A. Lange & Söhne: Uhren werden auch in Zukunft rar bleiben

Interview mit A. Lange & Söhne CEO Wilhelm Schmid

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 14. Juni 2013

Uhren von A. Lange & Söhne sind begehrt und selten. Um die Kapazitäten zu erhöhen, baut man in Glashütte ein neues Fertigungsgebäude. Im Interview mit Chronos-Chefredakteur Rüdiger Bucher (Interview aus Chronos 01.2013) spricht A. Lange & Söhne CEO Wilhelm Schmid über seine Pläne für die Zukunft.

„Keine Sportuhren, keine Einstiegspreislagen“: Lange-CEO Wilhelm Schmid
„Keine Sportuhren, keine Einstiegspreislagen“: Lange-CEO Wilhelm Schmid

Herr Schmid, ich kann mich erinnern, dass vor etwa zehn Jahren rund 45 Ihrer damals vielleicht 60 Verkaufspunkte in Deutschland lagen. Heute haben Sie weltweit über 200 Verkaufspunkte, davon 42 in Deutschland – ein Fünftel statt drei Viertel. Wie wichtig ist der deutsche Markt für Sie heute noch?

Wir haben in den letzten Jahren stark daran gearbeitet, die Marke weltweit aufzustellen. Wir fokussieren uns auf Europa, Asien und Amerika und sind lediglich auf dem afrikanischen Kontinent – noch – nicht vertreten. Deutschland ist nach wie vor einer unserer wichtigsten Märkte und wird es bleiben. Wir sind auch hierzulande gewachsen, denn wir generieren mit weniger Verkaufspunkten als früher deutlich mehr Umsatz. Für unsere Handelspartner hat das wiederum den Vorteil, dass wir ihnen ein noch besseres Geschäftsmodell bieten als vor einigen Jahren.

In Deutschland klagen die Fachhändler aber darüber, dass sie nicht so viele Lange-Uhren bekommen, wie sie verkaufen könnten.

Auf einer internationalen Händlertagung vor einigen Wochen sagte ich zu diesem Thema: Solange die Händler klagen, dass wir zu wenige Uhren liefern, haben wir alles richtig gemacht. Dem Anspruch, dass jede Uhr immer genau dann zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird, werden wir nicht entsprechen können. Das ist nicht unsere Philosophie. Unsere Uhren werden auch in Zukunft rar bleiben; unter anderem deswegen, weil wir unseren Qualitätsanspruch nicht herabsetzen wollen.
Ich kenne die Ansprüche unserer deutschen Händler, darf aber daran erinnern, dass wir im Rahmen unserer Gesamtdistribution proportional genügend Ware für den deutschen Markt bereitstellen. Man darf aber eines nicht vergessen: Wenn ein Händler verstärkt auch an Touristen aus anderen Ländern beziehungsweise Kontinenten verkauft, bleibt ihm zu wenig für seine Stammkunden übrig.

Sie können die Produktion nicht beliebig ausweiten, weil sie sehr aufwendig ist und viel Handarbeit zum Tragen kommt. Das steigert auf der einen Seite die Begehrlichkeit, was gut für die Marke ist. Allerdings riskieren Sie damit auch, dass der Kunde im Laden eine Uhr einer anderen Luxusmarke kauft.

Das ist richtig. Im Prinzip kann ich mich nur bei unseren Endkunden entschuldigen: Es ist nicht gewollt, dass unsere Kunden auf ihre Uhr warten müssen. Der Grund liegt letztlich in unserem Anspruch, nur höchste Qualität zu liefern. Aber wir können unsere Produktionskapazitäten nicht beliebig erweitern. Der Anteil der Handarbeit ist außergewöhnlich hoch. Und wir haben eine hohe Eigenfertigungstiefe. Deswegen erweitern wir auch unsere Produktion. Wir haben vor zwei Monaten mit einem Neubau in Glashütte begonnen, der gegenüber dem bisherigen Manufakturgebäude, auf der anderen Straßenseite, entsteht. Dort werden wir künftig den größten Teil unserer Produktion unterbringen. Beide Gebäude werden über einen Steg, der über die Straße führt, miteinander verbunden sein.

Wann können Sie dort einziehen?

Wir planen unseren Einzug im Jahr 2015.

Auf welche Kapazitäten ist das neue Gebäude ausgelegt?

Ginge es nur um die Menge, könnten wir – theoretisch – schon morgen viel mehr Uhren produzieren. Aber dann müssten wir auf komplexere Modelle wie die „Zeitwerk“ oder auf Komplikationen verzichten. Aber zurück zum Gebäude: Heute arbeiten wir in denkmalgeschützten Gebäuden. Dort sind bestimmte bauliche Veränderungen nicht möglich, man kann bestimmte Arbeitsabläufe nicht optimal organisieren. Allein das Thema Staub ist in einem alten, verwinkelten Gebäude wesentlich schwieriger in den Griff zu bekommen als in einem neuen. Die Idee ist, alle Maschinen im neuen Gebäude unterzubringen. Auch die Maschinen benötigen mehr Platz: Eine moderne Erodiermaschine ist heute um einiges größer als noch vor zehn Jahren. Im alten Gebäude würden wir die buchstäblich nicht mehr durch die Tür bringen.

Lange produziert geschätzt 5.500 Uhren pro Jahr. Vergleichbare Manufakturen wie Vacheron Constantin, Audemars Piguet oder Patek Philippe produzieren deutlich mehr, zwischen 18.000 und über 50.000. Wäre es überhaupt denkbar, dass Lange sich zu solchen Größenordnungen hinbewegt?

Unsere Bemühungen gehen dahin, die Wartezeiten für unsere Kunden zu verringern. Wir wissen, dass es nicht optimal ist, dass man heute teilweise mehrere Jahre auf eine A. Lange & Söhne warten muss. Deshalb bauen wir. Und deshalb verdoppeln wir auch die Anzahl unserer Auszubildenden ab 2013, sodass wir das neue Gebäude in drei Jahren mit Leben füllen können. Aber wir können immer nur so viel wachsen, wie es unsere Qualitätsmaßstäbe erlauben. Grundsätzlich bin ich kein Freund von Zahlenspielen. Wenn wir eine Lange 1 Tourbillon mit ewigem Kalender bauen, ist das eine Uhr. Wenn wir eine Saxonia bauen, ist das auch eine Uhr. Aber für die Fertigung der ersten brauchen wir wesentlich länger. Insofern darf man nicht nur auf die reinen Stückzahlen schauen. Was die Komplexität angeht, haben wir uns in den letzten Jahren signifikant nach oben gearbeitet. Ihre Vergleiche mit den anderen genannten Manufakturen halte ich übrigens für schwierig, weil diese viel mehr Damenuhren herstellen als wir, auch Sportuhren aus Edelstahl sowie Quarzuhren.

Die Lange-1-Familie: oben zweimal Große Lange 1 Luna Mundi (für Nord- und Südhalbkugel), Lange 1 Mondphase und Lange 1 Tourbillon; unten Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender, Lange 1 Daymatic, klassische Lange 1, neue Große Lange 1 und Lange 1 Zeitzone
Die Lange-1-Familie: oben zweimal Große Lange 1 Luna Mundi (für Nord- und Südhalbkugel), Lange 1 Mondphase und Lange 1 Tourbillon; unten Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender, Lange 1 Daymatic, klassische Lange 1, neue Große Lange 1 und Lange 1 Zeitzone

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