Produkt: Fratellowatches Speedy Tuesday Magazine
Fratellowatches Speedy Tuesday Magazine
Alles über die Omega Speedmaster, Sammlerwissen über aktuelle und Vintage-Modelle bietet das englischsprachige Fratellowatches Speedy Tuesday Magazine.

UHREN-MAGAZIN-Leserreise Schweiz 2021: Entdeckungsreise zu 4 Manufakturen

Spannende Einblicke in Jaeger-LeCoultre, Roger Dubuis, Audemars Piguet und Frederique Constant

Vom 5. bis zum 7. Oktober hieß es für acht Leserinnen und Leser des UHREN-MAGAZINS: Masken auf und hinein ins Herz der Westschweizer Uhrmacherkunst. In den drei Tagen besuchten wir in Genf und im Vallée de Joux vier ganz unterschiedliche Manufakturen, deren Gründungsdaten den Zeitraum von 1833 bis 1995 umspannen.

Station 1: Jaeger-LeCoultre

Bei Jaeger-LeCoultre gibt es immer so viel zu entdecken, dass wir uns einen ganzen Tag Zeit nehmen. Die Fahrt vom Hotel am Genfer See hoch ins Juragebirge und ins Vallée de Joux weckt bereits die Vorfreude: Auf geht’s in eines dieser einst abgelegen Täler, in denen sich die Bauern schon vor Jahrhunderten – vornehmlich im Winter – der Feinmechanik und damit auch der Uhrmacherei verschrieben. Das Know-how ist über Jahrhunderte am Ort geblieben, daher ist es undenkbar, dass etwa ein Hersteller wie das 1833 gegründete Haus Jaeger-LeCoultre seinen Sitz in eine Metropole verlegt. So verlassen wir den Bus vor dem Eingang zur Manufaktur, die sich in über anderthalb Jahrhunderten von einem Bauernhaus zu einem großen Komplex entwickelt hat, in dem 1200 Mitarbeiter tätig sind.

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Station 1: Jaeger-LeCoultre
Gyrotourbillon 3
Atmos-Uhren warten auf ihre Reparatur
Unser Guide Tina mit Dokumenten aus der Frühzeit der Manufaktur

Schon der Imagefilm, den wir zur Einstimmung sehen, berichtet nicht nur über diese Anfänge. Er macht uns auch aufmerksam auf die Meilensteine wie das Kaliber 101, das 1929 kreierte kleinste Uhrwerk der Welt, die Atmos oder die verschiedenen Ausführungen des Gyrotourbillons. All das sehen wir später hautnah beim Rundgang durch die Manufaktur. Ebenso erstaunlich wie faszinierend ist das Nebeneinander von modernster Technologie und althergebrachten Arbeitsschritten, zu denen das Verkleben der Ankerpaletten mit Schellack genauso gehört wie das Guillochieren mit Werkzeugen aus dem 19.  oder frühen 20. Jahrhundert. Der krönende Abschluss ist unser Besuch im Atelier Grandes Complications: Dort bekommen wir nicht Komplikationsuhren wie die erwähnten Gyrotourbilons, Minutenrepetitionen und ewige Kalender mit Tourbillon nicht nur intensiv erklärt, sondern können sie auch in die Hand nehmen und ausgiebig inspizieren.

Station 2: Roger Dubuis

Nach der Anreise nach Genf am Mittwochmorgen erwartet uns eine ganz andere Art von Manufaktur. Roger Dubuis, gegründet 1995, ist jung an Jahren und ebenso frisch, was Markenphilosophie und Selbstdarstellung angeht. Marketingdirektor Sadry Keiser geht in der Begrüßungspräsentation intensiv auf den disruptiven Designansatz mit skelettierten Werken, sternförmigen Brücken und nachtleuchtenden Diamanten ein, zu dem auch die seit vier Jahren laufende Partnerschaft mit Lamborghini gut passt. Den Anspruch, der “troublemaker of the watch industry” zu sein, löst Roger Dubuis wirklich bei jedem Modell ein. Sei es bei der Excalibur Aventador S Blue, der Excalibur White MCF oder der Excalibur Spider Huracán Black DLC Titanium – um nur drei der Uhren zu nennen, die wir ans eigene Handgelenk legen und bestaunen dürfen.

Gruppenfoto vor dem Portrait des Firmengründers Roger Dubuis
Roger Dubuis: Excalibur White MCF am Arm
Marketingdirektor Sadry Keiser präsentiert uns die Markenphilosophie von Roger Dubuis
Roger Dubuis: Excalibur Aventador S Blue am Handgelenk

Zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits die Runde durch die Manufaktur absolviert. Sie hat uns gezeigt, dass es bei den Uhren, die so viel wert auf Äußerlichkeiten legen, genauso auf die inneren Werte ankommt. Dafür steht nicht nur die verblüffende Vielzahl von Maschinen für die Fertigung der Werkteile, sondern vor allem auch die intensive Handarbeit beim Polieren und Finissieren. Beim Rundgang weist man uns auch darauf hin, ein wie wichtiges Thema für Roger Dubuis als Genfer Hersteller das Genfer Siegel ist. Und dass es nicht immer ganz einfach ist, dessen traditionelle Anforderungen mit den eigenen Ansprüchen als innovative Manufaktur zu verbinden. Obwohl das Genfer Siegel früher nur traditionelle Materialien im Uhrwerk zuließ, hat Roger Dubuis es nach langen Verhandlungen geschafft, auch für Komponenten aus Verbundwerkstoff die Zertifizierung zu erhalten. Die Schweizer Uhrenindustrie verschließt ihre Augen nicht vor der Zukunft.

Station 3: Audemars Piguet

Nach Roger Dubuis geht es wieder hoch ins Vallée de Joux. Zeit zum Restaurantbesuch bleibt diesmal nicht, also muss die Lunchbox im Bus heute reichen. Dafür erwartet uns in Le Brassus etwas besonders Aufregendes: das vom dänischen Stararchitekten Bjarke Ingels konzipierte neue Firmenmuseum von Audemars Piguet. Es ist schneckenförmig angelegt – so wird man im Inneren auf nicht verschlungenen, aber doch gewundenen Pfaden durch die wichtigsten Stationen der Firmenhistorie geführt. Von außen passt sich der Bau perfekt in die grüne und im Hintergrund von Kühen beweidete Landschaft ein; dementsprechend ist das Dach dem Museums mit Gras bepflanzt. Von der Straße aus kann man es bequem erklimmen und darauf herumspazieren, sozusagen den Tempel der Zeit beschreiten.

Das AP-Museum von außen
Audemars Piguet: Royal Oak Double Balance Wheel
AP-Museum mit Union-Universaluhr
Audemars Piguet: Royal Oak Chronograph Frosted Gold

Im Innern des Museums wird man an die vielen, vielen Spitzenleistungen erinnert, die AP seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erbracht hat, von frühen Schlagwerkuhren über viele weitere große Komplikationen bis hin zu einer Ikone wie der niemals alternden Royal Oak. Bei einer mit so vielen Highlights gespickten Geschichte kann es sich Audemars Piguet dann auch leisten, dass der Höhepunkt der Sammlung einer Kooperation mit einer anderen Marke ist: Die Uhr, auf den der schneckenförmige Parcours ganz am Ende zuführt, ist die um 1900 von Union Glashütte und ihrem damaligen Meisteruhrmacher Julius Bergter zusammen mit AP realisierte Universaluhr – ausgestattet unter anderem mit ewigem Kalender, Doppelchronograph, Wecker, Minutenrepetition und Grande Sonnerie. Nach dem Museum erwartet uns noch ein weiteres Highlight: Im Showroom finden wir eine überwältigende Anzahl von Uhren aus der aktuellen Kollektion, die wir uns umschnallen und aus nächster Nähe begutachten können. Unter ihnen so begehrte Stücke wie die Royal Oak Double Balance Wheel mit der markeneigenen Doppelunruh, die Royal Oak Perpetual Calendar mit Gehäuse, Lünette und Armband aus weißer Keramik und die 2020 vorgestellte (Re)Master 01.

Station 4: Frederique Constant

Der dritte Tag führt uns in die Genfer Nachbargemeinde Plan-les-Ouates. Hier hat Frederique Constant vor einigen Jahren Quartier bezogen, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Branchengrößen wie Rolex, Patek Philippe, Vacheron Constantin, Harry Winston oder Piaget. Das ist schon ein Statement, bewegt sich Frederique Constant doch in einer ganz anderen Preisklasse als die Vorgenannten. Doch das Selbstbewusstsein ist nicht unbegründet: Die 1988 vom Ehepaar Peter und Aletta Stas gegründete Marke fertigt nicht nur eigene Kaliber, sie lässt immer wieder durch Spitzenleistungen aufhorchen. Zu den Meilensteinen der letzten Jahre zählen ein selbstentwickelter ewiger Kalender für nur 8000 Euro, Hybrid-Uhren mit mechanischen und smarten Funktionen sowie der 2020 eingeführte Monolithic Oscillator.

CEO Niels Eggerding führt uns durch die Manufaktur
Pim Koeslag erklärt den ewigen Kalender
Frederique Constant: Monolithic Oscillator
Im Gespräch mit dem Uhrmacher

CEO Niels Eggerding hat sich die Zeit genommen, uns persönlich durch die Manufaktur zu führen. Besonders spannend wird es, als Pim Koeslag, der technische Direktor von Frederique Constant, uns erklärt, wie man einen ewigen Kalender mit Manufakturwerk für nur 8000 Euro entwickelt: Da man keine günstigeren Materialien einsetzen und erst recht nicht Kompromisse bei der Qualität eingehen konnte, habe man als einzig verbleibende Möglichkeit die Konstruktion so vereinfacht, dass der Montageprozess radikal verkürzt werden konnte. Eggerding ergänzt, man sei durchaus stolz darauf, für das gesamte Werk nur 191 Komponenten zu benötigen: “Es mit weniger Teilen hinzubekommen, ist manchmal schwieriger, als viele zu benutzen.” Zwar können wir die Produktion nur durch eine Glasscheibe betrachten und den Uhrmachern nicht unmittelbar über die Schulter schauen, trotzdem hat sich der Besuch mehr als gelohnt. Wir werden wiederkommen.

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