Vogard: Uhrentest Chronozoner

Das Uhrenmodell Chronozoner von Vogard

Das Uhrenmodell Chronozoner von Vogard

 

Das Uhrenmodell Chronozoner von Vogard ist mit einem einzigartigen Weltzeitmechanismus ausgestattet: Eine raffinierte Verbindung aus Werk und Gehäuse erleichtert Vielreisenden den Alltag.

 

 

 

 

Vorzüge | Nachteile
+ markeneigener Weltzeitmechanismus
+ markantes, individuelles Design
+ schön verziertes Werk in Top-Qualität
- Krone schwer zugänglich
- geringer Tragekomfort

Wer mit dem Chronozoner der Schweizer Uhrenmarke Vogard reist, hat die richtige Zeit immer dabei. Mit keiner Uhr lässt sich eine neue Zeitzone unkomplizierter einstellen: Während der Referenzort und der Stundenzeiger bei anderen Schnellschaltmechanismen meist über eine Zusatzkrone oder einen Drücker in einer Richtung weitergeschaltet werden, dreht der Besitzer des Chronozoner einfach die Lünette nach rechts oder links. Dabei kann er aufgrund des größeren Bedienelements mit deutlich mehr Kraft und Geschwindigkeit agieren. Zuvor löst er den Sicherungshebel bei der Zwei, der im geschlossenen Zustand einen Druckknopf gedrückt hält und so die Lünette und die jeweilige Ortszeit fixiert. Dass die Lünette, die zum Gehäuse gehört, und der Stundenzeiger, der vom Werk angetrieben wird, miteinander in Einklang stehen, ermöglicht ein ausgeklügelter Verbindungsmechanismus: Die horizontale Bewegung der Lünette wird über ein senkrecht stehendes Kronrad, das ähnlich wie eine Stellkrone funktioniert, sowie über mehrere Zwischenräder an das Stundenrad weitergegeben. Auf diese Weise kann der Stundenzeiger beim Drehen der Lünette in Stundenschritten vor- oder zurückspringen. Dabei laufen das Werk und die übrigen Zeitzeiger weiter, sodass die genaue Zeit in der neuen Zeitzone erhalten bleibt. Bei dem kurzen 24-Stunden-Zeiger mit skelettierter Spitze handelt es sich übrigens nicht um eine weitere Zeitzone, sondern um eine Tag-Nacht-Anzeige, die stets mit der Ortszeit korrespondiert.

KLEINE MODELLGESCHICHTE

Bei diesem zweiten Modell der in Nidau bei Biel ansässigen Marke wird der Weltzeitmechanismus in das altbekannte und funktionstüchtige Chronographenkaliber Valjoux 7750 integriert. Das Vorgängermodell Timezoner ist eine Weltzeituhr auf Basis des Eta 2892, die zwar keinen Chronographen, dafür aber ein Datum besitzt. Beim Chronozoner wurden Datum und Wochentag aus gestalterischen und technischen Gründen weggelassen. Der im Frühjahr 2009 vorgestellte Chronograph wird nicht die letzte Vogard-Weltzeituhr mit Zusatzfunktion sein: Alle drei bis vier Jahre will Markengründer Michael Vogt, der mittlerweile ein vierköpfiges Team führt, eine neue, möglichst reiserelevante Komplikation mit seinem Mechanismus kombinieren. Die Idee zur eigenen Weltzeituhr entstand bereits in den späten neunziger Jahren, doch erst 2001 – ein Jahr vor der offiziellen Markengründung – gewann Michael Vogt mit dem Uhrenkonstrukteur Thomas Prescher den richtigen Mann für die Umsetzung. Vogt selbst ist studierter Betriebswirt und kein Uhrmacher, arbeitete jedoch seit 1983 für diverse Uhrenmarken von Swatch über TAG Heuer bis hin zu Ebel. Den Werkumbau für den neuen Chronozoner liefert indes nicht Thomas Prescher, sondern der Chronographenspezialist Andreas Strehler, der im Verhältnis mehr Zeit für Auftragsarbeiten aufwenden kann als Prescher. Die Modifikation des Valjoux 7750 ist noch aufwendiger als die des Eta 2892: Die neu konstruierten und modifizierten Teile des Kalibers Chronozoner 01 – zum Beispiel die Grundplatine und die Übertragungsräder – machen wertmäßig rund 90 Prozent aus, während es beim Timezoner etwa 80 Prozent sind. Ebenfalls hinzugefügt hat Strehler zwei Umlenkhebel für die Chronographendrücker, die bei vier und acht Uhr sitzen. Dies wurde notwendig, weil Vogard den Sicherungshebel des Weltzeitmechanismus wie gewohnt bei der Zwei positionieren wollte. Bei einem einfachen Verschieben der Drücker würden diese mit den Bandanstößen kollidieren, sodass man die Bedienelemente weiter auseinanderziehen musste. Nun pressen die Chronographendrücker die kurzen Enden der Umlenkhebel nach innen und steuern so die Funktionen Start, Stopp und Nullstellung.

Mit Weltzeitmechanismus: die Chronozoner von Vogard

Mit Weltzeitmechanismus: die Chronozoner von Vogard

AB IN DEN SOMMER

Neben der hauseigenen Werk- und Gehäusetechnik überzeugt vor allem der Sommerzeitkorrektor, den Vogard bereits im April 2004 – vor allen anderen Marken – präsentierte und patentrechtlich schützen ließ. Aus technischer Sicht ist das Einstellen der Sommerzeit einfach: Ein Mitteleuropäer, der zum Beginn des Sommers zu Hause weilt, dreht die Lünette von „Paris” auf das danebenstehende s, das mit der nächstspäteren Zeitzone „Istanbul” zusammenfällt. Der Zeiger springt eine Stunde vorwärts und zeigt nun die Sommerzeit an. Schwieriger wird es auf Reisen: Hier muss sich der Träger vorher darüber informieren, ob es am Zielort eine Sommerzeit gibt. Die auf der Lünette verzeichneten Städte liefern diese Information auf einen Blick, indem Sie entweder ein s besitzen oder nicht. Für andere Zielortein derselben Zeitzone kann der Chronozoner dies selbstverständlich nicht leisten. Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen Ländern die Sommerzeitphase nicht mit derjenigen in Europa übereinstimmt. Auch hier muss der Träger vorher recherchieren – oder während der Ansage des hoffentlich gesprächigen Flugkapitäns genau hinhören. Neben der Sommerzeit zeichnen zwei weitere Besonderheiten die Weltzeitanzeige des Chronozoner aus: Erstens ist der Städtering aufgrund der Verbindung von Lünette und Stundenzeiger andersherum beschriftet als bei anderen Weltzeituhren; London folgt rechts von Paris statt links. Somit ist das Verstellen ein besonders logischer Vorgang, da es beim Drehen im Uhrzeigersinn immer später wird. Zweitens wählt Vogard für viele Zeitzonen andere Referenzorte als die meisten Konkurrenten auf dem Gebiet der Weltzeituhren.

Der SOMMERZEITKORREKTOR mit benachbarter s-Position ist eine Erfindung von Vogard und wurde bereits 2004 patentiert.

So wird beispielsweise Kairo durch Istanbul ersetzt, die kasachische Hauptstadt Astana erhält den Vorzug vor dem pakistanischen Karachi, für den Inselstaat Samoa steht dessen Hauptstadt Apia, und auch Puerto Rico wird durch die eigene Hauptstadt San Juan vertreten. Auf diese Weise wird die Beschriftung des Drehrings etwas konsequenter als bei anderen Weltzeituhren, da sie bis auf die Inselgruppen Hawaii, South Georgia und Azoren ausschließlich Städtenamen beinhaltet. Andererseits verlangt sie dem Träger tiefergehende Geografiekenntnisse ab, da sich Städte meist schwieriger zuordnen lassen als ganze Länder.

WEITERE BESONDERHEITEN

Von anderen Chronographen hebt sich der Chronozoner durch seine ungewohnte Zifferblattaufteilung ab. Das Drehen des Werkes im Gehäuse hat zur Folge, dass die Hilfszifferblätter bei drei, neun und zwölf Uhr sitzen. Aus der Not macht Vogard eine Tugend, indem die Chronographenzähler durch eine aufgeschraubte Zifferblattbrücke horizontal zusammengefasst werden. Damit hebt die Marke die Chronographenfunktion hervor und imitiert gleichzeitig das Armaturenbrett von Sportwagen. Somit passt das Zifferblatt zu den besonders griffigen Chronographendrückern, die den Pedalen von Rennwagen nachempfunden wurden und durch ein Antiblockiersystem aus jedem beliebigen Winkel betätigt werden können. Sportliche Fahrer, die sicherlich eine der Hauptzielgruppen für die dynamische Uhr sind, können die großflächigen Drücker problemlos mit Handschuhen betätigen. Unwichtiger als die Chronographenzähler ist die kleine Sekunde, die lediglich zur Funktionskontrolle dient. Deshalb hat Vogard sie unauffällig außerhalb der Zifferblattbrücke, bei der Zwölf, platziert. Auch hier wurde die gewohnte Anzeige modifiziert: Statt des Sekundenzeigers dreht sich das gesamte Hilfszifferblatt. Gestalterisch fügen sich das individuelle Zifferblatt und das stämmige 48-Millimeter-Gehäuse zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Wer an dem stimmigen Sportuhrendesign etwas aussetzen will, kann höchstens bemängeln, dass man beim Anlegen der Uhr anfangs hin und wieder oben und unten verwechselt. Schließlich ist man von sogenannten Tricompax-Chronographen gewohnt, dass die kleine Sekunde bei der Sechs sitzt. Das mit 18 Millimetern sehr hohe Titangehäuse ist aufwendig gestaltet und ordentlich verarbeitet. Die stämmigen Drücker, der verschraubte Sicherungshebel für den Weltzeitmechanismus, die griffige Lünette und die mit starken Schrauben fixierten Bandstege beweisen Solidität und Sinn fürs Detail.

Schöner Rücken: Das Basiskaliber Valjoux 7750 in Top-Qualität ist fein verziert

Schöner Rücken: Das Basiskaliber Valjoux 7750 in Top-Qualität ist fein verziert

Allerdings verwendet Vogard das relativ weiche Titan Grad 2. Dementsprechend zeigten sich nach dem einwöchigen Tragetest, der Schreibtischarbeit und mittelschwere sportliche Betätigung umfasste, bereits erste Kratzer. Auch in Sachen Druckfestigkeit (bis fünf Bar) hält das Gehäuse nicht ganz, was die martialische Optik verspricht. Wenn die Uhr auch nicht in große Tiefen abtaucht, so garantiert Michael Vogt, dass sich der Weltzeitmechanismus ohne negative Folgen unter Wasser betätigen lässt. Und auch sonst schadet ein wenig Nässe der Uhr nicht: Das semirembordierte und handgenähte Alligatorlederarmband ist mit vulkanisiertem Kautschuk überzogen. An der Qualität des Armbands lässt sich nicht das Geringste aussetzen: Es ist stark gefüttert, sauber genäht und perfekt verklebt. Nicht ganz auf demselben Niveau, aber ebenfalls mehr als ein Standardprodukt ist die Doppelfaltschließe: Sie wird innen mit einer Perlage verziert und besitzt einen breiten, individuell geformten Außenbügel. Den Aufwand, eine Schließe aus Titan fertigen zu lassen, betreibt Vogard allerdings nicht. Damit werden die antiallergischen Eigenschaften des Titangehäuses bedeutungslos; es bleiben jedoch die Gewichtseinsparung sowie die warme Metallfarbe als Argumente für den Werkstoff. Der Gehäuseboden wird von ebenso stabilen Schrauben gehalten wie das Armband. Um den Wechsel von Tag und Nacht zu symbolisieren, der auch für Vielreisende eine große Rolle spielt, ist der Boden nur zur Hälfte transparent. Zu sehen ist deshalb kaum mehr als die Hemmungsbaugruppe, während die Chronographenhebel versteckt liegen. Doch das kleine Saphirglasfenster genügt, um die aufwendige Werkverzierung zu demonstrieren: Die Platine trägt eine Perlage, die Automatikbrücke ist mit einem Rundschliff verziert, und die meisten sichtbaren Schrauben wurden gebläut. Der Rotor besitzt ebenfalls einen Rundschliff und darüber hinaus goldfarben ausgelegte Gravuren in Form des Vogard-Logos. An der Glucydur-Unruh mit geschwungenen Schenkeln erkennt der Betrachter, dass die Marke ein Basiswerk in Top-Qualität verwendet, das von der Eta in fünf statt nur drei Lagen einreguliert wird. Trotzdem deckt die Zeitwaage bei Juwelier Kerner in Ulm eine relativ große Gangabweichung zwischen den einzelnen Lagen auf: Ohne Chronograph sind es sieben, bei laufender Stoppung neun Sekunden. Dabei liegen die niedrigsten Einzelwerte löblicherweise nur eine Sekunde im Plus, also nah am Idealwert null, aber nicht im ungern gesehenen Minus. Es ergibt sich sowohl mit als auch ohne laufenden Chronographen ein durchschnittlicher täglicher Vorgang von 5,2 Sekunden, der sich beim Tragetest geringfügig auf sechs Sekunden erhöhte.

Der CHRONOGRAPHENSPEZIALIST Andreas Strehler hat das Basiswerk Valjoux 7750 modifiziert und mit dem Gehäuse verbunden.

 

Die Sicherheitsfaltschließe des Vogard Chronozoner besteht Edelstahl, nicht aus Titan

Die Sicherheitsfaltschließe des Vogard Chronozoner besteht Edelstahl, nicht aus Titan

 

VERMINDERTER KOMFORT

Während die Gangwerte im Durchschnitt ein passables Ergebnis liefern, lässt der Bedienkomfort der Uhr leider zu wünschen übrig. Die Drücker sind griffig, besitzen aber etwas zu hohe Druckpunkte. Noch deutlich schwieriger gestaltet sich das Ziehen der Stellkrone: Da sie bei der Sechs platziert ist, muss der Träger um das Armband herumgreifen und gelangt nur unter Einsatz des Fingernagels zum Ziel. Auch das Drehen der gezogenen Krone ist schwieriger als bei herkömmlichen Uhren, da das Band stets im Weg ist. Beim Betätigen des Lünettensperrhebels spielt der Fingernagel ebenfalls eine tragende Rolle: Ohne ihn oder ähnlich flache Hilfsmittel lässt sich der eng am Gehäuse anliegende Hebel schlichtweg nicht öffnen. Dies ist der einzige Mangel des ansonsten hochfunktionalen Weltzeitmechanismus. Auf ähnlichem Niveau wie der Bedienkomfort liegen die Trageeigenschaften. Das Gehäuse besitzt keine scharfen Kanten, ist aber trotz Verwendung des Leichtmetalls Titan zu groß und zu schwer, um sich an den mittelstarken Männerarm anzupassen. Zudem trägt die Doppelfaltschließe in Verbindung mit dem gut gefütterten Armband an der Handgelenksunterseite etwas zu dick auf. Besser als der Bedien- und Tragekomfort schneidet die Ablesbarkeit ab: Trotz des nicht idealen Kontrastes lassen sich Uhr- und Stoppzeit gut erkennen, außer wenn die großflächigen Zeitzeiger über den Chronographenzählern stehen. Nachts leuchten die Zeitzeiger mit aller Kraft. Bei den Stoppzeigern hätte Vogard auf Leuchtmasse verzichten können, zumal sämtliche Skalen im Dunkeln liegen.

VARIANTENVIELFALT

Der Chronozoner ist neben der hier beschriebenen Version in einer Variante mit Karbonzifferblatt und schwarzer Lünetteneinlage erhältlich. Zudem gibt es 24 Exemplare mit Städtering aus Platin. Seit kurzem bietet Vogard darüber hinaus individualisierte Lünetten an, die bei der Weltzeituhr Timezoner bereits einen großen Teil der rund 500 jährlich verkauften Exemplare ausmachen. Der Kunde kann die gewünschten Referenzorte per Post, E-Mail oder in einem Internetformular angeben und erhält seinen persönlichen Chronozoner innerhalb von zwei Wochen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Die Städte können Austragungsorte wichtiger Sportereignisse sein, oder jede Zeitzone trägt den Namen eines Yachthafens. Wer sich hauptsächlich für eine individuelle Heimatzeitzone interessiert, kann statt „Paris” seinen Namen oder gar seine Autonummer eingravieren lassen. Auch eine Nachrüstung ist jederzeit möglich: Da sich die mit vier Schrauben befestigte Lünette abnehmen lässt, kann der Träger für 750 Euro einfach einen neuen Weltzeitring ordern und diesen von seinem Uhrmacher montieren lassen. Auf die Wasserdichtheit des Gehäuses hat dieser oberflächliche Eingriff keine Auswirkung. Die Möglichkeit zur Personalisierung unterstreicht das Anliegen der Marke, Uhren für Individualisten zu bauen. Und tatsächlich lässt der Chronozoner in Sachen Design und Technik an Eigenständigkeit nichts zu wünschen übrig. Dies ist es vor allem, was den Preis von 9.800 Euro (weitgehend) rechtfertigt. In jedem Fall ist der Chronozoner eine gelungene Fortsetzung der Weltzeituhrenhistorie und macht Lust auf mehr. Was die kleine Marke als Nächstes bringt, werden Reisende und Daheimgebliebene allerdings erst in drei bis vier Jahren erfahren. ak

Dieser Test ist der Zeitschrift CHRONOS Ausgabe 1/2010 entnommen. Für das Testergebnis und das spezifische Datenblatt werfen Sie doch einen Blick in die Print-Ausgabe.
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