Wie entsteht ein Kautschuk-Armband?

Für Uhrenträger ein Genuss, für die Hersteller eine Herausforderung

 Redaktion
von Redaktion
am 31. August 2016

Moderner und robuster in der Ausstrahlung als Leder oder Metall ist ein Armbandmaterial, das mit dem harten Edelstahl wenig gemeinsam hat: Kautschuk. Der samtweiche Stoff ist hautverträglich, absolut wasserdicht, lichtecht, dehnbar und sehr widerstandsfähig gegenüber mechanischen Einwirkungen. Heute wird das exotische Material ganz selbstverständlich mit Luxusuhren und Edelmetallen kombiniert. Die schweizerische Manufaktur Audemars Piguet stellte beim Genfer Uhrensalon SIHH 2016 beispielsweise den Royal Oak Offshore Diver Chronograph in vier Varianten mit bunten Kautschukbändern vor. Die Edelstahluhr kostet 27.300 Euro.

Ein völlig anderes Tragegefühl als ein Kautschuk-Armband bieten Uhrenarmbänder aus Metall. Wie sie hergestellt werden, erfahren Sie hier.

Audemars Piguet: Royal Oak Offshore Diver Chronograph in Orange
Audemars Piguet: Royal Oak Offshore Diver Chronograph in Orange

Grundstoff für Kautschukbänder ist eine weiße Emulsion, das Latex, welches der südamerikanische Baum Hevea brasiliensis absondert, wenn sein Stamm beschädigt wird. Naturlatex besteht aus einer wässrigen und einer festen Phase, den feinverteilten Kautschukpartikelchen.

Kautschuk-Armbänder herzustellen ist eine Herausforderung

Kautschuk bezeichnet den Zustand von Latex, dem bereits das Wasser entzogen ist, und bildet den Ausgangsstoff für die Herstellung von Elastomeren (Gummi). Allerdings ist das Naturprodukt recht störrisch: Latex gerinnt sehr schnell. Der daraus gewonnene Kautschuk ist zwar sehr elastisch und lässt sich bei höheren Temperaturen oder durch Druck verformen, bleibt jedoch klebrig, wird bei Wärme weich und bei Kälte brüchig.

Im 19. Jahrhundert wurden zwei Verfahren entwickelt, die Latex nutzbar machen: Bei der Vulkanisation wird gelöster Kautschuk mit Schwefel vermischt, sodass er beim Erwärmen jegliche Klebrigkeit verliert und nicht mehr so empfindlich auf Temperaturveränderungen reagiert. Zu einem weiteren Grundpfeiler der Gummiindustrie wird die sogenannte “Mastifikation”, welche den zähen Kautschuk durch mechanische Behandlung plastisch und leicht verformbar macht. Rotierende Rollen walzen und kneten das Material, wodurch es leichter zu verarbeiten ist. Heute wird dieses Verfahren unter Beimengung von verschiedenen Chemikalien durchgeführt.

Die Mischung eines Kautschuk-Produkts wird bei der Firma Bayer mithilfe einer Maschine namens "Stockblender" verfeinert
Umrühren: Die Mischung eines Kautschuk-Produkts wird bei der Firma Bayer mithilfe einer Maschine namens “Stockblender” verfeinert. (Foto: Bayer Polymers)
[Foto: Bayer-AG]

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts begannen Forscher außerdem, an der synthetischen Herstellung von Kautschuk zu arbeiten. 1909 gab es das erste Patent auf die Erzeugung von synthetischem Kautschuk. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Produktion einen gewaltigen Aufschwung. Denn synthetischer Kautschuk beziehungsweise Siliconkautschuk ist von konstanter Qualität, lässt sich kostengünstig produzieren, vielseitig einsetzen und hat nahezu die gleichen optischen und haptischen Eigenschaften wie das Naturprodukt.

Audemars Piguet: Royal Oak Offshore Diver Chronograph in Grün
Audemars Piguet: Royal Oak Offshore Diver Chronograph in Grün

Dennoch ist natürlich gewonnenes Latex bis heute für verschiedene Produkte unverzichtbar. Zu erkennen ist Naturkautschuk an der internationalen Bezeichnung NR, was für “natural rubber” steht. Streng genommen ist NR jedoch ein halbsynthetischer Werkstoff, da er intensiv bearbeitet ist. Sowohl synthetischer als auch Naturkautschuk lässt sich problemlos einfärben. Dies findet meist vor der Formgebung durch Zumischung von Acrylfarben oder pulverisierten Farbpigmenten statt.

Hublot: Big Bang Meca-10
Hublot: Big Bang Meca-10

Den Siegeszug in die Welt der Uhren trat Kautschuk 1980 an, als Hublot es wagte, eine goldene Luxusuhr mit dem “Plastikband” zu kombinieren. Heute ist ein luxuriöser Zeitmesser mit Kautschukband ein selbstverständlicher Bestandteil der Kollektion fast jeder anspruchsvollen Uhrenmarke.

Kautschuk-Armbänder sind ein Luxus

Dabei handelt es sich keineswegs um eine kostengünstige Alternative: Laut Hublot ist das Kautschukband in der Herstellung teurer als so manches Band aus Krokodilleder. Denn es entsteht nicht nur dank kostspieliger Innovationen, sondern auch durch anspruchsvolle und aufwändige Verarbeitung. Aktuelles Beispiel ist die Big Bang Meca-10, vorgestellt auf der Baselworld 2016. Die Uhr ist ab 19.600 Euro zu haben. Mehr über die Hublot Big Bang Meca-10 erfahren Sie hier.

Perrelet: Turbine Diver

Auch Taucher kommen nun in den Genuss der besonderen Designs von Perrelet-Uhren. Die Turbine Diver besitzt ein Zifferblatt, das vollständig mit Superluminova beschichtet ist. Darüber rotieren elf blau oder schwarz beschichtete Titanschaufeln, die durch die Bewegungen des Uhrenträgers in Gang gesetzt werden. Ursprünglich waren die Turbinen … » weiterlesen

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