Gefälschte Uhren: Wie Sie echte Uhren von Replica-Uhren unterscheiden

5 Tipps für den Uhrenkauf im Internet

Robert-Jan Broer
von Robert-Jan Broer
am 19. Mai 2017

Nach Angaben des Schweizer Uhrenindustrieverbandes FH existieren mehr gefälschte Uhren als Originale. Jedes Jahr werden mehrere zehn Millionen gefälschte Uhren angeboten, während die Schweizer Uhrenindustrie rund 30 Millionen Uhren produziert. Darunter sind bekannte Modelle sämtlicher Marken zu finden. Uhren zählen zu den am häufigsten gefälschten Produkten. In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass sich der Verkauf von Replica-Uhren aus Internetseiten in die sozialen Medien wie Facebook, Youtube oder Instagram verlagert. So wird es immer schwieriger, den Fälschern auf die Schliche zu kommen. Eine eigens eingerichtete Abteilung des Schweizer Uhrenindustrieverbandes beschäftigt sich täglich mit dem Aufspüren solcher Internet-Angebote, veranlasst deren Schließung und vernichtet gefälschte Uhren. Oft ist den Käufern von Uhren jedoch nicht bewusst, dass sie eine gefälschte Uhr kaufen, da die Fälschungen immer professioneller werden.

Sicher ein Witz von Quentin Tarantino, denn die Rolex Daytona, die im Film Kill Bill II ihren Auftritt hat, ist eine offensichtliche Fälschung, zu sehen an den Hilfszifferblättern.
Sicher ein Witz von Quentin Tarantino, denn die Rolex Daytona, die im Film Kill Bill II ihren Auftritt hat, ist eine offensichtliche Fälschung, zu sehen an den Hilfszifferblättern.

In diesem Artikel aus meinem Blog Fratellowatches möchte ich Ihnen fünf Tipps für den Uhrenkauf geben: Diese sollen Ihnen helfen, echte Uhren von Replica (manchmal auch „Replika” geschrieben) zu unterscheiden. Doch ich muss gleich zu Beginn ein kleines Geständnis machen: Es ist nichts, worauf ich sonderlich stolz bin, es zeigt aber, wie leicht man getäuscht werden kann. 2003 begann ich mit der Suche nach einem Oyster-Armband für meine Rolex Datejust, die ich beim Kauf mit einem Jubilee-Armband erhielt. Schnell wurde ich auf eBay fündig und nachdem ich mir einen Überblick über die Verkäuferbewertungen verschafft hatte, entschied ich mich, auf „Jetzt kaufen” zu klicken. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Preis erinnern, aber er war attraktiv.

Tipp für den Uhrenkauf #1: Nicht vom Impuls mitreißen lassen

Allerdings war der Betrag nicht niedrig genug, um ihn als „zu schön, um wahr zu sein” zu bezeichnen. Als das Armband bei mir ankam, fiel mir sehr schnell auf, dass es sich um eine Fälschung (oder sogenannte Replik) handelte. Wäre ich mit meiner Kaufentscheidung nicht so vorschnell gewesen und hätte ich das Angebot vorher besser geprüft, dann wäre mir aufgefallen, dass die Clasp Codes falsch und die Referenznummer an der verkehrten Stelle graviert sind. Von einem echten Oyster-Armband für meine Datejust war also keine Rede mehr. Mit diesem Kauf zahlte ich mein Lehrgeld. Seitdem tätige ich keine Impulskäufe mehr, wenn ich mir nicht absolut sicher bin, dass alles in Ordnung ist.

In diesem Artikel möchte ich mich mit dem Kauf von Replica-Uhren – oder sogar schlimmer – sogenannten Frankenwatches, also Uhren, die aus verschiedensten Teilen zusammgengebaut werden, auseinandersetzen. Am Kauf von billigen Fälschungen sind Menschen interessiert, die sehr gern zum Beispiel eine Rolex oder Breitling besitzen würden, aber nur über ein begrenztes Budget von 100 Euro oder weniger verfügen.

Replica-Uhren sind nicht gleich Replica-Uhren

Ihnen ist vollkommen bewusst, dass sie Plagiate kaufen, und sie haben auch nicht die Absicht, ein Original zu erwerben. Denn die gefälschten Luxusuhren passen wahrscheinlich auch hervorragend zur nachgemachten Louis-Vuitton-Tasche und dem imitierten Hermès-Gürtel. Aber widmen wir uns dieser Kategorie nicht weiter. Denn: „Fake watches are for fake people” – und wer Wert auf eine gute Qualität der Materialien und Design legt, kauft keine Replica.

Einige Replica-Uhren sind so authentisch, dass man erst die Uhr öffnen muss, um zu sehen, dass es sich um eine Fälschung handelt.
Einige Replica-Uhren sind so authentisch, dass man erst die Uhr öffnen muss, um zu sehen, dass es sich um eine Fälschung handelt.

Zunächst muss ich jedoch zwischen Replica-Uhren und Frankenwatches unterscheiden. Replica-Uhren sind vollständige Fälschungen. Nichts an ihnen ist echt. Ein Beispiel dafür ist die gefälschte Daytona, die in “Kill Bill II” ihren Auftritt hat. Sie ist als Fälschung klar am Zifferblatt, genauer gesagt an den Chronographen-Totalisatoren, zu erkennen. Doch Vorsicht – heutzutage sind einige Replica kaum noch vom Original zu unterscheiden. Denn auch diese Modelle sind aus brauchbarem Edelstahl gefertigt, die meisten Details stimmen und vielleicht werden sie sogar noch mit gefälschten Papieren und in einer nachgemachten Box verkauft.

Tipp für den Uhrenkauf #2: Kein Fachhändler? Angebot genau prüfen

Seien Sie also beim Kauf einer mechanischen Armbanduhr, die Sie nicht beim autorisierten Fachhändler erwerben, besonders vorsichtig. Zwei Aspekte können jedoch einen Hinweis darauf geben, ob es sich um eine Fälschung handelt:

1. Der Preis: Wenn der Preis zu schön ist, um wahr zu sein, sollten Sie die Finger von der Uhr lassen.

2. Das Uhrwerk: Vergewissern Sie sich, ob in der Uhr ein Originalwerk verbaut ist und prüfen Sie die Details der Uhr, um ganz sicherzugehen. Am Besten nehmen Sie zum Kauf eine ähnliche Uhr mit, von der Sie wissen, dass sie echt ist.

Ein bekanntes Modell mit einem ungewöhnlichen Zifferblatt: eine Rolex Datejust mit deutscher Schrift
Ein bekanntes Modell mit einem ungewöhnlichen Zifferblatt: eine Rolex Datejust mit deutscher Schrift

Frankenwatches sind wiederum eine andere, meiner Meinung nach sogar noch gefährlichere Angelegenheit. Eine Frankenwatch ist eine Uhr, deren Bestandteile fast alle Originale sind.

Der Unterschied zwischen Replica-Uhren und Frankenwatches

Jedoch gehören die Einzelteile, aus denen die Uhr zusammengesetzt ist, nicht zusammen – weil sie entweder vom Herstellungszeitpunkt nicht zusammenpassen oder ursprünglich gar nicht in dem Modell verbaut wurden. Eine Rolex Submariner aus dem Jahr 1965 wird zum Beispiel zur Frankenwatch mit dem Uhrwerk einer später produzierten Rolex, das nicht einmal das einer Submariner sein muss. Fügt der Besitzer noch ein nicht zum Original zugehöriges Armband, eine Lünette von einem späteren Modell und ein Ersatzplexiglas hinzu, ergibt das eine Frankenwatch. Von der ursprünglichen Submariner ist nun nur noch das Gehäuse an sich übrig. Und genau dieser Mix macht es oft so schwer, eine echte Vintage-Uhr von einer Frankenwatch zu unterscheiden.

Tipp für den Uhrenkauf #3: Marken- und Modellhistorie recherchieren

In beiden Fällen ist Wissen der Schlüssel zur richtigen Kaufentscheidung. Um den Kauf einer Replica zu vermeiden, sollten Sie sich ausreichend über die in Frage kommenden Modelle und deren Historie informieren. Der Wissensstand hängt natürlich vom Dokumentationsgrad über eine Marke oder eine spezifische Uhr ab. Zu zahlreichen Uhren und Marken gibt es großartige Bücher, etwa über die Rolex GMT Master, die Omega Speedmaster (“Moonwatch Only”) oder die Uhren der Schweizer Marke Longines (“Longines Watches”), die Sie zu regelrechten Experten auf diesem Gebiet machen. Die Bücher sind zwar nicht günstig, können aber vor einem teuren Fehlkauf bewahren.

Der Schlüssel zum Kauf einer echten Vintage-Uhr ist Wissen und das finden Sie in Fachliteratur, z.B. dem Buch "Moonwatch Only" zur Omega Speedmaster.
Der Schlüssel zum Kauf einer echten Vintage-Uhr ist Wissen und das finden Sie in Fachliteratur, z.B. dem Buch “Moonwatch Only” zur Omega Speedmaster.

Die einfachste Methode ist aber der Gang zu einem autorisierten Fachhändler und der Kauf einer neuen Uhr. Das löst jedoch nicht die Probleme auf dem Markt für Gebraucht- und Vintage-Uhren. Die Nachfrage nach einigen nicht mehr produzierten Modellen und Vintage-Uhren ist so stark, dass die Preise dementsprechend hoch sind und dieser Umstand ruft wiederum Kriminelle auf den Plan, die spezialisiert auf die Herstellung einer Kopie sind, und mit dem Betrug an leidenschaftlichen Sammlern und Käufern ein Vermögen verdienen wollen.

Tipp für den Uhrenkauf #4: Kontakt zum Hersteller suchen

Viele Uhrenmarken behaupten auch immer wieder, dass das Internet und Onlineshops ein schlechter Ort für den Uhrenkauf sei. Die Ansicht vertreten insbesondere Marken, die im Bezug auf das Online-Geschäft keine klare Strategie verfolgen und somit der Diskussion leicht aus dem Weg gehen. Wir wissen es selbstverständlich besser. Denn zahlreiche Marken helfen auch gerne weiter, wenn Sie etwas über eine nicht mehr hergestellte Uhr oder sogar eine Vintage-Uhr wissen wollen. Sie informieren darüber, ob die Teile original sind, geben Auskunft über die Herkunft der Uhr, und manchmal bieten die Hersteller sogar eine Überprüfung der Uhr und ihrer Qualität an. Letzteres bedeutet aber, dass Sie die Uhr bereits gekauft haben. Wenn sehr viel Geld im Spiel ist, erklärt sich ein Verkäufer vielleicht damit einverstanden, die Uhr bei einer Marke oder dem Service-Zentrum einer Marke auf Echtheit prüfen zu lassen. Für den Sänger John Mayer kommt diese Option leider zu spät, denn so fand er heraus, dass einige seiner Uhren Replica sind.

Fachliteratur zur Rolex GMT-Master
Fachliteratur zur Rolex GMT-Master

Egal, ob Sie sich das Uhrenwissen selbst aneignen oder auf das Wissen anderer Sammler zurückgreifen, so sind Sie bestens gewappnet, keine Replica zu kaufen. Diese Regel gilt selbstverständlich nicht nur für den Online-Kauf, sondern auch für Gebraucht- und Vintage-Uhren, die von traditionellen Ladengeschäften und auf Auktionen (ja, selbst Frankenwatches und Replica werden dort ab und an versteigert) verkauft werden.

Tipp für den Uhrenkauf #5: Sammler-Wissen nutzen

Darüber hinaus gibt es Markenforen, in denen zahlreiche bewanderte User hilfreiche Beiträge zum Thema Replica posten, und selbstverständlich verschiedene Uhrenblogs, die sich mit unterschiedlichen Armbanduhren beschäftigen. Sammeln Sie so viele Informationen wie möglich über Originalmodelle, mögliche Fälschungen und Frankenwatches, und holen Sie sich im Zweifelsfall immer eine zweite Meinung ein. Tipps rund um das Thema Replica können auch gerne im Kommentarbereich geteilt werden.

Robert-Jan Broer, Jahrgang 1977, lebt in den Niederlanden. Seine Leidenschaft sind Uhren. Er ist Autor bei verschiedenen Uhrenzeitschriften und betreibt seit 2004 den Blog Fratellowatches. Auf Watchtime.net stellen wir Ihnen seine Artikel auf Deutsch zur Verfügung: www.fratellowatches.com

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im September 2014.

Schlagwörter: Rolex,

Ihre Meinung interessiert uns!

12s Kommentare zu “Gefälschte Uhren: Wie Sie echte Uhren von Replica-Uhren unterscheiden”
  1. Wirklich schöner Artikel!
    Für Frankenwatches kann man ja mittlerweile mehr Geld ausgeben als für das Original.
    Bestes Beispiel sind diese schrecklichen MAD Watches. Wirklich gruselig was da neuen Uhren zugemutet wird.

  2. RJ, nice writeup. In 2014, fakes or frankenwatches have become much more complex, much closer to perfection, and mistakes like wrong sided Serial numbers or reference numbers are not Happening any more. Now, you have to know a lot more, possess deep knowledge or know People who possess deep knowledge and are willing to share it with those who do not know. Buying used and vintage watches has become a lot trickier, and the fake watches I have seen lately on my table were from a first look perfect. Fake watches now have 18k real Gold, they look and feel like the real Thing, and you have to open them and check every Detail out to find out that they are wrong. I have had some Rolexes on my table that were absolutely Close to perfection, but my stomach told me something is not right. Only after Close inspection would I notice the fine differences, like Serial numbers between the lugs which are slightly too large compared to the original watch, and some minor mistakes on dial printing, for examples Red Submariners with Minute indices that are slightly too Long and go across the Corner of the dial. It is a minefield, and the forgers are improving fast and constantly. Unfortunately. Books help identify wrong things, but you Need to have an eye to recognize Little mistakes. Your eyes Need schooling and that is something you can only acquire over time by buying and viewing more and more pieces. Sorry for caps, it is my German Laptop.

  3. Panzlaff

    Na, die Markenfirmen sind aber zum Teil auch selbst schuld, für den Preis z.B. einer neuen Breitling mit Stahlgehäuse hätte man vor 10 Jahren noch das gleiche Modell aus Gold bekommen. Ich hab mir gerade ne neue Sinn 103 TESTAF gekauft, das geht dann gerade noch so.

  4. Elfriede Trall

    Toller Artikel! Ich persönlich würde keine Uhren mehr kaufen, die ich nicht direkt vom Fachhändler erwerben kann. Es bleibt doch das ungute Gefühl, dass es sich um eine Fälschung handeln könnte, immerhin sind die heutzutage wirklich gut gemacht und ausgewickelt. Daher kommt für mich persönlich Tipp #2 ganz besonders in Frage. Normalerweise kaufe ich meine Uhren persönlich beim Fachhändler, aber seit mein Mann nicht mehr Autofahren kann und ich daher nur sehr limitiert mobil bin, da ich keinen Führerschein besitze, kaufe seit etwa zwei Jahren auch die eine oder andere Uhr auf uhrcenter.de. Hatte noch nie Probleme und bin von deren Service wirklich begeistert!

  5. Gebrauchtuhren.....

    Quatsch !
    Wenn man etwas von Uhren versteht, kann man überall kaufen.
    Ich denke, manche Beispiele sind ganz “im Sinne” von teuren Konzis.

  6. Interessanter Artikel!
    Hab sehr viel davon gelernt und werde ab jetzt noch genauer hinsehen ob alles mit rechten Dingen zugeht. Danke euch. Liebe Grüße Alessandro

  7. Andreas Goldstein

    Ich habe mir bewusst Replicas gekauft. Meine Panerais sind zu teuer für den Alltag, möchte aber nicht auf die Optik im Alltag verzichten. Deshalb kommen die Panerais nur am WE aus dem Safe und unter der Woche kommen (sehr teure) Replicas an den Arm, die vom Original nur am Uhrwerk zu unterscheiden sind.
    Wären die Preise für Panerais nicht so abgehoben, wäre das nicht nötig. Eine Panerai mit Handaufzug ist meiner M. nach höchstens 2000 € und nicht 7000 € wert.

  8. Frank K.

    Ein sehr lehrreicher, gut recherchierter Artikel. Vielen Dank !!
    Die Zeiten der Rolex Day- Date- fakes mit billigem Quarzwerk aus HongKong sind mir noch gut in Erinnerung.
    Damals Anfang der 1990er Jahre war es selbst für Uhrenlaien möglich, echt von unecht zu unterscheiden. Diese Zeiten sind vorbei !!

  9. Royal Oak

    Leute die Replikas tragen sind Spinner !!!

  10. Detlef Bittner

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin dabei mir eine Chopard Linea Chronograph Gelbgold Au750 zuzulegen.
    Sie stammt ca. aus dem Jahr 2001. Auf der Rückseite befindet sich die Ref. Nr. 1181.
    Die goldene Armbandschließe hat aber nicht das bekannte “C”, sondern es soll ein
    anderes originales von der Firma sein. Der Name Chopard ist hier klein ausgeschrieben.
    Die Uhr ist sehr schwer und die Sekunde lässt sich mit dem oberen Drücker einwandfrei auf die 12 Uhr bringen. Das Maß ist mit 37mm korrekt. Die Zeiger haben im dunkeln eine starke Leuchtkraft. Gab es in diesem Fall je bekannte Fake Uhren?
    Mit der Bitte um dringende Nachricht, da es hierbei, nicht um ein paar hundert € geht.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. Bittner

  11. Gwendolyn Benda

    Sehr geehrter Herr Bittner, in diesem speziellen Fall ist uns nichts bekannt. Wir empfehlen aber in Zweifelsfällen immer, die Uhr einem Fachhändler in Ihrer Nähe vorzulegen.

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