Produkt: Download: Tudor Black Bay Fifty-Eight Navy Blue im Test
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Die neue Retrotaucheruhr Black Bay Fifty-Eight Navy Blue von Tudor ist optisch sehr gelungen. Kann sie mehr als gut aussehen? Ihre Funktionalität muss sie im Chronos-Test beweisen.

Das Design von Grand Seiko

Traditionelle Wurzeln, moderne Optik

Grand Seiko hat eine unverwechselbare Designsprache entwickelt. Ihre Wurzeln liegen in der japanischen Kultur, ihr Stil ist von zeitgenössischer Klarheit.

Grand Seiko: 44GS
Designikone von Grand Seiko: die 1967 entstandene 44GS

1967. Grand Seiko entwirft eine Uhr, wie man sie noch nicht gesehen hat. Dabei ist die 44GS keineswegs ein irritierender Paukenschlag für die Uhrenwelt, die an die überlieferte Optik der Schweizer Zeitmesser gewöhnt ist. Nein: Die neue japanische Uhr hält sich an die bekannten Designcodes, zeigt eine runde Lünette, Strichindexe, spitz zulaufende Zeiger. Die Unterschiede, die diese Uhr so außergewöhnlich machen, liegen in der Konzeption und Bearbeitung ihrer Details. Hier setzt die japanische Haltung an, die große Gesten ablehnt und stattdessen die Perfektion im Allerkleinsten anstrebt. Bis heute gilt die 44GS bei Grand Seiko als das Vorbild, aus dem sich die gesamte „Design-Grammatik“ der Marke entwickelt hat. Ihre Eigenwilligkeit beginnt bei den Oberflächen ihrer Gehäusekanten. Sie sind spiegelglatt poliert mit der Seiko-eigenen Zaratsu-Polissage. Diese Technik, bei der die zu polierende Metallfläche gegen die Vorderseite einer rotierenden Scheibe gedrückt wird, trumpft durch ihre vollständige Verzerrungsfreiheit auf. Ihr Gelingen hängt dabei maßgeblich vom Können des jeweiligen Polisseurs ab, der jahrelange Erfahrung braucht, um die Zaratsu-Technik meisterhaft zu beherrschen.

Das Zifferblatt der 44GS zeigt eine ganz eigene Optik: Jeder der 13 plastisch aufgesetzten Indexe – für jede Stunde einer, ein doppelter bei der Zwölf – weist konisch zulaufende Seitenkanten sowie eine plane Oberfläche auf. Auch die spitzen Zeiger vereinen eine Hochglanzpolitur und facettierte Kanten. Diese Details sorgen dafür, dass das Zifferblatt das Licht maximal reflektiert: sowohl im Freien bei Sonnenschein oder in hellen Räumen als auch im abendlichen Zwielicht und dem dämmrigen Schimmer dunkler Räume. Die Ablesbarkeit des Zifferblatts bei unterschiedlichsten Lichtverhältnissen ist bemerkenswert, zumal die klare, diskrete Lünette dem Licht viel Raum zum Einfallen lässt.

Grand Seiko: Automatic Hi-Beat-36000
Typisch für Grand Seiko: polierte Oberflächen und facettierte Kanten

Wo sich bei westlichen Uhrendesigns gewölbte Oberflächen, schmeichlerische Formen und der Eindruck räumlicher Tiefe finden, gibt es bei Grand Seiko eine kompromisslose Zweidimensionalität und eine charaktervolle Kantigkeit. Die spiegelnden Kanten der Gehäuseelemente treffen in markanten, messerscharfen Graten aufeinander. Jede einzelne Oberfläche ist glatt und eben, jede Linie ist gerade, als einzige Rundung wird die Schwingung des Gehäuses um das runde Zifferblatt akzeptiert. Dieses Designprinzip lässt an die klaren Linien der traditionellen japanischen Architektur denken, die viele Jahrhunderte lang mit geometrischer Strenge arbeitete: lange, bevor diese im Westen im 20. Jahrhundert mit avantgardistischer Geste auf den Plan trat.

Grand Seiko: Automatik GMT
Die GMT-Uhr mit dem Kaliber 9S66 demonstriert Variabilität und Wiedererkennbarkeit der „Design-Grammatik“

Bei aller Kantigkeit liegen die Grand-Seiko-Uhren bequem am Arm ihrer Träger oder Trägerinnen. Komfort und Leichtigkeit sind für die japanische Marke so etwas wie selbstverständliche Designtugenden: unverzichtbare Basis jeder Gestaltungsidee. Doch bei allem Tragekomfort verschmilzt die Uhr optisch nicht mit den organischen Körperformen ihrer Besitzer: Aus dem Kontrast von gerundetem Arm und zweidimensional gestalteter Uhr ergibt sich eine inspirierende Spannung. Gleichzeitig interagieren die 44GS und die zahlreichen Modelle, die auf ihrem Design basieren, optisch intensiver als herkömmliche Zeitmesser mit ihrer Umwelt: Sie geben Lichtstimmungen wieder und spielen mit den Schatten, die durch die scharf geschnittenen Metallkanten geworfen werden. Bei Grand Seiko zieht man gern den Vergleich zu den Shoji, den berühmten japanischen Schiebetüren, bei denen opake hölzerne Gitterstrukturen und das helle, durchscheinende, mit den Lichtverhältnissen changierende Washi-Papier ein kontrastreiches Spiel mit Licht und Schatten treiben. Wie bedeutend dieses Prinzip für die japanische Kultur ist, erklärt der Schriftsteller Jun’ichiro Tanizaki 1933 in seinem Essay „Lob des Schattens“, in dem er die Ästhetik seines Landes auf den Punkt bringt.

Grand Seiko: Gehäuselinien
Klare, messerscharfe Kanten und Grate gehören zu den Designcodes von Grand Seiko

Als die Designerpersönlichkeiten, die hinter der Grand-Seiko-Ästhetik stehen, dürfen Taro Tanaka und Nobuhiro Kosugi gelten. Taro Tanaka war der erste professionelle Designer, den Grand Seiko einstellte. Das war zu Beginn der Sechziger. Tanaka begriff schnell, dass eine Marke wie Grand Seiko eine unverwechselbare gestalterische Identität brauchte, und er war es, der die „Design-Grammatik“ mit ihrer Konzentration auf flache, große und spiegelnde Oberflächen begründete. Der jüngere Nobuhiro Kosugi zeichnete während mehrerer Jahrzehnte verantwortlich für das Design der Grand Seiko-Uhren. Viele prägende Elemente der heutigen Kollektion gehen auf ihn zurück – darunter nicht zuletzt die Serie 9S5 von 1998, die entwickelt wurde, um das neue Kaliber 9S in ein elegantes, täglich tragbares Uhrendesign zu kleiden.

Grand Seiko: SLGH002
Das Heritage-Modell in Gelbgold interpretiert die Designsprache von Grand Seiko auf zeitgenössische Weise

Erstmals verwendete Grand Seiko hier ein Metallarmband für eine mechanische Uhr, und auch sonst suchten Kosugi und seine Kollegen trotz der bestehenden „Design-Grammatik“ des Unternehmens stets nach neuen, zeitgemäßen Ideen, die den Ansprüchen und der Philosophie von Grand Seiko entsprachen. Dabei arbeitete man intensiv mit Kunsthandwerkern zusammen, die in Japan traditionell eine wichtige Stellung einnehmen. Eine legendäre Kreation, die dank dieser Zusammenarbeit entstand, ist das „Snowflake“-Zifferblatt von 2005. Diejenige der beiden Grand-Seiko-Manufakturen, die in der früher Shinshu genannten Präfektur Nagano angesiedelt ist, machte sich daran, ein ganz eigenes Zifferblatt zu entwickeln dessen Inspiration die Naturschönheiten der Region sein sollten. In einem komplizierten Prozess, bei dem ein strukturiertes Zifferblatt mit einer hauchdünnen Silberschicht plattiert wurde, entstand eine strahlend weiße, unregelmäßige Fläche, die an den feinkörnigen Schnee des nahegelegenen Hokata-Gebirgszugs erinnerte. Ein Jahr später kam eine Uhr mit „Mount Iwate“- Zifferblatt heraus. Kreiert hatte es die Belegschaft der anderen Markenmanufaktur, deren Fenster im nordjapanischen Shizukuishi den Blick auf den dramatischen Vulkan Iwate freigeben. Seine zerklüfteten Umrisse inspirierten zu dem neuen Zifferblatt. Solche Details entsprechen der tief in der japanischen Kultur verankerten Verbundenheit mit der Natur. Die Naturbegeisterungverschafft sich bei Grand Seiko gelegentlich selbst in der Gestaltung von Werkkomponenten Ausdruck: Diverse Brücken sind den Formationen von Bergen nachgebildet – darunter eine, die an den Fuji erinnert. Zum 60. Jubiläum der Marke Grand Seiko hat sich nun der junge Designer Kiyotaka Sakai der Herausforderung gestellt, das gestalterische Erbe der Marke auf ein neues Heritage-Modell zu übertragen. Dass er dabei die bekannte Grand-Seiko-Ästhetik beibehalten würde, stand außer Frage. Sakai sieht seine Arbeit eher als einen evolutionären Prozess, mit dem das Uhrendesign den sich ständig verändernden gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung trägt.

Grand Seiko: SLGH002 Seitenansicht
Grand Seiko: SLGH002 Seitenansicht

Während die Uhr seiner Auffassung nach in der Zeit, in der die 44GS entstand, eine wichtige Rolle als repräsentatives Statussymbol spielte, sieht er heute eine größere Individualisierung am Werk. „Für eine Zeit, in der großer Wert auf individuelle Meinungen und Lebensweisen gelegt wird, schien mir ein Design geeignet, das von der Persönlichkeit des Uhrenträgers kündet. Man könnte sagen, es geht um eine einzigartige Aura, die die Uhr umgibt“, so Sakai. Den Designcodes der Marke bleibt die neue HeritageUhr mit ihrer Betonung von Flächen und klaren Kanten treu. Die Ablesbarkeit hat auch hier Priorität: Ihr zuliebe macht Kiyotaka Sakai aus dem Grand-Seiko-typischen Doppelindex bei der Zwölf einen Dreifachindex. Außerdem verbreitert er den Stundenzeiger, versieht ihn mit einer Rille und einem stumpfen Ende und setzt ihn optisch damit noch stärker vom langen, schlanken Minutenzeiger ab. Allerdings kontrastiert Kiyotaka Sakai die spiegelnden Oberflächen jetzt mit strichmattierten Elementen, die Wärme und Intimität ausstrahlen. Das Spiel mit Licht und Schatten wird dadurch eher noch verstärkt, denn das matte Finish des Gelbgolds, aus dem diese Uhr gefertigt ist, reagiert auf ganz eigene, subtile Weise mit dem Lichteinfall. Dem Schriftsteller Jun’ichiro Tanizaki, Autor von „Lob des Schattens“, hätte diese Uhr vermutlich gut gefallen. mbe

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. I have become a fan of Grand Seiko and the Seiko Prospex LX Line because of the high quality and very good design. The Japanese craftsmanship is excellent! I bought the Prospex LX GMT model SNR033, with titanium hard coating, spring drive, date, and power reserve instrument. Since the Rolex GMT II is difficult to obtain, I then decided on the Seiko Prospex LX because of the power reserve instrument and the good price, along with other good features.

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