Parmigiani – Restauration

Die Geschichte des Hauses

Restaurierungsbericht einer Taschenuhr signiert Perrin Freres (Gebrüder Perrin) mit einer Zeitanzeige über wandernde Stunden in einem Bogensegment mit Minutenteilung, Viertelstundenrepetition auf zwei schlangenförmigen Tonfedern (ausgeführt bei Parmigiani, Restauration Fleurier/CH).

Die Anfang des 19. Jahrhunderts hergestellten goldenen Taschenuhren signiert Perrin Freres, Neuenburg/Neuchâtel sind keine extrem seltenen Uhren. Sie sind wohl in mehreren 100 Exemplaren über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren hergestellt und verkauft worden. Die Gravur der Taschenuhr mit ihrem guillochierten und kannelierten Goldgehäuse gibt eine die Leier spielende Frau wieder, die unter einer Trauerweide sitzt. Ein Vogel fliegt in die Richtung eines anderen, der auf einem Korbhenkel hockt. Auf dem Zifferblatt befindet sich auf der Höhe der Stunde „6“, die Herstellersignatur Perrin Freres.

Über einen segmentförmigen Ausschnitt für das Minutenzifferblatt 0 bis 60 wandert die jeweilige Stunde als Zahl in Form des Minutenzeigers. Wenn sie am rechten Rand verschwindet, erscheint links die nächste Stundenzahl und zeigt mit einer kleinen Zeigerspitze die verstrichenen Minuten.

Die von Parmigiani restaurierte Uhr war in keinem erbärmlichen Zustand, nur die typischen Abnutzungserscheinungen einer 200 Jahre alten Uhr waren zu sehen. Die aufgewendete Arbeitszeit betrug insgesamt 160 Stunden.

Folgende Arbeitsschritte wurden durchgeführt:

  • Gerade richten eines Zahns des Hemmungsrades, durchbohren des neuen Glases an zwei Stellen auf der Werkseite, anfertigen des Stundenrohres und des Sperrrades im Räderwerk, weiterhin ein Stellungsfinger.
  • Instand setzen der Malteserkreuzstellung und Politur des Malteserkreuzes, einbohren eines Zapfens im Kleinbodenrad, Einbau von fünf Lagern im Schlagwerk, die ausgelaufen waren. Entrosten, polieren und bläuen der zwei Tonfedern, polieren der Wellen und Triebe im Räderwerk.
  • Entrosten und nacharbeiten der Schraubenschlitze und polieren der Schrauben (ca. 60 Stück); ein Teil der Schrauben musste neu gebläut werden.
  • Entrosten und polieren von sechs Stiften, entrosten der Feder, der Sterne und der beweglichen Stundenindikationen, polieren der Scheitelpunkte des Triebflügels des Zeigerwerks.
  • Entrosten und polieren von 13 Federn, entrosten und polieren einiger großer Stahlteile, einschließlich der großen Trägerplatte, die auch gebläut wurde.
  • Entrosten und polieren der Rückervorrichtung.
  • Polieren der Zähne des Zylinderrades. Rollieren der Räderzapfen. Reinigen des gesamten Uhrwerks und des Gehäuses, zusammenbauen, ölen und justieren.

Diese ausgeführten Arbeiten stellen nun keine unüberwindlichen Schwierigkeiten dar, eine ganz normale Restaurierung, wie sie jeder Uhrenrestaurator können sollte.

Die Firma von Michel Parmigiani hat jedoch den Vorteil über eine Jahrzehnte dauernde Erfahrung zu verfügen, die aus der Zusammenarbeit mit der Sandoz Stiftung und dem Uhrenmuseum in Le Locle erwachsen ist. Michel Parmigiani hat 1975 im Alter von 25 Jahren seine Restaurierungswerkstatt eröffnet, nachdem er die Uhrmacherschule in Fleurier und eine Fortbildung im Restaurierungsatelier des Museums in La Chaux-de-Fonds hinter sich gebracht hat. Ephrem Jobin, der damalige Kurator des Museums in Le Locle brachte ihn dann mit Frau Landolt zusammen, die daraufhin beschloss ihm die Sammlung ihres Großonkels Maurice Yves Sandoz (1892-1958) anzuvertrauen. 500 Jahre Uhrengeschichte sind durch seine Hände gegangen, auch wenn das Schwergewicht und seine große Liebe bei den Automaten des 19. Jahrhunderts liegt. Die berühmte Raupe (ca. 1800) Henri Maillardet zugeschrieben oder der grüne emaillierte Frosch sind durch seine Hände gegangen. Die unterschiedlichsten Vogelautomaten, Taschenuhren für den chinesischen Markt mit Automatenfiguren, wie „Der Seiltänzer“, „Die Harfenspielerin“ oder „Moses schlägt Wasser aus dem Fels“. Das berühmte Messer mit Musikwerk, diverse Pistolenpaare mit Parfumzerstäuber oder Vögelchen, der Spiegel mit den sich öffnenden Blütenblättern aus denen ein Vögelchen kommt, mehrere Singvogelautomaten, eine der extrem seltenen ovalen Uhren mit länger und kürzer werdenden Zeigern, eine komplizierte Kalenderuhr von James Cox, London, 1767. Die traumhafte Zwei-Zonenzeit-Taschenuhr mit den zwei Werken. Das Bergkristall-Ei mit dem innewohnenden Pfau und den emaillierten Flügeln (2009). Die Restaurierung dieses Stücks hat allein 450 Stunden in Anspruch genommen. Das Lorgnion, die Parfumflasche mit Uhr, die Tabakdose mit dem Magier oder ein Stockknauf mit einem darin versteckten kleinen Vögelchen. Alles singuläre Meisterstücke der Sandoz-Sammlung. Nicht aus dem Sandoz-Umfeld stammt eine seiner berühmten Restaurierungen, die Baring-Breguet-Sympathic Nr. 257 Uhr Nr. 4745, die in sehr traurigem Zustand auf seinen Werktisch kam. Michel Parmigiani hatte 2000 Stunden aufzuwenden, um die Restaurierung so auszuführen, wie er sie sich vorstellte, um die Uhr dann später bei Habsburg Antiquorum in der Auktion vom 14.04.1991 anzubieten. Auf der Kundenliste stehen weiterhin so klangvolle Namen wie das Patek Philippe Museum in Genf, das Museé Arts d’Decoratif in Paris und die Sammlung im Kastell Sforcesco in Mailand.

 

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