Chronograph

Komplikationen: Der Chronograph

 Redaktion
von Redaktion
am 5. Dezember 2016

Die Chronographenfunktion, also die Möglichkeit zum Stoppen einer Zeitspanne, ist die beliebteste Komplikation der Armbanduhr. Denn im alltäglichen Leben stellen Komplikationen zwar etwas Negatives dar, doch nicht so in der Uhrenwelt. Hier handelt es sich bei einer Komplikation um eine Zusatzfunktion, die dem Träger einen Mehrwert bieten soll. Sie macht jedoch das Uhrwerk komplizierter: Schnell steigt die Anzahl der Komponenten von 60 bei einfachen Werken auf über 300 Einzelteile. Der Uhrmacher löst also mit der Zusatzfunktion einen komplizierten Fall. Doch wie nützlich oder sinnvoll sind Komplikationen? Oft liegt ihre Faszination nicht im reinen Nutzen der Funktion, sondern darin, dass Menschenhände eine mechanische Lösung auf so kleinem Raum realisieren können.

Wie funktioniert der Chronograph?

Kurz gesagt: Der Chronograph (auch “Chrono” genannt) ist eine Armbanduhr mit Stoppfunktion, er kann also sowohl die Uhrzeit anzeigen als auch eine gestoppte Zeitspanne. Üblicherweise erkennt man einen Chronographen an zwei Drückern, die neben der Krone an der Gehäuseflanke sitzen, und an den kleinen Totalisatoren (Hilfszifferblättern) auf dem Zifferblatt. Sie zeigen die Stunden, Minuten und Sekunden der Stoppzeit an. Bei manchen Modellen – etwa der Rolex Daytona im Bild unten – werden die gestoppten Sekunden auch durch den zentralen Sekundenzeiger indiziert. Die Zeitanzeige verfügt dann über eine sogenannte kleine Sekunde, also eine Sekundenanzeige via Hilfszifferblatt.

Ein Blick ins Uhrwerk: Aufgrund der hohen Teilezahl, der vielen Federn und Hebel ist die Chronographen-Komplikation sehr aufwendig zu realisieren. Der Stoppvorgang wird in der Regel mit dem Betätigen des oberen Drückers an der Gehäuseflanke gestartet und wieder gestoppt. Wenn die gewünschte Zeitspanne gemessen wurde, stellt der Träger über den unteren Drücker die Stoppzeiger wieder auf Null. Damit die Nullstellung reibungslos vonstatten geht, drücken Hebel herzförmige Scheiben, die auf der Achse der Zeiger sitzen, in die Ausgangsstellung zurück. Um mit dem mechanischen Chronographen die Zeit stoppen zu können, muss das Einkuppeln und das Loslassen der blockierten Räder gleichzeitig geschehen. Diese komplexe Chronographenschaltung kann über ein traditionelles Schaltrad oder über eine moderne Nockensteuerung gelöst werden. Worin sich die traditionelle und die moderne Konstruktion unterscheiden, erfahren Sie hier im Download für 1,90 Euro.

Chronographen-Neuheit: Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona auf der Baselworld 2016
Zeigt die Sekunden der Uhrzeit auf dem Hilfszifferblatt bei der Sechs, die gestoppten Sekunden mit dem zentralen Zeiger: Rolex Oyster Perpetual Cosmograph Daytona

Von der Unruhfrequenz des Werks hängt die Messgenauigkeit des Chronographen ab. Das El-Primero-Kaliber von Zenith gehört zu den sogenannten “Schnellschwingern” (36.000 Unruh-Halbschwingungen pro Stunde entsprechen 5 Hertz) und kann eine Zehntelsekunde messen. Eine Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hertz) ergibt eine Genauigkeit von einer Achtelsekunde. Bei 21.600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hertz) ist die Stoppzeit auf 1/6 Sekunde messbar und bei 18.000 Halbschwingungen pro Stunde (2,5 Hertz) ist es noch 1/5 Sekunde.

Beim Eindrücker-Chronographen erfolgt das Starten, Stoppen und Nullstellen über nur einen Drücker. Ein Chronograph mit zwei Totalisatoren bei drei und neun Uhr wird Bicompax-Chronograph genannt. Wenn bei der Sechs ein weiteres Hilfszifferblatt hinzukommt, trägt der Stopper auch den Namen Tricompax-Chronograph.

Chronograph mit Automatik- oder Handaufzug?

Nebensache, Komfortthema, Glaubensfrage: Der Aufzug einer Uhr hat für jeden eine andere Bedeutung. Fest steht, dass eine Automatikuhr weniger Aufmerksamkeit benötigt als ein Zeitmesser mit Handaufzug. Die Automatikuhr nutzt die Bewegungsenergie ihres Trägers um die Zugfeder zu spannen – sie zieht sich quasi automatisch auf. Die Handaufzugsuhr benötigt eine Energiezufuhr über die Aufzugskrone. Wie gesagt hängt es vom Geschmack des Uhrenträgers und von seinem Interesse an der Mechanik ab, ob er die Automatik oder den Aufzug von Hand bevorzugt. Die Stoppfunktion für Automatikuhren kam vergleichsweise spät auf den Markt. Die Marke Heuer präsentierte 1969 mit der Armbanduhr Carrera ihren ersten Chronographen mit Automatik.

TAG Heuer: Carrera Calibre Heuer 01
2015 stellt TAG Heuer die Carrera Calibre Heuer 01 vor. Im Innern tickt das namensgebende Calibre Heuer 01 (Automatik), das eine Weiterentwicklung des bekannten Chronographenwerks 1887 darstellt.

Das zugehörige Chronographenwerk mit automatischem Aufzug, das Kaliber 11, entstand in Zusammenarbeit mit den Herstellern Breitling, Dubois-Dépraz und Hamilton-Büren, die das Werk später ebenfalls einsetzten. Zeitgleich arbeiteten aber auch Seiko und Zenith an der Entwicklung des ersten Chronographenwerks mit Automatik. Das spannende Rennen zwischen den Kontrahenten ging ziemlich unentschieden aus, denn alle drei Uhrwerke konnten 1969 vorgestellt werden.

Für die 910 Jubiläum, ein Schaltradchronograph mit Schleppzeigerfunktion, nutzt Sinn Spezialuhren das bewährte Kaliber Eta-Valjoux 7750.
Für die 910 Jubiläum, einen Schaltradchronographen mit Schleppzeiger, nutzt Sinn Spezialuhren das bewährte Kaliber Eta-Valjoux 7750.

Was ist der Unterschied zwischen einem Chronographen und einem Chronometer?

Das erfolgreichste Chronographenwerk mit Automatikaufzug ist das bewährte, seit 1973 hergestellte Kaliber Valjoux 7750 des zur Swatch Group gehörenden Werkeherstellers Eta. Das Werk ist für seine Verlässlichkeit bekannt und wird auch als Chronometer zertifiziert. Doch wo liegt der Unterschied zwischen Chronograph und Chronometer? Als “Chronograph” bezeichnet man eine Stoppuhr oder die Stoppfunktion selbst. Ein Chronometer ist eine Uhr, deren besondere Ganggenauigkeit von einem unabhängigen Institut wie der schweizerischen COSC (Contrôle officiel suisse des chronomètres) geprüft und zertifiziert wurde.

Patek Philippe: Referenz 5905P
Die Referenz 5905P von Patek Philippe ist ein Jahreskalenderchronograph plus Flyback-Funktion im Platingehäuse.

Manufakturchronographen

Die hohe Kunst im Chronographenbau ist die Entwicklung eines eigenen Kalibers. Für Luxusmarken wie A. Lange & Söhne ist das nahezu ein Muss. Sie ergänzen die ohnehin schon kompliziert zu bauende Funktion meist um weitere technische Raffinessen wie eine Kalenderfunktion.<

Ewiger Kalender mit Stoppfunktion: A. Lange & Söhne Datograph Perpetual
Chronograph und ewiger Kalender: Der Datograph Perpetual in Weißgold von A. Lange & Söhne.

2009 stellte Breitling ihr erstes eigenes Uhrwerk mit Chronographenfunktion vor, das Manufakturkaliber 01 (Automatik), das für die Marke typisch auch als Chronometer zertifiziert ist. Sechs Jahre später präsentierte Breitling bereits das Manufakturkaliber B14 mit Handaufzug im Transocean Chronograph 1915.

Breitling: Transocean Chronograph 1915 - vorne die Neuauflage, hinten das historische Modell
Breitling: Transocean Chronograph 1915 – vorne die Neuauflage, hinten das historische Modell.

Stichwort Breitling: Wie funktioniert das mit der Rechenschieber-Funktion?

Der Rechenschieber einer Armbanduhr mit Chronogaph führt Dreisatz-Rechnungen durch. So kann man beispielsweise eine Geschwindigkeit anhand der zurückgelegten Strecke und benötigten Zeit ermitteln oder den Wechselkurs von Währungen berechnen. Auch Multiplikationen und Divisionen sind möglich.

Breitling: Navitimer GMT Aurora Blue
Aktueller Chronograph mit Rechenschieber-Funktion: Breitling Navitimer GMT Aurora Blue

Natürlich gibt es bei Chronographen auch noch Funktionssteigerungen:

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Januar 2011.


Alles über die kleinen Komplikationen lesen Sie hier.

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