3 Uhren, die im All waren

Raumfahrer-Uhren auf Weltraum-Mission

Melissa Gößling
von Melissa Gößling
am 25. Oktober 2016

Bereits im frühen 20. Jahrhundert wurden theoretische Abhandlungen zur Weltraumeroberung verfasst. Den ersten künstlichen Satelliten namens Sputnik 1 beförderte die Sowjetunion 1957 ins All. Sputnik löste mitten im Kalten Krieg ein Wettrennen unter den Nationen um den Weltraum aus. Die Westmacht USA fühlte sich durch den Start von Sputnik so bedroht, dass sie in Folge dessen die NASA (National Aeronautics and Space Administration) gründete. Nachdem der sowjetische Satellit erfolgreich in die Erdumlaufbahn geschossen wurde, ging es immer schneller Richtung Mond. Bereits zwei Jahre später (1959) landete ein Flugkörper auf dem Mond – die sowjetische Lunik 2. Das Nachfolgemodell umrundete den Mond und schoss das erste Satellitenfoto der erdabgewandten Mondseite. 1961 umkreiste der Sowjetbürger Juri Gagarin als erster Mensch die Erde, sein Landsmann Leonow war der erste, der ein Raumschiff im All verließ. Und es war wieder die Sowjetunion, der es 1966 gelang, als erste Nation eine weiche Landung auf dem Mond zu vollbringen.

Die Omega Speedmaster als erste Uhr auf dem Mond mit Edwin Buzz Aldwin
Die Omega Speedmaster als erste Uhr auf dem Mond mit Edwin Buzz Aldwin

Drei Jahre später setzten die Amerikaner schließlich einen Fuß auf den Mond. 1972 fand die bislang letzte Reise zum Mond statt. Neues Ziel der Weltraumwissenschaftler ist eine Landung auf dem Mars. Zu diesem Zweck wurde 2011 das “Mars 500”-Experiment, ein 500-tägiger Simulationstest eines bemannten Marsfluges, erfolgreich beendet. Eine Studie der NASA kam 2015 zum Ergebnis, dass eine bemannte Marsumrundung bereits 2033 möglich wäre. 2039 könnte dann die erste Landung stattfinden.
Mit den ersten Menschen betraten auch Uhren die unendlichen Weiten des Alls. Aus Sicherheitsgründen tragen Astronauten immer auch eine Armbanduhr bei sich. Drei Uhren spielen eine besondere Rolle bei der Eroberung des Weltalls; Grund genug, ihre Geschichte zu erzählen.

Uhr #1, die im All war: Omega Speedmaster Moonwatch

Omega: Speedmaster Moonwatch von 1966
Legendär: Die Moonwatch kam als erste und bislang letzte Uhr auf den Mond. Im Bild ist eine Omega Speedmaster Moonwatch von 1966 zu sehen.

Als Edwin “Buzz” Aldrin mit dem Abstand von 13 Minuten nach Neil Armstrong am 21. Juli 1969 die Oberfläche des Mondes betrat, trug er die offizielle NASA-Weltraumuhr am Handgelenk: eine Omega Speedmaster. Fortan wird diese auch schlicht Moonwatch genannt und Omega baut sie bis heute fast unverändert weiter. In dem 42 Millimeter großen Edelstahlgehäuse tickt das Omega Handaufzugswerk 1861 mit Kulissenschaltung für den Chronographen. Zwischenzeitlich hat die Schweizer Marke auch einen Stopper mit dem Beinamen Professional lanciert. Dieser trägt das Chronometer zertifizierte Co-Axial-Automatikkaliber 9300 mit Schaltrad.

Uhr #2, die im All war: Fortis Cosmonaut Chronograph

Fortis: Cosmonaut Chronograph von 1994
Erfolgreich: Der Official Cosmonauts Chronograph von Fortis umrundete bereits mehr als 100.000 Mal die Erde.

Seit über 20 Jahren gehört der Official Cosmonauts Chronograph zur offiziellen Ausrüstung der russischen Weltraumfahrer. Auch die Besatzungsmitglieder der Internationalen Raumstation (ISS) tragen diesen Zeitmesser stets bei sich. Ursprünglich gestaltete Fortis den Chronographen als limitierte Sonderedition für ein Kunstprojekt. Heute tickt in dem 42 Millimeter großen Edelstahlgehäuse das Automatikwerk Eta-Valjoux 7750. Es bietet neben der Stoppfunktion auch die Indikation von Datum und Wochentag. Fortis ergänzte die Uhr zwischenzeitlich um eine Alarmfunktion und um die Indikation einer zweiten Zeitzone.

Uhr #3, die im All war: Sinn Spezialuhren Chronograph 142

Sinn Spezialuhren: Chronograph 142
Speziell: Der zentrale Stoppminutenzeiger macht den Chronographen 142 von Sinn sehr beliebt.

1985 trug der Astronaut und Physiker Reinhard Furrer während der Spacelab-Mission D1 den Chronographen 142 von Sinn Spezialuhren. Damit gehört die Uhr zu den ersten mechanischen Chronographen mit automatischem Aufzug im All. Die Frankfurter Marke erfuhr erst nach dem Weltraumflug davon. Damals trug die Uhr ein Lemania 5100-Werk, das heute nicht mehr hergestellt wird. Deshalb entwickelte Sinn ein Modul für das Eta-Valjoux 7750, um die Stoppminute wie beim Lemania aus der Mitte heraus laufen zu lassen. Es befindet sich aktuell im Chronographen 140, der optisch genauso aussieht wie das Modell 142.

Weitere Uhren, die im All waren:

Pobeda „Shturmanskie“

Sturmanskie: Gagarin
Die Neuauflage der Gagarin-Uhr von Sturmanskie aus dem Jahr 2011 und der Shturmanskie-Zeitmesser von Juri Gagarin aus dem Jahr 1961 (kleines Bild)

Ein Shturmanskie-Zeitmesser war die erste Uhr, die in den Orbit gelangte. Sie begleitete der russischen Kosmonauten Juri Gagrin am 12 April 1961 beim ersten Flug eines Menschen in den Weltall am Handgelenk. Nach den meisten vorliegenden Quellen trug der Kosmonaut einen Shturmanskie-Zeitmesser der Marke Pobeda (zu deutsch „Sieg“) aus der Ersten Moskauer Uhrenfabrik. Auch das von den Nachfolgern des Herstellers offiziell verbreitete Bild zeigt die kleine Dreizeigeruhr Shturmanskie. Kurz nach Gagarins erfolgreicher Expedition änderte die sowjetische Regierung den Markennamen und lancierte die heute noch geläufige Bezeichnung Poljot („Flug“). 2011 erschien eine Neuauflage der Uhr. Der Gehäuseboden zelebriert in russischer Sprache und mit einem Erdkugelmotiv den 50. Jahrestag des ersten bemannten Raumflugs. Die 38 Millimeter große Edelstahluhr ist mit dem Handaufzugskaliber 2609 der russischen Werkeschmiede Poljot ausgestattet.

Heuer Stoppuhr 2915A

Heuer: Das Modell 2915A befestigte John Glenn mit Gummibändern über seinem Raumanzug
Heuer: Das Modell 2915A befestigte John Glenn mit Gummibändern über seinem Raumanzug

John Glenn trug die Heuer Stoppuhr Nummer 2915A mit Gummibändern befestigt über seinem Raumanzug. Die Stoppuhr begleitete den amerikanischen Astronauten am 22. Februar 1962 auf seiner fast viereinhalb Stunden dauernden Mission „Friendship 7“ dreimal um die Erde. Damit ist die Stoppuhr Nummer 2915A das erste Schweizer Fabrikat im Weltraum und die zweite Alltagsuhr, die nach der Shturmanskie des russischen Kosmonauten Juri Gagarin jemals einen Raumfahrer begleitet hat.

Breitling Navitimer Cosmonaute

Die Breitling Navitimer Cosmonaute von 1962
Die Breitling Navitimer Cosmonaute von 1962

Am 24. Mai 1962 schoss eine Rakete den amerikanischen Astronauten Scott Carpenter ins All. In seinem Raumschiff Aurora 7 umrundete er dreimal die Erde und war somit der zweite Amerikaner in der Erdumlaufbahn. Am Handgelenk trug er eine Breitling Navitimer Cosmonaute aus Edelstahl. Bei dieser Armbanduhr mit einem speziell für Breitling umgebauten Handaufzugskaliber Venus 178 drehte sich der Stundenzeiger einmal pro 24 Stunden um das Zifferblatt. Der Navitimer zeigte zudem Halte- und Fehlzeiten, erleichterte die Aufstellung von Navigationsplänen, gestattete die Berechnung des Zeitpunkts für den nächsten Funkruf oder des Treibstoffverbrauchs und diente der Bestimmung des Standorts oder der Richtung. 50 Jahre später lancierte Breitling eine limitierte Neuauflage der Navitimer Cosmonaute. Sie besitzt wie das Vorbild eine 24-Stunden-Anzeige, eine Rechenschieberlünette und ein Handaufzugswerk. Bei Letzterem handelt es sich jedoch um das Kaliber 02 mit Schaltrad, das auf Breitlings automatischem Manufakturkaliber 01 basiert.

Seiko Speed Timer Cal. 6139

Seiko Speed Timer Cal. 6139. Das Weltraum-Modell von Pogue besaß jedoch wohl ein gelbes Zifferblatt.
Seiko Speed Timer Cal. 6139. Das Weltraum-Modell von Pogue besaß jedoch wohl ein gelbes Zifferblatt.

Den amerikanischen Astronauten William Reid Pogue begleitete eine Seiko Cal. 6139 beim seinem Flug am 16. November 1973 als Pilot der Skylab-4-Mission zur Raumstation Skylab. Es war der bis dahin längste bemannte Raumflug, der jemals durchgeführt wurde. Nach 84 Tagen landete Skylab 4 und die Seiko wieder am 8. Februar 1974 auf der Erde. Die Seiko Speed Timer Cal. 6139 war somit nicht nur der erste Automatikchronograph im Handel (Juni 1969), sondern auch im Weltall. Seiko baute als erster Hersteller eine vertikale Kupplung in ein Automatikwerk ein. Der Aufzug erfolgte wie bei allen automatischen Seiko-Kalibern über den 1959 entwickelten Klinkenaufzug.

Omega Speedmaster Skywalker X-33

Die Omega Speedmaster Skywalker X-33 begleitete Alexander Gerst im All
Die Omega Speedmaster Skywalker X-33 begleitete Alexander Gerst im All

Der Deutsche Geophysiker Alexander Gerst hatte als ESA-Astronaut seinen ersten Einsatz 2014 auf der Raumstation ISS. Dort führte er fast ein halbes Jahr lang Experimente durch und fotografierte die Erde. Dabei trug Gerst  die Omega Speedmaster Skywalker X-33. Die Skywalker wurde speziell für Astronauten entwickelt. Neben der analogen Zeit über Zeiger werden auf einem Digitaldisplay noch folgende Informationen angezeigt: drei verschiedene Zeitzonen, drei Alarme, Chronograph, Countdown, Datum, Mission Elapsed Time (MET) und Phase Elapsed Time (PET). Das 45 Millimeter große Gehäuse besteht aus leichtem Titan Grade 2.

 

Die Accutron Astronaut von Bulova begleitete den amerikanischen Astronauten L. Gorden Cooper jr. am 15. Mai 1963 mit der Mercury-Atlas 9 zu seinem ersten Weltraumflug. Cooper umkreiste die Erde 22 Mal und verbrachte damit mehr Zeit im All als seine fünf Vorgänger zusammen. Er war der erste Amerikaner, der in der Erdumlaufbahn schlief.

Mit den Russen flog auch wohl die teuerste Uhr bisher mit ins All: Am 8. Oktober 1992 startete die Sonde Foton 8 mit einer Sojus-Rakete vom nordrussischen Weltraumbahnhof Plesetsk. An Bord der unbemannten Kapsel befand sich eine Nautilus Herrenuhr von Patek Philippe mit Gelbgoldgehäuse. 15 Tage später landete die Sonde mit der Uhr wohlbehalten in der kasachischen Steppe.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im August 2016.

IWC: Portugieser Chronograph Blue Editions

Zu der in Zusammenarbeit mit verschiedenen Uhrenmarken entstandenen „blauen“ Boutique-Kollektion von Juwelier Bucherer gehört auch die IWC Portugieser Chronograph Blue Editions. Die klassische Uhrenschönheit mit den arabischen Ziffern, der fein gezeichneten Eisenbahnminuterie und den schlanken Feuille-Zeigern erhält ein Zifferblatt in … » weiterlesen

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