Die kleinen Komplikationen: Mondphase

Die Mondphasenanzeige – eine Komplikation, zahlreiche Darstellungen

 Redaktion
von Redaktion
am 7. November 2016

Der Mond übt als erdnächster Himmelskörper eine besondere Anziehungskraft auf uns aus. Er verursacht Gezeiten, inspirierte Dichter und gilt seit jeher als Symbol des Unerreichbaren. Der Mond ist der einzige natürliche Satellit der Erde. Nach der Sonne ist er mit Abstand das hellste Objekt am Himmel. Vermutlich war es aus diesem Grunde für den Menschen naheliegend, diesen Planeten erforschen zu wollen. In vielen alten Kulturen nahm der Mond eine religiöse oder mythologische Rolle ein. Wissenschaftliche Studien ergeben, dass der Mond unser Leben auf der Erde so beeinflusst, dass eine Leben ohne ihn nicht möglich wäre. So stabilisiert die Schwerkraft des Mondes die Erde. Ohne sie würde die Erdachse alle paar Millionen Jahre um bis zu 85 Grad kippen. Zugleich bremst die Gravitationskraft des Mondes die Erdrotation ab. Gäbe es diese entschleunigende Kraft nicht, würde sich die Erde so schnell um ihre eigene Achse drehen, dass ein Tag nur noch sechs Stunden lang wäre.

Je nach Stellung des Mondes, der Erde und der Sonne zueinander sind von der Erde aus verschiedene Beleuchtungswinkel des Erdtrabanten durch die Sonne zu beobachten. Diese verursachen die wechselnden Mondphasen. Die Phasen hängen davon ab, welcher Teil des Mondes gerade von der Sonne beleuchtet wird. Wir unterscheiden zwischen Neumond, zunehmendem Mond, Vollmond und abnehmendem Mond. Bei Neumond liegt die erdabgewandte Seite des Mondes im Sonnenlicht, bei Vollmond ist es hingegen die sichtbare Hälfte, die immer dieselbe ist.

Schon bald nutzten die Menschen den regelmäßigen Zyklus des Mondes für die Bestimmung von Zeitspannen und als Basis der ersten Kalender. Schon im Altertum (etwa 4.000 Jahre v. Chr. bis etwa 700 Jahre n. Chr.) zählte man die Zeit von einem Vollmond bis zum nächsten als einen Monat. So erstaunt es auch nicht weiter, dass die Anzeige der Mondphase über eine lange Tradition in der Uhrmacherei verfügt.

Erwin Sattler: Troja Opus Temporis

Erwin Sattler: Troja Opus Temporis
Erwin Sattler: Werk der Troja Opus Temporis

Die Troja Opus Temporis von Erwin Sattler: Über 600 Teile bilden das Werk mit seinem Ewigen Kalen­der und der dreidimensio­nalen Mondphase.

Bereits im frühen 16. Jahrhundert gaben die ersten Wanduhren den Stand des Mondes wieder. Mit der Quarzkrise in den 1970er-Jahren verlor die mechanische Uhr an Bedeutung und damit auch diese astronomische Komplikation. Erst in den 1980er-Jahren verhalf die Schweizer Manufaktur Blancpain mit dem Kaliber 6395 der Mondphasenanzeige zu neuem Glanz. Als lächelndes Gesicht trat der Mond neben die Anzeigen des Vollkalenders auf das Zifferblatt. Die Uhr war ein solcher Erfolg, dass auch viele andere Hersteller die Mondphasenanzeige in ihr Programm aufnahmen.

Im Sternenhimmel der Mondphasenanzeige von Montblancs Heritage Chronométrie Quantième Annuel Vasco da Gama ist das Kreuz des Südens zu erkennen.

Im Sternenhimmel der Mondphasenanzeige von Montblancs Heritage Chronométrie Quantième Annuel Vasco da Gama ist das Kreuz des Südens zu erkennen.

Die Mondphase dauert astronomisch betrachtet genau 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden. Die klassische Mondphasenkonstruktion wird auf 29,5 Tage abgerundet. Ein halber Tag lässt sich jedoch nur schwer in ein mechanisches Räderwerk übersetzen. Deshalb benutzt man bei der einfachen Art der Mondphasenanzeige ein Räderwerk mit 59 Zähnen für zweimal 29,5 Tage. Auf der Mondscheibe befinden sich zwei gegenüberliegende Monde, von denen immer nur einer auf dem Zifferblatt zu sehen ist. Das Räderwerk bewegt die Scheibe automatisch einmal pro Tag um einen Zahn weiter, um die Mondphase korrekt darzustellen. Die Schaltung erfolgt zumeist um Mitternacht. Diese Art der Mondphasenanzeige geht jährlich rund 8 Stunden oder in drei Jahren einen ganzen Tag falsch. Dank mitgeliefertem Korrekturmechanismus lässt sich die Anzeige mit einem kleinen Knopfdruck korrigieren. Mit wenig Aufwand lassen sich auch einfache Basiskaliber um die Komplikation ergänzen, Uhren damit liegen preislich im Einstiegssegment oder im mittleren Bereich. Sie sind daher auch bei kleineren Marken wie Edox, Zeno-Watch Basel oder Schauer zu finden.

A. Lange & Söhne: Große Lange 1 Mondphase

A. Lange & Söhne: Große Lange 1 Mondphase

Natürlich geht es auch präziser: Bei komplizierteren Mechanismen muss die Mondphasenanzeige erst nach über 100 Jahren um einen Tag korrigiert werden. So ist eine Korrektur bei der Große Lange 1 Mondphase von A. Lange & Söhne, die 2014 auf dem Genfer Uhrensalon SIHH vorgestellt wurde, erst nach 122,6 Jahren notwendig. Hier spricht man von einer präzisen Mondphasenanzeige.

A. Lange & Söhne Richard Lange: Terraluna

A. Lange & Söhne Richard Lange: Terraluna
A. Lange & Söhne Richard Lange: Rückseite der Terraluna

A. Lange & Söhne Richard Lange: Rückseite der Terraluna

Der Richard Lange Ewiger Kalender "Terraluna" mit orbitaler Mondphasenanzeige, den die Glashütter Uhrenmarke ebenfalls auf der besagten Messe lancierte, muss sogar erst nach 1.058 Jahren um einen Tag korrigiert werden. Dabei zeigt das astronomische Miniaturschauspiel nicht nur den zu- und abnehmenden Mond, sondern über drei rotierende Scheiben auch die Konstellation von Erde, Mond und Sonne.

Die Mondphasen der A. Lange & Söhne Richard Lange Ewiger Kalender Terraluna

Die Mondphasen der A. Lange & Söhne Richard Lange Ewiger Kalender Terraluna. Von links nach rechts: Neumond, zunehmender Mond, Vollmond, abnehmender Mond.

Den Rekord hält jedoch Andreas Strehler: seine aus vier Komponenten bestehende Mondphasenanzeige hat eine Fehlerquote von einem Tag in zwei Millionen Jahren. Ob eine solche Präzision notwendig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Eine uhrmacherische Höchstleistung ist es in jedem Fall. Häufig stehen präzise Mondphasen im Zusammenhang mit Komplikationen wie einem Ewigen Kalender und werden von Uhrenmanufakturen angeboten.

Frédérique Constant: Heart Beat Manufacture Silizium Jubiläumsedition

Die Heart Beat Manufacture Silizium Jubiläumsedition 10 Jahre Heart Beat Manufacture verfügt über eine Mondphasen- und Datumsanzeige, aber ohne Vollkalender.

Modelle, die eine Ausnahme davon sind, finden sich unter anderem bei Frédérique Constant. So verfügt die Heart Beat Manufacture Silizium Jubiläumsedition, die zum 10-jährigen Bestehen der Heart Beat Manufaktur erschien, zum Beispiel nicht über einen Vollkalender, aber hat dennoch eine Mondphasenanzeige.

Piaget: Emperador Coussin mit Mondphasenanzeige

Piaget: Emperador Coussin mit Mondphasenanzeige

Eine noch größere Seltenheit ist eine Uhr mit Mondphasenanzeige aber ohne Datum, wie die Emperador Coussin von Piaget aus dem Jahr 2009.

Jaquet Droz: Die Mondphasenanzeige der "The Eclipse Ivory Enamel" verfügt über eine Kelle.

Jaquet Droz: Die Mondphasenanzeige der "The Eclipse Ivory Enamel" verfügt über eine Kelle.
Glashütte Original: Die Mondphasenanzeige der PanoMaticLunar ist über ein klassisches Halbmondfenster gelöst.

Glashütte Original: Die Mondphasenanzeige der PanoMaticLunar ist über ein klassisches Halbmondfenster gelöst.
[Foto: René Gaens Fotografie]

Doch auch wer nach einer Uhr mit klassischer Mondphasenanzeige sucht, hat eine große Auswahl. Von der traditionellen Anzeige in einem halbmondförmigen Fenster bis hin zu Indikationen mit Kellen, Zeigern oder Rollen bleiben gestalterisch kaum Wünsche offen, wie die hier gezeigten Modelle verdeutlichen.

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Oris: Bei der ProDiver Pointer Moon zeigt ein orangefarbener Zeiger die Mondphase an.

Oris: Bei der ProDiver Pointer Moon zeigt ein orangefarbener Zeiger die Mondphase an.
Schaumburg Watch: Die Mondphasenanzeige der Moon Landscape verfügt über ein fotorealistisches Mondphasenmodul.

Schaumburg Watch: Die Mondphasenanzeige der Moon Landscape verfügt über ein fotorealistisches Mondphasenmodul.

Das offizielle Video von A. Lange & Söhne zur Richard Lange Ewiger Kalender "Terraluna":

Wie stellt man die Mondphasenanzeige einer Uhr ein?

Die Mondphasenanzeige der Uhr wird entweder über einen eigenen Drücker oder über die Krone eingestellt. So unterscheidet sich auch das jeweilige Vorgehen zum Einstellen der Mondphasenanzeige. Die Verfahren können auch bei den einzelnen Uhrenherstellern variieren.

Einstellen der Mondphasenanzeige mit separatem Drücker:

  1. Betätigen Sie den Drücker so oft bis der Vollmond in der Anzeige erscheint.
  2. Finden Sie anschließend heraus, an welchem Tag der letzte Vollmond war.
  3. Zählen Sie die vergangenen Tage seit dem letzten Vollmond und betätigen Sie der Anzahl entsprechend den Drücker. Nun ist die Mondphasenanzeige richtig eingestellt.

Beispiel: Sie wollen am 07. November 2016 die Mondphase Ihrer Uhr richtig einstellen. Der letzte Vollmond war am 16. Oktober 2016, er liegt folglich 22 Tage zurück. Das heißt, Sie müssen den Drücker 22 Mal betätigen bis die Mondphasenanzeige der Uhr mit der aktuellen Phase des Mondes übereinstimmt.

Einstellen der Mondphasenanzeige über die Krone:

  1. Ziehen Sie die Krone auf die erste Position heraus. Bei den meisten Uhren ist die halb herausgezogene Krone für das Einstellen von Datum und/oder Mondphase zuständig. Diese Einstellung kann jedoch von Hersteller zu Hersteller variieren.
  2. Drehen Sie die Krone solange im Uhrzeigersinn bis das Datum mit dem des letzten Vollmonds übereinstimmt.
  3. Stellen Sie jetzt wieder das aktuelle Datum ein. Die Mondphasenanzeige ist nun richtig eingestellt.

Vollmondkalender 2016:
14. November 2016
14. Dezember 2016

Vollmondkalender 2017:

12. Januar 2017
11. Februar 2017
12. März 2017
11. April 2017
10. Mai 2017
09. Juni 2017
09. Juli 2017
07. August 2017
06. September 2017
05. Oktober 2017
04. November 2017
03. Dezember 2017

Weitere Uhren mit Mondphasenanzeige zu verschiedenen Preisen finden Sie im kostenlosen Download der "Marktübersicht: Uhren mit Mondphasenanzeige".

Vier ausgewählte Mondphasenuhren für echte Männer sehen Sie hier.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im April 2011.

Weitere Themen unserer Reihe "Uhren-Komplikationen" finden Sie hier:

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