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UHREN-MAGAZIN Leserreise Schweiz 2019

Zu Besuch bei Audemars Piguet, Chopard, Parmigiani und Jaeger-LeCoultre

Mit der UHREN-MAGAZIN-Leserreise zu Besuch im Schweizerischen Jura. Unsere Gastgeber Audemars Piguet, Chopard, Parmigiani und Jaeger-LeCoultre bereiten den mitreisenden Lesern drei unvergessliche Tage.

Der eiserne Steg ist schmal. Ein kleines Bächlein gurgelt unter unseren Füßen gemächlich durch das auf rund tausend Meter liegende Hochtal. Dieses Nebenflüsschen der Orbe namens Brassus gab einst der Ortschaft ihren Namen. Der romantische Anblick, der im Sonnenlicht auf der Wasseroberfläche tänzelnden Reflexe, verleitet einen Reiseteilnehmer zu einer philosophischen Betrachtung: das Wasser flösse hier so gemütlich dahin wie die Zeit. Das beschreibt diese abgelegenen Regionen an der Grenze zu Frankreich, in der der Sommer nur kurz währt, tatsächlich am besten.

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Station #1 der UHREN-MAGAZIN-Leserreise 2019: Audemars Piguet

Am anderen Ende des schmalen Steges befindet sich die Manufaktur von Audemars Piguet. Bei der Begrüßung am Morgen hatten uns Mark Schmid aus dem Stammhaus und Martin Sondhof vom Audemars-Piguet-House in der Münchener Maximilianstraße über die historische Entstehung von Audemars Piguet und die aktuellen Entwicklungen in einer gemütlichen Runde in Kenntnis gesetzt. Die Beschränkung der Produktion auf 40.000 Uhren im Jahr trotz der aktuell hohen Nachfrage sei nicht willkürlich, sondern der Tatsache geschuldet, dass man auf dem hohen Fertigungsniveau, welches die Manufaktur pflegt, derzeit einfach keine höheren Stückzahlen produzieren könne.

UHREN-MAGZIN-Leserreise Schweiz 2019: Audemars Piguet
UHREN-MAGZIN-Leserreise Schweiz 2019: Gruppenfoto bei Audemars Piguet
UHREN-MAGZIN-Leserreise Schweiz 2019: Uhrmachertisch in der Restauration bei Audemars Piguet
UHREN-MAGZIN-Leserreise Schweiz 2019: Zifferblattherstellung der Audemars Piguet Royal Oak

Davon wollen wir uns jetzt persönlich überzeugen: Nach dem Durchqueren einer Sicherheitsschleuse und dem Überziehen der obligatorischen Uhrmacherkittel führt uns der Weg direkt in die Werkeproduktion. Hier wird unter anderem das automatische Kaliber 5133 hergestellt, das im derzeit flachsten ewigen Kalender seinen Einsatz findet. Ebenso das legendäre Kaliber 2121 der Royal Oak Ultra Thin. Doch nicht nur neuzeitliche Kaliber werden hier mit der höchsten Aufmerksamkeit zusammengefügt. Am Ende der Produktionshalle befindet sich das Atelier, das sich aller Uhren annimmt, welche vor 1960 produziert wurden. Auch alle Uhren des derzeit im Neubau befindlichen Museums halten erfahrene Uhrmacher und Restaurateure hier in Stand. Wir dürfen – neben der ersten automatischen Armbanduhr von Audemars Piguet – besonders Taschenuhren mit Westminsterschlag auf drei Tonfedern und großer und kleiner Sonnerie bewundern. Höhepunkt ist die komplizierteste Taschenuhr, welche jemals von Audemars Piguet angefertigt wurde. Die sogenannte Universal-Uhr wurde im Auftrag von Jakob Dürrstein zum Jubiläum für Union Glashütte gefertigt. Nach dem Mittagessen direkt am sonnenbeschienenen Strand des Lac de Joux, ist der Nachmittag dem Besuch der Zifferblatt- und Gehäusefertigung sowie der Begutachtung der aktuellen Kollektion gewidmet. Ein leises Tackern macht uns beim Betreten der Zifferblattproduktion neugierig. Ein Dutzend brusthoher Maschinen übertragen nach dem Prinzip eines Pantographen oder Storchenschnabel von einer großen Stahlscheibe deren Muster auf ein kleines Messingblatt. Dabei erzeugt der metallene Abnehmer das charakteristische Geräusch. Ein kleiner Stichel schneidet das quadratisch erscheinende Tapisserie-Muster in das Zifferblatt der Royal Oak. Die genaue Betrachtung unter dem Mikroskop enthüllt, dass es eine geschickte optische Täuschung ist, welche das drehend entstandene Muster rechtwinklig erscheinen lässt. Anschließend heißt es für unsere Leser, selbst Hand anzulegen.

UHREN-MAGZIN-Leserreise Schweiz 2019: Bei Audemars Piguet dürfen die Gäste selbst Hand anlegen
UHREN-MAGZIN-Leserreise Schweiz 2019: Bei Audemars Piguet dürfen die Gäste selbst Hand anlegen (Bild: Thomas Wanka )

Nach einer kleinen Auffrischung der Geschichte anhand historischer Modelle geht es daran, winzige Schrauben einzudrehen, einen Rohling mit Perlagen zu versehen und ihn anschließend zu satinieren sowie Zahnräder funktionierend in ein Werk einzufügen. Stolz darf jeder Teilnehmer sein Werkstück als Souvenir mitnehmen. In einem speziell gesicherten Raum erwartet uns die aktuelle Kollektion von Audemars Piguet. Nach der ausgiebig genutzten Möglichkeit, die Modelle ans eigene Handgelenk zu legen und zu fotografieren, begleitet uns Martin Sondhof noch zu einem Abendessen mit spektakulärem Alpenblick in das Städtchen Morges am Genfer See.

Station #2 der UHREN-MAGAZIN-Leserreise 2019: Parmigiani

Das Val de Travers, das am zweiten Tag unser Reiseziel darstellt, liegt im Neuenburger Jura und ebenfalls in einem idyllischen Hochtal auf 700 Metern. Michel Parmigiani, Namensgeber und Gründer der Manufaktur wurde unweit vom Standort Fleurier in Couvet geboren, und zwar im Jahr 1950. Mit diesen Ziffern starten auch die Seriennummern der Parmigiani-Uhren. Derzeit liegt die Zahl bei etwa 80.000. Minus der 1950 und geteilt durch 23 Jahre ergibt sich daraus die durchschnittliche Jahresproduktion. Der leidenschaftliche Uhrmacher Michel Parmigiani bekam von der Sandoz-Stiftung den Auftrag, deren wertvolle Uhrensammlung zu restaurieren, von der übrigens ein Teil im Uhrenmuseum von Le Locle der Öffentlichkeit zugänglich ist. Mit der Gründung der Manufaktur Parmigiani erfolgte zugleich die vertikale Integration der Zulieferer. In La Chaux-de-Fonds gehört dazu eine Zifferblattfabrik und mit Les Artisans Boîtiers eine Gehäusefertigung. Mit Elwin besitzt man eine Schraubenmanufaktur, welche auch Patek Philippe, A. Lange & Söhne und andere Größen der Uhrmacherei beliefert. Altokapla wiederum fertigt eigene Unruhspiralen. Eine Kompetenz, über die nur wenige Spezialisten und Uhrenmarken verfügen. Unser Besuch beginnt beim Werkehersteller Vaucher in Fleurier. An dieser Unternehmung ist neben Parmigiani auch Hermès mit 25 Prozent beteiligt und bezieht von hier auch seine Werke. Die Zusammenarbeit wirkt sich auch auf die handgenähten Armbänder der Parmigiani-Uhren positiv aus. Sie stammen alle aus der Ledermanufaktur der Pariser Luxusmarke.

UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: CEO Davide Traxler (2.v.r.) und Patrick Wehrli (stehend) erklären die Kollektion von Parmigiani
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: in der Restaurationsabteilung von Parmigiani
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: Spieldose mit Singvogel bei Parmigiani
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: Werkefertigung bei Parmigiani
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: Werkmontage bei Parmigiani

Die Konstruktionsabteilung sitzt direkt bei Werkzeugbau und Prototypenfertigung, um in unmittelbarem Austausch die Entwicklung voranzutreiben. Die Produktion ist auf einachsige Maschinen verteilt, welche in einem automatisierten Verbund arbeiten können, der die unterschiedlichen Bearbeitungszeiten in der Planung berücksichtigt. Auch eigene Uhrmacher werden bei Parmigiani ausgebildet. Diese erhalten, genau wie wir, Anschauungsunterricht und erstaunliche Einblicke beim Besuch der Restaurationsabteilung. Zunächst beeindruckt uns ein Messer aus dem Besitz der Sandoz-Stiftung aus dem 18. Jahrhundert durch seine integrierte Uhr mit Grande Sonnerie. Grande bedeutet, dass die Uhr beim Durchgangsschlag auch immer die volle Stundenzahl mit angibt, statt nur Viertelstunden und Minuten zu signalisieren. Wie eindrucksvoll das klingen kann, beweist eine Taschenuhr, deren Viertelstundenrepetition auf eine schlangenförmig geformte Kathedraltonfeder schlägt. Unvergesslicher Höhepunkt ist ein kleiner Vogel, der wie lebendig aus einer Spieldose springt und uns kreisend und flügelschlagend für 20 Sekunden mit seinem hellen Gezwitscher erfreut. Ermöglicht wird der verblüffend naturgemäße Auftritt des gefiederten Geschöpfes durch seine Fähigkeit, Körper, Kopf, Schnabel, Flügel und Schwanzfeder unabhängig voneinander zu bewegen. Der Direktor von Parmigiani, Patrick Wehrli und der Verkaufsdirektor von Parmigiani Deutschland, Dirk Boettcher präsentieren der Gruppe anschließend die aktuelle Kollektion von Parmigiani, inklusive der Möglichkeit, alle Modelle auch einmal selbst an den Arm zu legen. Und auch der CEO von Parmigiani, Davide Traxler steht unseren Gästen persönlich für Fragen zur Verfügung. Bettina Rost von Ebner Media Group, die Organisatorin der Reise, muss förmlich zum Aufbruch drängen, denn Fleurier beherbergt noch einen weiteren, bedeutenden Uhrenhersteller, den wir nach dem Mittagessen aufsuchen.

Station #3 der UHREN-MAGAZIN-Leserreise 2019: Chopard

Die große Glasfassade des mehrgeschossigen Gebäudes der Manufacture Fleurier schmückt der geschwungene Chopard-Schriftzug. Ab etwa 1860 hatte sich Fleurier zu einem der Zentren der Schweizer Uhrmacher entwickelt. Eigens aus Genf, dem Hauptsitz der weltberühmten Schmuck- und Uhrenmarke, sind Annette Heuer und Juan Garcia zur Begrüßung und Führung angereist. Die Manufacture Fleurier ist einer von zwei Standorten von Chopard am Ort. Später erblicken wir aus einem Fenster das gegenüberliegende Gebäude der Ebauche Fleurier. Schon vor 160 Jahren gründete Louis-Ulysse Chopard zunächst in Sonvilier sein eigenes Unternehmen. Dem handwerklich begabten Uhrmacher gelang bald der Export seiner präzisen und zuverlässigen Uhren bis an den russischen Zarenhof. Später wurde Chopard auch offizieller Lieferant der Schweizer Eisenbahn. Als mit Paul-Louis das Unternehmen auf einen der Söhne überging, zog Chopard 1937 nach Genf. In der Hauptstadt der hohen Uhrmacherkunst ist man seither näher an der internationalen Kundschaft. Mit Paul-André übernahm die dritte Generation der Familie die Leitung von Chopard. Nach erfolgreichen Jahren fand sich in der vierten Generation niemand, der die Geschäfte weiterführen wollte. Da fügte es sich, dass Karl Scheufele III. aus Pforzheim im Jahr 1963 auf der Suche nach einen Partner war, der die legendäre Swiss-Made-Qualität bieten konnte. Er erwarb Chopard von dem 70-jährigen Patriarchen. Das bereits 1904 vom Großvater gegründete Unternehmen Eszeha in der Goldstadt Pforzheim, das erfolgreich Uhren und Schmuck im Art-déco-Stil herstellte, erhielt so eine eigene Manufaktur und war nicht mehr auf Rohwerkelieferanten angewiesen, die auch seine Konkurrenz bedienten. Chopard ist eines der letzten familiengeführten Uhren- und Schmuckunternehmen.

UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: von Hand wird das Uhrwerk bei Chopard mit Genfer Streifen verziert
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: Auch bei Chopard durften die Leser die Modelle ans Handgelenk legen
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: Im L.U.Ceum erkunden wir die private Uhrensammlung von Karl-Friedrich Scheufele
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: Privathaus von Karl-Friedrich Scheufele

Mit den Geschwistern Caroline und Karl-Friedrich Scheufele als Co-Präsidenten ist die vierte Generation aktiv. Während Caroline Scheufele auf internationalen Events – wie etwa den Filmfestspielen in Cannes – mit einer High-Jewellery-Kollektion glänzt, entwickelt Klar-Friedrich die sportlichen Uhren der Herrenkollektion und zeichnet für die Manufaktur verantwortlich, welche die L.U.C (Louis-Ulysse Chopard) Uhren produziert. Sie entstand 1996 auf rund 3.500 Quadratmetern und beherbergt rund 160 Mitarbeiter. Während Chopard inklusive Damen- und Quarzmodelle etwa 75.000 Uhren pro Jahr fertigt, entfallen davon nur etwa 4.500 auf die L.U.C-Modelle aus der Manufaktur. Durch den hohen Anteil an Handarbeit, von dem wir uns beim Besuch überzeugen, lässt sich die Stückzahl nicht beliebig steigern. Auch die zahlreichen komplizierten Modelle sind dafür verantwortlich. Automatische Manufakturkaliber, aber mit industriellen Fertigungsmethoden, entstehen bei Fleurier Ebauches. Diese rund 15.000 Werke sind vorwiegend der Mille-Miglia-Kollektion vorbehalten. Mit dieser Kollektion sportlicher Uhren gibt Karl-Friedrich Scheufele seine Passion für Oldtimer und den Rennsport zu erkennen. Im L.U.Ceum erkunden wir die private Uhrensammlung von Karl-Friedrich Scheufele, die anlässlich unseres Besuches eigens zugänglich gemacht wird. Unter anderem befinden sich hier Exponate von Ferdinand Berthoud, einem Schweizer Uhrmacher des 18. Jahrhunderts, der zeitgleich mit Breguet in Paris tätig war und dessen Marke Karl-Friedrich Scheufele ebenfalls wieder belebt hat. Doch beim anschließenden Besuch eines seiner privaten Häuser in Fleurier steht die aktuelle Kollektion von L.U.C im Mittelpunkt. 500 dieser Uhren werden übrigens eigens Genf gefertigt, um das Genfer Siegel zu erhalten. Nur bei L.U.C entstehen Chronometer nach Prüfung durch die Schweizer COSC, nach Maßgaben des Genfer Siegels oder nach den noch strengeren Vorgaben der örtlichen Qualité-Fleurier-Prüfung.

Station #4 der UHREN-MAGAZIN-Leserreise 2019: Jaeger-LeCoultre

Für ein anderes Kontrollverfahren hat sich Jaeger-LeCoutre entschieden. Jede Uhr durchläuft einen 1.000 Stunden-Test, bevor sie die Manufaktur in Le Sentier verlässt. Wieder befinden wir uns im Vallée de Joux, wie schon zwei Tage zuvor. Wieder führte uns der Weg über den Marchairuz, den 1.447 Meter hoch gelegenen Pass. Dieser verbindet das Hochtal mit Genf. In den Wintermonaten oft unpassierbar, nutzten die Bauern früher diese Zeit, um Werke oder Komponenten herzustellen und im Frühjahr gegen Saatgut oder andere notwendige Ausrüstungen zu tauschen. Antoine LeCoultre revolutionierte dieses Verfahren. Mit seiner Erfindung des Millionometers war es möglich, plötzlich Werkteile auf den Tausendstel Millimeter genau zu produzieren und damit erstmals auch Komponenten als Ersatzteile auf Vorrat zu fertigen. Zuvor musste jedes Bauteil von Hand in das Werk angepasst werden. Mit der Gründung seiner Firma im Jahr 1833 beschritt er neue Wege. Erstmals arbeiteten alle Mitarbeiter in seiner »Maison«. Und hier arbeiten noch immer alle unter einem Dach. Allerdings durch Erweiterungsbauten in einer auf 25.000 Quadratmeter angewachsenen Produktionsstätte, in der 1.200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Diese üben, so erläutern uns unsere Gastgeberin Tina Vannesson aus der Manufaktur und Manfred Waldeck von Jaeger-LeCoultre Deutschland bei ihrer gemeinsamen Begrüßung, 180 verschiedene Handwerke aus.

UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: die Leser zu Besuch bei Jaeger-LeCoultre
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: auch bei Jaeger-LeCoultre durfte man die Modell ans Handgelenk legen
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: jede Menge Uhren zum Anfassen gab es bei Jaeger-LeCoultre
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: Präsentation im Jaeger-LeCoultre-Atelier
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: historische Atmos Galerie bei Jaeger-LeCoultre
UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2019: die Jaeger-LeCoultre Master Ultra Thin Minute Repeater Flying Tourbillon am Handgelenk eines Besuchers

Seit Bestehen der Firma wurden hier 1.200 verschiedene Kaliber entwickelt und gefertigt. Darunter mit dem Kaliber 101 das kleinste mechanische Uhrwerk, das sich bis heute auch in der Produktion befindet. Queen Elisabeth II. trug eine Uhr mit diesem Werk bei ihrer Krönung im Jahr 1953. Und schon 1931 erblickt mit der Reverso eine rechteckige Wendeuhr das Licht der Welt, die heute als Klassiker das Aushängeschild der Manufaktur ist. Wir begeben uns in die Produktionsstätte und passieren eine Zifferblattproduktion, die allerdings Kleinstserien und dem Prototypenbau vorbehalten ist. Auffällig ist die hohe Fertigungstiefe. Neben der mittlerweile bekannten Produktion von Kleinteilen mit Stanzen, Langdrehautomaten und mehrachsigen Fräsmaschinen, dem Perlieren und Anglieren der Werkteile kommt hier das Steine setzen hinzu. Ebenso das Drehen und Schneiden der winzigen Zahnräder. Besonders beeindruckt das Verkleben der Ankerpaletten aus synthetischen Rubinen unter dem Mikroskop mit angewärmtem Schelllack. Auch die Galvanik befindet sich im Haus. Mit dem Galvanisieren, dem Reinigen in der Waschanlage und dem Ultraschallbad wird jede Komponente im Schnitt bis zu 15 mal behandelt, bevor sie bereit ist, in ein Werk verbaut zu werden. Für die großen Komplikationen gibt es mittlerweile eine kleine Manufaktur in der Manufaktur. Die sehr kleinen Chargen der noch filigraneren Komponenten und Einzelteile werden noch einmal mit gesteigerter Sorgfalt hergestellt und kontrolliert. Nach der Dekoration werden alle Komplikationen von einem Uhrmacher über Tage und Wochen zusammengebaut. Immer assistiert von einem jüngeren Uhrmacher, an den das Wissen weiter gegeben wird. Einen solchen Spezialisten zieht Tina Vannesson hinzu, als sie uns mitten im Atelier die großen Komplikationen unter einem Mikroskop in hoher Auflösung direkt auf einem Großbildschirm präsentiert. Zum Anfassen nahe erscheinen das Gyrotourbillon von 2004, das Reverso Gyrotourbillon von 2008, die Master Grande Tradition Gyrotourbillon 3 Jubilee (2013) sowie die Reverso Tribute Gyrotourbillon (2016). Und anfassen, an den Arm legen und fotografieren dürfen wir diese uhrmacherischen Wunderwerke auch nach Herzenslust. Diese Eindrücke müssen sich erst einmal setzen und bei einem gemeinsamen Mittagessen vertieft werden. Stéphane Belmont, der Leiter der Heritage Gallery, steht den Lesern dabei ausgiebig Rede und Antwort. Mit der Atmos hat Jaeger-LeCoultre eine besondere Tischuhr im Programm. Ihre Energie bezieht sie lediglich durch Temperaturschwankungen. Im Inneren einer hermetisch abgeschlossenen Kapsel befindet sich ein Gasgemisch, das sich bei jeder Temperaturschwankung ausdehnt oder zusammenzieht. Die Dose ist mit bloßer Hand nicht zu manipulieren. In kaltes Wasser getaucht, zieht sie sich sofort zusammen. Aus einem Grad Temperaturunterschied zieht eine Atmos 24 Stunden Gangautonomie. Sie ist so leichtgängig konstruiert, dass sie stehen bliebe, würde sich eine Fliege auf den Stundenzeiger setzen. Noch beeindruckender fällt der Besuch der Heritage-Gallery aus, in der neben der Vielfalt der ausgestellten Atmos-Modelle auch das umfassende Archiv beeindruckt, aufgelockert durch historische Werbemotive. um Abschluss lernen wir, dass die Kollektion von Jaeger-LeCoultre viel mehr Familien als die Reverso umfasst. Auch die Master-Familie und die Damenuhren namens Rendez-Vous wissen bei der abschließenden Präsentation zu gefallen. Und die Polaris-Modelle sind robuste Uhren für den Alltag, in den wir uns nach drei intensiven Tagen wieder verabschieden müssen.

Text: Thomas Wanka

Sie möchten ebenfalls an einer unserer Leserreisen teilnehmen? Die nächste UHREN-MAGAZIN-Reise führt nach Glashütte zu A. Lange & Söhne, Glashütte Original, Tutima, Mühle-Glashütte und in die Sternwarte Glashütte, Sitz der Wempe Chronometerwerke. Außerdem gibt es im Oktober noch eine Schweiz-Reise mit der Chronos. Alle Termine im Überblick finden Sie hier.

Informationen und Buchung bei Ebner Verlag, Bettina Rost: rost@ebnermedia.de oder +49 (0)731/1520-139.

Produkt: Download: Tudor Black Bay GMT im Test
Download: Tudor Black Bay GMT im Test
Mit dem neuen Manufakturkaliber MT5652 kommt die Funktion der Weltzeit in die Tudor Black Bay. Das UHREN-MAGAZIN hat die GMT-Uhr ausführlich getestet.

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