Evolution der Quarzuhr: Die neue Longines Conquest V.H.P.

Neu entwickeltes Quarzwerk für Longines

Melanie Feist
von Melanie Feist
am 10. März 2017

2017 feiert Longines ihr 185-jähriges Bestehen. Die Nummer Zwei der Swatch Group (nach Omega) ist bekannt für die Stundenwinkeluhr, ihre Entwicklungen in der Sportzeitmessung und insbesondere für ihre Quarzuhren.

Longines: Conquest V.H.P. mit Karbonzifferblatt
Longines: Conquest V.H.P. mit Karbonzifferblatt

Bereits 1965 zeigte Longines ihr erstes Quarzwerk, damals noch für eine Tischuhr. Vier Jahre später lancierte die Schweizer Uhrenmarke ihre erste Quarzarmbanduhr. Die Entwicklung lief parallel zu der von Seiko; die japanische Manufaktur reklamiert für sich, die erste in Serie gefertigte Quarzarmbanduhr entwickelt zu haben. Sicher ist, dass Seiko die Quarzarmbanduhr als erster Hersteller erfolgreich ausgeliefert hat. 1972 präsentierte Longines die erste LED-Quarzuhr, 1984 folgte die erste V.H.P.-Quarzuhr. Die Abkürzung V.H.P. steht dabei für “Very High Precision”. Von Beginn an gehörte Longines zu den Pionieren im Quarzuhrensegment.

Longines: Conquest V.H.P. als Chronograph
Longines: Conquest V.H.P. als Chronograph

Diesen Pioniergeist will die Marke mit der neuen Conquest V.H.P. wieder unterstreichen. So stellte Longines-Präsident Walter von Känel am 9. März 2017 die Neuheit 100 internationalen Journalisten persönlich vor. Im Observatorium von Neuenburg erklärte er, warum die Quarzuhr so besonders ist. In dieser kantonalen Sternwarte ließ man bereits 1954 eine der ersten Quarzuhren kontrollieren. Die wichtigste Entwicklung der neuen Conquest V.H.P. ist das sogenannte GPD-System (Gear Position Detection) – ein System, das den Gang der Quarzuhr überwacht und erkennt, wenn sie Stößen und Magnetfeldern ausgesetzt ist und sie gleichzeitig davor schützt. Normalerweise bringt ein harter Schlag jede Uhr aus dem Gleichgewicht, egal ob mechanisch oder elektronisch. Bei einer mechanischen Uhr stört der Schlag den gleichmäßigen Rhythmus der Unruh, bei einer Quarzuhr kann ein unsanfter Kontakt den korrekten Lauf der Zeiger ins Wanken bringen. Um dies bei einem Schlag gegen die Uhr ausgleichen zu können, erhöht die Conquest V.H.P. automatisch den Motorstrom der Zeiger. Dieser Vorgang ist für den Träger nicht sichtbar. Stattdessen kann der Träger sehen, wenn ein zu starkes Magnetfeld die Ganggenauigkeit der Uhr stört. Dann stoppt sie sicherheitshalber und läuft sekundengenau wieder an, sobald sie außer Gefahr ist.

Was der Träger während dieses Vorgangs sehen kann, zeigt das folgende Video:

Wie stark das Magnetfeld maximal sein darf, teilte Longines auf der Pressekonferenz nicht mit. “Der Magnetfeldschutz entspricht aber auf jeden Fall der ISO-Norm”, versichert Walter von Känel. Die ISO 764 regelt, dass Uhren einem direkten Magnetfeld von bis zu 4.800 Amperemeter widerstehen müssen. Eine weitere Zusatzfunktion, die das Leben eines jeden ungeduldigen Uhrenbesitzers erleichtert, ist die als “Smart Crown” bezeichnete Krone. Smart deshalb, weil die Uhr an der Bewegung der Krone erkennt, ob der Träger die Zeiger in Minuten- oder in Stundenschritten verstellten möchte.

Die Conquest V.H.P. ist zwar keine GMT- oder Weltzeituhr, aber so geht das Verstellen der Zeitzone zumindest schneller von der Hand – dies zeigt auch das folgende Video:

Auf die Frage, warum Longines nicht gleich eine Smartwatch entwickelt hat, antwortet Walter von Känel: “Wir bleiben das, was wir sind. Manche Uhrenmarken stellen Tourbillons, einfachere mechanische Uhren und Smartwatches her. Ich sage stattdessen: Man kann nicht alles machen.”
Minuspunkt heutiger Quarzuhren ist die geringe Lebensdauer ihrer Batterien. Im Durchschnitt halten sie drei Jahre. Um diese Laufzeit überhaupt garantieren zu können, sind die Zeiger der meisten Quarzuhren relativ klein und somit leicht gehalten. Der Haltestrom für die Zeiger kostet viel Energie. Longines präsentiert mit ihrer Conquest V.H.P eine Quarzuhr, deren Batterie fünf Jahre lang halten soll, ohne dabei auf ausreichend lange und mit Superluminova gefüllte Zeiger verzichten zu müssen.

Longines Conquest V.H.P. bei Nacht: Die Zeiger und Indexe leuchten deutlich
Longines Conquest V.H.P. bei Nacht: Die Zeiger und Indexe leuchten deutlich

Die Conquest V.H.P. ist außerdem mit einem ewigen Kalender ausgestattet, der bis zum Jahr 2400 korrekt läuft. Sollte der Träger die Datumsgrenze überschreiten, kann der Kalender über die Krone um einen Tag korrigiert werden. Wer sich jetzt fragt, wo die Anzeigen für den ewigen Kalender geblieben sind, muss wissen, dass Longines auf diese bewusst verzichtet hat. Die Uhr kennt trotzdem die jeweilige Monatslänge und weiß, wann ein Schaltjahr ist.

Das neue Quarzwerk entwickelte die Swatch-Group-Schwester Eta exklusiv für Longines. Jean-Claude Eggen, Vizepräsident bei der Werkeschmiede für Swatch und den Quarzbereich, erklärt den Unterschied der Conquest V.H.P. zu den Quarzwerken von Breitling, Seiko oder Citizen: “Die Quarzwerke von Breitling stammen von uns. Sie werden zusätzlich von der COSC chronometerzertifiziert. Um als Chronometer zu gelten, ist unter anderem beim mittleren täglichen Gang bei 23 Grad Celsius eine Ganggenauigkeit von plus/minus 0,07 Sekunden pro Tag erforderlich. Im Jahr ergibt sich daraus eine Toleranz von plus/minus 25 Sekunden. Bei Citizen und Seiko beträgt die Toleranz plus/minus 10 Sekunden im Jahr, allerdings kosten diese Modelle weitaus mehr als die Conquest V.H.P. von Longines, die sogar auf plus/minus 5 Sekunden im Jahr genau geht.”

Wristshot: So sitzt die Longines Conquest V.H.P. am Handgelenk
Wristshot: So sitzt die Longines Conquest V.H.P. am Handgelenk

Die neue Conquest V.H.P. wird in vielen Varianten erhältlich sein: Mit blauem, silberfarbenem oder schwarzem Zifferblatt, mit Karbonzifferblatt oder als Chronograph. Letzterer steht mit einem 42 oder 44 Millimeter großen Edelstahlgehäuse zur Wahl, die Dreizeigeruhren messen 41 oder 43 Millimeter im Durchmesser. Die Uhren werden zwischen 870 und 1.800 Euro kosten. mf

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