6 charakterstarke Gehäusematerialien für Armbanduhren

Aus welchen Materialien bestehen Uhrengehäuse?

 Redaktion
von Redaktion
am 10. Mai 2017

So wie die kleinsten Teile eines Atoms dessen Eigenschaften bestimmen, so prägt auch das Material einer Uhr deren Charakter. Daher wählen Designer etwa für sportliche Modelle andere Werkstoffe aus als für elegante Uhren. Uhrengehäuse sind auch heute noch überwiegend aus Gold und Edelstahl. Aber nicht nur. Welche Materialien wie eingesetzt werden, zeigen wir Ihnen:

Gehäusematerial #1 für Armbanduhren: Edelstahl

Glashütte Original: Senator Excellence Panoramadatum in Edelstahl
Glashütte Original: Senator Excellence Panoramadatum in Edelstahl

Kaum ein anderes Metall wird so häufig für Uhren verwendet wie Edelstahl. Bei Gehäusen und Armbändern kommt meist eine Legierung aus Stahl, Chrom, Nickel und Molybdän zum Einsatz, die 316L genannt wird und besonders korrosionsbeständig ist. Auf der Vickers-Skala erreicht Edelstahl eine Härte von 200 bis 240 Vickers und ist damit im Vergleich etwa zu Gold relativ hart. Zum Teil werden Gehäuse und Armbänder im sogenannten DLC- oder PVD-Verfahren mit Kohlenstoff beschichtet, um die Kratzfestigkeit des Materials zu erhöhen. Optisch ist Edelstahl ein Allroundtalent: Uhren mit stählernen Gehäusen können je nach Gestaltung sowohl elegant als auch sportlich wirken. Elegante Modelle wie der Senator Excellence von Glashütte Original spielen oft mit polierten Flächen, die das Licht auf unterschiedliche Weise einfangen. Sportuhren hingegen zeigen sich mit überwiegend satinierten Edelstahlflächen dezenter als elegante Modelle. Das funktional-sportliche Design steht für einen aktiven Lebensstil, der sich in robusten, weniger detailreichen Oberflächen ausdrückt.

Gehäusematerial #2 für Armbanduhren: Gold

A. Lange & Söhne 1815 Jahreskalender
A. Lange & Söhne 1815 Jahreskalender in Rotgold

Das Edelmetall Gold stellt sozusagen die Diva unter den Uhrenmaterialien dar. Es ist selten, wertvoll und teuer, aber auch sehr kratzempfindlich. Auf der Vickers-Skala erreicht Gold nur einen Wert von 140 und ist damit relativ weich. Um unterschiedliche Farbtöne zu erzielen, wird Gold mit anderen Metallen gemischt: So enthält Roségold einen erhöhten Kupferanteil, während bei Gelbgold die Farbe von hellgelb (mit höherem Silberanteil) bis zu gelborange (mit höherem Kupferzusatz) reicht. Das seltenere Weißgold entsteht durch den Zusatz von Palladium, einem platinähnlichen Metall. So empfindlich Gold auch sein mag – kein anderes Material strahlt eine solche Eleganz und Wärme aus, wie etwa der 1815 Jahreskalender von A. Lange & Söhne zeigt. Seit einem Jahr feiert auch Gelbgold sein Comeback in der Uhrenbranche, etwa in der Royal Oak von Audemars Piguet. Obwohl Gold meist mit Eleganz assoziiert wird – in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass Gold etwa in Kombination mit Edelstahl auch eine sportliche Verbindung eingehen kann.

Audemars Piguet: Royal Oak extraflach in Gelbgold mit blauem Zifferblatt
Audemars Piguet: Royal Oak extraflach in Gelbgold mit blauem Zifferblatt

Gehäusematerial #3 für Armbanduhren: Keramik

Omega: Seamaster Planet Ocean "Big Blue"
Omega: Seamaster Planet Ocean “Big Blue”

Ursprünglich wurde der Werkstoff aus den Hauptbestandteilen Zirkoniumoxid und Yttriumdioxid in der Zahntechnik verwendet. Die Uhrenindustrie hat Keramik für sich entdeckt, weil der Werkstoff besonders hart, kratzfest und leicht ist: An Härtegrade zwischen 1.200 und 2.000 Vickers kommt kaum ein anderes Material heran. Allerdings ist Keramik nicht besonders bruchfest: Mit einer Bruchzähigkeit von 5 Megapascal ist sie kaum stabiler als Fensterglas, das einen Wert von 1 erreicht; Edelstahl hingegen liegt bei 50 Megapascal. Die Herstellung von Uhrenteilen aus Keramik ist verhältnismäßig schwierig: Sie kann nicht geschmolzen werden, sondern wird unter hohem Druck und hohen Temperaturen in Formen gebacken. Kratzfestigkeit und Leichtigkeit prädestinieren Keramik für sportliche oder technisch designte Uhrenmodelle. Omega präsentierte in diesem Jahr mit der Seamaster Planet Ocean “Big Blue” den ersten Zeitmesser, dessen Gehäuse aus einem einzigen Block blauer Keramik gefertigt ist. Zudem besteht auch das Zifferblatt und die Lünette aus diesem Material. Die Farbkombination mit Orange betont das sportlich-funktionale Design der Taucheruhr.

Gehäusematerial #4 für Armbanduhren: Karbon

Hublot: Big Bang Unico GMT
Hublot: Big Bang Unico GMT

Das schwarze, leichte Material wird seit einigen Jahren auch in der Uhrenbranche eingesetzt und ist für seine gewebeähnliche Struktur bekannt. Grundbestandteil von Karbon sind feine Kohlenstofffasern, die achtmal so dünn sind wie ein menschliches Haar. Sie werden in Strängen gebündelt, zu einem Gewebe verflochten und in Epoxidharz oder Kunststoff bei hohen Temperaturen gebacken. So zeigt etwa die Big Bang Unico GMT von Hublot das typische textilartige Muster auf Lünette und Gehäuse. Dreidimensionale Uhrenteile aus Karbon herzustellen, ist aufwendig, da die Form Schicht für Schicht aufgebaut werden muss. Audemars Piguet hat jedoch ein Verfahren entwickelt, mit dem auch komplexere Formen realisierbar sind. Bei der Herstellung sogenannten geschmiedeten Karbons werden Kohlenfaserstränge in kurze Stücken geschnitten, in Pressformen gefüllt, erhitzt und unter hohem Druck in ihre endgültige Form gepresst. Bei Hublot wird der Kohlenstoff in verflochtene Fasern verwandelt und mit Harz ummantelt, um ihn dann zur Fertigung von Uhrengehäusen oder Bauteilen einsetzen zu können. Dieser künstlich herbeigeführte thermische Zersetzungsprozess ermöglicht die Herstellung von außerordentlich festem und leichtem Material. Die Inspiration, Karbonfasern für Uhrenteile zu verwenden, stammt aus dem Motorsport. Rennwagen werden durch Karbon stabiler, leichter und damit auch schneller. Dieses sportlich-dynamische Rallye-Image greifen Uhren mit Karbonteilen auf und verweisen mit einem technisch-funktionalen Design auf die rasanten Vorbilder.

Gehäusematerial #5 für Armbanduhren: Titan

Porsche Design: Monobloc Actuator Titan Chronograph
Porsche Design: Monobloc Actuator Titan Chronograph

Das graue Leichtmetall kommt nur selten in Reinform vor und wird meist aus Mineralien gewonnen. Dieses Verfahren ist aufwendig und macht Titan zu einem relativ teuren Metall. Dafür zeichnet es sich durch geringes Gewicht und hohe Korrosionsbeständigkeit aus. Je nach Anteil anderer Elemente wird es in verschiedene Stufen unterteilt: Mit Titan Grad 1 bis 4 wird sogenanntes Reintitan bezeichnet, bei dem der Anteil von Fremdelementen unter einem Prozent liegt; Titan Grad 1 ist dabei die reinste Form. Mit steigender Zahl nimmt auch die Härte des Materials zu. So liegt das in der Uhrenindustrie am häufigsten verwendete Titan Grad 2 bei einer Härte um 160 Vickers, während das seltenere Titan Grad 5 etwa 350 Vickers erreicht. Äußerlich ähnelt Titan Edelstahl, jedoch changiert Titan je nach Lichteinfall von dunkelgrau bis braun. Die Farbigkeit in Verbindung mit der mattierten Oberfläche verleiht Uhrenteilen aus dem Leichtmetall einen Hightech-Charakter und betont ihre funktionale Gestaltung. Die Uhrenindustrie entdeckte das Metall in den 1980er-Jahren für sich. 1981 präsentiert IWC – damals noch Lizenznehmer der Marke Porsche Design – den Titan-Chronographen Porsche Design mit Gehäuse, Drückern und Armband aus Titan. Auch 2017 verwendet Porsche Design das graue Metall beim Monobloc Actuator Titan Chronographen bei dem die Steuerung des Chronographen eine ins Gehäuse integrierte Schaltwippe übernimmt und somit an den automobilen Paten Porsche 911 RSR erinnert. Das großformatige Titangehäuse zeigt sich dabei in einem technisch-puristischem Look.

Gehäusematerial #6 für Armbanduhren: Bronze

Laco: Erbstück Friedrichshafen Bronze
Laco: Erbstück Friedrichshafen Bronze

Bronze ist eine Mischung aus Kupfer und Zinn und gilt als die erste von Menschen hergestellte Legierung. Damals noch für Münzen oder Statuen verwendet, spielt das Material heute in der Mess- und Regeltechnik, in der chemischen Industrie und im Maschinen-, Automobil- oder Schiffsbau eine große Rolle. Und seit einem Jahr wird Bronze auch wieder verstärkt in der Uhrenindustrie als Gehäusematerial verwendet. Unter dem Begriff Bronze versteht man Legierungen, die mindestens 60 Prozent Kupfer enthalten. Durch weitere Beimischungen von einem oder mehreren Stoffen wie Aluminium, Nickel, Eisen, Zinn oder Zink lassen sich Werkstoffeigenschaften regelrecht maßschneidern. Bronze ist zudem seewasserbeständig, antimagnetisch, verschleißarm, elastisch, im Vergleich zu Edelstahl etwas spröder und etwa zehn Prozent schwerer. Durch die Reaktion mit Sauerstoff erhält Bronze ein einzigartige und unverwechselbare Patina, die ihr nicht nur ihr individuelles Aussehen verleiht, sondern auch das darunterliegende Material vor Korrosion schützt. Der optische Wandel ist also lediglich ein Ausdruck des Alterns, seine Eigenschaften verändert das Material dabei nicht. Auch Laco setzt 2017 auf diese Alterung, die bereits innerhalb weniger Wochen einsetzt. In Kombination mit den künstlich gealterten Komponenten der Erbstück-Modelle passt sich das Gehäuse der restlichen Vintage-Optik perfekt an.

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