Das Rolex-Jahr 1960
Auf die Frage, warum er sich nach vielen Jahren der Stratosphärenforschung plötzlich der Tiefsee zuwende, antwortete Professor Auguste Piccard: „Weder änderte ich meine Meinung noch meine Methoden. Ein Stratosphärenballon und eine Tauchkugel sind wirklich das Gleiche. Beide sind gebaut, um in unwirtlicher Umgebung überleben zu können. Beide sind mit einer druckdichten Kabine ausgestattet, schwerer als das sie umgebende Medium, und besitzen einen „Ballon“ zum Gewichtsausgleich. Nur die Parameter müssen modifiziert werden, denn in jedem spezifischen Fall sind die Druckverhältnisse völlig unterschiedlich.“ Als der Forscher im September 1953 mit seinem Bathyscape FNRS-2 stolze 3131,8 Meter in die Tiefen des Ozeans hinabstieg, war die Uhrenmarke Rolex mit von der Partie.
Und zwar spektakulär: Außen am Tauchgerät überstand der spezielle Zeitmesser die Strapazen völlig klaglos. Aber es sollte noch besser kommen: Am 23. Januar 1960 stach das Tauchboot „Trieste“ mit seinem Tiefseeballon zum 65. Mal in See. Ziel war „Challenger Deep“ vor der Küste Guams, die tiefste Stelle des Ozeans. Hier galt es zu beweisen, dass jede beliebige Stelle des Meeresgrunds erreichbar ist. Die „Trieste“ sowie Jacques Piccard und Don Walsh als Besatzung begleitete abermals eine ganz besondere Rolex.
Der Genfer Spezialist für wasserdichte Gehäuse wollte die hohe Leistungsfähigkeit der „Oyster“-Konstruktion einmal mehr beweisen. Zu diesem Zweck befestigten die Techniker an der zwölf Zentimeter dicken Außenhaut der 13 Tonnen schweren Tauchkapsel eine speziell entwickelte, extrem voluminöse und nur in Mini-Auflage gefertigte Armbanduhr. In 10.916 Metern Tiefe musste diese einem Druck von rund 1125 kg/cm² widerstehen. Und diesen Job erfüllte die mit einem dicken, kugelförmigen Glas versehene Deep Sea Special bravourös.
1966 – Premiere der Sea-Dweller
Aus Erfahrung klug
Wer als Taucher für die französische Compagnie Maritime d’Expertise (Comex) arbeiten wollte, musste ein echter Profi sein. Als solche vertrauten viele bei ihren Unterwassermissionen auf die Submariner-Referenz 5513. Als die Verwendung neuartiger Atemgase mit Wasserstoff- und/oder Heliumanteil immer größere Tauchtiefen gestatteten und mit dem gleichen Gemisch befüllte Dekompressionskammern veränderte Arbeitsbedingungen mit sich brachten, bekamen die bewährten Modelle ein Problem.
Während des Aufenthalts in der Druckkammer drangen die Helium-Moleküle durch die Plexigläser und die Dichtungen ins Gehäuseinnere. Am Ende ihrer Unterwasser-Tätigkeit wurden die Taucher deutlich schneller wieder normalen atmosphärischen Druckverhältnissen ausgesetzt, als das Heliumgas aus dem Uhrengehäuse entweichen konnte.
Der solcherart aufgebaute Überdruck sprengte das Glas förmlich ab. Leidgeplagt ersuchte Comex den Uhren-Partner Rolex um Abhilfe.

Die Bitte blieb nicht ungehört. Ein neuartiges Heliumventil, das das schädliche Gas aus dem Gehäuse entweichen ließ, erlangte 1967 patentrechtlichen Schutz. Anfangs nutzte Rolex die Innovation in modifizierten Submariner-Modellen der Referenz 5513, exklusiv gefertigt für Comex. Der Schriftzug des Unternehmens fand sich auf dem Zifferblatt, während der Boden eine spezielle Identifikationsnummer trug. Die zweite, wiederum mit „Comex“ signierte Serie erhielt die eigene Referenznummer 5514.
1966 kam zudem die bis 600 Meter wasserdichte „Sea-Dweller“ auf den Markt. Die Referenz 1665 gelangte ab 1967 in den allgemeinen Verkauf. 1978 kam die Referenz 16600 mit Saphirglas und optimiertem Heliumventil, wasserdicht bis 1220 Meter. Bis 1981 waren beide Versionen erhältlich. Danach verblieb nur die extrem belastbare in den Katalogen.
Index Rolex Meilensteine:
- >> Gründung und der Weg zur Marke – 1905 bis 1914
- >> Geburt der Oyster – 1926
- >> Die erste Rolex Prince – 1928
- >> Die Oyster Perpetual – 1931
- >> Die erste Datejust – 1945
- >> Die Explorer – 1953
- >> Die Submariner – 1954
- >> Die Milgauss – 1954
- >> Die erste GMT-Master – 1955
- >> Geburt der Day-Date – 1956
- >> Premiere der Sea-Dweller – 1966
- >> Die erste Daytona mit Handaufzug – 1970
- >> Die Quartz Date – 1970
- >> Die Daytona-Automatik – 1988 und 2000 mit Manufakturkaliber





