TAG Heuer: Carrera

Vintage-Uhren - Staub, Geschwindigkeit und Zeit

Seit ihrer Lancierung in den 1960er-Jahren versprüht das Uhrenmodell Carrera des Uhrenherstellers TAG Heuer den Charme von Geschwindigkeit und Rennstrecke. Dafür schätzen sie ihre Fans ebenso wie für die Innovationen, die ihre Geschichte prägen – vom bedruckten Rehaut bis zur Präzisionszeitmessung.

Das Urmodell von 1964: schlicht, perfekt ablesbar und elegant. So schön kann eine Sportuhr sein, die im Dunkeln dank der Tritium-Ausstattung ablesbar ist

Das Urmodell von 1964: schlicht, perfekt ablesbar und elegant. So schön kann eine Sportuhr sein, die im Dunkeln dank der Tritium-Ausstattung ablesbar ist

Es ist echte Chefsache – damals 1963. Die neue Uhr ist schon so gut wie fertig, das Design steht fest, einzig fehlt der Name für den sportlichen Chronographen in Edelstahl. Doch während des 12-Stunden-Rennens von Sebring findet Jack Heuer eine Lösung. Der Urenkel des Heuer-Gründers Edouard Heuer ist vor Ort, weil seine Firma als Zeitnehmer fungiert. Zwei der Rennfahrer erzählen ihm von der berühmt-berüchtigten Rallye Carrera Panamericana – und bringen Heuer auf einen Namen für dessen neue Uhr: Aus ihr wird die Carrera. Doch dazu später mehr.

Verbesserte Ablesbarkeit durch einen innovativen Trick

Jack Heuer, Urenkel des Firmengründers Edouard Heuer

Jack Heuer, Urenkel des Firmengründers Edouard Heuer

Klar, präzise und eindeutig: So soll Zeitmessung arbeiten, und diese Grundwerte markieren die TAG Heuer Carrera. Die Intention ist sportlich: Rennfahrern und Rennsportbegeisterten soll der Chronograph den Hauch von Geschwindigkeit an das Handgelenk bringen.
Die Idee hat Jack Heuer während der Entwicklung der Autavia, die als Sportchronograph allerdings ebenso Automobilisten wie Luftfahrer als Zielgruppe hat. Die markante Drehlünette der Autavia soll der künftigen Carrera jedoch fehlen – sie soll dem neuen Zifferblatt mehr Raum zur Geltung überlassen und so seine Ablesbarkeit vergrößern.

Dies gelingt: Mit ausgezeichneter Ablesbarkeit markiert der Handaufzugschronograph eine eindeutige Position im damaligen Sportuhrenfeld zwischen der Omega Speedmaster und der Rolex Daytona. Silbernes Zifferblatt, gewölbtes Plexiglas, wasserdichtes Stahlgehäuse sowie Stoß- und Schlagfestigkeit zeichnen die Uhr aus.
Eine Innovation kennzeichnet sie auf besondere Weise und vergrößert dabei noch das Zifferblatt: Erstmals nutzt mit Heuer ein Hersteller den Spannring, mit dem das Plexiglas armiert wird, als Teil des Zifferblattes. Das Bauteil, das zur erhöhten Wasserdichtheit des Kunststoffglases beiträgt, lässt Jack Heuer mit einer Fünftelsekunden-Skala bedrucken. Das Experiment gelingt und vergrößert das Zifferblatt um fast zwei Millimeter – zudem verleiht es den optischen Effekt von Tiefe. Später verwenden etliche andere Hersteller diese Technik. Sie verlangt zwar beim Einbau des Glases mehr Präzision, erleichtert jedoch vor allem durch die 45-Grad-Neigung des Rehaut-Ringes die Ablesbarkeit.

Hommage an das Rennen »Carrera Panamericana«

Mitte des Jahres 1964 ist es so weit, die Heuer Carrera wird der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Jahr zuvor findet die Begegnung von Jack Heuer mit den Brüdern Pedro und Ricardo Rodriguez statt. Beide leben ein schnelles Leben hinter dem Steuer – und als Mexikaner lieben sie besonders die Carrera Panamericana, die bis heute als eine der härtesten Rallyes gilt. Jack Heuer findet Gefallen an dem Namen: Oft wählt er Ortsnamen wie Montreal oder Cortina, die ebenfalls mit sportlichen Ereignissen in engem Zusammenhang stehen. So wird die Uhr 1964 als Hommage an eben dieses Rennen präsentiert. Das Wort Carrera – übersetzt aus dem Spanischen – steht im Übrigen für Wettkampf auf höchstem Niveau. Kein Wunder, dass auch der Zuffenhausener Autohersteller Porsche in den 70er-Jahren diesen Namen für seine Sportmodelle wählt.

Carrera Panamericana: Nicht nur Sportwagen aus Stuttgart-Zuffenhausen tragen diesen Namen zur Erinnerung an das Straßenrennen in Mexiko

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Früh zeigt sich das Potenzial der Carrera als eines der führenden Uhrenmodelle in der Kollektion von Heuer. Erhältlich ist die Uhr mit zwei oder drei Hilfszifferblättern, also wahlweise nur mit 30-Minuten-Zähler, oder zusätzlich mit einem 12-Stunden-Zähler. Eines ist beiden Versionen gleich: Ihre Ablesbarkeit bleibt bestens. Ebenfalls Elemente einer kreativen Modellpolitik sind die Skalen, die bereits kurz nach der Markteinführung die Anzeigen ergänzen. Mit einer Dezimal- oder Tachymeterskala wird das Zifferblatt effektiv ausgenutzt und macht nun auch Geschwindigkeitsmessungen möglich. Das als Teil der Anzeigen genutzte Rehaut macht sich hier im positiven Sinn bemerkbar – niemals wirken die Uhren überladen oder gar schlecht ablesbar. Als Antrieb kommt bewährtes Material aus dem Vallée de Joux zum Einsatz: Das Kaliber Valjoux 72 mit drei Totalisatoren oder das Valjoux 92 mit zwei Zählern verbirgt sich im Schutz des verschraubten Edelstahlbodens und sorgt dort für präzise Gangwerte – auch unter für die Mechanik beschwerlichen Bedingungen.

Für jeweils knapp 500 Deutsche Mark reichen Juweliere diese Uhrenmodelle damals über den Ladentisch – eine regelrechte Wertanlage, wenn man den Gebrauchtuhrenmarkt heute betrachtet. Erste Versionen der Carrera wie die Referenz 2447 S mit 12-Stunden-Zähler oder die Referenz 2447 D mit Dezimalskala erreichen bei aktuellen Verkäufen Preise zwischen 1.500 Euro und mehr als 3.000 Euro. Natürlich sorgt der Zustand und das Gesamtpaket für den endgültigen Preis. Nahezu ungetragene Uhrenmodelle mit Box und Papieren erzielen deutlich höhere Erlöse. Auch Versionen mit schwarzem Zifferblatt sind gefragter und oft teurer als solche mit hellen Anzeigen.

Bei der Restaurierung bewahrt die einfache Technik auch getragene Exemplare vor Problemen. TAG-Heuer-Service und auch freie Uhrmacher oder Juweliere können die Mechanik warten und Teile ersetzen. Besonderes Detail: Bei dem verwendeten Valjoux 92 verbirgt sich ein Patent des Firmengründers Edouard Heuer in den Tiefen des Werkes. Der Schwingtrieb, der für den Antrieb des Chronographen zum Einsatz kommt, wurde von Heuer selbst im Jahr 1886 entwickelt.

Seite 2: Datum und Automatikaufzug ergänzen die Carrera

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