Designer Yvan Arpa: “Ich wollte zeigen, dass die Samsung Gear S3 eine echte Uhr ist”

Traditionelle Uhrmacherei und moderne Technologie in einer Uhr

Melissa Gößling
von Melissa Gößling
am 11. April 2017

Yvan Arpa ist ein renommierter Schweizer Designer. 1997 bis 2002 arbeitete er als Managing und Sales Director bei Baume & Mercier. Als Managing Director für Hublot brachte Arpa die Big Bang auf den Markt, die heute eine echte Ikone ist. 2006 übernahm er den Posten des CEO bei Romain Jerome, drei Jahre später gründete er schließlich sein eigenes Unternehmen Luxury Artpieces. Zu diesem gehört unter anderem die Marken Artya und BlackBelt Watch. Gemeinsam mit Samsung  entwickelte und designte Yvan Arpa die Smartwatch Gear S3. Auf der Baselworld 2017 stellte Arpa schließlich im Rahmen einer Pressekonferenz drei Konzeptuhren zur Gear S3 vor. Melissa Gößling, Redakteurin UHREN-MAGAZIN, sprach mit dem Designer über die langjährige Zusammenarbeit mit Samsung.

Samsung: Gear S3 Frontier und Classic
Samsung: Gear S3 Frontier und Classic

Herr Arpa, wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Samsung erlebt?
Es war eine tolle Erfahrung für mich, mit Samsung zusammenzuarbeiten. Die koreanische Kultur ist eine ganz andere als die schweizerische und auch die Gesellschaft tickt ganz anders. In Korea ist es zum Beispiel nicht üblich, sich zu berühren. Also musste ich ihnen meine Vision des „fühlbaren Erlebnisses“ näherbringen. Wenn man eine Uhr anfasst, kann man die verschiedenen Flächen fühlen. Das ist sehr wichtig für die haptische Erfahrung mit einer Uhr. Was ich damit sagen will, ist, dass man erstmal verstehen muss, wie eine Kultur und eine Gesellschaft funktionieren. Daher mussten Samsung und ich uns und unsere Arbeit zunächst kennenlernen. Wir sind einander offen und interessiert begegnet und Samsung war meinen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen. Mein Ziel war es, eine zeitlose Uhr zu designen. Natürlich verändert sich die Technologie schnell. Aber gerade deswegen wollte ich eine Uhr schaffen, die wie eine klassische Schweizer Uhr aussieht. Ich denke, die Gear S3 ist eine Art Bindeglied zwischen Technologie und Schweizer Tradition geworden.

Und worin lagen die Herausforderungen, eine Smartwatch zu designen?
Wenn man eine schweizerische Uhr entwirft, muss die Uhr sehr robust sein, so dass sie vor Wasser geschützt ist und kein Staub oder Dreck ins Gehäuse gelangt. Bei Smartwatches ist das auch so, aber sie muss sogar noch mehr können. Die Gear S3 kann Anrufe annehmen, Nachrichten versenden oder den Puls messen. Die Anforderungen an solche Uhren sind daher ganz andere als bei Schweizer Uhren. Nicht jedes Material ist geeignet. Ich habe 317L Edelstahl verwendet, weil es das gleiche Material ist, das auch in der klassischen Uhrenindustrie verwendet wird. Außerdem kann man sehr schön damit arbeiten: Man kann es satinieren, polieren und so weiter. Mit dem Material, das ursprünglich vorgesehen war, wäre das nicht gegangen.
Über das Material wird außerdem eine Verbindung zwischen Uhr und Träger hergestellt, das Material muss kommunizieren. Mir war es sehr wichtig, von Samsung zu lernen, wie die Technologie einer Smartwatch funktioniert und ich wollte ihnen erklären, was eine Schweizer Uhr ausmacht. Das war eine spannende Herausforderung für beide Seiten, da sehr verschiedene Welten zusammenfinden mussten.

Die Samsung Gear S3 mit einem mechanischen Unitas-Werk
Die Samsung Gear S3 mit einem mechanischen Unitas-Werk

Mussten Sie da Kompromisse eingehen?
Ich habe schon viele schöne Uhren gemacht, ein paar davon sind Ikonen geworden. Samsung hat sich an mich gewandt, weil sie meine Artya-Uhren der letzten acht Jahre studiert und gesehen haben, dass jede Uhr eine eigene Geschichte erzählt. Das war auch Samsung sehr wichtig. Wenn ich erkläre, warum ich genau dieses Design für diesen kleinen Knopf verwende, dann schaffe ich eine Geschichte. Das ist eingängig – nicht nur emotional, sondern auch rational. Wenn jemand nachfragen würde, warum wurde der Knopf der Gear S3 so und nicht anders entworfen, haben wir eine logische Antwort darauf.  Das war vielleicht der entscheidende Punkt, um die Gear S3 so möglich zu machen, wie sie schlussendlich geworden ist. Für jede Wahl, die wir gemeinsam im Design getroffen haben, gibt es nicht nur einen rationalen Grund, sondern auch eine Geschichte.

Wie kam es, dass Sie zur Baselworld drei Konzept-Uhren der Samsung Gear S3 entworfen haben?
Die Gear S3 ist sehr gut angekommen. Ein paar Monate nach dem Launch hat mich Samsung angerufen und gefragt, ob ich nicht etwas Besonderes für die Baselworld machen könnte. Ein spannendes Projekt für mich, denn ich wollte zeigen, dass die Samsung Gear S3 eine „echte“ Uhr ist. Es gibt viele Möglichkeiten, das zu tun. Meine Entscheidung fiel auf die folgenden drei Konzepte: Das erste Exemplar sieht auf den ersten Blick wie die Gear S3 aus, ist aber eine traditionelle Uhr mit Schweizer Präzisions-Uhrwerk. Damit wollte ich die Schönheit des Gehäuses zeigen. Meine Entscheidung war dann, ein bekanntes Schweizer Uhrwerk einzusetzen. Dieses hätte auch von einer der traditionellen bekannten Uhrenmarken, die auf der Baselworld ausstellen, sein können. Ich habe mich für ein skelettiertes Unitas-Werk entschieden. Die zweite Konzept-Uhr ist ein Re-Look der Gear S3, die in der Verarbeitung noch einen draufsetzt. Ich habe Details an der Lünette, dem Gehäuse und am Band verändert die zeigen, dass die Uhr ein sehr ausbalanciertes Design hat. Hier ging es mir um Finetuning. Das Innenleben bleibt Technologie. Das dritte Modell ist eine abgewandelte Taschenuhrversion der Gear S3. Ich habe immer gesagt, eine Uhr ist eine Brücke zwischen schweizerischer Tradition und Technologie. Und diese Brücke schlage ich mit der dritten Konzeptuhr. Sie ist sowohl mit einem Mechanikwerk als auch mit dem Innenleben einer Smartwatch ausgestattet.

Die drei Uhrenkonzepte zur Samsung Gear S3 auf einen Blick
Die drei Uhrenkonzepte zur Samsung Gear S3 auf einen Blick

Bis heute scheuen sich viele traditionelle Uhrenmarken, sich dem Thema Smartwatches anzunehmen…
Da stimme ich vollkommen zu und finde es sehr schade. Man sollte niemals nein zu etwas Neuem sagen. Ich denke, die Uhrenindustrie muss kreativer werden. Die Kreativen müssen diejenigen sein, die etwas bewegen. Wenn man etwas erschafft, das kreativ, innovativ und avantgardistisch ist, wird es funktionieren. Aber es wird nicht funktionieren, die gleiche Uhr zu bauen, wie man sie vor 50 Jahren schon gebaut hat. Denn ich glaube nicht, dass die jungen Leute dieselben Uhren tragen wollen wie ihre Väter. Alles verändert sich sehr schnell. Daher müssen wir andere Wege finden, andere Sachen machen und flexibel sein. Das Businessmodell ist Flexibilität.

Meinen Sie dann, dass die Smartwatch die traditionelle Uhr verdrängen wird?
Nein, aber es entwickelt sich alles sehr schnell. Viele waren sehr überrascht, dass ich als Schweizer Uhrenmacher für ein Technologieunternehmen arbeite. Dabei gibt es schließlich einen Platz für jeden. Vor 20 Jahren trugen vielleicht zwei Drittel der jungen Leute eine Uhr, vor sechs Jahren nur noch ein Drittel und heute ist es wieder die Hälfte. Aber viele davon tragen eine Smartwatch. Der Uhrenmarkt ist vielfältiger geworden und es ist wichtig, dass wir nicht aufhören, auch an die Handgelenke der jungen Leute zu denken. Denn auch sie haben die Gewohnheit, etwas am Handgelenk zu tragen. Und wer weiß, vielleicht werden sie eines Tages wieder traditionelle Uhren wählen.

Yvan Arpa (rechts) und Melissa Gößling, Redakteurin UHREN-MAGAZIN
Yvan Arpa (rechts) und Melissa Gößling (links), Redakteurin UHREN-MAGAZIN

Wie sehen Ihre zukünftigen Pläne aus?
Die Welt der Uhren ändert sich sehr, sehr schnell. Es gibt so viele Uhren, die ich noch machen will. Darum beteilige ich mich gern an Projekten, wie an jenem mit Samsung. Meine Uhren sind meine Welt. Es ist wunderbar, wenn ich meine Kreativität und Expertise in Projekte stecken kann, die so verschieden sind, dass immer wieder etwas völlig Neues entsteht. Dadurch wird es für mich möglich immer wieder andere Dinge umzusetzen, so wie es jetzt mit Samsung der Fall war. mg

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