Jaeger-LeCoultre: Master Memovox

Armbandwecker mit Kultstatus

Jens Koch
von Jens Koch
am 21. Juni 2017

Mit der Memovox schuf Jaeger-LeCoultre 1950 eine Armbanduhr mit Weckfunktion, die zum Klassiker wurde. Nun gibt es eine Neuauflage eines historischen Modells.

Die aktuelle Jaeger-LeCoultre Master Memovox Boutique Edition kostet 10.800 Euro
Die aktuelle Jaeger-LeCoultre Master Memovox Boutique Edition kostet 10.800 Euro

Der Wecker der Memovox klingt wie das Läuten eines alten Telefons. Dabei hält sich die Lautstärke am Arm getragen in Grenzen und erinnert dort eher dezent an einen Termin. Auf den Nachttisch abgelegt, nutzt sie dagegen den erweiterten Klangkörper und klingelt dann auch einen Langschläfer sicher aus den Träumen. Ein Wecker gehört zu den äußerst praktischen Komplikationen, und die Memovox stellt zusammen mit der Vulcain Cricket das bekannteste Modell.

DRRRRRRRR R I N G – so klingt die Memovox:

1950 klingelt die Memovox von Jaeger-LeCoultre als “Stimme der Erinnerung” erstmals Uhrenliebhaber aus dem Schlaf. Von Beginn an erfolgreich, begründet sie eine neue Kollektion, welche in den folgenden 60 Jahren in vielfältiger Form erscheint: mit Weltzeit, als Tauchwecker und sogar als Parkuhr für das Handgelenk.

Der Wecker auf dem Nachttisch, das Smartphone in der Hosentasche, die Alarmfunktion der Uhr am Handgelenk oder das Outlook-Programm am Computer: Wer heutzutage einen Termin hat oder einfach nur aufstehen muss, hat die Wahl aus unendlich vielen Möglichkeiten, sich daran erinnern zu lassen. Vor der Einführung des digitalisierten Zeitalters war das anders und so markiert die Erfindung des Weckerwerkes tatsächlich einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Uhrmacherei, erweist sich dieses doch als praktische Zusatzfunktion im Alltag, die sich als Weckdienst oder als Erinnerung an einen Termin nutzen lässt. Außerdem trägt sie dem Trend nach mehr Mobilität in der Nachkriegszeit Rechnung und wird zu einem der ersten Business-Tools auf Geschäftsreisen.

Die erste Jaeger-LeCoultre Memovox erschien 1950
Die erste Jaeger-LeCoultre Memovox erschien 1950

Die erste Armbanduhr mit Weckfunktion präsentierte die Schweizer Uhrenmarke Vulcain 1947 in der legendären Cricket. Drei Jahre später präsentierte Jaeger-LeCoultre die Memovox. Im Debütmodell tickte das Handaufzugskaliber 489, dessen speziell konstruierter Resonator ganze 20 Sekunden lang einen gut hörbaren Alarmton von sich gab.
Zwei Federhäuser stellten die hierfür benötigte Energie bereit, je eines für das Wecker- und eines für das Laufwerk, bedienbar über zwei Kronen bei zwei und vier Uhr. Optisch zeigte sich die Memovox im schlichten Kleid der 1950er-Jahre, mit einem puristisch anmutenden, hellen Zifferblatt. Darauf befanden sich pfeilförmige Indizes und Zeiger sowie ein länglich-gezogenes, schwarzes Dreieck, das die Alarmzeit im Zentrum indizierte. Die Memovox wurde schnell erfolgreich, und auch Prominente wie der Schauspieler und Regisseur Charlie Chaplin gehörten zu den Trägern.

Dem Schauspieler und Regisseur Charlie Chaplin, der seit 1952 in der Schweiz lebte, gehörte diese Jaeger-LeCoultre Memovox
Dem Schauspieler und Regisseur Charlie Chaplin, der seit 1952 in der Schweiz lebte, gehörte diese Jaeger-LeCoultre Memovox

Die Konstrukteure und Uhrmacher arbeiteten in den 1950er-Jahren fleißig daran, diesen Bestseller noch zu verfeinern. 1956, drei Jahre nach der Erfindung einer Armbanduhr, welche ohne Aufzugskrone auskommt (Futurematic), boten sie eine weitere echte Innovation dar, nun im Gehäuse der Memovox: das erste Weckerwerk mit Automatikaufzug. Die Pendelschwungmasse des Kalibers 815 zog dabei sowohl das Uhrwerk selbst als auch das Weckerwerk auf. 1958 kam dann ein Modell mit aufgedruckten Zeitzonen, und es gab sogar eines, das an die ablaufende Parkuhr erinnerte.

Ab 1958 kamen Versionen der Jaeger-LeCoultre Memovox mit Zeitzonen auf dem Zifferblatt
Ab 1958 kamen Versionen der Jaeger-LeCoultre Memovox mit Zeitzonen auf dem Zifferblatt

 

In den 1960er-Jahren erlebten die Memovox-Modelle dann einen regelrechten Boom, was besonders an zwei heute in Sammlerkreisen sehr begehrten Modellen lag: der Memovox Deep Sea und der Memovox Polaris. 1959 erschien mit der Deep Sea nämlich die ers­te voll unterwassertaugliche Uhr mit Alarmton. Eine kleine uhrmacherische Sensation, denn die Weckfunktion des Kalibers 815 war laut genug, dass der Taucher sie auch unter Wasser hören konnte. Eine weitere besondere technische Eigenschaft war die unter dem Uhrglas liegende, drehbare Lünette zur Einstellung der Tauchzeit. Da der Träger diese jetzt nur noch mit der Krone bei drei Uhr einstellen konnte, wurde ein versehentliches Verstellen der Tauchzeit verhindert. Mit ihrer besonderen Technik stellte die Deep Sea nicht nur einen bedeutenden Entwicklungsabschnitt in der Memovox-Linie dar, sondern schlug auch ein neues Kapitel in der Geschichte des Hauses auf, und zwar das der Taucheruhren.

1959 erschien die Jaeger-LeCoultre Memovox Deep Sea als Taucheruhr, die akustisch ans Auftauchen erinnerte
1959 erschien die Jaeger-LeCoultre Memovox Deep Sea als Taucheruhr, die akustisch ans Auftauchen erinnerte

Die Memovox Deep Sea war so erfolgreich, dass die Uhrenmanufaktur die Technik weiterentwickelte. So erschien sechs Jahre später die vom Kaliber 825 angetriebene Memovox Polaris in einer neuen Gehäusearchitektur. Ihr dreiteilig konstruierter Gehäuseboden ermöglichte eine optimierte akustische Übertragung des Alarmtons unter Wasser. Der innere Teil sorget dabei für einen klaren, lauten Klang, der mittlere für die Wasserdichtheit und der äußere, in den 16 Löcher gebohrt sind, fungierte als eine Art Abstandhalter. So wurde der Ton auch dann nicht unterdrückt, wenn die Uhr fest an die Hand des Tauchers geschnallt war. In den bunten siebziger Jahren gab es auch bei der Memovox verschiedene fantasievolle Gehäuseformen. Und im Jahr 2000 kam das komplizierteste Jaeger-Le-Coultre-Modell mit Wecker: die Master Grande Memovox mit ewigem Kalender und Mondphase. 2007 stellte die Manufaktur dann die Master Compressor Extreme W-Alarm mit Weltzeitanzeige und minutengenau einstellbarem Alarm vor.

Zurzeit gibt es den Klassiker Memovox in Stahl und in Rotgold, der mit dreieckigen Indexen und Dauphine-Zeigern die Urversion zitiert. Ganz neu dazugekommen ist eine blaue Memovox, die sich in Farbe, Indexen und Zeigern an einem Modell aus den siebziger Jahren orientiert. Diese Version ist auf 500 Exemplare limitiert, und man kann sie nur in den Boutiquen und auf der Internetseite von Jaeger-LeCoultre kaufen. Heute sorgt das automatische Manufkakturkaliber 956 für Zeitanzeige, Datum und Weckfunktion.

Das manufaktureigene Automatikkaliber 956 treibt die aktuelle Jaeger-LeCoultre Memovox an
Das manufaktureigene Automatikkaliber 956 treibt die aktuelle Jaeger-LeCoultre Memovox an

Konstruktives Highlight ist die Platzierung der Klangelemente, denn Automatikrotor und Tonfeder stehen sich eigentlich im Wege: Die Tonfeder läuft einmal an der Innenseite des Gehäusebodens entlang. Ein Zapfen, der von der Mitte des Bodens durch das Lager des Aufzugsrotors ins Werk ragt, wird vom Alarmhammer angeschlagen. Der Clou: Das Lager des Aufzugsrotors besitzt eine Aussparung, in die der Zapfen eingeführt wird, um sein Stelldichein mit dem Hammer nicht zu versäumen. Dank der Tonfeder und dem Gehäuseboden als Resonator hat die Memovox den für eine Armbanduhr mit Wecker ungewöhnlich schönen und lauten Klang: DRRRRRRRR R I N G. jk

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im August 2012.

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