweile einige Hersteller außerhalb der Swatch Group, die Spiralfedern herstellen: unter anderem A. Lange & Söhne, Montblanc, die zur Parmigiani-Gruppe gehörende Atokalpa, die zur Kern-Liebers-Gruppe (u.a. Junghans) gehörende Firma Carl Haas und die zur Moser-Gruppe gehörende Precision Engineering. Die Stückzahlen sind aber gering, und hinter vorgehaltener Hand hört man, dass die Qualität des einen oder anderen Lieferanten nicht mit der der Nivarox mithalten könne. Lediglich Rolex fertigt Spiralen in größeren Stückzahlen, aber nur für sich selbst. Darüber hinaus bezieht Rolex ebenfalls Nivarox-Spiralen.

Chronos hat das Thema Spiralfedern aus technischer und wirtschaftlicher Sicht im Basel-Sonderheft 2012 (hier bestellen!) beleuchtet. buc




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