Warum die Royal Oak von Audemars Piguet ein echter Uhren-Klassiker ist

Einst unterschätzt, heute Kult

 Redaktion
von Redaktion
am 15. August 2017

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Klassiker Royal Oak handfeste Startschwierigkeiten hatte? Heute ist sie die Luxusuhr aus Stahl schlechthin und – nicht zuletzt dank Arnold Schwarzenegger und Terminator 3 – bekannt, auch über die Kreise eingefleischter Uhrenfans hinaus. Audemars Piguet braucht sich heute keine Sorgen mehr um die Absatzzahlen der Uhr mit dem Bullaugen-Gesicht machen, im Gegenteil: Regelmäßig kommen neue Mitglieder zur Royal-Oak-Familie hinzu, ihre Gestaltungen, Materialien und Funktionen sind vielfältig.

Die Audemars Piguet Royal Oak Frosted Gold gibt es auch in Weißgold
Aktuell: Audemars Piguet Royal Oak Frosted Gold

Jüngster Zugang zur Kollektion ist die Royal Oak Frosted Gold für Damen, die Anfang 2017 auf dem Genfer Uhrensalon SIHH offiziell vorgestellt wurde. Anlass für ihre Lancierung ist das 40-jährige Bestehen der Damenversion, die nur vier Jahre nach Lancierung des ersten Herrenmodells 1972 von Jaqueline Dimier gestaltet wurde. Das aktuelle Frosted-Gold-Modell arbeitet mit dem Manufakturkaliber 3120 (Automatik), das Audemars Piguet 2004 vorgestellt hat und seit 2005 für die Royal Oak verwendet.

Startschwierigkeiten des Uhren-Klassikers

Bei Audemars Piguet hielt 1966 Georges Golay als Generaldirektor das Zepter in der Hand. An den risikobereiten Vollblutkaufmann wandte sich 1971 der italienische Agent Carlo de Marchi. Er fragte nach einer vielseitigen Armbanduhr, die sich für die Ausfahrt mit dem Sportwagen ebenso eignen sollte wie für eine elegante Soiree – Stahl als Material für Gehäuse und Armband nicht ausgeschlossen. Helfen musste der Designer Gérald Genta, den Golay am Abend vor der Basler Uhren- und Schmuckmesse anrief und für den nächsten Tag um einen akzeptablen Entwurf bat.

Audemars Piguet: erste Royal Oak, 1972
Die erste Royal Oak erschien 1972, gezeichnet von Gérald Genta

Der bekannte Uhrendesigner zeichnete später auch die Patek Philippe Nautilus, die IWC Ingenieur oder die Bulgari Bulgari. Während des Grübelns über die mögliche Gestalt der geforderten Uhr kam Genta ein Kindheitserlebnis in den Sinn: Irgendwann hatte er einen Berufstaucher beim Anlegen und Befestigen des Helms beobachtet. Eine Gummidichtung und mehrere Bolzen stellten die drucksichere Verbindung zum Anzug her. Diese Eindrücke mündeten in ein Uhrendesign, das an ein Schiffsbullauge erinnerte und gleichzeitig Gentas Faible für das Achteck zum Ausdruck brachte. Der nächtliche Entwurf kam bei Carlo de Marchi gut an, die intern “Safari” getaufte Uhr wurde bis zur folgenden Basler Messe sukzessive realisiert.

Der Aufbau des Royal-Oak-Gehäuses ist aufwendig
Der Aufbau des Royal-Oak-Gehäuses ist aufwendig

Doch die Royal Oak war zunächst kein Kassenschlager: Bedingt durch den extrem hohen Preis für eine Uhr aus Stahl (3.650 Schweizer Franken) und den ungewohnt großen Durchmesser von 38,8 Millimetern hielt sich der Verkauf in Grenzen; nach drei Jahren waren in Italien und der Schweiz erst 400 Uhren an den Mann gebracht. In Deutschland kostete die Royal Oak 2.900 Mark, mehr, als man für die meisten Golduhren ausgeben musste. Zum Glück lernten die deutschen Kunden die Luxusuhr aus Stahl zu schätzen, sodass sie schließlich doch noch zum Bestseller avancierte. Bald wurde der Ruf nach mehr laut. Der spätere Erfolg übertraf dann allerdings alle Erwartungen. Heute stellt die Royal Oak die mit Abstand wichtigste Uhrenlinie von Audemars Piguet dar.

Das legendäre Design der Royal Oak

Gérald Gentas Eindruck von der Verbindung zwischen Taucherhelm und -anzug mit Gummidichtung und Bolzen schlug sich in der achteckigen Lünette mit leicht geschwungenen Kanten nieder. Zu den konstruktiven Besonderheiten gehörte ein Gehäuse aus Stahl, bei dem acht Schrauben den Glasrand samt Gummidichtung am Korpus halten. Auf der Lünette sind die Sechskantköpfe bis heute exakt radial ausgerichtet und versenkt. Dies ist möglich, weil sie nicht von oben, sondern von der Gehäuserückseite festgezogen werden. In das Gehäuse integrierte Genta ein Stahlarmband, dessen Glieder sich zur Schließe kontinuierlich verjüngten. Fast schon Ironie des Schicksals: Um die erste Luxus-Stahluhr der Welt zu entwickeln, verwendete Audemars Piguet Prototypen aus Weißgold, da das Edelmetall leichter form- und polierbar ist als Edelstahl.

Das Royal-Oak-Band ist in das Gehäuse integriert und verjüngt sich vom Ansatz zur Schließe
Das Royal-Oak-Band ist in das Gehäuse integriert und verjüngt sich vom Ansatz zur Schließe

Der vergleichsweise hohe Preis der ersten Royal Oak resultierte aus zahlreichen technischen Details: von den Schrauben, deren Schlitze exakt kreisförmig auf der Lünette ausgerichtet waren, über die rund 250 verschieden polierten Kantenbrechungen am Gehäuse und das integrierte Armband aus Stahl bis hin zum damals flachsten automatischen Werk mit 21-karätigem Goldrotor und Datum. Passend zum Anspruch einer sportlichen Uhr war die Royal Oak bis zehn Bar Druck wasserdicht.

Das typische Zifferblatt

Hufnagel-Muster, Tapisserie oder Clous de Paris, das guillochierte Royal-Oak-Zifferblatt trägt viele Namen. Kein anderes Muster ist so eng mit einem bestimmten Uhrenmodell verbunden, und seine Herstellung ist aufwendiger, als man vermuten könnte. Bei der Guillochierung liegt das Geheimnis in einer mit viel Fingerspitzengefühl eingestellten Maschine, denn es geht um eine Präzision auf nur wenige hundertstel Millimeter genau. So wird das Zifferblatt mit einem Stichel graviert, der das Motiv von einer an der Maschine befestigten Schablone nachzeichnet. Je nach Durchmesser des Zifferblatts dauert das Aufbringen des Schreisschliffmusters zwischen 45 Minuten und einer Stunde.

Guillochierung eines Royal-Oak-Zifferblatts bei Audemars Piguet
Guillochierung eines Royal-Oak-Zifferblatts bei Audemars Piguet

Mit Ausnahme der “Méga Tapisserie” der Royal Oak Offshore, die aufgrund ihrer Großflächigkeit im Stanzverfahren eingearbeitet wird, entstehen die Zifferblattdekore der Royal Oak an Maschinen, die zwischen 40 und 100 Jahre alt sind und die nur von erfahrenen Guillocheuren bedient werden können. Von ihrem Geschick, die Position, den Druck und die Rotationsgeschwindigkeit zu dosieren, hängt die Ebenmäßigkeit des Musters ab.

Wie der berühmte Name entstand

Ihren Namen erhielt die Royal Oak in Rückbesinnung auf Karl II. von England: Der König soll sich 1651 vor seinen Verfolgern auf einer Eiche, später Royal Oak genannt, versteckt haben. Die Royal Navy taufte später einige ihrer Kriegsschiffe auf diesen Namen. Diese sogenannten HMS Royal Oaks besaßen im Rumpf Kanonenöffnungen mit achteckigen Rahmen, eine mögliche Verbindung zu Gérald Gentas achteckiger Lünette.

Lange liefert Jaeger-LeCoultre das Werk der Royal Oak

Das erste  Uhrwerk der Royal Oak stammte von Jaeger-LeCoultre und wurde 1967 mit der Kalibernummer 920 lanciert, fand jedoch nie den Weg in eine Uhr des Hauses. Dafür nutzten andere Hersteller das ultraflache Uhrwerk mit Automatik, etwa Vacheron Constantin und Patek Philippe. ausgestattet mit Datumsanzeige, jedoch ohne Sekundenzeiger, misst es gerade einmal 3,05 Millimeter in der Höhe. Die Kif-Stoßsicherung und Gyromax-Unruh mit Microstella-Gewichtsschrauben zur Feinregulierung machen das Werk technisch zu einem Leckerbissen. Bemerkenswert ist  der Rotor mit einer äußeren Schwungmasse aus 21-karätigem Gold. Er besitzt außerdem einen umlaufenden Ring, der auf nahezu lautlos arbeitenden Rubinrollen gleitet. Bei Audemars Piguet wurde das ursprünglich von Jaeger-LeCoultre stammende Werk lange Zeit mit der Bezeichnung 2121in der Royal Oak verbaut.

Am Logo auf der Zwölf erkennt man die Audemars Piguet Royal Oak aus den 1980er-Jahren
Am Logo auf der Zwölf erkennt man die Audemars Piguet Royal Oak aus den 1980er-Jahren

2005 erschien die Royal Oak mit der Referenz 15300ST, in der Audemars Piguet zu ersten Mal das Manufakturkaliber 3120 einsetzt, das im Jahr 2004 vorgestellt worden war. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger aus den 1970er-Jahren verfügt es über eine Sekundenanzeige, mit seinen 4,26 Millimetern fällt das neue Automatikwerk auch ein wenig höher aus. Zudem läuft sein Rotor nicht mehr auf Rubinrollen, sondern in einem Kugellager.

1990er-Jahre-Modell der Royal Oak mit Lederband und Sekundenanzeige
1990er-Jahre-Modell der Royal Oak mit Lederband und Sekundenanzeige

Im Laufe der Jahre wurde sie um zahlreiche Derivate erweitert. Es gibt sie mit verschiedenen Funktionen wie zweiter Zeitzone, Chronograph, ewigem Kalender, Zeitgleichung, Tourbillon und sogar als Grande Complication mit Minutenrepetition, ewigem Kalender und Chronograph.

Wie “Jumbo” zum Hollywoodstar avancierte

Für den Geschmack der 1970er-Jahre besaß die Royal Oak mit beinahe 39 Millimetern einen sehr großen Gehäusedurchmesser, wie bereits erwähnt war das ein Grund dafür, dass sich die Begeisterung des Marktes anfangs in Grenzen hielt. Ihre Größe brachte der Uhr auch den Spitznamen “Jumbo” ein. Gleichzeitig strahlte die Royal Oak mit ihrem anthrazitfarbenen Zifferblatt, das mit einer Art Nagelmuster namens Tapisserie-Dekor versehen war, ein feines Understatement aus. Über die Jahre hat Audemars Piguet das Modell zu einer ganzen Kollektion mit verschiedenen Komplikationen und Materialien ausgebaut. Auch Gold und Platin kamen mit der Zeit zum Einsatz. Das widersprach zwar der einstigen Philosophie von Understatement, war jedoch den Wünschen der Kunden geschuldet.

Der Royal Oak Offshore T3 Chronograph, produziert anlässlich des Films „Terminator 3“ von 2003, ist mit 52,5 Millimetern bis heute die größte Royal Oak
Größte Offshore aller Zeiten: Den T3 Chronograph mit 52,5 Millimetern Durchmesser trug der “Terminator” im gleichnamigen Film von 2003

Mit der Royal Oak Offshore hat Audemars Piguet 1993 das Konzept der Luxussportuhr selbst konsequent weiterentwickelt: Das Tochtermodell ist noch sportlicher, noch komplexer und dadurch noch technischer in der Anmutung. Damals wurde die Uhr wegen ihres 42 Millimeter großen Gehäuses “The Beast” genannt. In der Zwischenzeit hat sich diese Größe bei Chronographen als Standard etabliert; Audemars Piguet legte selbst mit größeren Modellen nach.

Arnold Schwarzenegger mit einer Royal Oak
Actionstar Arnold Schwarzenegger mit einer Royal Oak

Aufwind bekam die Offshore auch durch Promis wie Arnold Schwarzenegger. Der Schauspieler realisierte mit Audemars Piguet immer größere Editionen bis hin zum Royal Oak Offshore T3 Chronograph anlässlich des Films “Terminator 3” von 2003. Mit 52,5 Millimetern ist sie bis heute die größte Royal Oak.

Audemars Piguet: Royal Oak Offshore Chronograph
Audemars Piguet: Royal Oak Offshore Chronograph

Auch bei der Offshore gibt es zahlreiche Komplikationen und Varianten. Ihr Erscheinungsbild ist von unterschiedlichen Materialien geprägt, wie beispielsweise geschmiedetem Karbon. Sie zeigt sich als Taucheruhr, mit Chronograph oder Tourbillon, aber auch als brillantbesetztes Damenmodell. Aktuelles Beispiel ist der 42 Millimeter große Royal Oak Offshore Chronograph mit Manufakturkaliber 3126/3840 (Automatik), blauem Zifferblatt und blauem Alligator-Hornback-Leder- respektive Kautschukband.

Die aktuelle Royal Oak von Audemars Piguet erinnert an die Ursprünge des Modells
Die aktuelle Royal Oak von Audemars Piguet erinnert an die Ursprünge des Modells

Die außergewöhnlichste Erscheinung in der Royal-Oak-Familie stellt die erstmals 2002 vorgestellte Royal Oak Concept dar. Ein eigenes Gehäusedesign sowie innovative Materialien und Techniken im Uhrwerk sind typisch für sie. Doch Audemars Piguet hat den Start der Royal Oak nicht aus dem Blick verloren: Heute gibt es neben dem Modell mit dem moderneren Manufakturkaliber 3120 und einem Durchmesser von 41 Millimetern auch eine extraflache Version in Edelstahl, die dem Ursprungsmodell mit 39 Millimetern und dem Kaliber 2121 weitgehend entspricht.

Text: Gwendolyn Benda, Gisbert L. Brunner, Thomas Gronenthal, Jens Koch

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Dezember 2016

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