Stilkunde: 10 verschiedene Zifferblatt-Designs

Die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten eines Zifferblattes

Melanie Feist
von Melanie Feist
am 9. Juni 2017

Das Zifferblatt ist eine der wichtigsten Komponenten einer mechanischen Uhr, macht es doch die verschiedenen Funktionen des Werkes überhaupt erst sichtbar, das seine Dienste hinter den Anzeigen verrichtet. Auf dem Zifferblatt müssen alle Informationen leicht zu erfassen und gut abzulesen sein. Das gelingt den Herstellern mal besser, mal schlechter. Denn das Zifferblatt bietet auch Gestaltungsraum, es verleiht einer Uhr ihr Gesicht. Einige Zifferblätter sind dabei so gut gestaltet, dass sie einen hohen Wiedererkennungswert für die Marke mit sich bringen. Der Aufbau des Zifferblatts orientiert sich am Lauf der Sonne, den sie, von der nördlichen Hemisphäre aus, zu nehmen scheint. Beim Blick nach Süden geht sie im Osten auf, steht mittags am höchsten und geht im Westen unter. In der Bildergalerie stellen wir Ihnen Wissenswertes zu zehn verschiedenen Zifferblatt-Designs vor:

Das Chronographen-Zifferblatt mit drei Hilfszifferblättern: Ein Chronograph mit drei Hilfszifferblättern auf dem Zifferblatt wird auch Tricompax-Chronograph genannt. Die Totalisatoren für die gestoppte Zeit befinden sich bei drei, sechs und neun Uhr. Die V-förmige Anordnung und die Bezeichnung bezieht sich auf ein Modell des Herstellers Universal Genève.
Breitling: Chronoliner B04 Boutique Edition
Das Chronographen-Zifferblatt mit zwei Hilfszifferblättern: Ein Chronograph mit zwei Hilfszifferblättern auf dem Zifferblatt wird auch Bicompax-Chronograph genannt. In der Regel befinden sich die Hilfzifferblätter bei der Drei und der Neun. Der 12-Stunden-Zähler bei der Sechs entfällt.
Bei der Hamilton Intramatic 68 können die gestoppten Minuten bei drei Uhr abgelesen werden. Zudem verfügt die Uhr über eine Tachymeterskala.
Das Regulator-Zifferblatt: Beim Regulator-Zifferblatt steht die Minute im Fokus. Ihr Zeiger läuft als einziger aus der Mitte heraus. Die Stunden und Sekunden liest der Träger dagegen auf Hilfszifferblättern ab. Als Regulatoren wurden ursprünglich sehr genau gehende Wand- oder Standuhren bezeichnet, die Uhrmacher zum präzisen Einstellen der Zeit benutzten. Denn die Zifferblattaufteilung ermöglicht nicht nur ein präzises Ablesen der Minute, sondern auch der Sekunde, da der Stundenzeiger diese nicht verdeckt. Erst in den 1980er-Jahren fand der Regulator schließlich ans Handgelenk.
Der Sirius Regulator Classic von Chronoswisse besitzt ein typisches Regulator-Zifferblatt.
Das Sandwich-Zifferblatt: Das Sandwich-Zifferblatt wird in erster Linie mit der italienischen Uhrenmarke Panerai in Verbindung gebracht. Es besteht aus zwei Schichten: der Leuchtschicht und dem Zifferblatt. Erstere befindet sich unter dem Zifferblatt. Ziffern und Indexe werden ausgeschnitten, so scheint die Leuchtmasse durch. Beim Sandwich-Zifferblatt entsteht dabei ein Eindruck von Tiefe. Panerai verzichtet bei diesem Zifferblatt-Design jedoch auf die Minutenindexe.
Die Panerai Radiomir 3 Days Acciaio 47 mm mit schwarzem Sandwich-Zifferblatt.
Das Schiffschronometer-Zifferblatt: Der Schiffschronometer wird auch Marinechronometer oder Längenuhr genannt. Er wurde zur Bestimmung der geografischen Länge benutzt - ein immenser Fortschritt für die Seefahrt. Denn bis Ende des 17. Jahrhunderts konnten Seefahrer ihre exakte Position nur erahnen. Mithilfe der Berechnung des Zeitunterschiedes zwischen Heimathafen und der Uhrzeit an Bord, dem sogenannten Längengradunterschied, konnte die eigene Position bestimmt werden. Je präziser das Zeitmessinstrument, umso besser.
Der Senator Chronometer von Glashütte Original verfügt über ein Schiffschronometer-Zifferblatt mit kleiner Sekunde bei der Sechs und einer Gangreservenanzeige bei der Zwölf. Zusätzlich gibt es ein Großdatum bei der Drei.
Zifferblatt mit stehend angeordneten arabischen Ziffern: Arabische Ziffern werden auf dem Zifferblatt meist stehend angeordnet. Sie sind besser als die römischen Ziffern ablesbar und werden deshalb auch für die Zifferblattgestaltung von Fliegeruhren verwendet.
Das Zifferblatt der Junghans Meister Driver Handaufzug zieren stehende arabische Ziffern und eine kleine Sekunde bei sechs Uhr.
Das Zifferblatt "California Dial": Beim sogenannten California Dial trägt die obere Zifferblatthälfte römische Ziffern, die untere arabische. Diese Aufteilung soll insbesondere unter Wasser die Zeit intuitiv ablesbar machen. Rolex meldete für dieses Zifferblatt-Design 1941 das Patent an. Zur Namensgebung selbst gibt es verschiedene Theorien. Als in den 1970er-Jahren die Beliebtheit von Vintage-Uhren in den USA stark anstieg, soll es in Los Angeles, Kalifornien, einen Zifferblatt-Restaurator names Kirk Rich gegeben haben. Dieser restaurierte einige Zifferblätter mit diesem Design und wurde daraufhin so bekannt, dass zahlreiche Händler diese Art von Zifferblatt nur bei ihm aufarbeiten ließen. So begannen die Händler das Zifferblatt "California Dial" zu nennen. Dass das California Dial auch bei Panerai vorkommt, liegt daran, dass Rolex ihnen diese Zifferblätter lieferte, als Panerai noch ausschließlich Uhren für die italienische Marine herstellte.
Die Panerai Radiomir California 3 Days mit typischem California-Dial.
Das Zifferblatt einer Fliegeruhr: Das Zifferblatt einer Fliegeruhr ist an seiner guten Ablesbarkeit zu erkennen. In der Regel werden die weißen und mit Leuchtmasse beschichteten Ziffern und Indexe auf einem schwarzem Grund platziert. Für eine höhere Genauigkeit beim Ablesen der Zeit weisen Fliegeruhren häufig eine gesonderte Minuterie auf. Oft ist auch anstatt der Zwölf ein auffälliges Dreieck, das sogenannte Orientierungsdreieck, gedruckt.
Die Fliegeruhr Laco Erbstück A besitzt ein typisches Fliegeruhren-Zifferblatt mit Orientierungsdreieck bei zwölf Uhr. Zeiger und Indexe sin dmit Leuchtmasse ausgelegt.
Zifferblatt mit radial angeordneten römischen Ziffern: Römische Ziffern auf dem Zifferblatt einer Uhr werden meist radial angeordnet, das heißt die Ziffern sind strahlenförmig, vom Zifferblattzentrum ausgehend, platziert. Die Verwendung von IIII anstelle von IV ist als "Uhrmacher-Vier" bekannt – ein Phänomen, für das es keine einheitliche oder verbindliche Erklärung gibt. Es gilt nicht als moderne Gestaltungsart. Generell erscheinen Uhren mit römischen Ziffern auf dem Zifferblatt oft klassisch.
Die klassische Atum Enamel von Moritz Grossmann mit römischen Zahlen und kleiner Sekunde.
Das Zifferblatt einer Taucheruhr: Auch das Zifferblatt einer Taucheruhr muss eindeutig und gut ablesbar sein. Dafür wird punktuell großzügig Leuchtmasse auf das Zifferblatt aufgetragen. Denn bereits in zehn Metern Wassertiefe kann es sehr dunkel sein.
Die Tudor Heritage Black Bay Dark ist eine Taucheruhr und besitzt ein passendes Zifferblatt. Zeiger und Indexe sind mit Leuchtmasse beschichtet.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im Juni 2015.

Wer erfahren möchte wie Zifferblätter hergestellt werden, folgt dem nachstehenden Link:
www.watchtime.net/nachrichten/zifferblatt-herstellung

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10 verschiedene Zeigerformen
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