Speake Marin: Der Preis der Unabhängigkeit

Markenporträt

 Redaktion
von Redaktion
am 19. August 2013

Wer meint, ein unabhängiger Uhrmacher führe ein glamouröses Leben, sollte sich mit Peter Speake-Marin unterhalten, der vor elf Jahren seine eigene Marke gründete.

Peter Speake-Marin. Im Hintergrund ist das Rad einer alten Finissiermaschine zu sehen, ein typisches Designmerkmal seiner Uhr
Peter Speake-Marin. Im Hintergrund ist das Rad einer alten Finissiermaschine zu sehen, ein typisches Designmerkmal seiner Uhr

Peter Speake-Marin kauft seine Flugtickets en gros. Der in England geborene und jetzt in der Schweiz ansässige Uhrmacher bucht Tickets, die für jeweils 16 Flüge rund um die Welt gültig sind. Damit fliegt er überall hin, wo er Uhren verkaufen, ausstellen oder neue Geschäftsmöglichkeiten erkunden kann.
Speake-Marin ist einer jener hochmotivierten und permanent unter Jetlag leidenden Uhrmacher, die ihre Produkte unter eigenem Namen fertigen und vertreiben. Sie lassen sich durch nichts abschrecken, angefangen von unzuverlässigen Zulieferern bis hin zu einer von Flugzeugessen geprägten Ernährung. Vor zehn Jahren ließ sich der Engländer auf dieses Abenteuer ein.
In der Grafschaft Essex geboren, lernte Speake-Marin das Uhrmacherhandwerk am Hackney Technical College in London und an der Wostep (Watchmakers of Switzerland Training and Education Program) in Neuchâtel. Anschließend restaurierte er sieben Jahre lang Uhren für den Antiquitätenhändler George Somlo im Londoner Stadtteil Piccadilly, angefangen von antiken Breguet– und Graham-Taschenuhren bis hin zu Mickymaus-Armbanduhren aus den 1950er Jahren. Speake-Marin sagt, die Erfahrungen aus dieser Zeit bilden die Grundlage für alles, was er seitdem gemacht hat. Danach arbeitete er vier Jahre bei Renaud & Papi in Le Locle, wo er Minutenrepetitionen und Tourbillons fertigte.

An den Uhren anderer zu arbeiten, reichte ihm irgendwann nicht mehr. Speake-Marin wollte sich beweisen, dass er seine eigenen Uhren entwerfen und fertigen konnte. So begann er, in seiner Freizeit an einer Taschenuhr mit Tourbillon zu arbeiten. Die Uhr zeichnete sich durch ein hohes, zylindrisches Gehäuse, einen Stundenzeiger mit herzförmiger Spitze und einen Tourbillonkäfig aus, der wie das Rad einer alten Finissiermaschine geformt war. Im Jahr 2000 stellte Speake-Marin seine erste eigene Uhr fertig. Er bezeichnete sie später als „Grundlagenuhr“, denn in ihr verwirklichte er alle Ideen, die auch seine späteren Uhren beeinflussten.

Seine erste eigene Armbanduhr benannte Speake-Marin nach dem Londoner Stadtteil Piccadilly
Seine erste eigene Armbanduhr benannte Speake-Marin nach dem Londoner Stadtteil Piccadilly

2001 hatte Speake-Marin eine folgenreiche Begegnung: Er lernte den Komplikationsspezialisten Philippe Dufour kennen. Auf dessen Drängen willigte er ein, 2002 auf der Basler Messe unter dem Dach der AHCI auszustellen, der Akademie selbstständiger, schöpferisch tätiger Uhrmacher, die schon vielen unabhängigen Meistern als Karrieresprungbrett diente. Ihm war jedoch klar, dass eine Taschenuhr nur wenige Messebesucher interessieren würde. Daher entwarf er für Basel eine Armbanduhr, die er in Anlehnung an seine Londoner Zeit „Piccadilly“ nannte. Dort wurde ihm klar, was es heißt, seine eigene Marke zu führen: „Wenn man seine erste Uhr präsentiert, spricht die Branche über dich. Von überall her kommen Fachhändler auf dich zu und sagen dir, dass sie von dir kaufen wollen. Aber spätestens nach zwei Jahren ist man auf dem Boden der Realität angekommen.“ Und Realität, das heißt in dem Fall: viel Trubel um die eigene Person und jede Menge versprochener Aufträge – die allerdings nie erteilt werden.

Der Engländer jedoch blieb bei dem, was er sich vorgenommen hatte: Er fertigte kleine Serien hochwertiger Uhren, die er oftmals für einen bestimmten Markt oder spezielle Kunden entwarf. Diese Uhren tragen jene charakteristischen Merkmale seiner ursprünglichen Tourbillon-Taschenuhr. Hinzu kommen markante Bandanstöße und eine große, kannelierte Krone. Einige Zifferblätter sind mit römischen Ziffern auf weiß emailliertem Grund eher klassisch gehalten. Andere zeigen sich mit farbigen Mosaiken oder goldenen Drachen extravagant gestaltet. Wiederum andere Zifferblätter sind mit Vögeln und wilden Tieren verziert, die in der japanischen Lacktechnik Maki-e aufgetragen wurden.

 

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