6 besonders kratzfeste Uhren

In beinahe jeder Preiskategorie gibt es besonders robuste Uhren

Melissa Gößling
von Melissa Gößling
am 5. August 2016

Auf der Suche nach einer Uhr, der Tischkanten und raue Wände nichts anhaben können? Wir stellen sechs besonders kratzfeste Uhren vor. Denn wer sich eine neue Uhr kauft, achtet zunächst einmal auf das Design. Form, Farbe und Größe müssen aufeinander abgestimmt sein und den persönlichen Geschmack treffen. Kriterien wie eine hohe Kratzfestigkeit der verwendeten Materialien werden meist mit bestimmten Einsatzzwecken in Verbindung gebracht. Natürlich brauchen Piloten, Taucher oder Feuerwehrmänner besonders robuste Zeitmesser. Aber auch im Büro, bei der Gartenarbeit oder beim Joggen durch die Stadt erhält eine Uhr schnell Kratzer. Das mindert nicht nur den Wert, sondern auch die Freude beim Blick auf die Uhr.

Die Cerachrom-Lünette von Rolex besteht aus besonders kratzfester Keramik.
Die Cerachrom-Lünette von Rolex besteht aus besonders kratzfester Keramik.

Heutzutage gibt es eine große Bandbreite an Materialien für Gehäuse, Lünette und Armband. Traditionell kommen Goldlegierungen und vor allem Edelstahl zum Einsatz. Letzteres wird aufgrund seiner Eigenschaften häufig für Sportuhren verwendet. Dennoch ist auch Stahl nicht vor Kratzern gefeit. Das regelmäßige Ausbessern solcher Schönheitsfehler ist kostenintensiv und auch nicht unbegrenzt möglich. Eine Alternative stellen andere Materialien wie Keramik oder spezielle Herstellungsverfahren von Edelstahl dar, die diesen noch widerstandsfähiger machen. Dabei muss man nicht unbedingt tief in die Tasche greifen; in fast jeder Preiskategorie gibt es Uhrenhersteller, die innovative Lösungen anbieten. Manch einer, wie Rado oder Damasko zum Beispiel, macht das neue Material sogar zu seinem Markenzeichen. Das Angebot ist vielfältig und beschränkt sich nicht nur auf sportliche Zeitmesser. Eines ist sicher: Diese Uhren werden nicht nur beim Kauf wie neu aussehen.

Kratzfeste Uhr #1: Damasko DA 34

Damasko DA 34
Damasko DA 34

Der Fokus von Damasko liegt auf der Neukonstruktion von Uhrengehäuse und Bedienelementen. Die kleine bayerische Manufaktur greift dafür auf eine Sorte Stahl zurück, die wegen ihrer speziellen Wärmebehandlung auch eisgehärteter nickelfreier Edelstahl genannt wird. Dieser Stahl ist für den Einsatz im Uhrengehäusebau patentiert und nur bei Damasko-Uhren zu finden. Er ist etwa viermal härter als der üblicherweise verwendete Edelstahl. Aufgrund seiner enormen Belastbarkeit kommt dieser Stahl überwiegend in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz. Bei der Herstellung wird die Stahlschmelze unter Druck mit Stickstoff angereichert. Stickstoff verringert den Anteil des Legierungsbestandteils Kohlenstoff, der zwar für eine hohe Härte sorgt, allerdings die Korrosionsbeständigkeit senkt. Diese speziellen Gehäuse sind vollkommen durchgehärtet, was ein Verkratzen oder Durchbrechen praktisch unmöglich macht. Auch Krone, Drücker und Stahlband bestehen aus diesem Material. Die Damasko DA 34 hüllt das Automatikwerk ETA 2836-2 in ihr 42 Millimeter großes Gehäuse aus eisgehärtetem, nickelfreiem Edelstahl. Am Stahlband kostet sie 1.700 Euro.

Kratzfeste Uhr #2: Hublot Big Bang Unico Full Magic Gold

Hublot Big Bang Unico Full Magic Gold
Hublot Big Bang Unico Full Magic Gold

Im Jahr 2008 wandte sich Jean-Claude Biver an die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne, um gemeinsam mit deren Ingenieuren eine neue Goldlegierung zu kreieren, die nicht so schnell zerkratzen kann wie herkömmliches Gold. Das Ergebnis präsentierte Hublot 2011 als »Magic Gold«. Es übersteigt mit 1000 Vickers die Härte gewöhnlicher Goldlegierungen um ein Vielfaches; beinahe nur Diamanten können noch Kratzer verursachen. Magic Gold besteht aus Keramik und Gold. Das fusionierte Material besitzt einen zertifizierten Feingoldgehalt von 18 Karat. Beim patentierten Herstellungsverfahren beginnt man mit isostatischem Kaltpressen von Borcarbidpulver, das anschließend als Stab geformt ausgehärtet wird. Danach wird Feingold geschmolzen und in die Poren der Keramik gepresst. Die Weiterverarbeitung erfolgt mithilfe eines wassergeführten Lasers, um das Material in die gewünschte Form zu bringen. Aufgrund der aufwändigen Produktion gibt es derzeit nur drei Uhren in der Hublot-Kollektion, deren Lünette oder das ganze Gehäuse aus Magic Gold gefertigt wurden. Eine davon ist die Big Bang Unico Full Magic Gold, deren Magic-Gold-Gehäuse 45 Millimeter im Durchmesser misst. Darin arbeitet das automatische Manufaktur-Chronographenkaliber HUB1242. Die Uhr kostet 33.100 Euro.

Kratzfeste Uhr #3: Omega Seamaster Planet Ocean 600 M Omega Co-Axial Master Chronometer

Omega Seamaster Planet Ocean 600 M Omega Co-Axial Master Chronometer
Omega Seamaster Planet Ocean 600 M Omega Co-Axial Master Chronometer

Die Lünette einer Uhr wird meist noch mehr beansprucht als das Gehäuse. Aus diesem Grund verwenden viele Hersteller Drehringe aus Keramik, da dieses Material besonders kratzfest ist. Die Tauchskala besteht aber meist aus einem anderen Material oder wird gar eingefräst, sodass die Lünette nicht homogen erscheint. Dem wirkt Omega mit seiner Legierung Liquidmetal entgegen. Das sogenannte metallische Glas besteht aus Zirkonium, Titan, Kupfer, Nickel und Beryllium und ist dreimal so hart wie Edelstahl. Dank seiner amorphen Struktur verbindet es sich nahtlos mit der Keramik-Lünette. Hierzu wird die Tauchskala zunächst in die Keramik eingraviert und dann das erwärmte Liquidmetal eingepresst. Nach einer abschließenden Satinierung erscheint die Lünette besonders glatt und homogen. Alle Seamaster-Modelle sind mit einer solchen Lünette ausgestattet. Die Liquidmetal-Legierung ermöglicht es auch, Diamanten in die Keramiklünette einzusetzen. Unser Beispiel verzichtet darauf allerdings: Die Omega Seamaster Planet Ocean 600 M Omega Co-Axial Master Chronometer kombiniert die Lünette aus Liquidmetal mit einem 43,5 Millimeter großen Stahlgehäuse, in dem das Automatikwerk Omega 8900 mit Co-Axial Hemmung und Master-Chronometer-Zertifikat der METAS zum Einsatz kommt. Die Uhr kostet 5.800 Euro.

Kratzfeste Uhr #4: Rado HyperChrome Tachymeter Automatic Chronograph

Rado HyperChrome Tachymeter Automatic Chronograph
Rado HyperChrome Tachymeter Automatic Chronograph

Denkt man an Keramikuhren, kommt einem unweigerlich Rado in den Sinn. Diese Marke war in den 1970er-Jahren die erste in der Uhrenindustrie, die Keramik als Gehäusematerial einsetzte. Bis heute bestimmen Keramikuhren den Großteil der Rado-Kollektion. Von schwarz über weiß bis hinzu grau-metallisch und nun ganz neu in Braun – es gibt kaum eine Farbe, die Rado noch nicht ausprobiert hat. Bunt wird die Keramik durch entsprechende Pigmente oder im Falle des metallischen Glanzes durch eine spezielle Plasma-Behandlung. Alles beginnt jedoch mit Zirkonoxidpulver, das geschmolzen in die gewünschte Form gespritzt und gesintert wird. Der fertige Rohling erhält anschließend eine Politur, die für hochglänzende und matte Oberflächen sorgt. Rado kombiniert seine Hightech-Keramik auch gerne mit beschichteten Edelstahlelementen. So bilden beim HyperChrome Tachymeter Automatic Chronograph die Elemente aus roségoldfarben PVD-beschichtetem Edelstahl den Kontrast zum 45 Millimeter großen Monobloc-Gehäuse aus Hightech-Keramik. In diesem arbeitet das Automatikwerk ETA 2894-2. Der Chronograph kostet 4.500 Euro.

Kratzfeste Uhr #5: Rolex GMT-Master II

Rolex GMT-Master II
Rolex GMT-Master II

Rolex setzt bei ausgewählten Modellen eine Cerachrom-Lünette ein. Die hierzu verwendete Keramik ist besonders hart, korrosionsbeständig, kratzfest und die Farben sind UV-resistent. Ziffern und Indizes werden in die Keramik eingespritzt und mit einer feinen Gold- oder Platinschicht überzogen. Bei ihrer Einführung 2005 war die Cerachrom-Lünette noch einfarbig. 2013 präsentierte Rolex mit der GMT-Master II eine zweifarbige Lünette, die aus nur einem Stück gefertigt wird. Vor dem Sintern, das der Keramik ihre Beständigkeit und Farbe gibt, wird eine Hälfte der Lünette mit einer speziellen Lösung imprägniert. Durch die anschließende Wärmebehandlung wird die Keramik-Lünette zweifarbig. Da sie aus einem Stück besteht, ist sie beständiger als ein aus mehreren Teilen bestehender Drehring. Bei der GMT Master II wird eine blau-rote Cerachrom-Lünette mit einem 40 Millimeter großen Weißgoldgehäuse kombiniert, im Inneren der Uhr arbeitet das Automatikkaliber Rolex 3186. Der Preis: 34.800 Euro.

Kratzfeste Uhr #6: Sinn 856

Sinn 856
Sinn 856

Um den Edelstahl noch widerstandsfähiger zu machen, wendet Sinn Spezialuhren die sogenannte Tegiment-Technologie an. Durch ein spezielles Verfahren wird Kohlenstoff in den Stahl eindiffundiert. Dieser besetzt die Zwischengitterplätze, wodurch die Oberfläche des Edelstahls eine Härte von 1 200 Vickers erhält. Zum Vergleich: Ungehärteter Stahl besitzt eine Härte von 220 Vickers. Neben Gehäusen werden auch Kronen und Armbänder diesem Verfahren unterzogen. Anschließend perlgestrahlt erhält der Edelstahl einen matten Glanz. 2003 tegimentierte Sinn erstmals eines seiner Uhrengehäuse aus Stahl; seit 2011 kommt die Technologie auch bei Titan zum Einsatz. Die Tegimentierung bietet eine optimale Grundlage für eine PVD-Beschichtung. Auf gehärtetem Grund hält diese weitaus länger als auf normalem Edelstahl. Darauf verzichtet allerdings unser Beispiel, die Sinn 856 mit dem 40 Millimeter großen Gehäuse aus Tegiment-gehärtetem Edelstahl. Die Uhr mit dem Automatikwerk Sellita SW 300-1 kostet 1.625 Euro. mg

Immer informiert bleiben

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und bleiben Sie immer am Puls der Zeitmesser.

Anrede
Vorname
Nachname
E-Mail*
* Pflichtfeld
Die Datenschutzbestimmungen habe ich gelesen und akzeptiere diese.
Special Deutsche Uhrenmarken

Uhren-Datenbank

In der weltweit größten Datenbank finden Sie aktuell 31440 Modelle von 782 Herstellern.

Datenbank-Suche