Vintage-Uhr Seiko 6105

Die Seiko 6105-8110 ist ein Kultmodell unter den Seiko-Taucheruhren

 Contributor
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am 29. Juni 2016

Jede Geschichte hat ihren Anfang, und aus irgendeinem Grund interessiert man sich dann plötzlich für eine bestimmte Uhrenmarke. In diesem Artikel, ursprünglich in englischer Sprache auf Seiko haben. Deshalb ist dieser Artikel der Seiko 6105, genauer: der Seiko 6105-8110, gewidmet.

Vintage-Uhr von Seiko: Die Referenz 6105-8110 (Foto: Michael Stockton)
Vintage-Uhr von Seiko: Die Referenz 6105-8110 (Foto: Michael Stockton)

Die 6105-8110 weckte mein Interesse für die Vintage-Uhren von Seiko. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wie ich auf sie gestoßen bin, aber ich weiß, dass ich sie vor vier oder fünf Jahren auf Ebay entdeckt, mich aber nicht weiter mit ihr beschäftigt habe. Zu der Zeit wusste ich noch nicht genug über Seiko und sah keinen Anlass, viel Geld für eine – wie ich dachte – Allerweltsmarke auszugeben. Doch irgendwie begegnete mir die Uhr immer wieder in Foren, und so beschloss ich, mich etwas in das Thema einzulesen. Mit dem Ergebnis, dass ich eine Seiko 6105-8110 in meiner Sammlung haben wollte. So machte ich mich auf die Suche nach einem passenden Exemplar. Nach einigen Monaten fand ich eines im Uhrforum SCWF (ein Forum für Seiko- und Citizen-Uhren) bei einem Händler von den Philippinen (ja, auch dort gibt es gute Händler) und kaufte es. Es dauerte seine Zeit – mindestens einen Monat – bis die Uhr den deutschen Zoll passiert hatte und schließlich vor mir lag. Doch die Vorfreude war es Wert.

Stilbildend: Das Gehäuse der Vintage-Uhr Seiko 6105

Die 6105er-Serie ersetzte 1968 die erste professionelle Taucheruhr von Seiko, die 62MAS, und wurde bis 1977 produziert. In der ersten Ausführung verfügte sie über ein klares, symmetrisches Gehäuse. Nach ein paar Jahren wurde es durch die asymmetrische Version ersetzt, die auf meinen Bildern zu sehen ist. Das Besondere an diesem Design ist, dass es den ersten Schritt in Richtung des großen, scheibenartigen Gehäuses darstellt, das später bei den beliebten 6306er- und 6309er-Serien zum Einsatz kam. Außerdem war es das erste asymmetrische Gehäuse von Seiko mit dem integrierten Kronenschutz, den man noch heute bei den SKX007-Modellen findet.

Die Gehäuseflanke der Seiko 6105-8110 zeigt die schöne Verarbeitung (Foto: Michael Stockton)
Die Gehäuseflanke der Seiko 6105-8110 zeigt die schöne Verarbeitung (Foto: Michael Stockton)

Die Seiko 6105 ist im Durchmesser beeindruckende 44 Millimeter groß und verfügt über ein Automatikwerk mit 17 Steinen, ihre Unruh absolviert 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Die Krone bietet eine Datumsschnellverstellung, das Werk lässt sich allerdings nicht von Hand aufziehen. Laut Händlerangabe ist die Uhr bis zu einer Tiefe von 150 Metern (entspricht etwa 15 Bar) wasserdicht. Außerdem verfügt sie über eine beidseitig drehbare und rastende Lünette. Als Glas, das machen die Kratzer deutlich, wurde das Seiko-Hardlex-Mineralglas verwendet. Die Bandanstoßbreite beträgt 19 Millimeter. Die Krone ist nicht verschraubt, sondern wird mit einem – für dieses Modell einzigartigen – Drehsystem verschlossen; die Funktionalität und Langlebigkeit war im Vergleich zu traditionellen Schraubkronen allerdings umstritten. Der Gehäuseboden ist typischerweise verschraubt.

Nach wie vor bestechend: Das Zifferblatt der Seiko 6105-8110

Die Verarbeitung der Seiko 6105 ist beeindruckend. Die obere Seite des Gehäuse trägt eine Mattierung, die Flanken sind poliert. Doch eigentlich fasziniert das Gehäuse als Ganzes: Aus fast jedem Blickwinkel spricht es den Betrachter an, bietet neue Einblicke und wirkt fast organisch. Der Einfluss der 1970er-Jahre ist (im positiven Sinn) unverkennbar. Das Zifferblatt ist funktionell gestaltet, die Stundenindexe tragen Leuchtmasse. Die Skala für die Minuten umrahmt die Indexe und wird von einer Lünette aufgenommen, die sich zum Glas hin neigt. Diese Lünette, die auch bei der ersten Ausführung der 6105 zum Einsatz kam, findet sich noch heute bei den Taucheruhren von Seiko. Die rechteckigen Zeiger sind sehr schlicht gestaltet und mit Leuchtmasse ausgelegt. Interessant wird es jedoch beim Sekundenzeiger: Der ansonsten einfache Zeiger endet in einer einzigartigen Form, die einen ursprünglich rot gefärbten Punkt und einen Punkt aus Leuchtmasse umschließt, die Leuchtmasse wiederum passt zum Rest des Zifferblattes. Die Zeigerendung ist ein Erkennungszeichen des Modells, das auch dann noch ins Auge springt, wenn das Rot bis zur Unkenntlichkeit verblasst ist. Noch eine letzte Anmerkung zum Zifferblatt: Die Beschriftung ist zurückhaltend, sie umfasst den Markenschriftzug von Seiko in Form einer Chrom-Applik, die Aufschrift “Automatic”, die Angabe der Wasserdichtheit und darunter das Suwa-Symbol. Das Design folgt also der Devise „weniger ist mehr“, die Seiko 6105-8110 fällt schlichter aus als ihre Vorgängerin 62MAS. Die klassische Seiko-Lünette, die auch bei der 62MAS zum Einsatz kam, zeigt nun ein Orientierungsdreieck bei der 60. Auch daran hat sich bis heute nichts geändert, die Lünette besticht noch immer durch ihre Schlichtheit.

Das Zifferblatt der Seiko 6105-8110 ist schlicht, doch der Sekundenzeiger hat es in sich (Foto: Michael Stockton)
Das Zifferblatt der Seiko 6105-8110 ist schlicht, doch der Sekundenzeiger hat es in sich (Foto: Michael Stockton)

Allgemein bekannt ist die Seiko 6105 seit ihrem Auftritt in “Apocalypse Now” am Handgelenk von Martin Sheen als Captain Willard. Das berühmte Bild findet man mühelos bei einer kurzen Online-Recherche. Ziemlich beliebt war die 6105 während des Vietnamkriegs unter den US-Soldaten. Sie wurde in Verkaufsstellen für Angehörige der US-Armee angeboten, und obwohl sie nicht billig war, war sie immer noch günstiger als beispielsweise die Rolex Submariner.

Unverzichtbar für die Vintage-Uhr: Das Kautschukband mit Waffelmuster

Wegen ihres Durchmessers von 44 Millimetern würde man erwarten, dass die Seiko 6105 wie ein schweres Ungetüm am Handgelenk liegt, doch das ist nicht der Fall. Vielleicht liegt es an ihren sanften Formen oder an der schmalen Stegbreite, jedenfalls fühlt sich die Uhr eher nach einem Durchmesser von 40 Millimetern an. Apropos schmaler Bandanstoß: Beim Armband handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Kautschukband, sondern um ein Band mit Waffelmuster, das bei Uhren wie dieser zur Standardausstattung gehörte. Meiner Meinung nach ist es das einzig wahre Armband für sie. Natürlich fällt es nicht leicht, Originalbänder zu finden, weil diese sehr selten, teuer und oft auch beschädigt sind. Doch zum Glück bietet der Ebay-Händler “wjean” ausgezeichnete Nachbildungen an, die ihren Zweck absolut erfüllen. Wenn Sie eine 6105 anschaffen, dann empfehle ich Ihnen dringend, sich eines dieser Bänder zuzulegen.

Die Krone der Seiko 6105-8110 trägt die Aufschrift "Lock" und einen Pfeil für die Drehrichtung (Foto: Michael Stockton)
Die Krone der Seiko 6105-8110 trägt die Aufschrift “Lock” und einen Pfeil für die Drehrichtung (Foto: Michael Stockton)

Was es beim Kauf einer Vintage-Uhr Seiko 6105 zu beachten gilt

Eine Seiko 6105 zu finden, ist nicht besonders schwer. Wenn man allerdings ein gutes Exemplar sucht, wird es schon komplizierter. Bei meiner Uhr werden Sie vielleicht gesehen haben, dass das Ziffernblatt “Wabi” aufweist, also die für Seiko-Vintage-Uhren typische Zersetzung der Leuchtmasse. Im Vergleich zu vielen Uhren ist das Beispiel nicht schlecht, und im Vergleich mit der großen Mehrheit der aufgearbeiteten Uhren sieht es authentisch aus. Das führt mich zu einem wichtigen Punkt: Auf dem Markt sind etliche Exemplare der 6105er-Serie erhältlich, und die meisten davon wurden verändert. Diese Veränderungen reichen von aufgearbeiteten Zeigern und Ziffernblättern bis hin zu komplett ausgetauschten Teilen. Einen wichtigen Hinweis liefert der Sekundenzeiger: Wenn die Farben zu intensiv sind – insbesondere im Vergleich zum Rest des Zifferblattes und den anderen Zeigern –, dann stimmt etwas nicht. Beim Kauf einer 6105 muss man sehr vorsichtig sein und sich versichern, dass man etwas bekommt, das auch die Erwartungen erfüllt. Generell bin ich der Meinung, dass makellose Modelle sehr selten sind, da die meisten Uhren schon viel mitgemacht haben. Es gibt sie jedoch – zu einem entsprechenden Preis natürlich. Gut erhaltene Exemplare haben inzwischen die 1.000-Dollar-Marke überschritten, und für hervorragend erhaltene muss man sogar mit 1.500 Dollar und mehr rechnen. Derzeit scheinen restaurierte und gut überarbeitete Exemplare gefragt zu sein, ich bin jedoch ein absoluter Verfechter des Originalzustands. Ein weiteres Element, das man prüfen sollte, ist die Krone. Man sollte sicherstellen, dass sie über die Originalaufschrift “Lock” und den zugehörigen Pfeil für die Drehrichtung verfügt. Auch die Lünetteneinlagen werden oft ausgetauscht. Darauf sollten Sie also ebenfalls achten.

Die Seiko 6105-8110 bleibt die Favoritin unter den Vintage-Uhren

Die Seiko 6105-8110 ist eine Kultuhr unter den Tauchuhren von Seiko. Sie verfügt über eine tolle Gehäuseform mit einem ebenso attraktiven Zifferblattdesign. Diese Uhr gab für mich den Ausschlag, einen Großteil der Tauchuhren von Seiko zu sammeln. Und sie – vielleicht das unverwechselbarste Modell von allen – zählt noch immer zu meinen Favoriten. Dass sie in einem Kultfilm zu sehen war, stört mich dabei nicht weiter. Von welcher Seiko-Tauchuhr sind Sie fasziniert?

Text: Michael Stockton

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