Süßes oder Saures: 8 schaurige Totenkopf-Uhren

Uhren mit Gruselfaktor, passend zu Halloween!

Maria-Bettina Eich
von Maria-Bettina Eich
am 31. Oktober 2016

Finster und wild, risikofreudig und gefährlich: Die neuen Uhren schrecken vor nichts zurück. Der Stoff aus dem Hollywood-Mythen gemacht sind, ist jetzt auch der Stoff aus dem Uhren gemacht werden. Egal, ob Werwölfe, Reptilien, Batman oder schaurige Totenschädel: Was sich aktuell auf den wenigen Zentimetern eines Zifferblatts, auf Lünetten und Armbändern abspielt, lässt uns in mythische Welten entschweben.
Es sind jedoch keine sonnigen und glitzernden Welten in die uns die Uhren versetzen, sondern eher dunkle Abgründe. Wilde Vorzeittiere und Fabelwesen nehmen in martialischen Designs Form an. Totenschädel erinnern daran, dass unser irdisches Dasein endlich ist. Pünktlich zu Halloween können Sie damit in die Unterwelt eintauchen. Doch aufgepasst: Es gibt kein Zurück. 

Schaurige Totenkopf-Uhr #1:
Bell & Ross – BR01 Burning Skull

Bell & Ross: BR01 Burning Skull
Bell & Ross: BR01 Burning Skull

Brennen sollst du! Züngelnde Ornamente im Tattoo-Duktus zieren die BR01 Burning Skull von Bell & Ross. Nach der Gravur, werden die Ornamente mit schwarzem Tintenlack ausgefüllt und gebrannt. Edelstahl, 46 mm, Eta 2814, 500 Stück, 6.900 Euro.

Schaurige Totenkopf-Uhr #2:
HublotBig Bang Broderie Sugar Skull

Hublot: Big Bang Broderie Sugar Skull
Hublot: Big Bang Broderie Sugar Skull

Schaurig-schön: Die Big Bang Broderie Sugar Skull von Hublot kombiniert Edelsteine und farbig gestickte Totenköpfe mit einem Karbonzifferblatt. Keramik, 41 mm, Sellita SW 300, Automatik, 200 Stück, 15.500 Euro.

Schaurige Totenkopf-Uhr #3:
Romain Jerôme – Skylab 48 Speed Metal Skull

Romain Jerôme: Skylab 48 Speed Metal Skull
Romain Jerôme: Skylab 48 Speed Metal Skull

Skelett trifft auf Totenkopf im Weltraum. Das Besondere an den-Skylab Uhren von Romain Jerôme ist, dass in jeder Mondstaub, Fragmente des Apollo-11-Raumschiffs oder Fasern eines Raumanzugs verarbeitet sind. Edelstahl, 48 mm, Manufakturkaliber RJ004-M, Handaufzug, 9 Stück pro Farbe, 20.950 Euro.

Schaurige Totenkopf-Uhr #4:
BombergBadass Steel Nails

Bomberg: Badass Steel Nails
Bomberg: Badass Steel Nails

Bei Bomberg prangt der Totenkopf bei der Badass Steel Nails inmitten einer mit Nägeln versehenen Lünette, das graue Armband ist mit Nieten besetzt. Edelstahl, 45 mm, Sellita SW200, Automatik, 2.990 Euro.

Schaurige Totenkopf-Uhr #5:
Perrelet – Turbine Toxic

Perrelet: Turbine Toxic
Perrelet: Turbine Toxic

Unter dem sich mal langsamer, mal schneller drehenden rotorbetriebenen Titan-Schaufelrad der Turbine Toxic von Perrelet funkelt ein Diamantschädel. Edelstahl, 41 mm, Manufakturkaliber P-331, Automatik. 

Perrelet: Glitzer-Totenkopf der "Turbine Toxic"
Perrelet: Glitzer-Totenkopf der “Turbine Toxic”

Schaurige Totenkopf-Uhr #6:
Speake-MarinSkull Face to Face Tourbillon

Speake-Marin: Skull Face to Face Tourbillon
Speake-Marin: Skull Face to Face Tourbillon

Die grinsenden Schädel beim Skull Face to Face Tourbillon von Speake-Marin, mit einer Art Radierungstechnik ins Gold graviert, erinnern daran, dass unsere Tage gezählt sind. Rotgold, Diamanten, 42 mm, Manufakturkaliber SM3 Tourbillon, Automatik, 8 Stück, 170.000 Euro. 

Schaurige Totenkopf-Uhr #7:
HYT Skull Maori

HYT: Skull Maori
HYT: Skull Maori

Totenkopfkunst trifft auf Tribal-Tattoos der neuseeländischen Maori. Bei der Skull Maori von HYT zeigt eine rote Flüssigkeit die Zeit an. Das rechte Auge des Schädels verdunkelt sich, wenn die Gangreserve abnimmt, im linken dreht sich eine Sekundenscheibe. Rotgold und Titan DLC-beschichtet, 51 mm, HYT-Manufakturkaliber, Handaufzug, 15 Stück, 115.000 Euro.

Schaurige Totenkopf-Uhr #8:
Fiona Kruger – Petit Skull

Fiona Kruger: Petit Skull
Fiona Kruger: Petit Skull

Die Designerin Fiona Kruger steht für ihre schädelförmige Uhren. Die Petit Skull ist von Hand guillochiert; durch die Augen und die Nase werden die Teile des skelettierten Automatikwerks sichtbar. Edelstahl, 48 x 34.5 mm, Automatikwerk, 18 Stück, ca. 14.300 Euro.

Noch mehr finster-schaurige Uhren:

Richard Mille – Tourbillon RM 26-02 Evil Eye

Richard Mille: Tourbillon RM 26-02 Evil Eye
Richard Mille: Tourbillon RM 26-02 Evil Eye

Gegen böse Omen: Richard Mille kreiert mit dem Tourbillon RM 26-02 Evil Eye ein gefährlich flammendes Handaufzugs-Tourbillon, dessen aus Email geschaffenes Horusauge vor dem Bösen Blick schützt. Keramik, 48 x 40 mm, Manufakturkaliber RM26-02, Handaufzug, 594.000 Euro.

Artya – Son of a Gun Werewolf & Dragon

Artya: Son of a Gun Werewolf & Dragon
Artya: Son of a Gun Werewolf & Dragon

Heavy Metal, Fantasy, Thriller: Dieses Unikat von Artya lässt keinen (Alb)Traum unerfüllt. Der wolfsköpfige Silberdrache der Son of a Gun Werewolf & Dragon windet seinen Leib ums Handgelenk, aufs Zifferblatt sind Gewehrkugeln appliziert. Und die Zeit läuft automatisch. Edelstahl, 47 mm, Automatikwerk, 14.900 Euro

Romain Jerôme – Batman-DNA

Romain Jerôme: Batman-DNA
Romain Jerôme: Batman-DNA

Schwarz schwebt Batman durch die Nacht – und durch die Uhrenwelt. Doch wenn es um den Träger der Batman-Uhr von Romain Jerôme richtig dunkel wird, zeigt der Fledermausmann, was er kann, und leuchtet nachts in kräftigem Blau. Edelstahl, 46 mm, Valjoux 7750, 75 Stück, 17.950 Euro.

Urwerk – UR-105 T-Rex

Urwerk: UR-105 T-Rex
Urwerk: UR-105 T-Rex

Unter dem Bronze-Panzer des längst ausgestorbenen T-Rex wandert die Stunde von rechts nach links über eine Minutenskala. Zwischen Handaufzug und Automatik kann man bei der UR-105 T-Rex von Urwerk über einen Hebel wählen. Bronze, 39,5 x 53 mm, Manufakturkaliber UR 5.02, 22 Stück, 65.000 Euro.

Es war einmal

Der Totenkopf hat schon seit Jahrhunderten Konjunktur. Als Vanitas-Motiv zierte der Totenkopf die Werke der alten Meister, er war das Erkennungsmerkmal von Piratenflaggen und führt seit vielen Jahren ein internationales Rockerleben auf den Jeanswesten der Biker. Das Totenkopfmotiv ist ein Warnsignal: „Vergiss nicht, dass du sterben musst!“, so das Memento mori, das er auf alten Gemälden symbolisiert – als Warnung, sein Herz nicht an die vergänglichen irdischen Güter zu hängen. Auf Piratenflaggen und Biker-Westen warnt er eher vor der Gefährlichkeit derjenigen, die ihn zur Schau tragen. Dass der Totenschädel das offizielle Piktogramm ist, mit dem giftige Substanzen gekennzeichnet werden, passt ins Bild.

 

Vanitas-Stilleben // Quelle: Wikiart
Vanitas-Stilleben aus dem 17. Jahrhundert von Cornelis Norbertus Gijsbrechts

Totenkopfuhren waren schon einmal in Mode: Im 17. Jahrhundert hatte der Schädel nicht nur als Vanitas-Motiv in der Barockmalerei Hochkonjunktur, sondern man ließ auch die Zeit gern in Gehäusen verfließen, die an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnerten. Die Totenkopfuhr des 17. Jahrhunderts wurde an einer Kette getragen. Wenn man den Kiefer nach unten klappte, trat das Zifferblatt zutage. Eine dieser historischen Uhren gelangte zu besonderer Berühmtheit und ist noch heute als die Mary, Queen of Scots Watch bekannt. Legenden besagen entweder, dass die schottische Königin das Stück selbst trug, oder dass sie es ihrer Zofe schenkte. Die Forschung hingegen hat etwas anderes herausgefunden: Mary, Queen of Scots – im Deutschen meist Mary Stuart genannt – besaß gar keine Skull Watch; die Uhr, die ihren Namen trägt, entstand erst weit über hundert Jahre nach ihrem Ableben. Dieses Ableben allerdings vollzog sich auf nicht ganz alltägliche Weise: Mary wurde im Auftrag ihrer Halbschwester Elizabeth I. geköpft. Vielleicht daher die nachträgliche Verbindung zwischen ihrer Person und der Totenkopfuhr?

Designelement mit Symbolwirkung

Für „Achtung, Hände weg“ steht das Totenkopf-Design bei Uhren definitiv nicht. Und dass es als Designfeature von Zeitmessern wirklich vor dem Verrinnen der Zeit warnen will, mag man nicht so richtig glauben, wenn man sich den hedonistischen Glamour der aktuellen Skull-Uhren vor Augen hält. Anders sah das im 17. Jahrhundert aus, als die barocke Geisteshaltung zu einer Vorliebe für Anhängeruhren in Schädelform führte.
Allerdings ist der Totenkopf schon eine ganze Weile als Fashion-Ikone unterwegs, war ein Lieblingsmotiv des großen Modemachers Alexander McQueen, ist ein unentbehrliches Element des Gothic-Stils, ziert Mainstream- Accessoires für Mädchen, die ein bisschen wild wirken wollen, und findet sich in Einzelfällen sogar auf Kinderkleidern.
Und auch, wenn er sich jetzt mit nie gekannter Macht als Superstar eines trendigen, coolen Uhrendesigns etabliert hat, war ihm die Welt von Schmuck und Uhren zuvor keineswegs fremd. Das finsterste Kapitel in der Designgeschichte des Totenschädels wurde in der Nazizeit geschrieben, als der Totenkopfring ein Ehrenzeichen für SS-Angehörige war. Erstaunlicherweise hat diese Tatsache seine Integrität nicht für alle Zeiten beschädigt. Vermutlich ist die Symbolwirkung der Schädelknochen zu stark und zu universell, um durch diesen Missbrauch zum Tabu zu werden.

Schließlich existiert der Totenkopf in einiger Entfernung von unserem Kulturkreis sogar als Festmotiv. Bei der mexikanischen Día de los Muertos wird der Verstorbenen mit buntem Zuckerzeug in Totenkopfform gedacht. Für die Spiritualität der Mexikaner ist dieser Feiertag sehr wichtig, er wurde sogar zum immateriellen UNESCO-Welterbe ernannt. Einige der aktuellen Totenkopf-Uhren beziehen sich denn auch explizit auf dieses Fest, was auch in weit von Mexiko entfernten Weltregionen nicht befremdlich wirkt, sondern eher exotisch-attraktiv. Denn dank einer durch das Internet globalisierten Bildwelt ist die Día de los Muertos mit ihrer bunten, fröhlich-morbiden Ästhetik zu internationaler Berühmtheit gelangt. Dabei sollte man nicht die literaturhistorischen Schädelmomente vor unserer Haustür vergessen: Hamlet in der Friedhofszene, Goethe des Nachts Aug‘ in hohlem Auge mit Schillers vermeintlichem Schädel, der ihn zu einem Gedicht inspirierte: Es muss nicht unbedingt Mexiko sein; auch in Helsingör und Weimar ist der Totenkopf Kulturerbe. 

Döttling: Tresor "Fusion" mit Totenkopf vor dem Schloss
Wer an den Schatz will, muss bei dem Döttling-Tresor „Fusion“ mit Uhrenbewegern erstmal am glitzernden Totenkopf vorbei.

Der Trend zum Schädel: Die Totenkopf-Uhr

Möglicherweise ist das Uhrendesign augenblicklich in genau der Phase, in der es ein Symbol wie den Totenschädel brauchen kann. Konventionelle Pracht haben wir alle zur Genüge gesehen. Sie reißt immer noch zu Bewunderung und Kauflust hin, aber wenn mit der Pracht ein bisschen Schock verbunden ist, weckt das natürlich mehr Aufmerksamkeit. Eine Zeitlang wurden kleinere Schockmomente durch die unkonventionelle Verbindung von sehr kostbaren mit sehr wertlosen Materialien erzielt. Aber das Thema ist durch, diesbezüglich sind wir mittlerweile abgebrüht. Da sorgt es vielleicht für mehr Adrenalin, wenn man sein Geld für ein Juwel mit einem schaurigen Motiv hinlegt. Und zwar nicht irgendeinem Motiv, sondern mit einem Symbol, das alles hat: spirituelle Tiefe und kulturelle Tragweite, Unterwelt-Charme, eine aufregende Gefährlichkeit, die irgendwie sexy ist, und dazu Fashion-Appeal. Einer, der den Totenkopf ähnlich verwendet hat wie die Uhrendesigner, ist Damien Hirst. Der englische Künstler, der früher für Cool Britannia stand und heute Inbegriff des Artworld-Millionärs ist, hat 2007 einen Platinschädel unter dem Titel „For the Love of God“ ganz mit Diamanten besetzt und damit das ultimative künstlerische Talking Piece geschaffen: ein Stück, das zwar nach Subversion riecht, dies aber auf eine höchst glamouröse, mainstreamtaugliche Weise.

Döttling: Totenkopf-Schloss des Tresors "Fusion"
Döttling: Totenkopf-Schloss des Tresors “Fusion”

Die Totenkopf-Uhr behält ihre Symbolik über den Trend hinaus

Der Mainstream, den Damien Hirsts Skull fesselt, ist natürlich reines Betrachterpublikum. Die Totenkopfuhren sprechen schon allein deshalb keinen Mainstream an, weil der potentielle Käuferkreis aus finanziellen Gründen beschränkt ist. Und unter denen, die es sich leisten können, wollen viele sich dann doch lieber nicht vom Totenschädel die Zeit anzeigen lassen. Sprich: Die sehr kreativ gestalteten Totenkopfuhren der Stunde wenden sich an eine spezielle Gruppe von Personen, die Sinn für ihre Symbolik haben, Spaß an modisch-morbiden Appeal und ein gewisses Kapital. Diese Kombination von Voraussetzungen scheint in der Luft zu liegen. Und wenn der Trend vorbei ist, behält der Schädel als altes Menschheitssymbol seine Gültigkeit.

 
Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Oktober 2015.

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