Das Geheimnis der Minutenrepetition

Die Funktion von Repetitionsuhren und Schlagwerken mit Videos erklärt

 Redaktion
von Redaktion
am 28. Juli 2016

Die Zeit hat keinen Geruch, macht kein Geräusch und ist nicht zu greifen? Das stimmt nicht ganz. Das folgende Video der Minutenrepetition Referenz 5074R von Patek Philippe zeigt, dass man die Zeit durchaus hören kann. Sobald der Schieber an ihrer Gehäuseflanke ausgelöst wird, gibt ihr Schlagwerk die Uhrzeit akustisch wieder – ähnlich wie eine Kirchturmuhr, nur mit dem Unterschied, dass der Schlag zu jedem gewünschten Zeitpunkt ausgelöst werden kann und die Zeit auf die Minute genau nennt. Die Zahl der tiefen Töne ergibt die Stunden, die Zahl der Doppelschläge die Viertelstunden und die Zahl der hohen Töne die Minuten an.

Wenn Meister der Uhrmacherei die Zeit mit einer Repetitionsuhr hörbar machen, ist das technisch gesehen äußerst kompliziert. Denn der Repetiermechanismus muss eine präzise orchestrierte Abfolge der Bewegungen von Rädern, Nocken, Hebeln, Stiften und Federn auslösen, die letztlich das korrekte Schlagen der Hämmer auf die Tonfedern bewirken.

Gleichzeitig muss diese Konstruktion auf engstem Raume funktionstüchtig gemacht werden. Zur Verdeutlichung: Der Repetitionsmechanismus der Grande Complication von IWC benötigt zu seinem Funktionieren rund 250 Teile, die auf einer Höhe von 2,2 Millimetern angeordnet sind. Früher dauerte die Montage eines solchen Mechanismus sechs bis acht Monate, da die Einstellungen sehr genau justiert werden müssen. Durch die modernen Herstellungsverfahren sind die heutigen Varianten wesentlich toleranter und können innerhalb von sechs Wochen montiert werden. Das folgende Video gibt einen Einblick in den Ablauf, der durch das Auslösen des Schlagwerks im Uhrwerk stattfindet. Es zeigt den Blick durch den Gehäuseboden der Patek Philippe Minutenrepetition Referenz 5073P-010. Kleines Rätsel: Können Sie die Uhrzeit heraushören? Die Auflösung finden Sie am Ende dieses Artikels.

Worin besteht das Geheimnis der Minutenrepetition?

Das Schlagwerk ist ein unabhängiges Räderwerk, das in seinem Aufbau dem Gehwerk ähnelt. Es gibt einen Antrieb mittels Zugfeder, ein mehrstufiges Zahnradwerk und eine Einrichtung, die das zu schnelle Ablaufen des Schlagwerkes hemmt – meist ein »Windfang« aus einfachen Ventilatorenflügeln. Die ersten Schlagwerke sind Schlossscheiben-Schlagwerke, die unabhängig vom Gehwerk ablaufen und daher auch einmal falsch schlagen können. Der verbesserte Mechanismus ist das Rechenschlagwerk, dank dem stets die von der Uhr angezeigte Zeit wiedergegeben wird, da diese direkt vom Geh- beziehungsweise Zeigerwerk abgetastet wird.

Minutenschlagwerk
Minutenschlagwerk

Doch zurück zum Anfang: Die Betätigung eines Schiebers oder Drückers gibt dem Federhaus des Repetiermechanismus die notwendige Antriebsenergie. Sehr nützlich erweist sich hier eine 1720 erfundene Vorrichtung mit der Bezeichnung »Alles oder nichts« beziehungsweise »Tout ou rien«. Diese verhindert das falsche Schlagen durch fehlende Energie, indem es nur ausgelöst wird, wenn der Aufzugsriegel bis zum Anschlag betätigt wird.

Stundenschlagwerk
Stundenschlagwerk

Gleichzeitig mit dem Spannen der Zugfeder wird der Stand der Uhrzeit mithilfe von Rechen abgetastet. Diese Rechen sind gezahnte Kreissegmente, die auf Nockenräder – so genannte Staffeln – fallen, auf die das Uhrwerk die aktuelle Zeit überträgt. In einer Minutenrepetition gibt es drei solcher Staffeln – die Stunden-, Viertel- und Minutenstaffel. Die Stufenhöhe der Minutenstaffel beträgt etwa 14/100 Millimeter, die der Stundenstaffel etwa einen Zehntelmillimeter, was der Stärke eines Haares entspricht.

Viertelstundenschlagwerk
Viertelstundenschlagwerk

Auf diese Stufen senkt sich ein Fühler. Wenn es zum Beispiel sechs Uhr ist, erreicht der Fühler das sechste Niveau der Stundenstaffel. Der damit verbundene Einfallhebel springt bis in den sechsten Zwischenraum des Rechens. Die anschließende Rückführung des Rechens durch die Energie der Repetierwerkfeder in seine Ausgangsposition bewirkt das sechsmalige Anheben der Hammerhebewelle, sodass sie sechsmal nacheinander den Hammer auf die Tonfeder fallen lässt. Eine kleine Hilfsfeder wird durch die Fallbewegung des Hammers gespannt und hebt diesen gleich wieder von der Tonfeder ab, um ihre Tonschwingungen nicht zu dämpfen. Eine raffinierte Bremse, ein Fliehkraft-Hemmungssystem (auch Zentrifugalkraft-Regler genannt), sorgt dabei dafür, dass die Energie in eine konstante Kraft umgesetzt wird und alle Töne in gleichem Abstand erklingen.

Hier noch die Auflösung von unserem kleinen Rätsel: Die Patek Philippe Minutenrepetition Referenz 5073P-010 schlägt 12:53 Uhr.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im April 2016.

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