Taucheruhren 2011

Ab in die Tiefe

Der größte Teil der Erdoberfläche ist von Wasser bedeckt und davon entfällt der größte Teil auf das Salzwasser der Weltmeere. Nur circa 3,5 Prozent liegt als Süßwasser vor – gebunden als Eis an den Polen oder Gletschern, als Grundwasser oder – der geringste Teil – in Flüssen oder Seen. Also genügend Möglichkeiten für Taucher, ihre Leidenschaft auszuleben. Doch egal, wo das Taucherherz hinab tauchen möchte, in das Rote Meer oder den Bodensee, der Faktor Zeit spielt unter Wasser die entscheidende Rolle. Im Tiefenrausch, zwischen all den bunten Fischen und Korallen oder in den verstecken Höhlen und den dunklen Tiefen, verliert man schnell sein Gefühl für die Zeit. Der Sauerstoffvorrat der Stickstoffflasche ist begrenzt und beim Auftauchen müssen bestimmte Dekompressionsstopps gemacht und die Zeiten genau eingehalten werden, um sich nicht in Gefahr zu begeben.

 

Tauchuhren sind somit unerlässliche Begleiter, wenn es hinab in die Tiefe geht. Immer mehr Uhrenhersteller präsentieren tiefentauchgliche Zeitmesser, die sich nicht nur durch ihr Design, sondern durch ihre Ausstattung unterscheiden.

Seit 2003 unterstützt die Uhrenmarke IWC die Non-Profit-Organisation Cousteau Society, die der bereits verstorbene Jacques-Yves Cousteau zum Schutz und zur Erforschung der Meere gegründet hat. Das Sondermodell der Schaffhauser Uhrenschmiede Aquatimer Chronograph Edition Jacques-Yves Cousteau erinnert an den 100. Geburtstag des Meeresforschers im Jahr 2010. Auf dem Gehäuseboden ist neben dem Porträt der Schriftzug „A Tribute to J.Y. Cousteau 1910-2010″ eingraviert. Der 44 Millimeter große Chronograph hält Drücken bis zwölf Bar stand. Angetrieben wird der 5.600 Euro teure Stopper von einem Valjoux 7750.

Was sollte beim Kauf einer Taucheruhr beachtet werden?

Wie eigentlich für fast alles im Leben, gibt es auch für Taucheruhren eine Norm. Die DIN 8306 deckt sich in weiten Teilen mit der internationalen Norm ISO 6425 und stellt hohe Ansprüche an eine Taucheruhr:

Eine Taucheruhr muss mindestens zehn Bar (100 Meter) Wasserdruck aushalten. Sie muss des Weiteren salzwasserbeständig, stoßsicher und antimagnetisch sein. Auch bei Belastung muss die Krone dicht bleiben. Selbst bei 25 Prozent unter der angegebenen Tiefe darf keine Feuchtigkeit in die Uhr gelangen. Die Uhr muss zudem eine Einrichtung zur Vorwahl einer bestimmten Zeitspanne besitzen, beispielswiese einen Skaleneinstellring (Taucherdrehring), der gegen Verstellen gesichert ist. Ebenso müssen Zifferblatt und Einstellring eine Minutenteilung besitzen, mit einer abgesetzten Fünf-Minuten-Markierung versehen. Dieser Einstell- oder Taucherdrehring muss genau wie die Zeiger (auch der Sekundenzeiger als Funktionskontrolle) im Dunkeln – aus 25 Zentimeter Abstand – abgelesen werden können.

Die Taucheruhren von Bell & Ross werden im Praxixtest geprüft (hier die BR 02 Pro Dial)
Die BR 02 Steel hält Drücken bis 100 Bar stand. Das tonneauförmige Gehäuse ist 44 Millimeter breit. Stellkrone und Zusatzkrone für den innenliegenden Tauchzeitring sind verschraubt. Im Innern des Tauchers arbeitet ein Eta 2892. Die Uhr kostet 2.400 Euro.

Taucheruhren nach DIN 8306/ISO 6425

  • Wasserdicht bis 100 m oder mehr, es dürfen nur volle Hunderter-Werte angegeben werden.
  • Muss zwei Stunden in dieser Wassertiefe und danach drei Stunden in drei Meter Tiefe aushalten.
  • Muss eine Einrichtung zur Vorwahl einer Zeitspanne mit Minuten- und davon abgesetzten Fünf-Minuten-Markierungen besitzen.
  • Zeit, vorgewählte Zeitspanne und Sekundenzeiger (oder eine andere Funktionskontrolle) müssen auch im Dunkeln erkennbar sein.
  • Muss antimagnetisch nach DIN 8309 sein: Nach Magnetfeldeinfluss von 4800 A/m darf die Abweichung höchstens 30 Sekunden am Tag betragen.
  • Muss stoßsicher nach DIN 8308 sein: Nach Schlag mit 4,43 m/s darf die Abweichung höchstens eine Minute am Tag betragen.
  • Muss 24 Stunden in warmem Salzwasser ohne sichtbare Spuren überstehen.
  • Muss während und nach 20 Minuten Wasserdruck entsprechend der angegebenen Tiefe noch funktionieren.
  • Vorwahl einer Zeitspanne muss in 30 Zentimeter Wassertiefe bedienbar sein.
  • Das geschlossene Armband wird eine Minute lang mit 40 Kilogramm belastet, dabei darf sich nichts lösen oder verbiegen.
  • Die Krone wird in 25 Prozent über der angegebenen Tiefe zehn Minuten lang von oben mit 0,5 Kilogramm belastet. Danach Kondenswassertest.
  • In 30 Zentimeter Wassertiefe wird die Uhr zehn Minuten auf 40 Grad, dann zehn Minuten auf fünf Grad, dann wieder zehn Minuten auf 40 Grad Temperatur gebracht. Danach Kondenswassertest.
  • Die Uhr muss eine Stunde lang 25 Prozent über angegebener Tiefe, danach eine Stunde bei 0,3 Bar Unterdruck verbringen. Danach Kondenswassertest.
  • Kondenswassertest: Die Uhr wird auf 40 Grad erhitzt. Dann wird eine Minute ein kaltes, feuchtes Tuch oder ein Wassertropfen auf dem Glas gelassen. Nach dem Trockenwischen darf sich auf der Innenseite kein Kondenswasser zeigen.
  • Während bei einer Typprüfung alle Tests gemacht werden, muss bei jeder Uhr die Dichtheit mit 25 Prozent über angegebener Tiefe als Einzelprüfung vorgenommen werden.
  • DIN 8306 stellt anders als ISO 6425 Anforderungen an die Ganggenauigkeit: z.B. mittlere Abweichung zwischen –4 und +6 Sekunden/Tag.

Viele Taucheruhren erfüllen diese Norm nicht, weil sie beispielsweise keinen Drehring oder keine durchgehende Minuteneinteilung auf diesem besitzen. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass sie sich nicht zum Tauchen eignen.

 

Viele Uhren haben jedoch eine weitaus höhere Druckbeständigkeit als die vorgeschriebenen zehn Bar der Norm. Obwohl die meisten Sporttaucher sich nicht tiefer als in 40 Metern bewegen, ist es sinnvoll eine Sicherheitsreserve zu haben. Denn unter Wasser eckt man schnell einmal mit der Uhr an, was zusätzlichen Druck erzeugt, ebenso wie Schwimmbewegungen.

>> Taucheruhren Teil 2 – Wie tief kann ich mit meiner Uhr tauchen?