10 Uhren mit besonders sichtbarer Mechanik

Werkeschau mit Uhren von Audemars Piguet, Cartier, Armin Strom, Breguet & Co.

Jens Koch
von Jens Koch
am 10. Februar 2017

Früher einmal waren Ablesbarkeit und Eleganz die wichtigsten Anforderungen an das Zifferblattdesign. Doch dann kamen in den 1970er-Jahren die günstigen Quarzuhren und einige Jahre danach die Renaissance der mechanischen Uhren als Luxusgut. Nun wuchs das Bedürfnis, etwas von der Hauptattraktion der Uhr zu sehen: von ihrer Mechanik. Glasböden setzten sich langsam durch. Doch wenn man die Uhr am Arm trug, konnte man natürlich nicht erkennen, was sich hinter dem Zifferblatt tat. Heute sind mechanische Uhren Prestige-Objekte und alles andere als selbstverständlich. Kein Wunder also, dass die Technik auch von vorne immer sichtbarer wird: Die Zahl der Uhren, bei denen das Werk zu einem Design-Element wird, wächst.

Uhr #1 mit besonders sichtbarer Mechanik: Audemars Piguet Royal Oak Tourbillon Extra-Thin Openworked

Audemars Piguet: Royal Oak Tourbillon Extra-Thin Openworked
Audemars Piguet: Royal Oak Tourbillon Extra-Thin Openworked
[Foto: Diode SA - Denis Hayoun]

Ein Möglichkeit, durch die man die Mechanik auf der Vorderseite der Uhr sichtbar machen kann, ist das Tourbillon als sichtbares Zifferblattelement. 1801 hatte der große Uhrmacher Abraham Louis Breguet diesen sich drehenden Käfig für die Unruh entwickelt, um den einseitigen Einfluss der Erdanziehungskraft auf die Unruh auszugleichen. Der komplizierte Mechanismus wurde in den 150 Jahren nach seiner Erfindung allerdings nur etwa 100-mal gebaut. Und natürlich war er in der Regel auf der Rückseite untergebracht und von vorn nicht sichtbar. Ende 1986 stellte Audemars Piguet dann eine Armbanduhr mit Tourbillon vor, die gleich in mehrfacher Hinsicht beeindruckte. Sie war die flachste Tourbillon-Uhr, wobei sie sogar über einen automatischen Aufzug verfügte. Und man konnte den sich drehenden Tourbillonkäfig in einem runden Zifferblattausschnitt sehen. Heute ist das sichtbare Tourbillon zu einem Standard geworden. Nur Patek Philippe versteckt die Komplikation aus Traditionsgründen noch auf der Rückseite.

Vorreiter: Audemars Piguets 1986 vorgestellte extraflache Automatikuhr mit sichtbarem Tourbillon
Vorreiter: Audemars Piguets 1986 vorgestellte extraflache Automatikuhr mit sichtbarem Tourbillon

2017 stellt Audemars Piguet eine neue Variante einer flachen Tourbillon-Uhr vor: die Royal Oak Tourbillon Extra-Thin Openworked. Bei diesem extraflachen Modell sind neben dem Tourbillon, auch die Brücken und Platine des Handaufzugkalibers 2924 sichtbar. Sie wurden in Handarbeit skelettiert und finisiert. Die Royal Oak Tourbillon Extra-Thin Openworked ist sowohl in Roségold in einer Auflage von 50 Exemplaren zum Preis von jeweils 238.200 Euro, als auch in einer auf 100 Stück limitierten Edelstahl-Version für jeweils 199.800 Euro zu haben.

Uhr #2 mit besonders sichtbarer Mechanik: Cartier Mysterious Hour Skeleton

Cartier: Mysterious Hour Skeleton
Cartier: Mysterious Hour Skeleton

Neben der ursprünglichen gänzlich handgearbeiteten Form der Skelettuhr gibt es auch eine industrialisiertere Form. Dabei werden die Werkteile nicht von Hand ausgesägt und bearbeitet, sondern die Form der Aussparungen entsteht schon vorher im Computer und wird von den Fräsmaschinen in der Produktion ausgeführt. Die einfache Variante besteht darin, existierende Werke so umzugestalten, dass alles Überflüssige entfällt. Außerdem gibt es aber auch Möglichkeiten, gestalterisch tätig zu werden. Eine besonders schöne Lösung hierfür ist Cartier mit der Mysterious Hours Skeleton gelungen: Dieses Modell besitzt ein Zifferblatt, bei dem nur noch die typischen römischen Stundenziffern stehen geblieben sind. Sie umgeben eine Minuterie, in deren Innern die Zeiger für Stunden und Minuten zu schweben scheinen. Montiert sind diese auf zwei verzahnten Saphirglasscheiben. Cartier skelettiert das Handaufzugskaliber 9983 MC so, dass nur noch die absolut wichtigen Werkkomponenten übrig sind. Die Uhr kostet 71.500 Euro.

Uhr #3 mit besonders sichtbarer Mechanik: Armin Strom Mirrored Force Resonance

Armin Strom: Mirrored Force Resonance
Armin Strom: Mirrored Force Resonance

Die Armin Strom Mirrored Force Resonance zeigt auf der Vorderseite Teile der Mechanik, die normalerweise auf der Rückseite liegen. Armin Strom, früher vor allem durch kunstvoll von Hand skelettierte Werke bekannt, hat bei der Entwicklung ihrer Manufakturwerke darauf geachtet, dass die Tradition des von vorn sichtbaren Werks fortgeführt wird. Die Mirrored Force Resonance zeigt auf der Zifferblattseite zwei Unruhen, die synchron zueinander laufen und zum Manufakturkaliber ARF15 mit Handaufzug gehören. Das Werk verfügt über zwei Federhäuser, die auf der Rückseite liegen. Jedes ist über ein eigenes Räderwerk mit einer der Unruhen verbunden. Hintergrund dieser Konstruktion ist das Phänomen synchronisierter Bewegung, das für eine noch präzisere Taktung des Uhrwerks sorgen soll: Die beiden Unruhen sind über eine Feder aneinander gekoppelt, sodass jede die Bewegung der anderen aufnimmt und sie sich aneinander angleichen bis beide in derselben Frequenz schwingen. Bedingt duch die zwei Unruhen besteht die Zeitanzeige zwar aus einer Stunden- und Minutenindikation, aber auch aus zwei kleinen Sekunden, von denen die eine mit und die andere entgegen dem Uhrzeigersinn läuft – entsprechend der Unruh, von der sie angetrieben wird. Geschützt wird das Werk von einem 43,4 Millimeter großen Roségoldgehäuse. Erhältlich ist die Manufakturuhr mit zwei Unruhen für 67.100 Euro.

Uhr #4 mit besonders sichtbarer Mechanik: Girard-Perregaux Neo-Bridges

Girard-Perregaux: Neo-Bridges
Girard-Perregaux holt seine berühmte Brücken-Architektur mit der Neo-Bridges in die Neuzeit

Auch in die Werksgestaltung selbst kann man eingreifen. Wenn man etwas Besonderes gemacht hat, dann zeigt man das gern. Eine Marke, die für ihr spektakuläres Werkdesign schon im 19. Jahrhundert Preise erhielt, ist Girard-Perregaux. Das ab 1867 gebaute Tourbillon mit drei Goldbrücken beeindruckte mit seiner Symmetrie und der vollendeten handwerklichen Fertigung. 1991 ließ die Marke diese Spezialität wieder aufleben – in einer Armbanduhr und gedreht, sodass man den harmonischen Werkaufbau von vorn bewundern kann. Die aktuelle Neo-Bridges ist die logische und moderne Fortsetzung des historischen Uhrwerks. Im Mittelpunkt steht das neue Automatikkaliber GP08400 mit Mikrorotor. Letzterer befindet sich auf gleicher Höhe mit dem Federhaus und sorgt zusätzlich für Symmetrie auf dem Zifferblatt. Für einen absolut zeitgemäßen Look sorgt die moderne Verarbeitung des Werks durch Satinierung und PVD-Beschichtung. 45 Millimeter misst das Titangehäuse der 24.200 Euro teuren Uhr.

Uhr #5 mit besonders sichtbarer Mechanik: Breguet Tradition Répétition Minutes Tourbillon

Breguet: Tradition Répétition Minutes Tourbillon
Breguet: Tradition Répétition Minutes Tourbillon

Auch Breguet macht bei seinen Tradition-Modellen Mechanik zugänglich. Der 2005 vorgestellten Tradition mit Handaufzug folgten Modelle mit Automatik, Tourbillon und zweitem Zifferblatt für eine zweite Zeitzone, sodass eine richtige Kollektion entstand. Ein kleines dezentrales Zifferblatt dient bei allen Varianten der Skelettuhr zur Zeitanzeige. Zur Baselworld 2016 wurde ein neues Modell vorgestellt, das ebenfalls sein Werk auf der Zifferblatt-Seite zeigt. Die Tradition Répétition Minutes Tourbillon wird vom Manufakturkaliber 565DR mit Automatikaufzug und 80 Stunden Gangreserve angetrieben. Es verfügt neben einer Minutenrepetiton über ein Tourbillon. Mit 44 Millimeter großem Rosé- oder Weißgoldgehäuse kostet das Modell 444.700 Euro.

Uhr #6 mit besonders sichtbarer Mechanik: Roger Dubuis Excalibur Spider Automatik Skelett

Roger Dubuis: Excalibur Spider Automatik Skelett
Roger Dubuis: Excalibur Spider Automatik Skelett

Sein automatisches Manufaktukturkaliber RD820SQ hat Roger Dubuis gleich von vornherein als Skelettwerk konzipiert. Es wird also nicht erst nach der Konstruktion geöffnet. Es kommt aktuell in dem Modell Excalibur Spider Automatik Skelett wirkungsvoll zum Einsatz. Nicht nur das Uhrwerk, sondern auch der Höhenring des Zifferblattes, die Zeiger und das 45 Millimeter große Gehäuse sind hier skelettiert. Dennoch bietet das Titangehäuse eine Druckfestigkeit bis fünf Bar. Die neue Excalibur Spider Automatik Skelett setzt durch DLC-Beschichtungen, vulkanisierten Kautschuk und Armbandnähte in Blau, Schwarz und Rot auf kühne Farbkontraste. Lediglich 88 Exemplare gibt es von der bunten Skelettuhr. Kostenpunkt: 74.500 Euro.

Uhr #7 mit besonders sichtbarer Mechanik: Richard Mille RM 50-03 Tourbillon Split Seconds Chronograph Ultralight McLaren F1 

Richard Mille: RM 50-03 Tourbillon Split Seconds Chronograph McLaren F1
Richard Mille: RM 50-03 Tourbillon Split Seconds Chronograph McLaren F1

Technisch inspiriertes Design findet sich auch bei Richard Mille. Zu seiner Philosophie gehört, dass man das Werk eigentlich immer von vorne sehen kann. Das technischfuturistische Äußere der Skelettuhr wird nicht zuletzt durch den Einsatz innovativer Materialien und Techniken erreicht. So baute Richard Mille erstmals eine Platine aus Kohlefaser und konstruierte ein Werk, bei dem Brücken und Platine durch Metallröhrchen ersetzt wurden. Beim RM 50-03 Tourbillon Split Seconds Chronograph Ultralight McLaren F1 setzt die Marke auf einen Materialmix aus Titan, Karbon und Graphen. Graphen ist eine modifizierte Form von Kohlenstoff und sechsmal leichter sowie 200-mal stabiler als Stahl. Somit ist der RM 50-03 McLaren F1 der leichteste mechanische Chronograph der Welt mit einem Gesamtgewicht von knapp 40 Gramm. Auch beim Manufakturkaliber RM 50-03 verwendet Richard Mille Titan und Karbon und skelettiert viele Komponenten. Das Handaufzugskaliber bietet ein Tourbillon und einen Schleppzeiger-Chronographen. Bei zwölf Uhr wird die verbleibende Energie der 70-stündigen Gangreserve angezeigt. Die Designer ließen sich für die Gestaltung dieser Anzeige von den Tankanzeigen eines McLaren-Rennwagens inspirieren. Kostenpunkt der auf 75 Exemplare limitierten Uhr: circa 1,2 Millonen Euro.

Uhr #8 mit besonders sichtbarer Mechanik: Corum Golden Bridge Rectangle

Corum: Golden Bridge Rectangle
Corum: Golden Bridge Rectangle

Im Jahr 1980 stellte Corum erstmals das Modell Golden Bridge mit dem charakteristischen Stabwerk vor. Die Golden Bridge Rectangle ist die neueste Version der Ikone. Durch zwei Saphirgläser wird das Handaufzugskaliber CO113 sichtbar. Zu beiden Seiten des Werkes sind sechs römische Zahlen in Rotgold angebracht. Auch das Gehäuse der Skelettuhr besteht aus Rotgold und misst 29,5 Millimeter auf 42,2 Millimeter. Die Corum Golden Bridge Rectangle kostet 39.900 Euro.

Uhr #9 mit besonders sichtbarer Mechanik: Blancpain L-Evolution Carrousel Saphir

Blancpain: L-Evolution Carrousel Saphir
Durchsichtige Brücken: Blancpain L-Evolution Carrousel Saphir

Für mehr Durchblick sorgt Blancpain mit der L-Evolution Carrousel Saphir. Hier bestehen sogar die Platinen und Brücken des Manufakturkalibers 22T mit Handaufzug aus Saphirglas. Die Räder scheinen dadurch frei im Raum zu schweben. Ihr Kraftverlauf vom Federhaus zur Unruh ist gut nachzuverfolgen. Beim Karussell handelt es sich um eine dem Tourbillon ähnliche Komplikation, die sich nur durch den etwas aufwendigeren indirekten Antrieb des Käfigs für die Unruh unterscheidet. Der Däne Bahne Bonniksen hat den Mechanismus 1892 ersonnen. Allerdings sorgte die lange Umlaufzeit des Käfigs von 27 Minuten oder mehr für ein nicht befriedigendes Ergebnis. Blancpain hat die Umlaufzeit auf eine Minute verkürzt und das System so verbessert. Das 43,5 Millimeter große Gehäuse besteht aus Tantal, die Bandanstöße aus Weißgold. Seitlich gibt es ebenfalls Saphirglasfenster. Der Preis der Uhr liegt bei 239.500 Euro.

Uhr #10 mit besonders sichtbarer Mechanik: Arnold & Son Time Pyramid

Arnold & Son: Time Pyramid
Ungewöhnlicher Werkaufbau: Arnold & Son Time Pyramid

Auch bei der Time Pyramid von Arnold & Son sieht es auf den ersten Blick so aus, als würden Räder und Unruh des hauseigenen Handaufzugkalibers A&S1615 frei zwischen den beiden Saphirgläsern schweben. In Wahrheit sorgen aber einige nur einseitig gelagerte Räder und der ungewöhnliche Werkaufbau mit dem äußeren Ring als Platine sowie den Zifferblattringen als tragende Brücken für die Optik. Vorbild waren Regulatoruhren von John und Roger Arnold sowie historische skelettierte, pyramidenförmige Standuhren aus England. Die Unruh der neuen Time Pyramid befindet sich bei der Zwölf, darunter folgen in Linie die Räder. Die strenge Symmetrie setzt sich unten seitlich mit den zwei Federhäusern fort; beide besitzen auch eine eigene Gangreserveanzeige. Auch die Dicke des Werks nimmt von oben nach unten zu. Insgesamt bleibt das Werk bei 37 Millimetern Durchmesser mit 4,4 Millimetern aber überraschend flach. Geschützt wird das Manufakturkaliber von einem 44,6 Millimeter großen Weißgoldgehäuse. Die Skelettuhr kostet 41.500 Euro.

Confrérie Horlogère: Klingt wie Italien - oder Mexico

Talentierte Uhrmacher sollen ihre Ideen verwirklichen können. Dazu dient die von BNB Concept unterstützte Confrérie Horlogère. Der Italiener Ranieri Illicher ist eines dieser Talente und hat mit der Bel Canto ein eigenwilliges und für die Confrérie typisch ambitioniertes Zeichen gesetzt: ein fliegendes Tourbillon plus Minutenrepetition … » weiterlesen

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