Pequignet: Frankreichs einzige Uhrenmanufaktur

Pequignet führt die französische Uhrmacherei mit seinem Manufakturkaliber in eine neue Ära

Alexander Krupp
von Alexander Krupp
am 5. April 2012
Die Moorea Royal Triomphe, 44 mm, 7.500 € in beschichtetem Titan und Rotgold
Die Moorea Royal Triomphe, 44 mm, 7.500 € in beschichtetem Titan und Rotgold

Seit der Quarzkrise der 1970er Jahre gab es in Frankreich ein Manufakturvakuum. Diesen Zustand wollte Didier Leibundgut, ehemaliger Marketingmanager von Zenith, nicht hinnehmen und kaufte 2004 die 31 Jahre zuvor gegründete Uhrenmarke Pequignet mit Sitz in der französischen Jura-Gemeinde Morteau nahe der Schweizer Grenze.
Hier wurden bis dato vor allem Damenuhren mit zugelieferten Quarzwerken hergestellt. Herrenuhren waren weniger erfolgreich. Dies soll sich nun ändern, denn dank neu eingerichteten Abteilungen für Entwicklung, Produktion und Montage hat die Marke ein eigenes Uhrwerk samt umfangreicher Armbanduhrenkollektion geschaffen.
Und dieses Kaliber ist bei weitem keine Standardware, die nach dem Prinzip des geringsten Widerstands konstruiert wurde. Das Grundprinzip wie auch diverse Detaillösungen des „Calibre Royal“ zeigen, warum zahlreiche Entwickler, Ingenieure und Uhrmacher eingestellt werden mussten und weshalb vom ersten Entwurf bis zur Serienfertigung fünf Jahre ins Land gegangen sind.

 

Das Grundlegende und Besondere ist die Integration aller Funktionen in die Grundplatine. Auf diese Weise erreicht Pequignet eine vergleichsweise geringe Bauhöhe von 5,88 Millimetern und eine besonders harmonische Optik, da alle Scheibenanzeigen auf derselben Ebene liegen. Als da wären: ein Großdatum, eine Wochentagsanzeige und – in fast allen Modellen – eine Mondphase. Hinzu kommen eine kleine Sekunde und eine Gangreserveanzeige, deren Zeiger selbstverständlich eine Etage höher über das Zifferblatt wandern. Diese Vorzüge leuchten ein, wenngleich gesagt werden muss, dass besagte Grundplatine deutlich dicker ausfällt als bei herkömmlichen Konstruktionen und die daraus folgende Bauhöhe nicht gerade einen Weltrekord für einen Vollkalender darstellt.

Königliches Kaliber: Das Calibre Royal überzeugt optisch und funktional
Königliches Kaliber: Das Calibre Royal überzeugt optisch und funktional

Der auffälligste Vorteil ist in jedem Fall die extrem harmonische Anordnung der Scheiben auf derselben Höhe. Vor allem das Betrachten der perfekt ausgeführten Anzeigen für Datum und Wochentag bereitet höchste Freude, zumal die zwei Datumsringe und der Wochentagsfächer um Mitternacht exakt gleichzeitig und innerhalb eines Sekundenbruchteils springen.

Das großzügig dimensionierte Federhaus wirkt nicht direkt auf das Räderwerk, sondern gibt seine Energie besonders schonend und gleichmäßig über seine unabhängig gelagerte Mittelachse ab. Dies vermindert den Verschleiß im Räderwerk und sorgt für einen stabilen Gang von 88 Stunden. Dementsprechend reicht die Gangreserveanzeige auf dem Zifferblatt von 72 bis null und darüber hinaus noch einmal bis minus 16.

Pequignet schützt die Hemmung durch eine beidseitig fixierte Unruhbrücke sowie einen selbst entwickelten Spiralklötzchenträger mit Haltebügel vor ungewolltem Verstellen. Die große Schraubenunruh schwingt mit einer traditionellen Frequenz von drei Hertz, um größere Wartungsintervalle im Vergleich zu Vier-Hertz-Hemmungen zu erreichen.

Rue Royal (42 mm, 5.950 € in Stahl) Paris Royal (41 mm, 19.000 € in Gelbgold) Royal Grand Sport
(44 mm, 5.950 € in Stahl)

Das Werk tickt in den abgebildeten vier Modellen, die jeweils in zahlreichen Gehäusematerialien und Zifferblattvarianten erhältlich sind. Die Preise reichen von attraktiven 5.500 Euro für die günstigsten Stahlmodelle bis 19.950 Euro für bestimmte Rotgoldausführungen. Weitere Komplikationen sind geplant – und sollen ebenfalls in die vorhandene Grundplatine eingepasst werden. Eine Damenuhr im 38-Millimeter-Gehäuse ist ebenso in Arbeit wie Herrenmodelle mit zweiter Zeitzone sowie mit Chronographenfunktion. Selbst große Komplikationen will Pequignet für sein königliches Kaliber nicht ausschließen. Man darf also gespannt sein, nicht zuletzt auf die Preise. Denn der Einstieg in die Welt der Manufakturwerke mit Zusatzfunktionen fällt für 5.500 Euro nicht schwer. ak

Mehr zu Pequignet lesen Sie in der kommenden Ausgabe Chronos, die am 27. April erscheint

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