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UHREN-MAGAZIN Leserreise Schweiz 2010

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Neun Damen und Herren machten sich vom 9. bis 11. August 2010 mit dem Uhren-Magazin auf nach Genf und ins Vallée de Joux. Sie schauten Uhrmachern über die Schulter, trafen berühmte Persönlichkeiten und verkosteten legendäre Uhren.

 

 


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Bei Jaeger-LeCoultre am Genfer See
An der Rue du Rhône werden wir von Hervé Estienne, Manager der Jaeger-LeCoultre-Boutique hereingebeten. Im Vorführraum begrüßt uns Jürgen Bestian, Geschäftsführer von Jaeger-LeCoultre Deutschland, mit frischem Saft und Schweizer »Gipfeli«, süßem Gebäck.
Historische Fotos und Exponate aus dem firmeneigenen Museum entführen uns in die Geschichte der Uhrmacherei im Vallée de Joux: Mit den im 16. Jahrhundert aus Frankreich geflohenen Hugenotten lassen sich die Kenntnisse der Uhrmacherei im Joux-Tal nieder, der Grundstein für die Uhrenindustrie ist gelegt. Lange verteilen sich die einzelnen Fertigungsschritte auf viele Bauernfamilien, die in den Wintern Uhrwerkteile herstellen. 1833 eröffnet Antoine LeCoultre seine Werkstatt und produziert dort bald komplette Kaliber. Das von ihm erfundene Millionomètre, ein Messgerät für den Tausendstel-Millimeter-Bereich, erleichtert die exakt gleiche Fertigung von Teileserien. Heute verbindet Jaeger-LeCoultre mit 40 vertretenen Berufen alle Arbeitsschritte unter dem Dach des Manufakturgebäudes in Le Sentier.
Wir wenden uns den Modellen zu, die zum Anschauen bereitliegen. Für jeden Geschmack wäre etwas dabei – wenn sich die Stücke einfach kaufen ließen: Neben Klassikern wie einer Reverso mit erotischem Email-Zifferblatt hinter verschließbaren Lamellen, die bekannte Gyrotourbillon 1 aus dem Jahr 2004 mit Ewigem Kalender und sphärischem Tourbillon – von den 75 gebauten Exemplaren wird im Herbst das letzte ausgeliefert -, aber auch absolute Neuheiten wie die Amvox2 Grand Chronograph. Ihre Kipplünette übernimmt die Funktion der Drücker und – falls der Träger einen Aston Martin fährt – die Funktion des Funk-Türöffners für den Wagen. „Wenn Sie Start, Nullstellung und Transponder gleichzeitig drücken, erzielen Sie den James-Bond-Effekt”, erzählt Jürgen Bestian mit einem Augenzwinkern. „Dann explodiert das Auto.”

blancpainIm Vallée de Joux bei Blancpain
Auf der einstündigen Busfahrt ins Vallée de Joux gibt sich der Montblanc die Ehre und zeigt uns seine eisglänzenden Flanken in seltener Klarheit. Der Besuch bei Blancpain führt uns durch Montageateliers für verschiedene Komplikationen. Ein Uhrmacher zeigt uns den Schlagvorgang im Werk einer Minutenrepetition unter dem Mikroskop, ein anderer berichtet von der anspruchsvollen Regulierung eines Karussels: Um den Gang in den verschiedenen Lagen optimieren zu können, muss er jeweils das Gestell blockieren.
Auf dem Weg zwischen den verschiedenen Ateliers kommen wir an einem Setzkasten vorbei, der die über 700 Teile des komplexesten Blancpain-Kalibers 1735 mit seinen sechs verschiedenen Komplikationen enthält. So ausgebreitet nimmt mehr als einen Quadratmeter ein, was sich in der Uhr auf 32 Millimetern Durchmesser und einer Werkhöhe von 11 Millimetern zusammenfügt.
Im Gravuratelier erkennen wir beim Blick durch das Mikroskop, dass die bescheiden lächelnde Mitarbeiterin Bildvorlagen mit 15 Zentimetern Durchmesser freihand auf Rotoren und Platinen überträgt. Die meisten sind Einzelanfertigungen für Kunden, die Porträts oder ähnliche Motive von persönlichem Wert in ihre Uhr eingraviert haben möchten.

audemarspiguet

Erst die Geschichte…
Im Museum Audemars Piguet, untergebracht im Gründungshaus der Marke, können wir ihrer Geschichte nachspüren. Um 1600 lässt sich Familie Hodemart – so die alte Schreibweise des Namens Audemars – in Le Brassus nieder, bereits um 1500 gründet Familie Piguet das Nachbarörtchen Piguet-Dessous.
1875 verbinden Jules Audemars und Edward Piguet, ehemals Schulkameraden, die beiden Uhrmacherfamilien zu einem Betrieb. Um das Gründungshaus wächst nun der Hauptsitz der Marke heran, die sich bis heute in Familienbesitz befindet. Jedoch: Neben Jasmine Audemars steht an der Spitze des Unternehmens Olivier Audemars. Seine Vorfahren trugen aber nur durch Zufall den Namen der Partnerfamilie. Bei den Uhrenfirmen im Vallée de Joux arbeiten heute 6500 Menschen, ebenso viele, wie das Tal Einwohner zählt. Ein großer Teil der Beschäftigten lebt im nahen Frankreich und pendelt jeden Tag über die Grenze.
Auch in Uhren erzählt das Museum Audemars Piguet Geschichte. Einen Raum nehmen die Weltrekorde vom flachsten Taschenuhrwerk 1925 bis zum kleinsten je realisierten Tourbillon-Käfig 1986 ein. Ein anderer widmet sich – samt Stammbaum – der Royal Oak. Dort stehen alle Modelle, neben der edelsteinbesetzten Damenuhr auch Arnold Schwarzeneggers Filmmodell aus »Terminator 3«.

…und dann die Komplikationen.
So eingestimmt fahren wir zum Produktionsgebäude von Audemars Piguet in Le Brassus. Vorbei an nicht zugänglichen Abteilungen für Neuentwicklungen geht es ins Spezialitätenatelier: Hier entstehen Kaliber mit Modulen für Komplikationen wie die zweite Zeitzone. Ausgiebig beobachten wir die Montage, Ölung und Einschalung der Werke, bevor man uns ins Atelier Grandes Complications bittet.
Von der größeren Spezialitätenabteilung durch eine Glaswand getrennt, arbeitet hier eine Handvoll Uhrmacher. Dreimal montieren sie die komplizierten Werke, beispielsweise für Repetitionsuhren, bis diese alle Entstehungsschritte von der Dekorierung bis zur letzten Reinigung hinter sich haben.

vacheron-constantin1Am späten Vormittag fahren wir in den Genfer Uhrenvorort Plan-les-Ouates. Bei Vacheron Constantin begrüßen uns Marc Guten, internationaler Direktor, und Sébastien Knop, Direktor für Nordeuropa. Hubert Hirner, internationaler Aus- und Weiterbildungsleiter, führt uns durch das Firmengebäude.
Von den 310 Mitarbeitern hier sorgen etwa 120 Angehörige technischer Berufe für die Auslieferung der bis zu 17.000 Uhren pro Jahr. Die Kontrollabteilungen, die etwa die in der Niederlassung Le Sentier produzierten Kaliber prüfen, besichtigen wir durch Glas. Doch im Montage- und Reglage-Atelier haben wir Zutritt bis an die Uhrmachertische. In diesen rotieren auf eingelassenen Förderbändern Teileserien für die schrittweise Bearbeitung.

Uhren bestaunen und erlauschen
Am Ende der Tour liegen Uhren zum Anschauen und Träumen bereit. Wir bestaunen das emaillierte Zifferblatt des Métiers-d’Art-Modells zu Ehren von Seefahrer Ferdinand Magellan und lauschen auf den Klang der Minutenrepetition einer Patrimony Traditionnelle mit Tourbillon und Ewigem Kalender.
Am nächsten Morgen machen wir uns auf zu Patek Philippe, um die neu bezogenen Werkstätten zu besichtigen. Seit März entstehen hier Teile wie Platinen, Brücken, Federn und Zahnräder. Nach den eher ruhigen Ateliers der vergangenen Tage wirken die Produktionsstrecken mit insgesamt 1.000 Mitarbeitern laut und riesengroß. Von der Abteilung für Bestandteile komplizierter Uhren, hier entsteht auch die Platine des Kalibers 89, geht es weiter zur Abteilung für Räderwerke. Aus meterlangen Drehautomaten fallen Wellen, die fast zu klein zum Erkennen sind. Daneben entgraten geduldige Mitarbeiterinnen die Zähne der Rädchen, deren Herstellung mit dem Ausdrehen des Lochs für das Lager endet – erst jetzt kann es im Verhältnis zur Verzahnung optimal zentriert werden.

Anfassen ausdrücklich erlaubt
Nur von außen sehen wir die Ateliers für Komplikationen wie das 10-Tages-Tourbillon. Dafür bekommen wir es später in die Hand: Am Ende des Rundgangs warten zwei Tabletts exklusiver Uhren, Anfassen ausdrücklich erlaubt. Darunter sind auch der kleinste Schleppzeigerchronograph der Welt und das Sky-Moon-Tourbillon mit Ewigem Kalender, Kathedral-Schlagwerk und Sternenkarte samt astronomischen Anzeigen auf der Rückseite.

uhrenmuseum-patek-philippe
Nachdem wir uns beim Essen etwas erholt haben, wartet als Abschluss der Reise das Museum Patek Philippe. In unzähligen Exponaten breitet sich hier die Geschichte der Marke und der Genfer Uhrmacherei vor uns aus. Von einer frühen tragbaren Uhr aus Süddeutschland um 1530 über die ersten Modelle von Patek, Czapek et Cie. (so die ursprüngliche Firmierung) des 19. Jahrhunderts bis zum Star-Kaliber 89 von 1989 unterstehen alle einem Mann: Christian Lass restauriert und wartet sämtliche Uhren des Museums. Ein kurzes Treffen mit ihm rundet den Besuch ab. gb

Weitere Impressionen von der Leserreise Schweiz 2010:




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