3 Fragen an Vincent Calabrese

Juwelier Leicht und Corum bereiten der Uhrenlegende zwei exklusive Abende mit Gästen

Thomas Wanka
von Thomas Wanka
am 5. Oktober 2014

Der Blick aus dem Fenster zeigt einen kräftigen rosafarbenen Sonnenuntergang, der das Brandenburger Tor umschmeichelt. Im Bundessaal des Berliner Adlon haben Corum und Juwelier Leicht zum Abendessen geladen. Stargast ist Vincent Calabrese, der Erfinder der Golden Bridge. Mit dieser Stabwerksuhr wurde die 1955 gegründet Uhrenfirma Corum im Jahr 1980 zu anerkannten Manufaktur. Wir nutzen die Gelegenheit, mit Vincent Calabrese ein Gespräch zu führen.

Corum: Vincent Calabrese
Corum: Vincent Calabrese

UHREN-MAGAZIN: Herr Calabrese, woher stammt ihre Leidenschaft für Uhren?

Vincent Calabrese: Das war Zufall. Ich hatte mit 13 Jahren Streit mit einem Schulfreund, der schlecht endete. Ich wurde von der Schule in Neapel geschmissen. Meine Mutter besorgte mir dann eine Stelle als Uhrmacherlehrling. Dafür musste sie mir auch noch das Werkzeug bezahlen. Drei Monate später war ich der Meinung, mit der Ausbildung fertig zu sein und habe mich mit 14 Jahren als Uhrenreparateur selbstständig gemacht. Mit 18 bin ich in die Schweiz gegangen, um in Italien der Wehrpflicht zu entgehen. Ich ging dann zu Tissot und die wollten mir zuerst nicht glauben, dass ich Uhrmacher bin. Ich arbeitete dort etwa ein Jahr, bis ich die Lust verlor. Als selbständiger Uhrmacher arbeitete ich dann bis ich 31 war. Da hatte ich das Gefühl, genügend Uhren repariert zu haben, die es nicht wert waren.
Wegen der Uhrenpreise war ich in Crans Montana bei einem Juwelier tätig, dessen Kunden etwas Mechanisches und Maßgeschneidertes wollten. Es gab alle großen Marken, wie Patek Philippe, Audemars Piguet und Vacheron Constantin. Aber alles was man tun konnte, war eine Gravur anzubringen. So entschied ich mich, ein lineares Werk zu entwickeln. Dafür musste ich über das Reparieren hinaus auch das Konstruieren und Anfertigen der Teile lernen. Nach zwei Jahren war der Prototyp fertig, personalisiert durch gravierte Buchstaben auf dem Werk. Ich stellte ihn 1977 auf einer Erfindermesse vor und bekam die Goldmedaille. Dort sah René Bannwart, der Gründer und Inhaber von Corum, die Uhr und erkannte ihr Potenzial.

Wie kamen Sie auf die Idee eines Stabwerkes?

Es sollte etwas sein, was noch nicht da war. Das Streichholz war damals auf Fotos ein vielgebrauchter Vergleichsmaßstab, da noch viele Leute rauchten. Da lag die längliche Form nahe. Der Prototyp aus dem Jahr 1977 war noch in einer runden Uhr  mit Saphirgläsern, aber man konnte die Kreativität des Werkes schon sehen. Als ich in Frans Montana arbeite, kam ein Kunde mit der Breguet-Uhr seiner Frau. Die Uhr war von einem Auto überfahren worden und sah furchtbar aus. Ich machte einen Kostenvoranschlag. Das Gehäuse sollte 2.000 Schweizer Franken kosten und das Werk 800. Der Kunde entschied sich dann, nur das Gehäuse reparieren zu lassen. Das beleidigte den Uhrmacher in mir. Das Herz der Uhr ist das Werk. Das Gehäuse ist wie ein Sarg darum. Ich wollte das Werk sichtbar machen, ohne Zifferblatt, ohne Gehäuse. Dank der Golden Bridge ist klar geworden, dass das Werk das Wichtigste ist. Die Uhr 1980 hatte die Krone noch auf der Werkrückseite. Sie ist wie der Bauchnabel einer Uhr, den versteckt man auch gerne.

Corum, Juwelier Leicht und Vincent Calabrese
Corum, Juwelier Leicht und Vincent Calabrese erzählen Gästen die Golden Bridge.

Worin bestanden die Herausforderungen ein Werk zu produzieren, wie das, mit dem Sie zur Legende wurden?

Das Problem beim Stabwerk liegt weniger in der Idee und der Konstruktion, als in der Fertigung und im Zusammenbau. Die größte Herausforderung ist zunächst die Fertigung aller Komponenten. Ein rundes Werk lässt sich gut fixieren und ist für einen Werkzeugmacher gut zu handhaben. Bei den kleinen länglichen Platinen der Golden Bridge ist das viel schwieriger. Das Werk ist so groß wie ein Streichholz, das Gold ist weich und entsprechend schwer zu bearbeiten. Mit der Technik vor 30 Jahren war es nicht gerade einfach. Aber ich liebe den Erfolg dieser Kreation. Im Jahr 2000 wurde das Werk daher neu entwickelt, die Krone ist jetzt bei sechs Uhr und sie hat ein Goldgehäuse. 2009 kam die Ti-Bridge-Kollektion dazu, es gibt ein Tourbillon in der Kollektion und seit 2012 sogar eine Automatikversion. Die Golden Bridge ist die Botschafterin meiner Philosophie, dass das Werk das Herz der Uhr ist.

Die Fragen stellte Thomas Wanka, UHREN-MAGAZIN-Chefredakteur.

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