1990: Auf die Stunde kommt es an

Chronoswiss Hora 1990In der Frühzeit von Chronoswiss gab es limitierte Kleinserien mit exklusiven alten Werken. Die „Hora” überzeugte durch ein modifiziertes FEF-Kaliber mit springender Stunde.

Vom amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln soll die Aussage stammen, dass nichts auf der Welt so mächtig sei wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Eine Idee derartiger Tragweite keimte gegen 1980 auch im Kopf des Uhrmachermeisters Gerd-Rüdiger Lang. Immer öfter und immer intensiver träumte er damals von seiner beruflichen Selbstständigkeit. Warum weiterhin Uhren für andere zusammenfügen oder reparieren? Warum sich permanent in das Korsett fremder Vorgaben pressen lassen? Lang hatte genaue Vorstellungen darüber, wie man dieses oder jenes besser machen könnte. Er wollte Armbanduhren nach jenen überlieferten Kriterien herstellen, die er bei Heuer in der Schweiz erlernt hatte: Kreativität und Qualität.

Freilich wusste der angehende Unternehmer auch, dass ein zugkräftiger Name die Basis jeglichen Erfolgs darstellt. Also taufte er sein Baby „Chronoswiss“. Unter dieser Bezeichnung brachte er 1983 seinen ersten mechanischen Mondphasen-Chronographen auf den Markt. Wirklich Eigenständiges gelangte ab 1988 auf den Markt. Der damals lancierte „Regulateur“, zuerst in Gestalt eines limitierten Handaufzugsmodells mit Unitas-Kaliber, gilt bis heute als typischste Chronoswiss-Uhr.
Auch 1990, als die gezeigte Anzeige erschien, machte Lang mit einer limitierten Armbanduhr von sich reden. Die „Hora” besaß ein rechteckiges Gehäuse, in dem das tonneauförmige, 15-steinige und 7 x 11-linige FEF 130 der Fabrique d’Ebauches de Fleurier aus der Zeit um 1935 Platz fand. Modifiziert durch eine springende digitale Stundenindikation, sichtbar durch einen Zifferblattausschnitt bei der „12″. Dieses Feature hatte es bei diesem Uhrwerk zuvor noch nie gegeben. Da es sich um Restbestände eines einstmals erfolgreichen Uhrwerks handelte, musste Chronoswiss die Edition auf insgesamt 700 Exemplare limitieren. Das Schwingsystem bestand aus einer Glucydur-Schraubenunruh mit Nivarox-Flachspirale, die stündlich 18.000 Halbschwingungen vollzog. Für den Namen Hora lieferte Chronoswiss eine historische Erklärung: Die Römer hatten die erste (Temporal-) Stunde nach Sonnenaufgang „hora prima”, die zwölfte Stunde des Tages zur Abenddämmerung „hora duodecima” genannt. Danach folgten zwölf Nachtstunden. Die je nach Jahreszeit unterschiedlich langen Stunden regelten die Organisation des Lebens: Arbeiten, Essen, Freizeit oder Schlafen. Auch die Unterteilung der Tage in jeweils 24 gleich lange Stunden änderte nichts am bestimmenden Wesen dieser zeitlichen Norm, nach der das individuelle Leben einzurichten war und immer noch ist. Die Stunden legen den Rhythmus des allgemeinen Geschehens fest, den Beginn und das Ende des Tagwerks, der Frei- und Schlafenszeit.
So gesehen verkörperte die Hora eine Hommage an die Stunde, den wichtigsten zeitlichen Faktor. Die Hora ließ ihre Besitzer also zu keiner Minute im Unklaren darüber, welche Stunde es geschlagen hatte.

Gisbert L. Brunner, aus Chronos 1.2010




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