Wempe eröffnet größtes deutsches Juweliergeschäft in München

Interview mit Dietmar Schülein, Geschäftsführer der Wempe-Filiale in den Maximilianarkaden

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 17. Februar 2017

Die Wempe-Filiale in der Münchner Maximilianstraße ist seit gut 28 Jahren eine Institution. Jetzt ist das Geschäft ein paar Meter umgezogen in die Maximilianarkaden – und wesentlich geräumiger geworden. Mit 1.340 Quadratmetern Fläche dürfte es das größte Juweliergeschäft in Deutschland sein. Wempe führt hier 24 Marken, inklusive der eigenen. Zur Eröffnung sprach Chronos-Chefredakteur Rüdiger Bucher mit Geschäftsführer Dietmar Schülein.

Dietmar Schülein, Geschäftsführer Wempe Maximilianarkaden, München
Brigitte Aiblinger
Dietmar Schülein, Geschäftsführer Wempe Maximilianarkaden, München

Was war Ihnen bei Bau und Einrichtung des neuen Geschäfts wichtig? Wir wollten eine Welt schaffen, in der der Kunde sich wohlfühlt. Es ist ein bisschen wie in einem Privathaus. Wir haben auf freundliche Farben geachtet, und es gibt verschiedene Ecken und Bereiche, in denen man etwas innehalten kann. Der Kunde kann sich hier hinsetzen und in Zeitschriften oder Katalogen blättern, oder er kann sich an die Bar setzen und einen Kaffee oder Champagner nehmen.

Wie groß ist das Geschäft? 1.340 Quadratmeter insgesamt, davon etwa 700 Quadratmeter Verkaufsfläche. Wir haben jetzt viel Platz, daraus ergibt sich auch eine größere Intimität, und wir können unsere Kunden individueller bedienen.

Ist es das größte Juweliergeschäft in Deutschland? Ich glaube, ja. Auf jeden Fall ist es die weltweit größte Wempe-Niederlassung. Wir haben über 30 Mitarbeiter, darunter fünf Uhrmacher.

Die Wempe-Niederlassung in den Münchner Maximilianarkaden
Die Wempe-Niederlassung in den Münchner Maximilianarkaden

Welche Reparaturen können Sie durchführen? Wir haben eine eigene Werkstatt. Dort führen wir Teilreparaturen durch, Regulierungen, Bänder wechseln, Wasserdichtheit. Alles, was noch nicht in den Bereich Grundüberholung fällt. Das streben wir allerdings an. Wir benötigen dazu aber weitere zwei Uhrmacher.

Wie lösen Sie das bis dahin? Im Moment schicken wir die Uhren für eine Vollrevision zunächst in unsere Zentrale nach Hamburg. Dort entscheiden die Kollegen, ob die Uhr in der eigenen Werkstatt repariert oder zur Marke selbst eingeschickt wird.

Wie lange muss der Kunde warten, bis er seine Uhr zurückbekommt? Das hängt von der Marke und der Komplikation ab.

Für manche Marken wie Rolex oder Cartier haben Sie spezielle Ecken und Räume geschaffen. Ja, gleichzeitig haben wir es aber geschafft, dass man sich erkennbar in einem Wempe-Geschäft befindet und nicht vom einen Markencorner in den nächsten kommt. Das war Herrn Wempe (Firmeninhaber Hellmut Wempe, Anmerkung der Redaktion) besonders wichtig.

Was erwartet den Kunden, wenn er den Laden betritt? Alles ist offen und einladend. Zwar steht am Eingang immer ein Security-Mitarbeiter, aber wir haben keine Schleuse. Am Empfang stehen zwei Mitarbeiter, die den Kunden begrüßen und ihn nach seinen Wünschen fragen. Es gibt drei Arten von Wünschen: entweder der Kunde fragt nach einem bestimmten Mitarbeiter, den er schon kennt, oder er möchte gezielt eine bestimmte Marke sehen. Oder er will sich einfach nur umschauen.

Wie viele Marken führen Sie? 24. Das ist die höchste Zahl von allen Wempe-Geschäften.

Haben Sie auch Marken, die es in anderen Wempe-Geschäften nicht gibt? Ja, zum Beispiel Ulysse Nardin, Parmigiani Fleurier oder Roger Dubuis.

Die neue Wempe-Niederlassung befindet sich in den Maxilimilianarkaden
Die neue Wempe-Niederlassung befindet sich in den Maxilimilianarkaden

Und den Einstiegsbereich bildet Ihre eigene Marke? Ja, wobei wir neben den Wempe-Uhren auch Nomos Glashütte, TAG Heuer, Longines und Baume & Mercier in diesem Segment anbieten. Sie erhalten bei uns auch Uhren unter 1.000 €. Gerade für so ein großes Geschäft ist das wichtig. Und jeder Kunde erhält die gleiche Aufmerksamkeit und den gleichen Service – egal, ob er eine Uhr für 1.000 Euro oder für 100.000 Euro kauft.

In unmittelbarer Nähe befinden sich Boutiquen verschiedener Uhrenmarken. Die Lange-Boutique in der Perusastraße gehört auch zu Wempe. Wo kauft man denn jetzt seine Lange-Uhr am besten? Wer sich vor allem für eine bestimmte Marke wie etwa A. Lange & Söhne interessiert, geht gern in eine Boutique. Wer aber noch unentschlossen ist oder verschiedene Marken vergleichen will, geht lieber zu uns. Da wir viele Marken führen, können wir unterschiedlichste Modelle zeigen. Das ist sicher ein Vorteil. Ich beobachte das auch bei unseren asiatischen Kunden. Man sagt ihnen immer nach, dass sie Mono-Brand-Stores bevorzugen, weil sie die aus ihrer Heimat gewohnt sind. Aber ich erlebe, dass sie gern zu uns kommen, um die Uhren verschiedener Marken vergleichen zu können.

Kommen denn wieder mehr Asiaten nach München? Nach dem Ausnahmejahr 2015 hat es etwas abgenommen. Aber 2016 haben wir vor allem im zweiten Halbjahr viele hochpreisige Uhren verkauft. Daher war unser Umsatz mit asiatischen Kunden sogar etwas höher als 2015.

Benehmen sich reiche Menschen manchmal besonders? Es gibt sehr wohlhabende Kunden, die davon ausgehen, dass buchstäblich alles käuflich ist, auch etwa Gemälde, die wir im Geschäft hängen haben. Unverkäuflich ist zum Beispiel eine Wanduhr im Empirestil aus Stockholm, die früher bei mir im Büro hing und die sich jetzt im Kaminzimmer befindet. Herr Wempe kaufte sie einst auf einer Auktion und ließ sie restaurieren. Nach ihr wurde ich anfänglich fast jede Woche gefragt. Eines Tages kam ein vermögender arabischer Kunde, der an diesem Tag mehrere Uhren kaufte und die Wanduhr unbedingt haben wollte. Ich blieb hart, was er nicht verstehen konnte, aber akzeptieren musste. Er kommt heute noch und fragt immer wieder, aber die Uhr ist und bleibt unverkäuflich.

Unverkäuflich: Die Wanduhr im "Kaminzimmer"
Unverkäuflich: Die Wanduhr im “Kaminzimmer”

Welche Begebenheit ist Ihnen aus Ihren mehr als 28 Jahren Wempe besonders in Erinnerung geblieben? Da gibt es einiges. Vor nicht allzu langer Zeit kam eine Dame, die eine Uhr für ihren Sohn suchte. Der Sohn sei FC-Bayern-Fan, sagte sie. Ich bot ihr die Bayern-Uhr von Hublot an. Die hatte er schon. Da zeigte ich ihr eine Ulysse Nardin, ein Modell mit einer schönen, prominenten roten Lünette. Die nahm sie. Ich zeigte ihr auch das vergleichbare Modell mit blauer Lünette. Da sagte sie: Mein zweiter Sohn ist Fan von 1860, dann nehme ich beide.

Was erwarten Sie von 2017? Wie sind gut gestartet und erwarten ein erfolgreiches Jahr. Auch weil das neue Geschäft sicher neue Kunden anziehen wird. buc

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