Taucheruhren 2011 – Teil 2

Wie tief kann ich mit meiner Uhr tauchen?
TAG Heuer Aquaracer 500M Calibre:
Gehäuse aus Edelstahl, wasserdicht bis 500 Meter, Heliumventil, 2.450 Euro
Longines HydroConquest Chronograph:
Edelstahlgehäuse mit Aluminiumlünette, wasserdicht bis 300 Meter, 1.370 Euro
Richard Mille RM 032:
Gehäuse aus Rotgold, wasserdicht bis 300 Meter, 115.000 Euro
Sinn:
Gehäuse aus U-Boot-Stahl, Hydro-Technik, druckfest bis 500 Bar, 1.250 Euro
Fortis B-47 Big Black Big Day Big Date:
Gehäuse aus Edelstahl mit PVD-Beschichtung, druckfest bis 20 Bar, 2.725 Euro
Mühle Glashütte:
Gehäuse aus Edelstahl mit Magnetschutz, druckfest bis 100 Bar, 2.365 Euro

Zum Schnorcheln oder Schwimmen sind zehn Bar Druckfestigkeit völlig ausreichend, bei fünf Bar darf noch geduscht oder gebadet, bei drei Bar sollten aber nur noch die Hände gewaschen werden. In Deutschland dürfen solche Uhren nicht mehr mit „30 Meter wasserdicht“ (also drei Bar) beworben werden, weil hier der falsche Eindruck entsteht, man könnte mit diesen Uhren in eine solche Tiefe tauchen.

Zum Tauchen sollte die Uhr dann schon eine Druckfestigkeit von 20 Bar (200 Meter) oder 20 ATM aufweisen. Je druckfester eine Uhr also ist, desto besser zum Tauchen.

Den Weltrekord der Wasserdichtigkeit bei mechanischen Uhren – mit Eintrag im Guiness Buch der Rekorde – hält derzeit noch die „20.000 Feet”-Uhr von CX Swiss Military. Sie ist bis 6.000 Meter wasserdicht. Die Uhr hat jedoch eine Höhe von fast drei Zentimetern.

Zuvor hielt Rolex den Weltrekord mit 3.900 Metern mit der Sea-Dweller Deepsea, die mit 1,8 Zentimeter doch deutlich flacher ist. Bei ihr sorgt nicht das äußere Gehäuse für die hohe Druckfestigkeit, sondern ein Innenring aus besonders zugfestem Biodur-108-Stahl.

Bis 3.900 Meter wasserdicht: die Rolex Sea-Dweller Deepsea, 8.300 €

Die Kalmar von H2O Watch soll es ebenfalls bis in Tiefen von 6.000 Meter schaffen. Das Uhrenmodell mit einer Gehäusehöhe von 1,8 Zentimetern besteht aus Titan Grade 5. Im Innern der Uhr arbeitet ein Eta 2824. Die Uhr wurde von der K.U.M. in Kiel auf ihre Druckfestigkeit hin geprüft. Die offizielle Angabe der Uhrenmarke beträgt jedoch 300 Bar, also 3.000 Meter. Die 45 Millimeter große Kalmar ist ab 900 Euro erhältlich.

 

Hoher Druck kann vor allem den Boden oder das Glas beschädigen oder gar zum Springen bringen. Davon abgesehen stellt oft die Krone die größte Schwachstelle dar. Sie muss drehbar sein. Das ist auch der Grund weshalb hier eher mal Wasser eindringen kann. Daher sollte die Krone verschraubbar sein.

Feuchtigkeit schadet der Uhr – auch an Land

Trotz einer hohen Druckfestigkeit kann es passieren, dass Feuchtigkeit in das Gehäuse tritt. Insbesondere bei einem Sprung ins kühle Nass und beim Schwimmen kann sich kurzfristig ein höherer Wasserdruck auf die Dichtungen aufbauen als der garantierte Druck. Besonders gefährdet sind Uhren, welche nach einem längeren Sonnenbad durch einen Sprung ins Wasser deutlich abgekühlt werden. Der Druck beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche in Kombination mit dem Unterdruck durch die Abkühlung kann schneller dazu führen, dass Feuchtigkeit in die Uhr eintritt. Aufgrund des schnellen Temperaturwechsels kann die Uhr von innen beschlagen. Sollte dies der Fall sein, muss die Uhr sofort zum Uhrmacher gebracht werden.

Die Frankfurter Uhrenmarke Sinn verarbeitet deswegen sogenannte EDR-Dichtungen aus Flour-Karbonkautschuk. EDR steht für extrem diffusionsreduzierend. Diese lassen bis zu viermal weniger Luftfeuchte eindringen als herkömmliche Nitril-Dichtungen.

Die meisten Taucheruhren von Sinn werden zusätzlich mit dem Edelgas Argon gefüllt. Dieses lässt sich aufgrund seiner Beschaffenheit nicht so leicht wie Luft aus dem Gehäuse verdrängen. Wichtigster Teil der sogenannten Sinn Trockenhaltetechnik ist neben den EDR-Dichtungen und der Gasfüllung eine Trockenkapsel, die mit Kupfersulfat gefüllt ist. Diese Kapsel bindet die Feuchtigkeit im Innern der Uhr.

Enorm wichtig – sowohl für Hobby- als auch Berufstaucher – ist neben der Robustheit und Druckfestigkeit vor allem eine gute Ablesbarkeit unter Wasser. Zudem sollte der Taucherdrehring leicht zu bedienen und gut abzulesen sein – vor allem in der Tiefe. Denn schon in zehn Metern Wassertiefe kann es richtig dunkel sein. Leuchtmasse auf Zeigern und dem Drehring sind deshalb enorm wichtig. Ebenso kann die Luft, die sich unter dem Glas befindet, bei schräger Draufsicht unter Wasser zu Spiegelungen führen, und so die Ablesbarkeit verschlechtern oder gar unmöglich machen. Gläser bei Taucheruhren sollten daher immer entspiegelt sein.

Flüssige Entspiegelung: Die mit Öl gefüllte Sinn UX ist aus jedem Winkel ablesbar (rechts zum Vergleich ohne Ölfüllung)

Flüssige Entspiegelung: Die mit Öl gefüllte Sinn UX ist aus jedem Winkel ablesbar (rechts zum Vergleich ohne Ölfüllung)

Sinn setzt dafür die sogenannte Hydro-Technik ein: Das Gehäuse ist komplett mit einem speziellen farblosen Öl gefüllt, das den gleichen Brechungsindex wie Saphirglas besitzt. Dadurch ist die Uhr im Wasser unter jedem Winkel ablesbar. Flüssigkeiten lassen sich nicht wie Luft komprimieren, und halten somit dem Druck stand. Diese Technik ist jedoch nur bei Quarzwerken realisierbar, die Unruh würde bei mechanischen Uhren durch das Öl gebremst werden. Diese Technik schafft eine theoretisch unendliche Tauchtiefe, nur der gekapselte Quarz des Werks geht spätestens bei 8.000 Meter kaputt, weshalb die Uhr bis 500 Bar (5.000 Meter) freigegeben ist.


>> Taucheruhren Teil 3 – Gehäusematerial und Heliumventil

 

 

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