Neue Zeiten bei A. Lange & Söhne
Die sächsische Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne hat kürzlich nicht nur mehrere Uhren mit neuartigen Zeitanzeigen entwickelt – auch für das Unternehmen selbst sind neue Zeiten angebrochen: Mit Wilhelm Schmid hat zum Jahresbeginn 2011 ein erfahrener Manager die Führung der Marke übernommen. Bis zu seinem Einstieg in die Uhrenbranche hatte der 48-jährige Diplom-Betriebswirt verschiedene leitende Positionen bei BMW sowie davor beim deutschen Zweig des Motorölherstellers Castrol-Burmah inne.
Die erste Uhr, die unter Schmids Ägide vorgestellt wurde, ist die Richard Lange Tourbillon „Pour le Mérite“. Der Beiname steht bei Lange für besondere uhrmacherische Leistungen, die die anderen, stets perfekt bearbeiteten Manufakturkaliber konstruktiv noch übertreffen. Und tatsächlich bietet der Neuling nicht nur ein Tourbillon, sondern darüber hinaus einen patentierten Sekundenstopp, mit dem sich der Drehgang anhalten und die Uhr sekundengenau einstellen lässt. Die augenfälligste Besonderheit ist jedoch das ungewöhnliche Regulatorzifferblatt mit großzügigem Tourbillonausschnitt: Damit der Betrachter so lang wie möglich Freude am mechanischen Zusammenspiel hat, ist das danebenliegende Stundenzifferblatt angeschnitten; nur in den Stunden zwischen sechs und zwölf Uhr kommt der fehlende Teil unter dem Hauptzifferblatt hervor. Auf diese Weise entgeht dem Träger des neuen Tourbillons niemals die genaue Uhrzeit – zumal Regulatoren ursprünglich als perfekt ablesbare Referenzuhren für Uhrmacher entwickelt worden waren.
Aus konstruktiver Sicht besticht das neue Werk unter anderem durch seinen Antrieb über Kette und Schnecke, der über die gesamte Gangdauer hinweg eine gleich hohe Federkraft an das Räderwerk weitergibt und die Gangwerte somit konstant hält.
Ebenfalls eine mechanische Uhren-Spezialität mit außergewöhnlicher Anzeige ist die Lange Zeitwerk Striking Time. Sie stellt die Weiterentwicklung der 2009 vorgestellten Lange Zeitwerk dar – der ersten Lange-Armbanduhr mit mechanischer Digitalanzeige. Das neue Modell verfügt zusätzlich über ein von vorn sichtbares Schlagwerk, das zu jeder Viertelstunde einen hohen und zu den vollen Stunden einen tiefen Ton schlägt.
Keine Komplikation im eigentlichen Sinne, aber ebenfalls schwer zu realisieren, sind extraflache Uhrwerke wie das Handaufzugskaliber der neuen Saxonia Thin. Das nur 2,9 Millimeter hohe Werk, das trotz seiner geringen Maße eine Gangautonomie von 72 Stunden besitzt, tickt in einem 5,9 Millimeter flachen Rotgoldgehäuse. Es ist eines von fünf neuen Kalibern und das insgesamt 40. Uhrwerk, das Lange seit der Neugründung in den neunziger Jahren vorgestellt hat.



