Schaltrad oder Kulissensteuerung bei Chronographen

Hinter den Kulissen

Jens Koch
von Jens Koch
am 26. August 2013

Ein Schalt- oder Säulenrad ist beim Chronographen ein prestigeträchtiges Feature. Aber wie funktioniert das Bauteil? Und ist es wirklich besser als die Kulissensteuerung? (Artikel aus Chronos 03.2013)

Omega setzt in der Speedmaster-Linie auf beides: Professional Moonwatch mit Nocken (oben) und Moonwatch Co-Axial mit Schaltrad
Omega setzt in der Speedmaster-Linie auf beides: Professional Moonwatch mit Nocken (oben) und Moonwatch Co-Axial mit Schaltrad

Als Adolphe Nicole 1862 den ersten richtigen Chronographen vorstellte, mit von ihm entwickelter Rückstellung über eine Herzscheibe, war das Schaltrad schon elementares Bestandteil. Bei diesem Ein-Drücker-Chronographen wurden die drei Funktionen des Drückers – Starten, Stoppen und Nullstellen – schon über ein Schaltrad angesteuert. Breitling entwickelte später den Chronographen mit zwei Drückern, der die starre Reihenfolge der Funktionen durchbrach und auch Additionsstoppungen ermöglichte. Der zweite Drücker war für die Nullstellung verantwortlich. Dieser Aufbau setzte sich weitgehend durch. Der obere Drücker eines Chronographen muss heute aber immer noch zwei verschiedene Aufgaben übernehmen: Zuerst startet er den Chronographen, beim zweiten Druck stoppt er die Messung.

Ohne dieses omnipräsente Werk wäre die Kulissensteuerung fast ausgestorben: Valjoux 7750 von der Eta
Ohne dieses omnipräsente Werk wäre die Kulissensteuerung fast ausgestorben: Valjoux 7750 von der Eta

Im Innern laufen dabei mehrere Dinge gleichzeitig ab. Beim Starten muss, vereinfacht gesprochen, der Chronographenzeiger mit dem Uhrwerk in Eingriff gebracht werden. Das geschieht über eine vertikale oder horizontale Kupplung oder über ein Schwingtrieb. Gleichzeitig muss der Rückstelldrücker blockiert werden, da er bei eingeschaltetem Chronographen den Mechanismus beschädigen könnte.
Das Schaltrad, auch Säulenrad genannt, besteht aus zwei Funktionsebenen: Zum einen aus dem unteren Rad mit Sägeverzahnung, über die es beim Betätigen des Drückers weiterbewegt wird. Zum anderen aus dem namengebenden Rad mit den Säulen, die für die Funktionen Start und Stopp entsprechend die Hebel in Bewegung setzen und die Nullstellung blockieren. Dazu kommen noch Federn, die das Schaltrad an seiner Position halten und die Hebel gegen die Säulen drücken, damit sie auch wirklich in die Lücken fallen.

Großer Bruder: Das Eta Valgranges A07.211 mit Nockensteuerung basiert auf dem fast sieben Millimeter kleineren Valjoux 7750
Großer Bruder: Das Eta Valgranges A07.211 mit Nockensteuerung basiert auf dem fast sieben Millimeter kleineren Valjoux 7750

 

SchaltradsteuerungSchaltradsteuerung


Bild 1
zeigt das gebläute Schaltrad, bevor die Messung gestartet wird: Links sieht man den ins Schaltrad eingefallenen Nullstellhebel, der den an außen an einer Säule liegenden Kupplungshebel fast ganz verdeckt.

Bild 2: Nach dem Betätigen des Start-Stopp-Drückers ist das Schaltrad von einem Hebel ein Stück im Uhrzeigersinn gedreht worden. Der Kupplungshebel ist von einer Feder zwischen zwei Säulen gedrückt worden und hat den Chronographen mit seinem anderen Ende eingekuppelt. Der Nullstellhebel ist vom Schaltrad nach außen gedrückt worden und somit blockiert.

 

Bild 3: Erneutes Betätigen des Start-Stopp-Drückers hat das Schaltrad wieder ein Stück im Uhrzeigersinn gedreht. Eine Säule hat den Kupplungshebel wieder nach außen gedrückt, sodass der Chronograph ausgekuppelt wurde. Der Nullstellhebel ist nicht mehr blockiert, und das Betätigen des Nullstelldrückers würde ihn ins Schaltrad fallen lassen und mit seinem anderen Ende über die Nullstellherzen die Chronographenzeiger wieder in ihre Ausgangspositionen bewegen.

 

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