Mit jedem Modell noch besser: Die Taucheruhren von Seiko

50 Jahre Tiefenwirkung bei Uhren von 1.000 bis 10.000 Euro

Martina Richter
von Martina Richter
am 27. Dezember 2016

Vor einem halben Jahrhundert stellte Seiko die erste Taucheruhr vor. Die Liste der Innovationen ist inzwischen lang – vom ersten Titan- bis zum Keramik-Gehäuse, vom Hi-Beat-Kaliber bis zur perfekten Helium-Abdichtung. Ganz besonders stolz sind die Japaner darauf, dass von Seiko erarbeitete Standards mit in die bis heute geltende internationale Taucheruhrennorm ISO 6425 eingeflossen sind.

Seiko: Marinemaster Automatik
2014: Vom UHREN-MAGAZIN getestet – die bis zu 300 Meter wasserdichte Marinemaster Automatik mit modernem Manufakturkaliber und perfekter Lünette. Diese Uhr kostet 2.000 Euro.

Seiko ging von Anfang an verantwortungsvoll und kompromisslos an das Thema Taucheruhr heran, war sich bewusst, dass unter Umständen Menschenleben von der Funktionalität eines solchen Zeitmessers abhängen könnte und betrachtete die Taucheruhr als einen Geschäftsbereich, in dem Entwicklungen gemacht werden, die sich später auf andere Produktserien übertragen lassen.

Seiko: 150M Diver's
1965: Die Seiko 150M Diver’s, Japans erste Taucheruhr war automatisch und bis 150 Meter wasserdicht.

Als Seiko im Jahr 1965 Japans erste Taucheruhr, die Seiko 150M Diver’s, herausbrachte, war sie ein Spezialprodukt, da sich zu dieser Zeit nur wenige Menschen mit dem Tauchen befassten. Neue Technologien hinsichtlich Ablesbarkeit, Stoßsicherheit und Wasserdichtheit führten bereits zwei Jahre danach zur Taucheruhr 300M Diver’s, wobei bekanntermaßen die “300M” für 300 Meter Wasserdichtheit beziehungsweise 30 Bar Druckfestigkeit des Gehäuses standen. Ein weiteres Jahr später wurde ein Schnellschwinger-Präzisionsuhrwerk mit der Frequenz von fünf Hertz in dieses Modell eingebaut.

Seiko: 300M Diver's
1968: Die High-Beat-Hochpräzisions-Taucheruhr Seiko 300M Diver’s hatte ein automatisches Kaliber, das mit 36.000 Halbschwingungen in der Stunde oszillierte.

Man hielt die 300M Diver’s für ein professionelles Gerät, doch kurz nach ihrer Lancierung schlug der Brief eines Berufstauchers aus der Öl- und Gasindustrie bei Seiko ein wie ein Blitz. Er beschrieb, wie er in 350 Metern Tiefe unter den Bedingungen des Sättigungstauchens arbeite, dass dabei seine Uhren hart auf Metall oder Gestein träfen und ziemlich zerkratzt oder anderweitig beschädigt würden. Zudem beschwerte er sich darüber, dass die Uhren beim Auftauchen in einer Taucherglocke den Belastungen nicht gewachsen seien und einfach zerbarsten. Kurz gesagt: Seikos damalige Taucheruhren waren derartig rauen Verhältnissen nicht gewachsen.

Der Brief des Tauchers änderte bei Seiko alles. Das Unternehmen stellte sofort ein Projektteam zusammen, das an einer von Grund auf neuen professionellen Taucheruhr zu arbeiten begann. Sieben Jahre sollten die Entwicklungen dauern und Seiko brachte in dieser Zeit keine neue Taucheruhr – etwa für den inzwischen populär gewordenen Sport- und Freizeitbereich – heraus. Dagegen nutzte manch anderer Hersteller den attraktiven Markt, um verschiedene Arten wasserdichter Uhren als Taucheruhren zu deklarieren. Nicht so Seiko. Hier konzentrierte man sich zielstrebig darauf, eine Uhr mit höchster Funktionalität für den professionellen Einsatz zu entwickeln.

Seiko: Professional Diver’s 600M
1975: Die Professional Diver’s 600M ist die weltweit erste Taucheruhr mit Titangehäuse und einer Vielzahl neuer Entwicklungen für das Sättigungstauchen.

1975 war es dann soweit. Die Taucheruhr Professional Diver’s 600M wurde vorgestellt. Mit mehr als 20 Weltpremieren barg sie Innovationen in allen Bereichen, die noch heute von Bedeutung sind. Ihr Grundgehäuse war aus einem einzigen Stück Metall gefertigt, das zum ersten Mal bei einer Taucheruhr aus Titan bestand. Der Vorteil der einteiligen Struktur liegt auf der Hand: Es gibt weniger Möglichkeiten, dass Wasser ins Gehäuseinnere eindringt. Titan wiederum ist korrosionsbeständiger und etwa 40 Prozent leichter als Edelstahl.

Seiko: Professional Diver’s 600M
1978: Die Professional Diver’s 600M ist die weltweit erste zum Sättigungstauchen geeignete Uhr mit Quarzwerk.

Eine weitere innovative Idee war das weltweit erste Zweischicht-Gehäuse: Die äußere Hülle schützt die Uhr, wenn sie hart auf Gegenstände trifft und hält zugleich die Tauchlünette an der eingestellten Position. Dank der neuen Leuchtmasse Lumibrite blieb die bis 600 Meter wasserdichte Uhr auch in Tiefen ablesbar, in die kein Tageslicht mehr vordringt.

Ebenso war das Band etwas ganz Neues. Mit seiner sogenannten Akkordeon-Form passt es sich dem Wasserdruck an. Unter den Verhältnissen in 300 Metern Tiefe schrumpft der Handgelenksumfang des Tauchers um bis zu zwei Zentimeter. Dank des speziellen Zieharmonika-Effekts bleibt der Trageriemen und damit die Uhr fest am Handgelenk – sowohl in 300 Metern Tiefe als auch wieder an der Wasseroberfläche. Oftmals kopiert, wird die Wellenstruktur später zur Standardausrüstung an Armbändern zahlreicher Taucheruhren.

Seiko: Professional Diver’s 1000M
1986: Seiko Professional Diver’s 1000M mit Keramikgehäuse, Wasserdichtheit bis 100 Bar und Quarzwerk.

Die wichtigste Neuerung allerdings bezog sich auf das Sättigungstauchen und dem dabei verwendeten Heliumgas. Zur Erklärung: Mit dem Sättigungstauchen wird dem Problem der erhöhten Dekompressionszeit bei Tieftauchgängen begegnet. Da diese zum Beispiel nach einem Tauchgang in 200 Meter Tiefe bis zu sieben Tagen beträgt, kann sie nicht im Wasser verbracht werden. Dazu verwendet man Überdruckkammern, die einen allmählichen Aufstieg um rund 30 Meter pro Tag simulieren. In der Überdruckkammer wird ein Gasgemisch mit Helium eingesetzt, dessen Moleküle 27 Mal kleiner sind als die von Stickstoff, so dass sie sich leicht in das Uhrengehäuse einschleichen und bei Ausdehnung das Glas zum Brechen oder gar die ganze Uhr zum Zerspringen bringen können.

Seiko: Scuba Master 200M
1990: Seikos Können im elektronischen und Taucheruhrenbau ermöglichten die Scuba Master 200M, die weltweit erste computergesteuerte Taucheruhr mit Tiefenmesser.

Helium aus einem Uhrengehäuse herauszuhalten, ist eine große Herausforderung. Andere Hersteller – das ist weitgehend bekannt – lassen Helium eindringen und durch ein spezielles Ventil wieder entweichen. Seiko sah das als unnötige Schwachstelle an und hat durch seine spezielle Gehäuse-Monostruktur und besondere L-förmige Dichtungen eine Lösung gefunden, die verhindert, dass Helium überhaupt in die Uhr eindringt – das ist weniger bekannt.

Seiko: AGS Scuba 200M
1992: Angetrieben durch die Bewegung ihres Trägers bot die AGS Scuba 200M, die weltweit erste Kinetic-Taucheruhr zusätzliche Sicherheit, da kein Batteriewechsel mehr nötig war.

Mit all den Erfahrungen bei der Entwicklung einer professionellen Taucheruhr half Seiko maßgeblich mit, den internationalen Standard für Taucheruhren zu etablieren. Vor allem die Standards für die Benutzung von Zeitmessern beim Tiefseetauchen flossen in die ISO-Norm ein. 1996 wurde mit Seikos Beteiligung die ISO 6425 um Bestimmung für das Mischgastauchen ergänzt.

Seiko: Scuba Master 200M
1995: Scuba Master 200M, die weltweit erste Taucheruhr mit vollautomatischer Tauchdatenmessung über einen analogen Tiefenmesser.

2015 verkörpern zwei neue Modelle in der professionellen Marinemaster-Serie nun das Beste aus 50 Jahren Seiko-Taucheruhr. Wie der legendäre Vorgänger von 1975 verfügt die Marinemaster Professional 1000M Diver’s über das Doppelgehäuse, das mittlerweile zum Markenzeichen von Seikos Taucheruhren geworden ist. Dank der einzigartigen Helium-Abdichtung kann die Uhr zum Sättigungstauchen in großen Tiefen sicher benutzt werden. Die Verwendung von Keramik für das äußere Gehäuse erhöht die Stoßfestigkeit und verhindert zugleich ein unbeabsichtigtes Verdrehen der Lünette. Die Zeiger und Markierungen sind mit einer neuen Version des Seiko-Leuchtstoffs Lumibrite beschichtet, der 60 Prozent länger hält als das herkömmlichen Mittel. Bereits im September 2014 wurden professionelle Seiko-Taucheruhren gleicher Bauart einem extremen Test unterzogen: Angebracht am Außenrumpf der KAIKO 7000 II, einem ferngesteuerten Forschungs- U-Boot, funktionierten sie sogar noch in einer Tiefe von 3.000 Metern absolut einwandfrei.

Seiko: Marinemaster Professional Diver’s
Bis 100 Bar druckfest ist die Seiko Marinemaster Professional Diver’s von 2015. Ihr Preis: 3.450 Euro.

Die auf 700 Exemplare limitierte Marinemaster Professional 1000M Hi-Beat 36000 erinnert an die ersten Taucheruhren mit Schnellschwing-Kalibern aus den 1960er-Jahren. Ihr Uhrwerk 8L55 schlägt mit fünf Hertz und hat eine Gangautonomie von 55 Stunden. Sie verfügt über das signifikante Monocoque-Gehäuse aus Titan und erhöhten Magnetfelschutz. Die drehbare Lünette ist bei sechs und zwölf Uhr mit vier Schrauben sicher am Gehäuse befestigt. Deren Markierungen sind mit Lumibrite beschichtet. Der weitere Weg in große Tiefen ist also gut ausgeleuchtet. MaRi

Seiko: Prospex Automatik 200m
599 Euro kostet die Seiko Prospex Automatik 200m und markiert damit den Einstieg in die Taucheruhren-Welt von Seiko.

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