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Technischer Standard für Fliegeruhren – TeStaF

Die neue Fliegeruhren-Norm

In einer gemeinsamen Projektgruppe hat die Frankfurter Uhrenmarke Sinn zusammen mit dem Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik der Fachhochschule Aachen unter der Leitung von Professor Dr. Frank Janser einen technischen Standard für Fliegeruhren entwickelt (TeStaF), der heute beim Hubschrauberhersteller Eurocopter in Donauwörth offiziell vorgestellt wird.

Mit dem TeStaF sollen Uhren zertifiziert werden, die den funktionalen Anforderungen der Piloten entsprechen und zugleich den Belastungen im praktischen Einsatz also während des Fluges standhalten. Bisher gab es einen solchen Standard wie wir ihn von Taucheruhren (DIN 8306 / ISO 6425) her kennen nicht. Trotz modernster Flugtechnik sind Fliegeruhren in manchen Prototypen, Kunst- oder historischen Flugzeugen heute noch Haupt-Zeitmessinstrument und nicht nur optische Begleiter. Die Fragen, die sich die Projektgruppe im Vorfeld stellten, waren unter anderem Folgende:

  • Was ist eigentlich eine professionelle Fliegeruhr?
  • Welche Zwecke muss sie für den Piloten beim Flug erfüllen?
  • Welche Merkmale sind unverzichtbar, welche überflüssig?

Die Fachhochschule Aachen war deshalb der geeignete Partner für die Entwicklung eines solchen Standards, da sie neben eigenen Forschungsflugzeugen auch ein Fluglabor besitzt und über umfangreiche Erfahrungen mit Messtechnik verfügt. Lothar Schmidt, Inhaber der Uhrenmarke Sinn, gab somit nur den Anstoß für die Entwicklung eines solchen Standards, die Durchführung und Entwicklung erfolgte unabhängig davon in der Projektgruppe.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt wurden neben physikalischen Anforderungen, die durch umfangreiche Experimente und Messungen in Labors und im Flugbetrieb überprüft wurden, auch die funktionalen und praktischen Anforderungen der Piloten im Alltag festgelegt. Letztere erfolgten durch eine detaillierte Befragung unterschiedlichster Berufs- und Hobbypiloten. Zudem wurden die gesammelten Kenntnisse von Diplom-Ingenieur Volker Bau, Cheftestpilot beim Hubschrauberhersteller Eurocopter, im Rahmen einer praktischen Prototypen-Erprobung bei Hitze, Kälte und in großer Höhe geprüft.

Herausgekommen ist nun eine Norm, die es künftig ermöglicht, Uhren mit dem Qualitätssiegel „TeStaF“ auf dem Ziffernblatt und/oder dem Gehäuse zu zertifizieren.

Die Anforderungen an die Uhren sind hoch:

  • eindeutige und sekundengenaue Zeitanzeige
  • gute Nachtablesbarkeit
  • Die Uhr muss einem raschen Temperaturwechsel standhalten,
  • sowie Veränderungen des Umgebungsdrucks bis 0,044 bar (entspricht 21.300 Metern).
  • Die Uhren müssen gegen Vibration und Stöße gewappnet sein,
  • sowie gegen Eindringen von Flüssigkeiten wie Wasser oder Kerosin.
  • Zudem dürfen die Uhren die Avionik und Sicherheit des Fluggeräts nicht beeinträchtigen.

Nur wenn die Uhr diese und weitere Kriterien erfüllt, kann sie mit dem TeStaF zertifiziert werden.

Zu den Prüfverfahren zählt beispielsweise der Umgebungsdruck

Auszug aus dem TeStaF:

“Unter der Annahme, dass in der Uhr ein Innendruck von 1,013 bar herrscht, muss die Uhr eine innerhalb von 15 Sekunden erfolgende Verringerung des Umgebungsdrucks von 0,752 auf 0,044 bar (entsprechend einem Differenzdruck von 0,708 bar) überstehen. Unmittelbar anschließend muss der Außendruck von 0,044 bar über mindestens zwei Stunden ohne Unterbrechung aufrechterhalten werden. Nach jeder Prüfung ist eine Sichtprüfung, insbesondere im Hinblick auf einen veränderten Glassitz, erforderlich. Im Anschluss an die zweite Prüfung ist eine Wasserdichtigkeitsprüfung durchzuführen.

Eine Druckdifferenz von 0,261 bar muss mindestens 2.000-mal durchlaufen werden, um einen Wechselzyklus des Umgebungsdrucks von 1,013 bar auf 0,752 bar auf 1,013 bar zu simulieren.”

Die FH Aachen hat für den TeStaF ein anspruchsvolles Prüfregime entwickelt, dass im Rahmen des Technologietransfers über das Aachen Institute of Applied Sciences e.V. (AcIAS) allen Uhrenherstellern angeboten wird. Beim erfolgreichen Verlauf der Prüfungen wird die Konformität von Fliegeruhren mit dem TeStaF durch ein Zertifikat bescheinigt. Nur diese Uhren dürfen auf Zifferblatt oder Gehäuse das geschützte Qualitätskennzeichen “TeStaF” tragen.

Weitere Informationen zum genauen Testprozedere und zum TeStaF allgemein lesen Sie in den nächsten Tagen auf Watchtime.net

 




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