1988 – die Automatik-Daytona
Heiß umkämpfter Bestseller: Basis Zenith
Mit den 1976 vorgestellten Referenzen 6263 und 6265 endete bei Rolex das Kapitel der Handaufzugs-Chronographen. Von einer eigenen Automatik-Konstruktion waren die Genfer 1988 zwar noch ein gutes Stück entfernt, gleichwohl hatten sie still und leise eine Selbstaufzugs-Version des Daytona-Cosmographen entwickelt. Gleich drei Referenzen: 16520, 16523 und 16528 gaben in Basel ihren Messe-Einstand, alle wasserdicht bis 100 Meter.
Die Basis des Automatikkalibers 4030 bildete das „El Primero“ von Zenith. Mit dessen vergleichsweise hoher Unruhfrequenz von fünf Hertz konnten sich die Rolex-Uhrmacher nur wenig anfreunden. Auch an der Datumsanzeige störten sich die Techniker. Unter der Maxime optimaler Zuverlässigkeit unterzogen sie das El Primero einer gründlichen Überarbeitung. Am Ende blieb nur rund die Hälfte aller Teile unangetastet. Die gravierendste Änderung betraf das Räderwerk selbst. Nach Abschluss der uhrmacherischen Rosskur oszillierte die Unruh nunmehr mit 28800 A/h. Ungeachtet der nun auf die Achtelsekunde reduzierten Stoppmöglichkeit blieb es auf dem Zifferblatt bei der gewohnten Fünftelteilung.
Zu den Rolex-Merkmalen gehörten ferner der fehlende Unruhstopp und eine freischwingende Breguetspirale. Die Regulierung des Gangs erfolgte über vier „Microstella“-Schrauben auf der Innenseite des beim 4030 deutlich größeren Unruhreifs. Die Befestigung des äußeren Spiralenendes in einem dreieckigen Spiralklötzchen verhinderte ein unbeabsichtigtes Verstellen des Spiralenendpunkts beim Festziehen der zugehörigen Klemmschraube. Hinzu gesellten sich ein Rolex-typischer Rotor mit äußerem Schwermetallsegment, flach geschliffene und polierte Schrauben mit Kantenbrechung sowie ein offizielles Chronometerzertifikat. Speziell die Stahlversion übertraf alle Erwartungen. Ellenlange Wartelisten waren an der Tagesordnung. Rolex selbst betrachtete die chronographische Ehe mit Zenith von Anbeginn als Übergangslösung, denn das 4030 verkörperte im Kreis der Manufakturkaliber weiterhin einen Fremdkörper.
2000 – Daytona mit Rolex-Kaliber 4130
Aus eigener Manufaktur: Die Referenz 116520
Die Erkenntnis, dass gut Ding Weile braucht, trifft auf Rolex in besonderer Weise zu. 2001 gehörte die stählerne „Daytona“, Referenz 116520, mit dem patentierten Manufakturkaliber 4130 zu den Stars der Basler Uhrenmesse. Das durch und durch neu konstruierte, bereits 2000 in der Goldversion vorgestellte Uhrwerk besitzt einen Durchmesser von 30,5 Millimetern, 6,5 Millimeter Höhe, 44 funktionale Steine und eine gewohnte Unruhfrequenz von vier Hertz oder stündlich 28800 Halbschwingungen.
Den Gegensatz zum Vorläufer-Kaliber 4030 charakterisieren unter anderem ein Sekundenstopp sowie eine vertikale Reibungskupplung. Letztere gestattet einen ruckfreien Start des Chronographen, dessen ausschließlich werkseitig montierte Zählmechanismen Stoppintervalle bis zu zwölf Stunden festhält. Dank einer Gangautonomie von 72 Stunden ohne und 66 Stunden mit eingeschaltetem Chronographen kann man diese Armbanduhr übers Wochenende ohne Weiteres ablegen. Am Montag stimmt die Zeit immer noch. Und zwar sehr akkurat.
Rolex liefert jeden Daytona-Chronographen – wie gehabt – mit offiziellem Gangzeugnis. Aus eigener Manufaktur stammt übrigens nicht nur das Rohwerk mit klassischem Schaltrad, sondern auch die frei schwingende Breguetspirale, die auch harte Beanspruchungen gelassen hinnimmt. Einen Quantensprung verkörperte das neue, in allen Details hochwertigere Gliederarmband. Der Unterschied zwischen der alten Daytona-Referenz 16520 und der aktuellen 116520 ergibt sich zifferblattseitig aus durchdachten Details: Die kleine Sekunde rotiert bei der „6“, und die Zählzeiger befinden sich auf einer Linie, leicht oberhalb der horizontalen Mittelachse des Zifferblatts. Es lebe der feine Unterschied, der mit Blick auf das neue Uhrwerk und das Armband jedoch ein ganz gewaltiger ist. Freilich gilt es auch etwas mehr Gewicht am Handgelenk spazieren zu tragen: Der stählerne Daytona-Chronograph 116520 bringt rund 20 Gramm mehr auf die Waage.
Artikel “Meilensteine Rolex” aus Chronos. Text: Gisbert L. Brunner
Index Rolex Meilensteine:
- >> Gründung und der Weg zur Marke – 1905 bis 1914
- >> Geburt der Oyster – 1926
- >> Die erste Rolex Prince – 1928
- >> Die Oyster Perpetual – 1931
- >> Die erste Datejust – 1945
- >> Die Explorer – 1953
- >> Die Submariner – 1954
- >> Die Milgauss – 1954
- >> Die erste GMT-Master – 1955
- >> Geburt der Day-Date – 1956
- >> Premiere der Sea-Dweller – 1966
- >> Die erste Daytona mit Handaufzug – 1970
- >> Die Quartz Date – 1970
- >> Die Daytona-Automatik – 1988 und 2000 mit Manufakturkaliber







