Biver: Warum TAG Heuer eine Smartwatch bringt – Baselworld 2015

Chronos-Chefredakteur Rüdiger Bucher interviewt Jean-Claude Biver, Teil 2

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 23. März 2015
Jean-Claude Biver
Jean-Claude Biver

Im 2. Teil meines Interviews mit TAG-Heuer-CEO Jean-Claude Biver lesen Sie, warum er im Herbst eine Smartwatch bringt und wie die aussehen könnte. buc

TAG Heuer kündigt für Herbst 2015 eine Smartwatch an. Was genau haben Sie vor? Im Herbst geben wir eine Pressekonferenz, bei der wir bekanntgeben, wie die Uhr aussieht, was sie kostet, wie wir sie herstellen und was sie kann. TAG Heuer steht für Avantgarde, daher starten wir dieses Projekt. Mit Zenith würde ich das nicht machen, mit Hublot auch nicht.

Sie sind eine Partnerschaft mit Intel und Google eingegangen. Intel für die Hardware, also den Mikroprozessor, und Google für die Software, also Android. 75 Prozent aller Telefone nutzen Android. TAG Heuer steuert dabei die Emotion bei, den Luxus, das Design, die Swissness. Das ist eine gigantische Verbindung. TAG Heuer tut sich zusammen mit zwei Giganten, die zusammen rund 120 Milliarden Dollar Jahresumsatz machen, fünf- bis sechsmal so viel, wie die gesamte Schweizer Uhrenbranche. Und alle sechs Monate bekommen wir als erste Zugang zu ihren Updates, vor allen anderen Kunden. Jetzt müssen wir nur noch entscheiden: Wollen wir einen Mikroprozessor, der viel leisten kann, oder eher eine Superlight-Version, die nur ein paar Gesundheitsfunktionen bietet. Intel verkauft ja Tausende unterschiedlicher Prozessoren. Es wäre auch denkbar, dass wir mehrere Modelle anbieten, die stufenweise mehr können. Wir sind in der glücklichen Lage, dem Kunden alles anbieten zu können, wie eine Speisekarte.

Wie muss die Uhr beschaffen sein, um kein Me-too-Produkt zur Apple Watch zu sein? Sie muss anders sein. Zunächst durch das Design. Man darf nicht vergessen, dass die Apple Watch immer noch abhängig von der Ästhetik bleibt. Manche werden sagen, so etwas am Handgelenk möchte ich nicht. Was man am Körper trägt, muss mit dem eigenen Geschmack übereinstimmen. Wenn unsere Uhr wie eine Carrera aussieht, ist das schon ein großer Unterschied zur Apple Watch. Und wenn wir andere Funktionen bieten, vielleicht GPS, wenn unsere Uhr wasserdicht ist, sind das Unterschiede, die den Kunden sehr interessieren werden. Man darf auch die Mengen nicht vergessen: Apple will 20 Millionen Stück verkaufen; unsere Uhr wird eines Tages vielleicht maximal 20.000 oder auch 50.000 Stück erreichen. Vielleicht auch 100.000, aber niemals 20 Millionen. Alle diese Elemente machen den Unterschied. Daher ist das für uns mit wenig Risiko verbunden. Jeder wird seinen Markt und seine Kundschaft haben. Ich schaue gar nicht auf Apple. Die Uhr ist mir egal.

Nehmen wir aber an, die Apple Watch entwickelt sich weiter und bietet später einmal Funktionen, die so wichtig sind, dass man sie in seinem täglichen Leben nicht mehr missen möchte. So, wie es mit dem iPhone war. Entbrennt dann nicht ein Kampf ums Handgelenk? Ja. Im Silicon Valley sprechen zurzeit alle von einem Kampf ums Handgelenk. Wir müssen abwarten. Die größten Flops kamen oft dann, wenn alle dachten, jetzt kommt etwas ganz Großes. Wenn Apple wirklich einmal 20 Millionen Stück verkauft, kommt auch die Exklusivität ins Spiel. So war es mit den Vertu-Handys. Damals gab es auf einmal so viele Handys, dass manche reichen Leute auf einmal etwas Besonders haben wollten. Das kann bei der Smartwatch auch passieren, und das ist eine Chance für uns, denn unsere wird mehr nach einer Uhr aussehen.

Sie sagen, abwarten. Noch ist nicht klar, wohin die Reise geht. Wir müssen selbst im Zug sitzen, denn nur dann wissen wir, wo er hinfährt. Und wenn uns die Richtung nicht mehr gefällt, können wir immer noch aussteigen.

Wie steht es um die Batteriedauer? Das ist abhängig davon, für welche Variante wir uns entscheiden. Die Batterie kann ein, zwei, drei Jahre lang laufen. Oder wir machen es wie Apple, dann reicht sie nur für 24 Stunden.

Wie weit ist die Produktentwicklung schon gediehen? Vorletzte Woche waren elf Ingenieure bei uns in La Chaux-de-Fonds. Vier von Google, sieben von Intel. Nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. Und jede Woche sind Ingenieure von uns im Silicon Valley. Das alles geht sehr schnell. Dabei machen wir ja nicht nur das. Wir müssen ja alle unsere Uhrenlinien und Modelle pflegen.

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Führen TAG Heuer in die Zukunft: Guy Sémon und Jean-Claude Biver

Bei unserem letzten Interview im November 2014 konnten Sie sich noch vorstellen, dass man in eine klassische mechanische Uhr einen Chip einbaut. Wie sehen Sie das heute? Ich bin nicht sicher, dass das eine gute Idee ist. Die mechanische Uhr mit ihrer alten Technik hat etwas Ewiges. Und auf einmal bringt man in sie eine Art Virus, der irgendwann obsolet wird. Das ist der Hybrid-Gedanke. Das ist, als würde man Rotwein und Wasser haben wollen und dann das Wasser in den guten Bordeaux schütten. Die meisten Menschen nehmen aber lieber zwei Gläser!

Hier finden Sie den 1. Teil meines Interviews mit Jean-Claude Biver: Wie er TAG Heuer umkrempelt.

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