Marc A. Hayek: „Das Thema Smartwatch dient als Entschuldigung”

Der Chef von Breguet, Blancpain und Jaquet Droz über Luxus, Begehrlichkeit und Tradition

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 5. April 2017

Marc. A Hayek, verantwortlich für Breguet, Blancpain und Jaquet Droz, erläutert in seinem Interview mit Rüdiger Bucher seine Sichtweise auf die veränderten Rahmenbedingungen durch das Aufkommen neuer Technologien wie der Smartwatch und erklärt, mit welchen Werten und Strategien die Uhrenbranche auch in Zukunft die Kunden überzeugen können.

Marc A. Hayek, Chef der Swatch-Group-Marken Breguet, Blancpain und Jaquet Droz
Marc A. Hayek, Chef der Swatch-Group-Marken Breguet, Blancpain und Jaquet Droz

Sehen Sie ein verändertes Kundenverhalten aufkommen, etwa durch jüngere Kunden, die andere Werte haben, oder durch neue Uhren wie die Smartwatches?
Das Kaufverhalten hat sich grundsätzlich nicht verändert. Das beobachte ich unter anderem in unseren Boutiquen. Eher dient das Thema Smartwatch als Entschuldigung: Es ist einfacher für jemanden, die Smartwatch für aktuelle Probleme verantwortlich zu machen, als sich einzugestehen, dass man selbst Fehler begangen hat. Als sich in den neunziger Jahren die Mobiltelefone verbreitet haben, unkten auch viele, dass man bald keine Uhren mehr bräuchte, weil man auf dem Handy die Zeit ablesen könne, und das sogar präziser. Heute hat sich das noch verschärft, weil man überall von Zeitanzeigen auf Screens und Displays umgeben ist. Aber interessanterweise waren gerade die Boomjahre des Handys mit Abstand die stärksten Wachstumsjahre für mechanische Uhren. Außerdem sprechen wir bei einer Luxusmarke von ein paar 10.000 Stück, die pro Jahr hergestellt werden. Das ist ein ganz anderer Markt als der der Smartwatch, die im Bereich Consumer Electronics angesiedelt ist. Insofern erwarten wir nicht, dass sich eine Änderung im Konsumverhalten, etwa bei Smartwatches, Auswirkungen auf die hochwertigen Uhren haben wird.

Eine Luxusuhr lebt von ihrer Begehrlichkeit. Und die kommt meist aus der Tradition einer Marke und aus der Handwerkskunst, mit der Werke und Uhren gefertigt werden. Sind diese Werte auch in Zukunft noch gefragt?
Ja. Das sind wichtige Werte, die weiterhin eine Rolle spielen werden. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, die Technik weiterzuentwickeln. Wir müssen die Funktionalität unserer Uhren ständig verbessern. Die Tradition hat der Kunde schon dann, wenn er eine einzige Uhr kauft. Und das könnte ja auch ein Vintage-Modell sein. Damit er weitere Uhren kauft, müssen die ihm etwas Zusätzliches bieten. Unsere Aufgabe als Hersteller ist es, die traditionelle Handwerkskunst um zukunftsweisende Technik und Funktionen zu erweitern, wie wir das bei Breguet tun, zum Beispiel mit der neuen laufenden Äquation bei der Marine 5887. Auf der anderen Seite müssen wir aber nicht auf jede neue Technologie aufspringen.

Breguet: Marine Équation Marchante 5887
Breguet: Marine Équation Marchante 5887

Zurzeit hat man den Eindruck, dass viele Marken sehr auf ihre eigene Geschichte setzen: Es gibt viele Modelle, die aus der Vergangenheit inspiriert sind.
Ich glaube, in der aktuellen Situation, in der es bei vielen Menschen eine gewisse Verunsicherung gibt, ist es für den Uhrenkäufer besonders wichtig, zu einer traditionsreichen Marke zu greifen. Da gibt eine Marke, die sich durch eine lange Geschichte auszeichnet, eine besondere Sicherheit. Wer wie Breguet seit über 200 Jahren Uhren herstellt, dem traut man eher zu, auch in Jahrzehnten noch zu existieren. Für jüngere Marken ist das schwieriger, auch wenn sie ebenfalls exklusive Haute-Horlogerie-Uhren anbieten. Vielleicht ist das der Grund, dass viele Marken momentan besonders auf den Retro-Trend setzen. Auf der anderen Seite denke ich, dass es ein Stück weit auch genau das ist: ein Trend, gerade in dieser Intensität. Ein Trend, der sich auch aus einer gewissen Ästhetik speist – ähnlich, wie wir das vor einigen Jahren mit den übergroßen Uhren hatten. Heute ist Retro cool, aber wie lange das so bleiben wird, wissen wir nicht.

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