Omega: Co-Axial ist der Schlüssel zur Zukunft

Interview mit Omega-Präsident Stephen Urquhart

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 18. April 2013

Bei Omega denken viele zuerst an Olympia und James Bond. Doch das höchste Gut der Uhrenmarke ist für Präsident Stephen Urquhart die Co-Axial-Hemmung.

Chronos traf Stephen Urquhart im Dezember 2012, am Ende eines Jahres, das für die Uhrenmarke geprägt war von den Olympischen Spielen in London und dem neuen James-Bond-Film. Mit beiden Themen erreicht Omega viele Millionen potenzieller Kunden. Doch das Wichtigste für die Zukunft der Marke ist für den Chef die technische Basis seiner Uhren: die Co-Axial-Hemmung. Sie ist nach ihrer Vorstellung 1999 nicht zur Randerscheinung geworden – ganz im Gegenteil: In bemerkenswerter Konsequenz hat Omega in den vergangenen 13 Jahren fast seine gesamte Produktion an mechanisch angetriebenen Uhren auf diese Technik ausgerichtet. Mittlerweile produziert die Uhrenmarke jährlich eine halbe Million Werke mit dieser Hemmung.

„Omega hat immer danach gestrebt, das bestmögliche Uhrwerk zu bauen“
„Omega hat immer danach gestrebt, das bestmögliche Uhrwerk zu bauen“

Herr Urquhart, Sie begannen Ihre Karriere bei Omega 1968, gingen später zu Audemars Piguet und kehrten 1999 zurück. Gerade in den letzten zehn, zwölf Jahren hat sich viel verändert. Was war aus Ihrer Sicht am wichtigsten?

Die Entwicklung der Co-Axial-Hemmung. Sie ist heute für mich der Schlüssel für das weitere Wachstum von Omega.

Warum das?

Omega hat eine reiche Geschichte und auch viele Geschichten zu erzählen: die Speedmaster mit der Mondlandung, die Seamaster, die Olympischen Spiele, James Bond, unsere Markenbotschafter – all das ist sehr wichtig. Aber das Rückgrat der heutigen Omega bildet die Co-Axial-Hemmung. Sie hat Omega mehr Substanz gegeben; mit ihr verfügen wir über etwas Einzigartiges. Sie wissen, woher der Name Omega kommt?

Es war der Name eines 1894 gebauten, sehr hochwertigen Uhrwerks. Der Name des letzten Buchstabens des griechischen Alphabets sollte Vollendung ausdrücken.

Vollendung als Programm: Der Markenname Omega kommt vom 1894 entstandenen Kaliber 19‘‘‘ („Omega“)
Vollendung als Programm: Der Markenname Omega kommt vom 1894 entstandenen Kaliber 19‘‘‘ („Omega“)

Genau. Es war das erste industrialisierte Uhrwerk, und das im Jahr 1894! Unsere Marke trägt den Namen eines Uhrwerks. Omega hat immer danach gestrebt, das bestmögliche Werk zu bauen. Das soll nicht heißen, dass das, was andere tun, nicht gut wäre. Bestmöglich meine ich auch nicht im Sinne von Komplikationen, wie sie einige Luxusmarken anbieten; das ist nicht unser Business. Aber das Werk stand für Omega immer im Zentrum allen Bemühens. Das muss man wissen, um zu verstehen, wie Omega handelt. Heute fragen mich Leute manchmal: Warum hat Omega in den siebziger Jahren mit der Produktion von Quarzuhren begonnen? Zu der Zeit war das ein logischer Schritt. Omega wollte auch auf diesem Gebiet führend sein. Ich war damals dabei. Es war meine erste Zeit bei Omega. Jeder glaubte, Quarz sei die Zukunft. Und auch heute geht es uns darum, das bestmögliche industrialisierte Großserienwerk zu bauen – im Hinblick auf Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Präzision. Daher ist die Co-Axial-Hemmung so wichtig für uns. Sie führt diese Tradition fort in die Zukunft.

Omega verkauft mehrere Hunderttausend Uhren pro Jahr. Viele Ihrer Kunden wissen nicht einmal, was eine Hemmung ist, geschweige denn eine Co-Axial-Hemmung. Welche Bedeutung kommt ihr da zu? Haben die Käufer das Gefühl, etwas Besonderes zu besitzen?

Ich glaube, es ist das Gefühl, Qualität zu besitzen. Und es ist auch das Bewusstsein, dass Omega die Uhrenwelt um etwas bereichert hat. Darum bemühen sich ja viele Hersteller, aber anspruchsvolle technische Neuerungen finden Sie meist nur in kleinen Stückzahlen. Mit der Co-Axial-Hemmung haben wir es geschafft, eine technische Verbesserung auf breiter Ebene durchzusetzen. Als ich 1999 zum zweiten Mal zu Omega kam, standen wir am Anfang des Prozesses. Im Jahr 2000 stellten wir eine Limited Edition mit unserem ersten Co-Axial-Werk vor: dreimal 1000 Stück, jeweils in Rot-, Gelb- und Weißgold. Das waren die Anfänge. Herr Hayek senior glaubte an diese Hemmung und trieb uns an, stärker in diese Richtung zu gehen. Und in der Tat: Die Co-Axial-Hemmung ist bei uns nicht auf Kleinserien beschränkt geblieben. Sie bildet heute das Herz unserer Mechanikwerke. Omega produziert heute rund 700.000 Uhren im Jahr, davon 500.000 mit Co-Axial-Hemmung! Mit Ausnahme der original Speedmaster Moonwatch verfügen heute alle unsere Mechanikwerke über diese Hemmung.

Omega hat seine gesamte Werkeproduktion auf die Co-Axial-Hemmung ausgerichtet
Omega hat seine gesamte Werkeproduktion auf die Co-Axial-Hemmung ausgerichtet

Die Co-Axial-Hemmung war ursprünglich eine Idee des vielgerühmten englischen Uhrmachers George Daniels. Er hatte einige Exemplare damit gebaut und suchte einen großen Partner mit dem Ziel, diese Technik zu industrialisieren. Dabei handelte er sich einige Absagen ein – bis schließlich Omega darauf einstieg.

Ja. Wobei wir eine starke Unterstützung innerhalb unserer Gruppe erfuhren. Vor allem Nivarox-FAR …

… die Swatch-Group-Tochter, die Hemmungsbestandteile fertigt …

… hat sich sehr intensiv mit der Co-Axial-Hemmung beschäftigt und es geschafft, diese Technik in ein bestehendes Eta-Werk zu integrieren. Ohne die Mithilfe von Nivarox, ohne die gesamte Swatch Group wäre das niemals möglich gewesen. Bedenken Sie: Die Patente auf die Co-Axial-Hemmung sind seit Jahren frei, doch niemand hat sie bisher nachgebaut. Das zeigt, wie schwierig es ist, diese Technik zu beherrschen. Im Lauf der Jahre haben wir die Hemmung dann immer weiter verbessert, unter anderem mit der Reduzierung der Unruhfrequenz von 28.800 auf 25.200 Halbschwingungen pro Stunde. Der nächste Schritt war ein eigenes Omega-Kaliber.

Die Co-Axial-Hemmung benutzt Omega heute bei fast allen eigenen Kalibern, zum Beispiel beim Chronographenwerk 9300 (unten). Einzige Ausnahme: die original Speedmaster Moonwatch mit Lemania-Kaliber
Die Co-Axial-Hemmung benutzt Omega heute bei fast allen eigenen Kalibern, zum Beispiel beim Chronographenwerk 9300 (unten). Einzige Ausnahme: die original Speedmaster Moonwatch mit Lemania-Kaliber

 

Immer informiert bleiben

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und bleiben Sie immer am Puls der Zeitmesser.

Anrede
Vorname
Nachname
E-Mail*
* Pflichtfeld
Die Datenschutzbestimmungen habe ich gelesen und akzeptiere diese.
Special Deutsche Uhrenmarken

Uhren-Datenbank

In der weltweit größten Datenbank finden Sie aktuell 31988 Modelle von 788 Herstellern.

Datenbank-Suche